Die SPD

Vorbemerkungen[Bearbeiten]
Die Quellenlage für die regionalgeschichtliche Erforschung früher kommunistischer, sozialistischer oder sozialdemokratischen Organisationen ist gleichermaßen sehr schwierig. Jenseits von polizeigesetzlichen Verboten im 19. Jahrhundert gab es gesellschaftliche Ächtungen durch bürgerliche und nationale Parteien und ihre Zeitungen. Bereits Versammlungsorte zu finden, war schwierig, viele Wirtshaussäle blieben verschlossen. Ende Oktober 1905 wetterte das Porz-Urbacher Volksblatt gegen einen "ganz ungebetenen Gast", der "dreist" als "erbärmlicher Bettler um die Gunst des Volkes" in Porz einen "Volkskalender für das werktätige Volk" verteilt hatte, in dem - "Höhe der Heuchelei" - auch der katholische Fest- und Feiertagskalender mit abgedruckt war. Der letzte Satz im Beitrag lautete dann auch: "Jeder christliche Arbeiter aber wisse, daß er nicht zugleich Christ und Anhänger der Sozialdemokratie sein kann."[1]
Dies besserte sich im Rheinland erst in der Weimarer Republik. Doch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde dann die Aufbewahrung jedes Versammlungsprotokolls und jeder Mitgliederliste für die hier benannten Mitglieder lebensgefährlich. Nahezu all diese Unterlagen wurden daher 1933 vernichtet, damit sie nicht in die Hände der SS oder Gestapo fielen und Personen gefährdeten. Die SS suchte bei den führenden Genossen systematisch nach solchen Schriftstücken.
Über regionale Aktivitäten der SPD berichtete die bürgerliche Presse bis 1918 nur selten und dann oft entstellend und höchst selten mit Nennung von Personennamen. Daher sind diese Quellen dünn. Einige Titel der bürgerlichen Regionalpresse von Köln vor 1933 sind heute bereits digitalisiert und online zugänglich. Aber die Rheinische Zeitung (1892-1933) der SPD in Köln ist leider bisher nur auf Mirofiche zugänglich[2].
Gründungsphase[Bearbeiten]
Der vorsichtige Aufbau regionaler Strukturen der SPD im rechtsrheinischen Köln konnte erst nach dem Ende der Bismarck'schen Sozialistengesetze 1890 beginnen. Ab dieser Zeit war es auch möglich, als SPD zu den Reichstagswahlen zu kandidieren. Im Kreis Mülheim entstanden ab Ende 1891 sieben Agitationsbezirke, darunter der Bezirk VII mit Brück, Merheim, Ostheim, Westhoven, Urbach, Wahn, Rösrath, Rath und Heumar[3]. Es fehlten in den Dörfern aber noch die Arbeiter als Zielgruppe. Dies sollte sich durch die Industrialisierung ab der Jahrhundertwende rasch ändern, um 1910 waren knapp die Hälfte der Beschäftigten in der Gemeinde Heumar Industriearbeiter.
Noch behinderten zudem gesetzliche Verbote hierarchische Gliederungen. Daher installierten die Genossen sogenannte Vertrauensleute als Kontaktpersonen zwischen den örtlichen Gliederungen und der Parteiführung des Landkreises. Im Januar 1891 trafen sich "in einem Privathause" zur Wahl eines Vertrauensmanns für Mülheim und die umliegenden Orte verschiedene Genossen, darunter auch aus Westhoven. Sie wählten einstimmig den Mülheimer Peter Bilstein als einen "der ältesten und bewährtesten Genossen"[4]. Bereits ab 1891 war speziell für den Landkreis Mülheim der Genosse Keufenheuser der Vertrauensmann. Als der SPD-Kandidat Heinrich Gilsbach 1903 in Heumar anläßlich seiner Reichstagskandidatur sprechen wollte, wurden ihm die Rather Säle versagt, er wich in eine Kiesgrube aus. Diese Versammlung wurde von katholischen Frauen aus Rath-Heumar, die mit Eimern und Blechgerümpel lärmten, gestört[5]. 1906 hatte auch der Ort Porz einen oder zwei Vertrauensmänner.
Wahlergebnisse der Reichstagswahlen im Kaiserreich[Bearbeiten]
Auch wenn Sozialdemokraten vor 1906 nicht erkennbar für einen Gemeinderat in den Bürgermeisterein Heumar oder Wahn kandidierten, gab es Aktionen zur Mobilisierung zum Beispiel für die Reichstagswahlen:
- Im Jahr 1898 wurden in der Gemeinde Heumar von 688 abgegebenen Stimmen 133 für die SPD abgegeben, in Wahn nur 14 Stimmen von 556.
- Im Jahr 1903 entfielen auf die SPD in der Gemeinde Heumar 302 von 1163 Stimmen, davon 57 in Heumar/Eil, 72 in Urbach/Elsdorf und 173 in Porz/Ensen/Westhoven. In der Gemeinde Wahn wurden 57 von 763 Stimmen erreicht.
- Die Wahl 1907 erbrachte für die SPD in der Gemeinde Heumar 359 von 1465 Stimmen, davon 53 in Heumar, 49 in Eil, 36 in Urbach/Elsdorf, 114 in Porz und 107 in Ensen/Westhoven. In der Gemeinde Wahn wurden 90 von 932 Stimmen erreicht[6].
- Die Ersatzwahl 1910 erbrachte für die SPD in der Gemeinde Heumar 456 von 1639 Stimmen, davon 78 in Heumar, 63 in Eil, 51 in Urbach/Elsdorf, 146 in Porz und 118 in Ensen/Westhoven. In der Gemeinde Wahn wurden 133 von 978 Stimmen erreicht, davon 62 in Zündorf, 53 in Wahn/Lind, 16 in Langel und 2 in Libur.
- Bei der Reichstagswahl vom Januar 1912 kam die SPD in der Gemeinde Heumar auf 514 von 1846 Stimmen, davon 92 in Heumar, 59 in Eil, 62 in Urbach/Elsdorf, 181 in Porz und 120 in Ensen/Westhoven. In der Gemeinde Wahn wurden 150 von 1039 Stimmen erreicht, davon 68 in Zündorf, 56 in Wahn/Lind, 25 in Langel und in Libur keine Stimme.
