Gemeinde Wahn

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Die Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wahn bzw. Bürgermeisterei Wahn war eine Gebietskörperschaft im Landkreis Mülheim auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Köln-Porz. Sie wurde im November 1808 unter französischer Besatzung als Mairie Wahn gegründet. Zu ihr gehörten die Dörfer Wahn, Lind, Zündorf, Langel und Libur. Die Mairien (frz. für Bürgermeistereien) waren die kleinste Verwaltungseinheit im damaligen Großherzogtum Berg. Zu dieser Zeit hatten Gemeinderäte kaum Kompetenzen und trafen sich nur einmal jährlich. Nach einer Interimszeit 1813 bis 1815 fiel das Gebiet an den preußischen König, aus den Mairien wurden Gemeinden und die Rechte der Gemeinderäte erweiterten sich.

Im März 1903 wird die Nummerierung neuer Häuser auf Kosten der Gemeinde beschlossen. Im April 1904 verlegte der Bürgermeister seinen Amtssitz "in das Haus der Witwe Schade". Die Bürgermeisterei mit Standesamt, Polizeiverwaltung, Bauamt und Gemeindekasse zog am 23. Juli 1907 in das Haus Nr. 47 an der Straße zum Bahnhof. Zuletzt lautete die Adresse Bahnhofstraße 120. Die Gemeinde Wahn im Landkreis Mülheim bestand bis 1929. Weil der Schießplatz Wahn zu dieser Zeit seine Bedeutung zwischenzeitlich verloren hatte, die Einwohnerschaft stagnierte und durch die Auflösung der Dynamitfabrik Lind die Gemeindeeinnahmen zurückgingen, wurde die Gemeinde Wahn mit der früheren Gemeinde Heumar zur Gemeinde Porz vereinigt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

1861: 3.280 Einwohner[1]; 1871: 3.309 Einwohner; 1875: 3.548 Einwohner; 1880: 3.524 Einwohner[2]; 1890: 4.101 Einwohner;
1900: 4.311 Einwohner; 1910: 5.410 Einwohner; 1920: 5.632 Einwohner; 1925: 5.931 Einwohner[3]

Wahlen und Wahlergebnisse[Bearbeiten]

1849 wurde in Preußen das Dreiklassenwahlrecht eingeführt, aufbauend auf der Steuerleistung: Wähler und zu wählenden Personen wurden in drei Abteilungen eingeteilt. Jede Abteilung stellte ein Drittel der Abgeordneten, in der ersten Abteilung die steuerkräftigen Personen, in der zweiten Abteilung die Mittelschicht und in der dritten Abteilung Personen, die niedrige oder keine Steuern zahlten. Die reichen Einwohner hatten somit bereits nach diesem Wahsystem ein erkennbares Übergewicht. In den Gemeinden Wahn und Heumar wurde dieses Übergewicht durch geborene Gemeinderatsmitglieder deutlich verstärkt: Diese Personen waren (zumeist als Großgrundbesitzer oder Fabrikanten) so vermögend, dass sie qua Besitz ohne Kandiatur dem Gemeinderat angehörten. In Wahn führte dies dazu, dass von den insgesamt 24 Mitgliedern die Hälfte dieser sehr vermögenden Schicht angehörte. Die Bürgermeister wurden zudem nicht gewählt, sondern vom preußischen Staat bestimmt und eingesetzt.
Erst ab dem Jahr 1909 wurde die Zahl der Verordneten für die einzelnen Ortschaften nach Maßgabe der Einwohnerzahl festgesetzt, wodurch nun jeder Ort auch im Gemeinderat vertreten war.
In der Weimarer Republik galt die Stimme jedes volljährigen Bürgers gleich - und auch die Frauen hatten nun das Wahlrecht. Und der Bürgermeister wurde nun durch die gewählten Gemeindevertreter bestimmt.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

1890[Bearbeiten]

Zu Begin des Jahres 1890 waren Mitglieder:

  • Peter Heinrich Kohm, Wahn; Matthias Thelen, Wahn; Wilhelm Büllesfeld (1837-1911)[4], Wahn; Johan Esser, Langel; Anton Pohl, Zündorf; Heinrich Engels, Zündorf; Johann Baptist Scheben, Langel; Gottfried Gehlenberg, Zündorf; Joseph Hamacher, Wahn; Jacob Wolf, Lind; Mathias Jaeger, Wahn.[5]

1905[Bearbeiten]

Im Juli 1905 waren Mitglieder:

  • 1. Klasse: Fritz Seidelbach, Generaldirektor, Zündorf; Josef Börsch, Gutsbesitzer, Zündorf; Karl Droße, Gutsbesitzer, Langel
  • 2. Klasse: Wilhelm Kreischer, Brauereidirektor, Wahn; Klemens Kux, Gutsbesitzer, Wahn; Gottfried Kappelmann, Gutsbesitzer, Libur
  • 3. Klasse: Peter Neuhöfer, Gutsbesitzer, Libur; Josef Borsch, Postverwalter, Wahn; Heinrich Pütz, Rentner, Lind

1908[Bearbeiten]

Anfang 1908 schieden aus:

  • 3. Klasse: Wilhelm Büllesfeld, Bartel Giesen, Peter Reinold - alle Wahn
  • 2. Klasse: Peter Bongartz, Jakob Lichius, Christian Heep - alle Wahn
  • 1. Klasse: Dr. C. Meunier, Franz Scharrenbroich - beide Zündorf; Adam Immendorf, Langel

Die Wahlen fanden am 8., 9. und 10.1.1908 statt.

