Gemeinde Wahn

Aus porzerleben.de/porz-wiki

Die Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wahn bzw. Bürgermeisterei Wahn war eine Gebietskörperschaft im Landkreis Mülheim auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Köln-Porz. Sie wurde im November 1808 unter französischer Besatzung als Mairie Wahn gegründet. Zu ihr gehörten die Dörfer Wahn, Lind, Zündorf, Langel und Libur. Die Mairien (frz. für Bürgermeistereien) waren die kleinste Verwaltungseinheit im damaligen Großherzogtum Berg. Zu dieser Zeit hatten Gemeinderäte kaum Kompetenzen und trafen sich nur einmal jährlich. Nach einer Interimszeit 1813 bis 1815 fiel das Gebiet an den preußischen König, aus den Mairien wurden Gemeinden und die Rechte der Gemeinderäte erweiterten sich.

Im März 1903 wird die Nummerierung neuer Häuser auf Kosten der Gemeinde beschlossen. Im April 1904 verlegte der Bürgermeister seinen Amtssitz "in das Haus der Witwe Schade". Die Bürgermeisterei mit Standesamt, Polizeiverwaltung, Bauamt und Gemeindekasse zog am 23. Juli 1907 in das Haus Nr. 47 an der Straße zum Bahnhof. Seit 1919 waren die Sitzungen der Gemeinderäte in der Rheinprovinz öffentlich, bei bestimmten Themen konnte aber die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Die erste öffentliche Sitzung des Gemeinderats Wahn fand am 12. Juli 1919 statt, allerdings war im Versammlungsraum selber kein Platz für Zuhörer, die daher im Nachbarraum zuhören mussten.

Zuletzt lautete die Adresse Bahnhofstraße 120, eine Erweiterung des Rathauses hatten die Gemeindeverordneten 1919 abgelehnt. Die Gemeinde Wahn im Landkreis Mülheim bestand bis 1929. Weil der Schießplatz Wahn zu dieser Zeit seine Bedeutung zwischenzeitlich verloren hatte, die Einwohnerschaft stagnierte und durch die Auflösung der Dynamitfabrik Lind die Gemeindeeinnahmen zurückgingen, wurde die Gemeinde Wahn mit der früheren Gemeinde Heumar zur Gemeinde Porz vereinigt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

1861: 3.280 Einwohner[1]; 1871: 3.309 Einwohner; 1875: 3.548 Einwohner; 1880: 3.524 Einwohner[2]; 1890: 4.101 Einwohner;
1900: 4.311 Einwohner; 1910: 5.410 Einwohner; 1920: 5.632 Einwohner; 1925: 5.931 Einwohner[3]

Wahlen und Wahlergebnisse[Bearbeiten]

1849 wurde in Preußen das Dreiklassenwahlrecht eingeführt, aufbauend auf der Steuerleistung: Wähler und zu wählenden Personen wurden in drei Abteilungen eingeteilt. Jede Abteilung stellte ein Drittel der Abgeordneten, in der ersten Abteilung die steuerkräftigen Personen, in der zweiten Abteilung die Mittelschicht und in der dritten Abteilung Personen, die niedrige oder keine Steuern zahlten. Die reichen Einwohner hatten somit bereits nach diesem Wahsystem ein erkennbares Übergewicht. In den Gemeinden Wahn und Heumar wurde dieses Übergewicht durch geborene Gemeinderatsmitglieder deutlich verstärkt: Diese Personen waren (zumeist als Großgrundbesitzer oder Fabrikanten) so vermögend, dass sie qua Besitz ohne Kandiatur dem Gemeinderat angehörten. In Wahn führte dies dazu, dass von den insgesamt 24 Mitgliedern die Hälfte dieser sehr vermögenden Schicht angehörte. Die Bürgermeister wurden zudem nicht gewählt, sondern vom preußischen Staat bestimmt und eingesetzt.
Erst ab dem Jahr 1909 wurde die Zahl der Verordneten für die einzelnen Ortschaften nach Maßgabe der Einwohnerzahl festgesetzt, wodurch nun jeder Ort auch im Gemeinderat vertreten war.
In der Weimarer Republik galt die Stimme jedes volljährigen Bürgers gleich - und auch die Frauen hatten nun das Wahlrecht. Und der Bürgermeister wurde nun durch die gewählten Gemeindevertreter bestimmt.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