Es gab also ein Potential an Personen zum Aufbau von Parteigliederungen, das allerdings zwischen 1910 und 1912 eher stagnierte.
Frühe Aktionen und Versammlungen[Bearbeiten]

- Westhoven war vermutlich das erste Dorf im Porzer Gebiet mit sozialdemokratischen Aktivitäten. In den Gemeinden Heumar und Wahn wurden zwischen 1890 und 1895 nur in Westhoven sozialdemokratische Versammlungen angemeldet [7]. Bereits ab 1890 gab in Westhoven entsprechende Veranstaltungen: Anfang Februar 1890 eine Öffentliche Wähler-Versammlung, im November eine Öffentliche Volks-Versammlung, beide im Saal von Jakob Pütz. In den ersten Monaten des Jahres 1891 inserierte Peter Herbertz die Entgegennahme von Abonnements auf die Kölner Arbeiterzeitung. In seinem Haus fanden in der Folge auch sozialdemokratische Zusammenkünfte statt.
- Die Wahlen zum Gewerbegericht können ebenfalls als Gradmesser sozialdemokratischer Orientierung gelten. Die Arbeitsgerichtsbarkeit setzte sich im Rheinland unterschiedlich durch, in Mülheim am Rhein bestanden ab 1857 Gewerbegerichte. 1890 erließ das Deutsche Reich ein Gewerbegerichtsgesetz. Danach bestand jedes Gericht aus einem Berufsrichter und zwei Beisitzern, je einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer. Diese Beisitzer wurden in getrennten Wahlen in den Gemeinden auf drei Jahre gewählt. In den Gemeinden des Rheinlandes kämpften die "Christlichen" (katholischen) und die "freien" (sozialdemokratischen) Gewerkschaften um die Besetzung der Arbeitnehmer-Beisitze. Bei der Wahl 1902 gewann in der Gemeinde Heumar der Kandidat der freien Gewerkschaft erstmals mit 147 gegen 117 Stimmen[8]. Am 23. Mai 1905 gab es in Porz eine öffentliche sozialdemokratische Versammlung im Saal der Witwe Schmitz zum Thema Verhältniswahlsystem bei der Gewerbegerichtswahl". Referent war ein Gewerkschaftler Achsel aus Köln.
- Für Ensen vermerkte der katholische Pfarrer Theodor Korfmacher im Jahr 1908 in der Kirchenchronik, mehr als 150 seiner Pfarrkinder seien Sozialisten[9]. Im November 1909 wird von einer "Versammlung der Sozialdemokraten" berichtet, "in welcher man für Ensen nicht nur bessere Schulen, sondern auch religionslose Schulen verlangt habe". Als ein Redner wird ein "Herr Mittelstätter" benannt. Die Versammlung fand "im Saale des Wirtes Flügel" statt.[10]
- Porz. Ende Oktober 1905 meldet das Porz-Urbacher Volksblatt "Beschwerden in Porz über das Verteilen sozialdemokratischer Kalender in Arbeiterhaushalten"[11]. Ein halbes Jahr später meldete das Volksblatt eine Maifeier der Sozialdemokraten 1906 in einem angemieteten Raum. Erschienen waren 38 Personen, Redner war "ein Herr Schiller", der den 1. Mai als den höchsten Feiertag der Arbeiter bezeichnete.[12]. Am 9.12.1906 besuchten laut Volksblatt 20 Personen eine sozialdemokratische Versammlung im Lokal Niederländer. Auswärtiger Redner war ein "Genosse Hofrichter". Im Juni 1910 besuchten etwa 100 Personen eine Wahrechts-Versammlung auf dem Acker gegenüber der Gaststätte Ewald. Ein Gewitterschauer unterbrach die Versammlung, sie wurde im Vereinshaus des Volksbildungsvereins (s.u.) fortgesetzt.
Parteistrukturen[Bearbeiten]
Führende Köpfe[Bearbeiten]
Anton Burken[Bearbeiten]
Als früher führender Kopf kann der Dreher Anton Burken (1872-1939) gelten, er wurde von der bürgerlichen Presse 1909 und 1911 als "Führer" der Sozialisten in Porz bezeichnet. Geboren in Floisdorf bei Mechernich als Sohn eines Bergmanns, arbeitete er im Gasmotorenwerk Deutz und wohnte seit 1904/1905 in Ensen. Bereits 1899 hatte er Katharina Dackweiler aus Bergheim geheiratet. Ihre vier Kinder hießen Friedrich "Fritz" (*1900 Deutz), Mathias (*1901, Deutz), Margarete (*1903, Deutz) und Anton (*1905, Ensen).
Im Oktober 1906 kandidierte Burken erstmals für den Heumarer Gemeinderat. Er wurde zwar - bei einer sehr geringen Wahlbeteiligung - in der Stichwahl mit 13 Stimmen in der 3. Klasse gewählt. Aber im November 1906 annulierte der Landkreis die Wahlen der zweiten und dritten Klasse. Sie hätten die Vorschrift des §4 verletzt, wonach jede Wahl in einer besonderen Wahlhandlung zu erfolgen habe. Vor der Wiederholung der Wahlen schritten die Kräfte des Zentrums zu Maßnahmen ihrer Machtfestigung: Sie gründeten im Dezember 1906 erfolgreich einen katholischen Arbeiterverein, dem sofort 70 Arbeiter beitraten. Sie hielten unmittelbar vor der Nachwahl Wählerversammlungen ab und inserierten ihre Kandidaten im Porz-Urbacher Volksblatt. Bei der Wiederholung der Gemeinderatswahlen im September 1907 kandidierte Anton Burken in der 3. Klasse zwar erneut, nun aber erfolglos: Er erhielt 54 Stimmen, hätte hingegen mindestens 123 Stimmen benötigt. Im Dezember 1909 scheiterte er erneut mit 86 von 311 Stimmen. Anton Burken war auch in einer freien Gewerkschaft organisiert. 1911 wurde er zum Arbeiter-Beisitzer des Gewerbegerichts (Arbeitsgericht) in der Gemeinde Heumar bzw. im "Gewerbebereich Mülheim Stadt und Land" gewählt. Von 1914 bis 1918 war er als Soldat tätig. Im März 1916 erhielt Burken an der Ostfront das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Nach dem Weltkrieg leitete er am 10. November 1918 in Porz die Volksversammlung zur Wahl des Arbeiter- und Soldatenrats der Gemeinde. Im März 1919 fand eine sehr stark besuchte allgemeine Versammlung in Porz statt, die eine mögliche Eingemeindung nach Köln diskutierte. Auch hier wurde Burken zum Versammlungsleiter gewählt. Mitte April 1919 wählte eine Versammlung Anton Burken als Vertreter der Arbeiter in eine neunköpfige vorbereitende Kommission für eine gemeinnützige Baugesellschaft in der Gemeinde. Ab November 1919 bis 1929 war er zudem gewähltes Mitglied im Gemeinderat Heumar und hier Sprecher der SPD-Fraktion. Er wohnte in der Wilhelmstraße 5 in Porz.