1909[Bearbeiten]

Ersatzwahlen. Im August 1909 schieden aus:

  • 3. Klasse: Josef Borsch, Postverwalter aus Wahn (verstorben)
  • 2. Klasse: Wilhelm Creischer, Brauereidirektor aus Wahn (Wegzug)

Die Ersatzwahlen fanden am 3. und 6.9.1909 statt. Gewählt wurden:

  • 2. Klasse: Heinrich Griesberg, Maurermeister, Langel, Zentrumspartei, 13 v. 13 Stimmen
  • 3. Klasse: Theodor Pohl, Fabrikschlosser aus Zündorf

1911[Bearbeiten]

Turnusmäßig schieden aus:

  • 3. Klasse: Heinrich Pütz aus Lind, Peter Neuhöfer aus Libur und Theodor Pohl aus Zündorf
  • 2. Klasse: Klemens Kux aus Wahn. Gottfried Capellmann aus Libur und Heinrich Griesberg aus Langel
  • 1. Klasse: Franz Seidelbach und Josef Börtsch aus Zündorf sowie Karl Droße aus Langel.

Neu gewählt wurden ...

1912[Bearbeiten]

Turnusgemäß schieden aus:

  • 3. Klasse: Peter Reinold aus Wahn
  • 2. Klasse: Wilhelm Büllesbach und Peter Bongartz aus Wahn

Wahlen am 5. und 12. Oktober.

1919[Bearbeiten]

Gewählt wurden am 16.11.1919:

  • Zentrum - 1480 Stimmen / 13 Sitze: Heinrich Bosch, Karl Kalteyer, Karl Klein, Josef Krings, Bernhard Krämer, Franz Ludwig, Peter Neuhöfer, Heinrich Noak, Bartel Offermann, Wilhelm Trompetter
  • SPD - 586 Stimmen / 5 Sitze: Paul Brätter, Oskar Heinze, Heinrich Klein, Friedrich Plückthun, Karl Schindler
  • Bürgermeister: Bruno Oedekoven (Zentrum)

1924[Bearbeiten]

Gewählt wurden am 4. Mai:

  • Zentrum - 1158 Stimmen / 11 Sitze: Heinrich Baedorf, Josef Börsch, Zimmermeister Heinrich Euler, Wahn; Gottfried Hungenberg, Carl Kalteyer, Bernhard Krämer, Christian Lauf, Franz Ludwig, Peter Josef Platz, Franz Weinand, Josef Weiser
  • SPD - 287 Stimmen / 2 Sitze: Paul Brätter, Andreas Börsch
  • Vereingte Arbeiterpartei - 313 Stimmen / 2 Sitze: Josef Kirsch, Heinrich Klein
  • KPD - 253 Stimmen / 2 Sitze: Johann Roske, Franz Wieland
  • DVP - 179 Stimmen / 1 Sitz: Eugen Plewig
  • Wahlvorschlag Best - 104 Stimmen / kein Sitz
  • Wahlvorschlag Giesen - 100 Stimmen / kein Sitz

Weiterer Gemeindeverordneter: Edmund Kaspers

  • Bürgermeister: Bruno Oedekoven (Zentrum)

Die Mandatsträger[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bis 1848 übte der Bürgermeister der Gemeinde Heumar zugleich das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Wahn aus. Bis 1886 war das Wohnhaus des Bürgermeisters zugleich auch sein Amtssitz.

  • 1814-1815: Max Forsbach, Gutsbesitzer aus Urbach
  • 1815-1831: Alois Mathias Böcker / Aloys Boecker[6], Wahn
  • 1831-1834: Clemens von Eltz-Rübenach, Schlossherr aus Wahn
  • 1834-1850 Ludwig Süren, Wahn (*1800)
  • 1850-1863: Josef Busbach
  • 1863-1904: Peter Josef Ottersbach (1839-1904)[7]
  • 1904-1929: Bruno Oedekoven; Stellv.: Elias

Beigeordnete[Bearbeiten]

  • Im April 1847 wurden ernannt: zum 1. Beigeoordneten Ludwig Weiser aus Oberzündorf; zum 2. Beigeoordneten Heinrich Schmitz aus Wahn; zum 3. Beigeordneten Wilhelm Pohl aus Niederzündorf
  • Im März 1906 werden die Herren Büllesfeld aus Wahn und Courth aus Zündorf als Beigeordnete wiederernannt.
  • Im April 1906 wird der Postverwalter a.D. Bongartz als Beigeordneter eingeführt.

Gemeinderatsmitglieder[Bearbeiten]

(Text)

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Henseler, Paul: Politische Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Unser Porz 10.1968
Porzky, Eugenie und Jürgen Huck: Politische Strömungen im Raume Porz 1918-1933. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 1, 1975.
Im Historischen Archiv der Stadt Köln lagern unter der Best. 9001B die Protokolle des Rates und der Ausschüsse der Stadt Porz und ihrer Vorgängergemeinden.

  1. zit. n. Aders, Gebhard: Entwicklung der Besiedelung.... In: Rechtsrheinisches Köln 22.1996.
  2. zit. n. Henseler: Polit. Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jhdts.
  3. zit. n. Schwalm, Frank: Porz. Bergisches Tor am Rhein. Köln 2004.
  4. Mitglied des Gemeinderats seit 1883, seit 1894 Beigeordneter. Mitglied des Kirchen- und Schulvorstandes Wahn.
  5. vgl. Rheinischer Merkur v. 12.2.1890.
  6. Vom 8.3.1831 bis zum 28.08.1836 war Böcker darauf folgend Bürgermeister von Mülheim.
  7. Peter J. Ottersbach starb am ersten Tag seines Ruhestands infolge eines Schlaganfalls. Sein und seiner Frau Anna Johanna geb. Dietzgen Grab findet sich noch heute auf dem Friedhof Wahn.