1890[Bearbeiten]

Zu Begin des Jahres 1890 waren Mitglieder:

  • Peter Heinrich Kohm, Wahn; Matthias Thelen, Wahn; Wilhelm Büllesfeld (1837-1911)[4], Wahn; Johan Esser, Langel; Anton Pohl, Zündorf; Heinrich Engels, Zündorf; Johann Baptist Scheben, Langel; Gottfried Gehlenberg, Zündorf; Joseph Hamacher, Wahn; Jacob Wolf, Lind; Mathias Jaeger, Wahn.[5]

1895[Bearbeiten]

Gewählt wurde in der 3. Klasse Bartel Giesen.

1905[Bearbeiten]

Im Juli 1905 waren Mitglieder:

  • 1. Klasse: Fritz Seidelbach, Generaldirektor, Zündorf; Josef Börsch, Gutsbesitzer, Zündorf; Karl Droße, Gutsbesitzer, Langel
  • 2. Klasse: Wilhelm Kreischer, Brauereidirektor, Wahn; Klemens Kux, Gutsbesitzer, Wahn; Gottfried Kappelmann, Gutsbesitzer, Libur
  • 3. Klasse: Peter Neuhöfer, Gutsbesitzer, Libur; Josef Borsch, Postverwalter, Wahn; Heinrich Pütz, Rentner, Lind

1908[Bearbeiten]

Anfang 1908 schieden aus:

  • 3. Klasse: Wilhelm Büllesfeld, Bartel Giesen, Peter Reinold - alle Wahn
  • 2. Klasse: Peter Bongartz, Jakob Lichius, Christian Heep - alle Wahn
  • 1. Klasse: Dr. Carl Meunier, Franz Scharrenbroich - beide Zündorf; Adam Immendorf, Langel

Die Wahlen fanden am 8., 9. und 10.1.1908 statt.

1909[Bearbeiten]

Ersatzwahlen. Im August 1909 schieden aus:

  • 3. Klasse: Josef Borsch, Postverwalter aus Wahn (verstorben)
  • 2. Klasse: Wilhelm Creischer, Brauereidirektor aus Wahn (Wegzug)

Die Ersatzwahlen fanden am 3. und 6.9.1909 statt. Gewählt wurden:

  • 2. Klasse: Heinrich Griesberg, Maurermeister, Langel, Zentrumspartei, 13 v. 13 Stimmen
  • 3. Klasse: Theodor Pohl, Fabrikschlosser aus Zündorf

1911[Bearbeiten]

Aus der ersten Klasse verstarb 1911 Dr. Carl Meunier (*1850), Arzt aus Wahn. Turnusmäßig schieden aus:

  • 3. Klasse: Heinrich Pütz aus Lind, Peter Neuhöfer aus Libur und Theodor Pohl aus Zündorf
  • 2. Klasse: Klemens Kux aus Wahn. Gottfried Capellmann aus Libur und Heinrich Griesberg aus Langel
  • 1. Klasse: Franz Seidelbach und Josef Börtsch aus Zündorf sowie Karl Droße aus Langel.

Neu gewählt wurden am 10./24. und 28. Juli:

  • 3. Klasse (130 abgegebene Stimmen): Theodor Pohl (126) aus Zündorf, Heinrich Bädorf (108) aus Libur und Fabrikdirektor Georg Krauß (64) aus Lind.
  • 2. Klasse (195 Wähler): Heinrich Grießberg aus Langel, Mathias Thiel aus Langel und Balthasar Platz aus Zündorf.
  • 1. Klasse (21 Wähler): Franz Seidelbach, Direktor und Josef Börtsch, Landwirt, beide aus Zündorf sowie Gottfried Capellmann aus Libur. In der Nachwahl wurde Jakob Schröder gewählt.