Franz Joistgen[Bearbeiten]
Der Walzwerkarbeiter Franz Joistgen (+1928) aus Urbach war eine frühe herausragende Persönlichkeit der Porzer SPD. Vermutlich war er Vorsitzender des Ortsvereins Urbach, wurde er doch im November im Volksblatt als "sozialistischer Führer"[13] bezeichnet. Seit November 1919 war er Gemeindeverordneter der Gemeinde Heumar, zudem wurde er 1919, 1921 und erneut 1925 in den Kreistag des Landkreises Mülheim gewählt. Der Kreistag wiederum bestimmt ihn bereits 1921 und erneut 1925 durch Zuruf in den sechsköpfigen Kreisausschuss[14]. Joistgen wohnte in der damaligen Frankfurter Straße 58. Er starb 1928 durch einen Berufsunfall: Nach längerer Arbeitslosigkeit erhielt er eine Stelle auf dem bisherigen Schießplatz Wahn, hier sollten wohl Militärgebäude in Wohngebäude umgebaut werden. Beim Abbruch einer Stützmauer stürzte diese auf Franz Joistgen. Bei seiner Beerdigung folgte nicht nur "ein gewaltiger Leichenzug, wie ihn unser Ort wohl kaum gesehen" (Porz-Urbacher Volksblatt) seinem Sarg, darunter nahezu alle lokalen Funktionsträger. Auch hielt der Mülheimer Landrat Eberhard "als Freund" die Trauerrede und diese wurde sogar im Zentrumsorgan Bensberger Volkszeitung nachgedruckt[15].
Johann Berger[Bearbeiten]
Ein weiterer engagierter Sozialdemokrat war Johann Berger (1879-1957). Geboren in Magdeburg, zog er 1897 zunächst nach Mülheim, 1914 dann nach Porz. Hier arbeitete er in der Firma Meirowsky & Cie. und war dort auch als Vorsitzender des Arbeiterausschusses tätig und im sozialdemokratischen Fabrikarbeiterverband Köln organisiert. Er trat auch als Repräsentant der freien Gewerkschaften in Veranstaltungen auf. Nach dem Kriegsdienst wählten ihn die SPD-Genossen zum Vorsitzenden der Ortsgruppe Porz. An der Diskussion um die Zukunft der Höheren Schule in Porz beteiligte sich Berger mit einem Artikel im Porz-Urbacher Volksblatt. Seine zentrale Aussage: "Heute pocht der Arbeitsmann energisch an die Pforten, die ihm bisher verschlossen waren. Wissen ist Macht." [16]. Am 29. Juli wurde in der Debatte erneut ein Beitrag von ihm veröffentlicht. Darin schreibt er: "Wir hofffen auf die Zukunft, die es jedem Arbeiterkind ermöglicht, auf Grund seiner Fähigkeiten, unentgeltlich in höheren Lehranstalten , Können und Wisen zu erweitern." In der Folgezeit veröffentlichte Berger mehrfach Gedichte zu zeitbezogenen regionalen Themen in der Zeitung. Als der Gemeinderat im September 1919 eine Kommission zur Gründung einer Volkshochschule einsetzte, gehörten ihr auch die Sozialdemokraten Johann Berger und Paul Ender an. Im November 1919 erzielte Johann Berger ein Gemeinderatsmandat. Ab Juli 1919 veröffentlicht das Porz-Urbacher Volksblatt hin und wieder lyrische Texte von ihm. Berger wohnte in der Wilhelmstraße 14. 1921 wählte ihn der Gemeinderat Heumar zum 2. Beigeordneten, er blieb dies mit Bestätigung durch die Regierung auch im Gemeinderat Porz bis 1930. 1922 ernannte ihn der Fabrikarbeiterverband zum Agitationsleiter. Der FAV wurde im Mai 1933 aufgelöst, Johann Berger kam wiederholt in Haft. 1933 lautete sein Eintrag im Adressbuch Parteisekretär. Ab 1935 arbeitete Johann Berger bei Citroen in Poll, danach bei Massey-Harris in Westhoven. 1944 entging er nur knapp der Überführung in ein Konzentrationslager (s. unten). Ab Herbst 1945 leitete Johann Berger für zwei Jahre das Porzer Wohnungsamt. Ab 1947 übernahm er Tätigkeiten in der neu konstituierten Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik.
Parteigliederungen[Bearbeiten]
Durch das Reichsvereinsgesetz vom April 1908 mussten politische Vereine nicht mehr genehmigt, sondern nur noch angemeldet werden. Das Verbindungsverbot zu einer übergeordneten Gliederung wurde aufgehoben, auch Frauen konnten nun Mitglied werden.
Alte Ensener Genossen erinnerten sich im Mai 1984, dass es im Porzer Raum zunächst nur eine SPD-Gliederung für Porz mit Ensen, Westhoven, Gremberghoven und Wahn gegeben habe. Die SPD-Vorsitzenden seien zwischen 1918 und 1933 gewesen: Josef Jenn aus Ensen (ab 1918), Adolf Marx (+1926), Peter Meyer (-1931) und ab Frühjahr 1931 Franz Kreitz (1891-1968).[17] Jedoch sind Zweifel an diesen Erinnerungen angebracht. In zeitgenössischen Quellen finden sich die Namen Adolf Marx und Peter Meyer bisher nicht.
- Als offizielles Gründungsdatum der Ortsgruppe Ensen-Westhoven wird zwar der 30. April 1910 genannt, es fehlt aber noch der Beleg.[18]. Verbürgt ist die Ortsgruppen durch Veröffentlichungen im Volksblatt ab dem Jahr 1919.
- Johann Berger bezeichnete sich in seinen Erinnerungen als ersten gewählten Vorsitzenden der Ortsgruppe Porz nach dem Weltkrieg. Dies wird durch eine Meldung des PUV zur Maifeier 1919 im Porzer Hof gestützt. Hier erwähnt: "der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Herr Berger".[19] Mitglied der örtlichen Parteileitung in Porz war Franz Decker in den 20er Jahren.
- Ein Inserat Ende Juni 1919 zeugt von der Ortsgruppe Eil, sie gratulierte ihrem "lieben Stammwirt Herrn Peter Weber" zum Namenstag[20].
- 1919 bestand zudem bereits die Ortsgruppe Urbach, die Mitte Oktober vor den Gemeinderatswahlen zu einer öfffentlichen Volksversammlung einlud. Ihr Voorsitzender war vermutlich Franz Joistgen.
- Im April 1920 meldet der Gemeinderat eine Anfrage der SPD-Ortsgruppe Heumar.
Politische Arbeit[Bearbeiten]
Sämtliche politischen Ämter und Funktionen wurden auch in den SPD-Gliederungen der Gemeinden Heumar und Wahn zunächst von Männern wahrgenommen. Hinweise auf Frauen finden sich in den Quellen sehr selten. Eine erste Nennung "Frau Max Betz" findet sich im Dezember 1919. Der Sandformer Max Betz aus Porz war im Novmber 1919 Gemeinderatsmitglied von Heumar geworden. Im Dezember wurden die Kommissionen nach Proporz besetzt. Für die SPD wurde so Auguste Betz, geb. Geibis[21] Mitglied der Gesundheitskommission. Im Februar 1920 beschloß der Gemeinderat Heumar dann, in jedem Ort einen Wohfahrtsausschuss einzusetzen, je nach Ortsgröße jeweils 8 bis 12 Personen, insgesamt wurden 50 Ausschssmitglieder gewählt. Darunter waren zwei Lehrerinnnen, 4 "Ehefrauen" und drei "Witwen". Angegeben wurden nur die Namen der zugehörigen Männer. Die Sozialdemokratinnen waren für Porz die Ehefrau Anton Burken, Katharina geb. Dackweiler und für Urbach/Elsdorf die Ehefrau Anton Cichutek, sie war auch als Hebamme tätig[22].
SPD-nahe Organisationen[Bearbeiten]
Infolge der Gesetzgebung, der Beaufsichtigung durch die Polizei und der Diskriminierung durch staatliche Stellen entstanden vor der Gründung von örtlichen SPD-Gliederungen Organisationen, die Arbeiter organisierten, Bildung vermittelten und als soziale Netze wirkten. Hierzu gehörten in der Region Porz insbesondere Sparvereine, Kranken- und Sterbekassen, Volksbildungsvereine, zudem Sportvereine und Gesangsvereine.

- Die Metallarbeiter-Kranken- und Sterbekasse unterhielt eine Filiale Ensen-Westhoven. Bereits diese Mitgliedschaft wurde von der Obrigkeit angefeindet. So wird über den Bürgermeister von Heumar, Martin Jacobs, berichtet: "Ließ er doch sogar Frauen von Mitgliedern obiger Kasse zu sich rufen, und forderte sie auf, dafür zu sorgen, daß ihre Männer aus dieser Kasse austreten sollten"[23]. Zudem ist von ihm ein Arbeiter-Attest überliefert (siehe rechts). Die Kasse war Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem örtlichen Sparverein verzahnt. Den Vorstand bildeten um 1907 Josef Jenn aus Ensen und der Fabrikarbeiter Josef Brüll (1874-1944).
- In Porz bestand ein Volksbildungsverein, er hatte seinen Sitz in der Hauptstraße 171 (heute Höhe Hauptstraße 469) in Porz. Überliefert ist 1909 eine Versammlung des Sozialdemokratische Vereins für den Wahlkreis Mülheim, Wipperfürth und Gummersbach am "Samstag den 27. Februar, abends 8½ Uhr für die "Bezirke Porz am Rhein und Wahn"[24]. Der Verein führte auch Ausflüge in die Umgebung durch[25]. Die fünf Vorstandsmitglieder des Vereins hießen im Jahr 1910 Anton Burken, Martin Rahler, Max Betz, Johann Meyer und Jakob Hecker. Sie wurden 1910 vom Schöffengericht Mülheim zu Geldstrafen von 20 bis 60 Mark verurteilt, weil der Verein ohne Konzession "seit Jahren" intern für seine Mitglieder eine Schankwirtschaft betrieb[26]. Der Verein lud auch Arbeiter zu sogenannten Werkstattbesprechungen ein. So am 24.1.1911 die Arbeiter des gegenüber liegenden Sägewerks Dülken & Co. 1915 wird das Gebäude vom Eigentümer für andere Zwecke neu gebaut. Der Verein suchte sich neue Räumlichkeiten, in denen 1919 die erste Nachkriegversammlung der SPD in Porz stattfand[27]. Im Oktober 1919 inseriert der "Volksbildungs-Verein Porz: "Die Mitglieder werden ersucht, die geliehenen Bücher aus der Bibliothek bis zum 1. November im Kasino abzuliefern"[28]. Vermutlich in seine Nachfolge trat in den 1920er Jahren die Sozialistische Bildungs-Gemeinschaft (SBG), sie organisierte z.B. Volksbildungsabende.
- Auch die Konsumgenossenschaft Hoffung war SPD-nah. Die erste Filiale eröffnete im Porzer Raum in Urbach im Oktober 1905. Genossen des Vereins bekamen anfänglich 7 Prozent, später 3 Prozent des Einkaufswertes zurückerstattet.