1912[Bearbeiten]

Im März 1912 wurden auf sechs Jahre zu Beigeordneten bestimmt:

  • B. Courth, Gutsbesitzer in Zündorf; Georg Krauß, Fabrikdirektor in Lind und Adam Immendorf, Landwirt in Langel.

Turnusgemäß schieden aus dem Gemeinderat aus:

  • 3. Klasse: Peter Reinold aus Wahn
  • 2. Klasse: Wilhelm Büllesbach und Peter Bongartz aus Wahn

Gewählt wurden am 9. und 12. Oktober:

  • 3. Klasse: Peter Büllesfeld aus Wahn
  • 2. Klasse: Jakob Lichius und Bernhard Krämer aus Wahn

1914[Bearbeiten]

Turnusgemäß schieden aus:

  • 3. Klasse: Wilhelm Büllesfeld, Bartel Giese ud Johann Wirtz, alle aus Wahn
  • 2. Klasse: Josef Welter, Bernhard Krämer und Jakob Lichius, alle aus Wahn
  • 1. Klasse: Adam Immendorf aus Langel, Franz Scharrenbroich und Jakob Schröder, beide aus Zündorf

Die Neuwahlen waren angesetzt für den 2.8., 4. und 7. Oktober 1914. Gewählt wurden:

  • 3. Klasse: Peter Wilhelm Büllesfeld, Fritz Schleicher und Heinrich Lommersum, alle Wahn

Die weiteren Wahlen in der 2. Klasse: Josef Welter und Josef Büllesfeld aus Wahn sowie Johann Esser aus Langel. sowie in der 1. Klasse: Jakob Schröder und Franz Scharrenbroich aus Zündorf sowie Karl Kalteyer aus Wahn, erklärte der Gemeinderat in seiner Dezember-Sitzung für ungültig, weil die Bekanntmachung der Wahlen nicht ortsüblich erfolgte.

1916[Bearbeiten]

1915 verstarben die beiden Gemeindeverordneten Hubertus Platz (2. Klasse) und Scharrenbroch (1. Klasse). Bei den Nachwahlen am 21.2.1916 erhielten die meisten Stimmen Peter Josef Platz (2. Klasse) und Josef Kürten (1. Klasse), beide aus Zündorf.

1918[Bearbeiten]

Für die ausgeschiedenen Gemeindeverordneten Heinrich Griesberg (2. Klasse) und Georg Krauß (3. Klasse) wurden am 6.3.1918 gewählt:

  • Josef Herkenrath, Schreinermeister aus Langel (2. Klasse) und Michael Baumann, Verwalter aus Lind (3. Klasse).

Die Zusammensetzung des Arbeiter- und Soldatenrats, der in der Garrnison Wahn am 8. November gebildet wurde, ist nicht bekannt. Gezeichnet hat hierfür ein Herr Koppe. Da aber die englischen Besatzungsbehörden Arbeiter- und Soldatenräte nicht anerkannten, löste sich der Rat bereits Ende Dezember 1918 wieder auf.

1919[Bearbeiten]

Vor den Neuwahlen bestand der Gemeinderat unter dem Bürgermeister Oedkoven aus den Mitgliedern Baedorf, Baumann, J. Büllesfeld, P.W. Büllesfeld, Capellmann, Courth, Baron von Eltz, Esser, Herkenrath, P. Immendorf, Kürten, Kalteyer, Lommersom, Platz, Pohl, Reinols, Schröder, Schleicher, Thiel, Utzerath und Welter.

Neu gewählt wurden am 16. November 1919 insgesamt 18 Gemeindeverordnete:

  • Zentrum - 1480 Stimmen / 13 Sitze: Heinrich Bosch, Karl Kalteyer, Karl Klein, Josef Krings, Bernhard Krämer, Franz Ludwig, Peter Neuhöfer, Heinrich Noak, Bartel Offermann, Wilhelm Trompetter
  • SPD - 586 Stimmen / 5 Sitze: Paul Brätter, Oskar Heinze, Heinrich Klein, Friedrich Plückthun, Karl Schindler
  • Bürgermeister: Bruno Oedekoven (Zentrum)

1924[Bearbeiten]

Gewählt wurden am 4. Mai:

  • Zentrum - 1158 Stimmen / 11 Sitze: Heinrich Baedorf, Josef Börsch, Zimmermeister Heinrich Euler, Wahn; Gottfried Hungenberg, Carl Kalteyer, Bernhard Krämer, Christian Lauf, Franz Ludwig, Peter Josef Platz, Franz Weinand, Josef Weiser
  • SPD - 287 Stimmen / 2 Sitze: Paul Brätter, Andreas Börsch
  • Vereingte Arbeiterpartei - 313 Stimmen / 2 Sitze: Josef Kirsch, Heinrich Klein
  • KPD - 253 Stimmen / 2 Sitze: Johann Roske, Franz Wieland
  • DVP - 179 Stimmen / 1 Sitz: Eugen Plewig
  • Wahlvorschlag Best - 104 Stimmen / kein Sitz
  • Wahlvorschlag Giesen - 100 Stimmen / kein Sitz

Weiterer Gemeindeverordneter: Edmund Kaspers

  • Bürgermeister: Bruno Oedekoven (Zentrum)

Die Mandatsträger[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bis 1848 übte der Bürgermeister der Gemeinde Heumar zugleich das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Wahn aus. Bis 1886 war das Wohnhaus des Bürgermeisters zugleich auch sein Amtssitz.

  • 1814-1815: Max Forsbach, Gutsbesitzer aus Urbach
  • 1815-1831: Alois Mathias Böcker / Aloys Boecker[6], Wahn
  • 1831-1834: Clemens von Eltz-Rübenach, Schlossherr aus Wahn
  • 1834-1850 Ludwig Süren, Wahn (*1800)
  • 1850-1863: Josef Busbach, Zündorf
  • 1863-1904: Peter Josef Ottersbach (1839-1904), zunächst Zündorf, ab 1870 Wahn[7]
  • 1904-1929: Bruno Oedekoven (1976-1942); Stellv.: Elias

Beigeordnete[Bearbeiten]

  • 1847: 1. Beigeordnete Ludwig Weiser aus Oberzündorf; 2. Beigeoordneter Heinrich Schmitz aus Wahn; 3. Beigeordneter Wilhelm Pohl aus Niederzündorf
  • B. Courth, Gutsbesitzer aus Zündorf, von 1900 bis 1918
  • Wilhelm Büllesfeld aus Wahn, von 1894 bis 1911 (+)
  • Freiherr von Eltz, Gutsbesitzer aus Wahn, von 1904 bis 1916
  • Bongartz, Postverwalter a.D., von 1906 bis 1912
  • Adam Immendorf, Landwirt aus Langel, sowie Georg Kraus, Fabrikdirektor aus Lind, von 1912 bis 1918
  • Karl Kalteyer, Gutspächter in Wahn, von 1918 bis 1924

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Henseler, Paul: Politische Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Unser Porz 10.1968
Porzky, Eugenie und Jürgen Huck: Politische Strömungen im Raume Porz 1918-1933. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 1, 1975.
Im Historischen Archiv der Stadt Köln lagern unter der Best. 9001B die Protokolle des Rates und der Ausschüsse der Stadt Porz und ihrer Vorgängergemeinden.

  1. zit. n. Aders, Gebhard: Entwicklung der Besiedelung.... In: Rechtsrheinisches Köln 22.1996.
  2. zit. n. Henseler: Polit. Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jhdts.
  3. zit. n. Schwalm, Frank: Porz. Bergisches Tor am Rhein. Köln 2004.
  4. Mitglied des Gemeinderats seit 1883, seit 1894 Beigeordneter. Mitglied des Kirchen- und Schulvorstandes Wahn.
  5. vgl. Rheinischer Merkur v. 12.2.1890.
  6. Vom 8.3.1831 bis zum 28.08.1836 war Böcker darauf folgend Bürgermeister von Mülheim.
  7. Peter J. Ottersbach starb am ersten Tag seines Ruhestands infolge eines Schlaganfalls. Sein und seiner Frau Anna Johanna geb. Dietzgen Grab findet sich noch heute auf dem Friedhof Wahn.