- Es gab wohl verschiedene Sportvereinigungen, die sich nicht als eingetragene Vereine organisierten. Im September 1910 berichtet die Volks-Zeitung, das Schöffengericht in Mülheim habe den "Fabrikarbeiter Adolf Marx zu Westhofen (sic!), der als Vorsitzender eines Turnvereins eine öffentliche Tanzbelustigung ohne polizeiliche Genehmigung veranstaltet hatte", zu 9 Mark Geldstrafe verurteilt.
- Im Mai 1911 findet sich eine Meldung über einen Arbeiter-Radfahrer-Verein Solidarität in Porz.
- Die freien Gewerkschaften in Abgrenzung zu den christlichen, katholischen Gewerkschaftsverbänden waren ebenfalls SPD-nah. Anfang 1911 sollen im Porzer Raum 150 Arbeiter in freien Gewerkschaften organisiert gewesen sein.[29] Während bei den Wahlen zum Gewerbereicht im Februar 1911 im Wahlbezirk Porz (Heumar und Wahn) noch christliche Gewerkschaftler mit 294 gegen 211 Stimmen vorne lagen, drehte sich dies in den Wahlen 1911 durch 382 Stimmen für freie Gewerkschaftler und 352 Stimmen für christliche Gewerkschaftler. Für den gesamten Bereich Mülheim Stadt und Land wurden 10 Arbeitgeber- und 10 Arbeitnehmer-Beisitzer gewählt. Hierunter war auch Anton Burken.
- Am 20. September 1920 wurde der Arbeiter-Turnverein Ensen-Westhoven gegründet und bestand bis zu seiner Auflösung im April 1933.
Politische Gremienarbeit[Bearbeiten]
Bei den Wahlen im Kaiserreich und in Preußen trugen die Stimmzettel zwar keine Wählernamen. Aber erst 1923 übernahm der Staat den Druck der Stimmzettel. Vorher druckten in Preußen nicht nur Parteien ihre Stimmzettel selber, sie hatten auch dafür zu sorgen, dass diese Zettel rechtzeitig zu ihren Wählern kamen. Das Wahlrecht hatten dabei nur Männer ab 25 Jahren. Eine Auslage von Stimmzetteln im Wahllokal war untersagt. Durch die unterschiedlichen Gestaltungen der umschlaglosen Stimmzettel (Größe, Farbe) sahen die Wahlvorstände daher sehr wohl, wer welcher Partei seine Stimme gab.[30]. Daher wurden "rote" Wähler in ihrem Wohnort identifizierbar, selbst wenn sie keinerlei Parteiämter inne hatten.
Eine weitere Diskriminierung einkommensschwacher Schichten bestand bis 1919 darin, dass die Gemeindeordnung für die Rheinprovinz als Gemeindemitglieder und somit als Voraussetzung für eine politische Kandidatur nur selbständige Einwohner oder aber Hausbesitzer in der Gemeinde ansah.
In der neuen Republik 1919 waren nun Männer und Frauen ab 20 Jahren wahlberechtigt.
- Bei der Wahl zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung am 19.1.1919 erhielt die sozialdemokratische Liste "Meerfeld" in der Gemeinde Heumar 1757 Stimmen (37,7%, Zentrum: 2672) und in Wahn 717 Stimmen (28,1%, Zentrum 1718).
- Bei der Wahl zur verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung am 26.1.1919 erhielt die sozialdemokratische Liste "Runge" in Gemeinde Heumar 1620 Stimmen (36,9%, Zentrum: 2485) und in Wahn 547 Stimmen (23,8%, Zentrum 1570).
- Bei der Wahl zum Reichstag am 6.6.1920 erhielt die sozialdemokratische Liste in der Gemeinde Heumar 2208 Stimmen (Zentrum: 2208) und in Wahn 508 Stimmen (Zentrum 1434). Die Stimmenverluste erklären sich mit dem Erstarken der U.S.P., später KPD, im linken Spektrum und der Kandidatur gleich dreier Volkspartein im rechten Spektrum.
Gemeinderäte[Bearbeiten]
Im Gemeinderat Heumar erhielt die SPD
- 1906 bei den Nachwahlen am 5./6.10.1906 in der III. Klasse zunächst zwei Mandate für Anton Burken in Ensen (13); Anton Cichutek in Urbach (13). Die Wahl wurde jedoch bereits Mitte November 1906 mit Bescheid v. 16.2.1907 für ungültig erklärt, weil jede Wahl in einer besonderen Wahlhandlung zu erfolgen habe.
- Die Wiederholungswahlen fanden erst im September 1907 statt. Diesmal erhielt Anton Burken aus Ensen zwar 55 Stimmen, sie reichten aber nicht für ein Mandat.
- 1909 am 15. Dezember in der III. Klasse kein Mandat. Anton Burken aus Porz erzielte 86 Stimmen (von 311 Wählern mit je 3 Stimmen), Wilhelm Siebenmorgen aus Urbach 85 Stimmen und Peter Merten aus Ensen 91 Stimmen[31].
Am 8. November 1918 bildeten Arbeiter aus Porz im Zuge der November-Revolution für die Gemeinde Heumar ein provisorischer Arbeiter- und Soldatenrat. Er rief die Bevölkerung zu einer Volksversammlung am 10.11. im Dilgenschen Saal auf. Diese Versammlung wurde von Anton Burken geleitet. Die Versammlung wählte sieben Personen in den "endgültigen" Arbeiterrat "für die gesammten Orte unserer Bürgermeisterei", darunter vier Sozialdemokraten: für Porz Max Betz, Sandformer, Ludwig Brück und Paul Ender, sowie für Ensen-Westhoven Josef Jenn. Zudem wurden drei Zentrumsmitglieder bestimmt: für Porz der Rektor Carl Breuer, für Eil der Schlosser Christian Höck und für Urbach-Elsdorf der Lehrer Johann Barz.[32]
Die Zusammensetzung des Arbeiter- und Soldatenrats, der in der Garrnison Wahn gebildet wurde, ist nicht bekannt. Zeichnungsberechtig war für diesen Rat ein Herr Koppe.
- 1919 am 16. November 1314 Stimmen und 9 Mandate für Johann Berger, Arbeiter aus Porz; Joseph Jenn, Schmied aus Ensen; Wilhelm Krux, Bohrer aus Heumar; Franz Joistgen, Fabrikarbeiter aus Urbach; Adam Linden, Fabrikarbeiter aus Eil; Anton Burken, Dreher aus Porz; Peter Schmitz, Weichensteller aus Ensen; Jakob Werheid, Monteur aus Heumar und Anton Cichutek, Faßbinder aus Urbach.
- 1924 am 4. Mai 946 Stimmen und fünf Mandate für Johann Berger aus Porz, Mathias Brendt aus Gremberghoven, Anton Burken, Josef Jenn aus Ensen, Franz Joistgen aus Urbach (+1928) / Franz Decker aus Urbach.
Im Gemeinderat Wahn erhielt die SPD
- 1919 am 16. November 585 Stimmen und 5 Mandate für Paul Brätter, Former aus Wahnheide; Oskar Heinze, Schlosser aus Wahn; Heinrich Klein, Maurer aus Langel; Friedrich Plückthun, Zementarbeiter aus Lind und Karl Schindler, Fabrikmeister aus Zündorf. Nicht gewählt wurden die Kandidaten Theodor Pohl, Schlosser und Christian Brühl, Former, beide aus Zündorf; Michael Miebach, Schmied aus Langel und Ernst Wörner, Schlosser aus Wahn.
- 1924 am 4. Mai 287 Stimmen und zwei Mandate für Paul Brätter und Andreas Börsch.
Im Gemeinderat Porz erhielt die SPD
- 1929 am 23. Juni 1425 Stimmen und 6 Mandate für den Gewerkschaftssekretär Johann Berger aus Porz, den Former Paul Brätter aus Wahn, den Schmied Franz Decker aus Urbach, den Schmied Josef Jenn aus Ensen, den Maurer Heinrich Klein aus Langel und den Schlosser Matthias Müller aus Heumar[33].
- 1933 am 12. März 1484 Stimmen und 4 Mandate für Johann Berger, Franz Decker, Paul Brätter und Franz Kreitz aus Ensen. Die Gewählten konnten ihre Mandate durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Porz jedoch nicht mehr antreten.
Kreistag Mülheim[Bearbeiten]
Auch im Kreistag von Mülheim waren Sozialdemokraten aus dem Porzer Raum vertreten.
- Unter den sechs gewählten SPD-Mandatsträgern des Jahres 1921 waren der Kaufmann Albert Hosp aus Ensen, der Walzwerkarbeiter Franz Joistgen aus Urbach und der Schlosser Oskar Heinze aus Wahn[34]. Hosp war zudem im Vorstand der Ensen-Westhovener Spar- und Darlehnskassenverein GmbH.
- Zur Wahl am 29. November 1925 wurden nominiert der Walzwerkarbeiter Franz Joistgen, Oskar Heinze, Franz Decker, der Mittelschullehrer Franz Niedlich aus Porz, der Maurer Heinrich Klein aus Langel und der Vermessungssekretär Jakob Offermann aus Gremberghoven[35]. Gewählt wurden insgesamt vier SPD-Abgeordnete, darunter Franz Joistgen und Oskar Heinze.
- 1929 kandidierten für die SPD Franz Decker, Oskar Heinze, Franz Niedlich, Jakob Offermann, der Diplom-Kommunalbeamte Rudolf Neu aus Porz, der Gemeindearbeiter Wilhelm Bien aus Porz und Paul Brätter[36]. U.a. wurde Franz Decker gewählt.
Zum 1. Oktober 1932 wurde der Landkreis Mülheim aufgelöst und mit dem ebenfalls aufgehobenen Kreis Wipperfürth zum Rheinisch-Bergischen-Kreis vereinigt. Ihn verwaltete zunächst ein Provisorischer Kreisausschuss, dem Franz Decker angehörte.
- Zur Kreistagswahl am 12.3.1933 kandidierten aus den Porzer Orten Franz Decker, Franz Kreitz, der Modellschreiner Otto Däumel aus Porz, der Invalide Oskar Heinze aus Wahn und der Vertreter Adam Linden aus Eil.[37] Eines der drei SPD-Mandate erhielt Franz Decker. Bereits Anfang Mai 1933 trat er aufgrund der Dominanz und des Auftretens der NSDAP-Mitglieder von seinem Amt zurück.[38]
Verfolgung in der NS-Zeit[Bearbeiten]
Ab 4. Februar 1933 wurden keine politischen Veranstaltungen von KPD und SPD mehr erlaubt. Am 28. Februar 1933 wurden KPD- und SPD-Presse verboten. Am 11.3. wurden alle SPD-Büros im Regierungsbezirk Köln geschlossen. Im April 1933 kam Johann Berger erstmals für mehrere Wochen im Klingelpütz in "Schutzhaft". Am 10. Mai 1933 wurde das gesamte Vermögen der SPD und ihr nahestehender Organisationen beschlagnahmt. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD im gesamten Deutschen Reich verboten. Heinrich Berger, Sohn von Johann Berger, wurde von einem SA-Kommando in der Nacht auf den 15. Juli in ein illegales "Schutzhaftlager" verschleppt und dort über mehrere Tage mißhandelt. Johann Berger verlor wegen angeblicher staatsfeindlicher Betätigung nach 1933 seine Lebensstelle, seine Pensionsberechtigung und wurde wiederholt in Haft gesetzt. "Nach der Machtergreifung (..) war ich arbeitslos, gehetzt, verfehmt und ohne jede Rechte habe ich zwei Jahre mit meiner Frau gehungert."[39]
Die drei früheren Gemeinderatsabgeordneten Paul Brätter, Franz Decker und Heinrich Klein wurden am 24. August 1944 im Rahmen der sogenannten Aktion Gewitter durch die Kölner Gestapo und die Porzer Schutzpolizei verhaftet und in das Sammellager Messe Deutz gebracht. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war im Frühjahr 1945 das Konzentrationslager Sachsenhausen. Sie starben vermutlich auf den Todesmärschen bei der Räumung des KZ im April 1945. Ihre Namen finden sich auf dem Gedenkstein am Porzer Rathaus. Zudem wurden nach ihnen Straßen im Stadtbezirk benannt. Auch Franz Kreitz und Johann Berger sollten verhaftet werden. Frank Kreitz wurde in seiner Wohnung nicht angetroffen, da er als Soldat eingezogen worden war. Johann Berger erhielt am Tag der geplanten Verhaftung die Nachricht vom Tod seines Sohnes Heinrich als Soldat an der Front. Daraufhin wurde der bereits Festgenommene wieder freigelassen[40].
Paul Brätter[Bearbeiten]

Paul Wilhelm Brätter (1878-1945) erhielt eine Ausbildung als Former und lebte zuvor in Deutz und Kalk. Zum Jahresende 1901 heiratete er Gertrud, geborene Heinen (9.1.1881 Wahn - 20.6.1945), Im Mai 1902 wurde die Tochter Christina Katharina geboren. Sohn Ernst Paul (1903-1975 Wahn) folgte im August 1903[41]. Die Familie zog vor 1919 nach Wahnheide. Von 1919 bis 1929 war Paul Brätter gewähltes Mitglied des Gemeinderat Wahn und hier Sprecher der SPD-Fraktion. Von 1929 bis 1933 gehörte er dem Gemeinderat Porz an, 1933 wurde er erneut gewählt. Die Familie lebte von ca. 1927 bis 1931 unter der Adresse Mauspfad 4. Ab 1932 lautete die neue Anschrift Hasbacher Weg 2[42] Als die Nationalsozialisten 1936 den Truppenübungsplatz wieder aktivierten und erweiterten, wurden die Eheleute enteignet[43]. Im August 1944 wurde Paul Brätter verhaftet, danach verliert sich seine Spur.
Sohn Paul eröffnete vor 1939 unter der Adresse Adolf-Hitler-Straße 140 eine Autospedition, die bis nach 1951 als Spedition an der Adresse Heidestraße 140 bestand. Im Jahr 1950 wurde das Haus der Familie zwangsversteigert[44] Im Gedanken an Paul Brätter benannte der Stadtrat von Porz im Oktober 1967 eine neue Straße in Wahnheide Paul-Brätter-Straße.
Franz Decker[Bearbeiten]

Franz Decker (1885-1945) war mit Christine Kuttenkeuler verheiratet, das Paar hatte drei Kinder. Decker stammte aus Langel und wurde 1899 in Wahn Lehrling eines Schmieds. Bereits sein Vater war als Schmied tätig. Als Angestellter von Dynamit Nobel in Troisdorf war Franz Decker Mitglied des Betriebsrats und Vertrauensmann. Wann er in die SPD eintrat, ist nicht bekannt. Vom Mai 1924 bis 1929 war Decker Mitglied im Gemeinderat Heumar. Decker war auch im Vorstand der Porzer SPD. Um 1924 wurde er Mitglied im Deutschen Metallarbeiterverband. Von 1929 bis 1933 gehörte der dem Gemeinderat Porz an und wurde 1933 wiedergewählt. Darüber hinaus war Decker auch von 1929 bis 1933 Delegierter im Kreistag Mülheim. Auch engagierte er sich in der Arbeiterwohlfahrt. Ab 1929 wohnte er in der Waldstraße in Urbach. Anfangs der 1930er Jahre wurde Decker Gemeindearbeiter der Gemeinde Porz, der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 in Porz folgte seine Entlassung in die Arbeitslosigkeit. Im selben Jahr durchsuchte die Polizei seine Wohnung und beschlagnahmte ein Großteil seiner Bücher. Erst 1936 fand er eine Anstellung in der Produktion der Firma Dielektra. 1944 wurde Franz Decker in seiner Wohnung verhaftet. Am 10.9.1944 erhielt er im KZ Sachsenhausen die Nummer 102262. Ein Brief an die Familie berichtet von Arbeit im Klinkerwerk und einem erneut auftretenden Magenleiden. Das letzte Lebenszeichen stammte vom Frühjahr 1945. Im Mai 1973 beschloss der Stadtrat Porz, eine neue Straße in Urbach Franz-Decker-Straße zu nennnen.
Heinrich Klein[Bearbeiten]

Heinrich Klein (1885-1945) wurde als drittes von acht Kindern in Langel geboren. Er lernte wie sein Vater Maurer und heiratete 1909 Elisabeth geb. Klein. Ein Jahr später wurde ihr Sohn Johann geboren. Heinrich Klein war von 1919 bis 1924 Gemeinderatsmitglied in Wahn und von 1929 bis 1933 Gemeinderatsmitglied in Porz. Von 1927 bis 1931 wird er im Adressverzeichnis als "Bauunternehmer" in Langel geführt[45]. 1930 errichtet Klein das Strandbad Langel neu, ab 1933 wird er hier als Wirt geführt. Auch Heinrich Klein wurde im Juli 1933 in das SA-Lager am Hochkreuz gebracht, mißhandelt und dort 14 Tage festgehalten. In den Folgejahren erweitert er das Strandbad Langel und errichtete 1938 eine Kegelbahn. Ob er den Betrieb über den Sommer 1940 aufrecht erhielt, ist fraglich. Im August 1944 wird auch Klein verhaftet. Sein letztes Schreiben aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen stammt vom Januar 1945. Im Februar 1968 beschloss der Stadtrat von Porz, eine neue Straße in Langel Heinrich-Klein-Straße zu nennen.
Nachkriegsgeschichte[Bearbeiten]
Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat 1946 war Peter Esser. Mitglied im Gemeinderat war Adam Linden (1886-1966). Linden wurde als Gemeinderats- bzw. ab 1951 Stadtratsmitglied in der Folge mehrfach wiedergewählt und blieb Ratsmitglied bis in das Jahr 1961[46].
- Ensen-Westhoven: Im Frühjar 1931 wurde Franz Kreitz zum Vorsitzenden bestimmt. Er übte diese Funktion bis in das Jahr 1961 aus. Die offizielle Nachkriegsgeschichte des Ortsvereins beginnt Mitte November 1945 im halbzerfallenen Lokal Menrath, nachdem in der britischen Zone Mitte September die (Wieder-)Gründung politischer Parteien offiziell erlaubt worden war.
(Vertiefung erwünscht)
Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]
- Festschrift zum Fünfzigjährigen Bestehen. SPD Distrikt Ensen-Westhoven Gremberghoven. Porz 1960.
- Porzky, Eugenie und Jürgen Huck: Politische Strömungen im Raume Porz 1918-1933. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 1, 1975.
- Berger, Johann: Erinnerungen. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 3, 1977.
- Frielingsdorf, Volker: Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Porz im Jahre 1933. In: Rechtsrheinisches Köln 7.1981.
- 75 Jahre SPD Ensen-Westhoven. Mitteilungen des SPD-Ortsvereins Ensen/Westhoven 20.1985
- Kringel, Markus H.: Franz Decker / Heinrich Klein. In: Mielke, Siegfried (Hrsg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch, Bd. 1. Berlin 2002, S. 140 u. 210
- Berschel, Liselotte: Die Anfänge der SPD in Rath-Heumar. Rath-Heumar o.J. (um 2008) (Link)
Ein Foto von einem undatierten Ausflug des Volksbildungsvereins findet sich bei Huck, Jürgen: Porz in alten Ansichten. Zaltbommel/Niederlande: Europäische Bibliothek 1977. Bild 9.
- ↑ Ausgabe vom 31.10.1905
- ↑ Empfehlenswert ist der Bestand im Stadtarchiv Bergisch-Gladbach.
- ↑ vgl. Kölner Arbeiterzeitung v. 11.4.1891
- ↑ Kölner Arbeiter-Zeitung v. 24.1.1891
- ↑ Erinnerungen Adam Krein in: Rechtsrheinisches Köln, Band 3, 1977, S. 167f.
- ↑ vgl. Porz-Urbacher Volksblatt v. 26.1.1907
- ↑ Vgl. Berschel, Liselotte: Die Anfänge der SPD in Rath-Heumar. Rath-Heumar o.J. (um 2008) (Link)
- ↑ vgl. Freie Presse v. 22.3.1902
- ↑ vgl. 100 Jahre st. Laurentius, 1996, S.21
- ↑ Rheinischer Merkur v. 11.12.1909
- ↑ vgl. Porz-Urbacher Volksblatt v. 24.5.1905 und v. 31.10.1905
- ↑ PUV v. 2.5.1906
- ↑ Porz-Urbbacher Volksblatt v. 13.11.1919
- ↑ Dem Kreisausschuss oblag die Vorbereitung und Ausführung der Kreistagsbeschlüsse, die laufende Verwaltung, die Überwachung der Landratsgeschäftsführung und die Entscheidung über Angelegenheiten, die nicht dem Kreistag oder dem Landrat allein vorbehalten waren.
- ↑ Vgl. Bensberger Volkszeitung v. 26.5.1928.
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 22.7.1919. Dies war das erste Mal, dass das Volksblatt den Beitrag eines Sozialdemokraten veröffentlichte.
- ↑ Niederschrift Henning von Borstell vom Januar 1984.
- ↑ Warum gerade dieses Datum, wird leider aus den vorliegenden Jubiläumsschriften des Ortsvereins - 50 Jahre, 75 Jahre - nicht ersichtlich.
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 3.5.1919
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 28.6.1919, der Gastwirt Weber in Eil wird bereits 1912 in einer Zeitungsmeldung genannt.
- ↑ Auguste Geibis stammte aus Kalk, sie hatte 1904 Max Betz geheiratet.
- ↑ Ihr Name konnte bisher noch nicht ermittelt werden.
- ↑ Kölner Arbeiterzeitung v. 30.6.1889
- ↑ zit. n. Bergischer Türmer v. 6.3.1909
- ↑ Ein undatiertes Foto zeigt Huck: Porz in alten Ansichten, 1977, Bild 9.
- ↑ Bergisch Gladbacher Volkszeitung v. 28.9.1910
- ↑ Der Standort des neuen Quartiers ist bisher nicht bekannt.
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 21.10.1919. Welches Gebäude mit "Kasino" gemeint ist, evtl. auf dem Schießplatz (?), bleibt unklar.
- ↑ Aussage Burken lt. Volks-Zeitung v. 7.2.1911
- ↑ Vgl. diesen Wahlrechtsbeitrag auf Wikipedia (Link)
- ↑ vgl. Porz-Urbacher Volksblatt v. 16.12.1909
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 12.11.1918
- ↑ vgl. Bergisch Gladbacher Volkszeitung v. 24.6.1929
- ↑ vgl. Bensberger Volkszeitung v. 24.2.1921
- ↑ Vgl. Bergisch-Gladbacher Volkszeitung v. 17.11.1925
- ↑ vgl. Bensberger Volkszeitung v. 5.11.1929.
- ↑ vgl. Bergische Wacht v. 3.3.1933
- ↑ vgl. Rheinisch-Bergische Zeitung v. 8.5.1933
- ↑ HAStK E 510-01 Berger/1, zit. nach Frielingsdorf (s. Literatur).
- ↑ vgl. Berger, Johann: Erinnerungen. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 3.
- ↑ vgl. Rheinischer Merkur vom 26.11.1901 (Heiratsankündigungen), 5.5.1902 und 5.8.1903 (Geburten)
- ↑ Einen Hasbacher Weg gibt es heute nicht mehr in Wahnheide
- ↑ Vgl. HAStK, Best. 9160 (Liegenschaftsamt), A 60, es gibt aber auch eine Akte aus den Jahren 1937-39 "Anbau, Einfriedung, Neubau durch Paul Brätter am Mauspfad, Flur 5 Nr. 4. (Best. 9030B (Bauordnungsamt - Hausakten - Porz), A 3624)
- ↑ vgl. HAStK Best. 9003 (Sekretariat des Gemeinde- bzw. Stadtdirektors), A 547
- ↑ Laut Kringel war Klein hingegen Ende der 1920er Jahre für die Gemeinde Porz als Arbeiter tätig und im "Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter" organisiert.
- ↑ Nach ihm wurde 1979 in Eil die Adam-Linden-Straße benannt.