Gemeinde Heumar

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Die Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Heumar bzw. Bürgermeisterei Heumar war eine Gebietskörperschaft im Landkreis Mülheim weitgehend auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Köln-Porz. Sie wurde im November 1808 unter französischer Besatzung als Mairie Heumar gegründet. Zu ihr gehörten die Dörfer Heumar, Westhoven, Ensen, Porz, Eil, Urbach und Elsdorf. Die Mairien (frz. für Bürgermeistereien) waren die kleinste Verwaltungseinheit im damaligen Großherzogtum Berg. Zu dieser Zeit hatten Gemeinderäte kaum Kompetenzen und trafen sich nur einmal jährlich. Nach einer Interimszeit 1813 bis 1815 fiel das Gebiet an den preußischen König, aus den Mairien wurden Gemeinden und die Rechte der Gemeinderäte erweiterten sich. In den Jahren 1814/15 war Max Forsbach Bürgermeister von Heumar, danach von 1815 bis 1831 Aloys Boecker, und zwar zugleich als Bürgermeister der Gemeinde Wahn (siehe unten). Zwischen den Volkszählungen jeweils im Dezember 1900 und 1905 wuchs die Gemeinde um 32 Prozent von 6.052 auf 7.986 Personen an. Davon wohnten 2.474 in Porz/Porz-Urbach, 1.379 in Urbach, 1.239 in Ensen, 1.135 in Eil, 830 in Heumar, 604 in Westhoven und 325 in Elsdorf.

Bensberger Volkszeitung, 6.9.1928

Der Gemeinderat Heumar wurde bereits ab ca. 1919 auch als Gemeinderat Porz bezeichnet, die Körperschaft im September 1928 offiziell in Landgemeinde Porz umbenannt. Nach der Vereinigung mit der 1929 aufgelösten Gemeinde Wahn findet sich ab 1930 auch die Bezeichnung Großgemeinde Porz. Dies war also keine Terminologie erst der Nationalsozialisten. Vielmehr hat beispielsweise der damalige Landrat des Kreises Mülheim, Eberhard, 1930 in einem Vortrag von der erfolgten "Zusammenlegung der beiden alten Gemeinden Porz und Wahn zur Großgemeinde Porz"[1] gesprochen.

Die Wahlverfahren[Bearbeiten]

1849 wurde das Dreiklassenwahlrecht eingeführt, aufbauend auf der Steuerleistung: Die Wähler (Frauen und männliche Personen unter 24 Jahren hatten kein Wahlrecht) und zu wählenden Personen wurden in drei Abteilungen eingeteilt. Jede Abteilung stellte ein Drittel der Abgeordneten, in der ersten Abteilung die steuerkräftigen Personen, in der zweiten Abteilung die Mittelschicht und in der dritten Abteilung Personen, die niedrige oder keine Steuern zahlten. Die Abteilungen wurden eine Drittelung der Gesamtsumme der Steuerbeträge aller Wähler gebildet. Wer in den letzten 12 Monaten Armenunterstützung erhalten hatte, war gar nicht wahlberechtigt. Damit hatten die reichsten Einwohner ein starkes Übergewicht und wurden als "Meistbegüterte" mitunter sogar automatisch Gemeindevertreter.

Die Wahlbestimmungen änderten sich. Die Gemeindeordnung für die Rheinprovinz v. 23.7.1845 bestimmte in § 49 eine Wahl auf sechs Jahre, aber nach drei Jahren habe die Hälfte der Gemeindeverordneten auszuscheiden. Hierzu wurden Lose gezogen. Es gab einen durch Bekanntmachung angekündigten Nachwahltermin, zu dem die in Listen erfassten Wahlberechtigten erscheinen konnten. Wiederwahl war zulässig. Die Zahl der Wahlberechtigten bestimmte die Zahl der Mandate, Kandidaten mit absoluter Stimmenmehrheit galten als gewählt.
Die Gemeinde-Ordnung für den Preußischen Staat v. 11.3.1850 hob die alte Ordnung auf und bestimmte in § 16 nun das Ausscheiden von einem Drittel der Gemeindeverordneten alle zwei Jahre. Später wurde die ältere Gemeindeordnung für die Rheinprovinz wieder in Kraft gesetzt. Die Bürgermeister wurden zunächst nicht gewählt, sondern vom preußischen Staat bestimmt und eingesetzt. Gleiches galt für die Beigeordneten in sechsjähriger Amtsdauer.

Das Ortsstatut sah ab 1892 vor, dass die Mitglieder des Gemeinderats nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl aus jeder einzelnen Ortschaft zu wählen sind, maßgeblich war hierfür das Ergebnis der letzten Volkszählung. Im Januar 1907 beschloß der Gemeinderat, die Wahlberechtigten über ihre Wahlberechtigung mittels Postkarten zu benachrichtigen.

In der Weimarer Republik galt die Stimme jedes volljährigen Bürgers gleich - und auch die Frauen hatten nun das Wahlrecht. Und der Bürgermeister wurde nun durch die gewählten Gemeindevertreter bestimmt.

Rheinischer Merkur v. 22.10.1888

Die Wahlen in Preußen und im Kaiserreich[Bearbeiten]

Mit eigenem Stichwort werden in diesem Wiki Wahlergebnisse der Gemeinde Heumar für die Jahre 1855 bis 1909 ausgewiesen.

  • 15.11.1855 - ein Drittel schied aus, Nachwahlen am 30.11.1855
  • 18.10.1888 - die Hälfte schied aus, Nachwahlen am 31.11.1888
  • 31.12.1906 - die Hälfte schied aus, Nachwahlen am 5./6.10.1906
  • 31.12.1909 - die Hälfte schied aus, Nachwahlen am 15./18.21.12.1909
Um 1910 bekämpften sich Zentrum und Sozialdemokratie in Wahlzeiten mit Mitteln, die alles andere als demokratisch waren. Während Sozialdemokraten in einigen Gegenden (u.a. Mülheim) an Ladentüren Zettel mit der Aufschrift "Hat Schwarz gewählt" hefteten, suchten in Ensen bei einer Hauptwahl im Februar 1910 Zentrumsleute das Wahllokal auf und notierten die Namen all jener Wähler, die ihr Wahlrecht ausgeübt hatten. Zwar wurden sie vom Wahlvorstand zunächst aus dem Raum verwiesen. Jedoch - der (Zentrums-)Bürgermeister der Gemeinde Heumar wies den Wahlleiter daraufhin telefonisch an, diese Ausspähung zu dulden.[2]

19. / 21. / 26. November 1912[Bearbeiten]

Matthias Broicher aus Porz war ab Juli 1912 ein "geborenes Mitglied".

Zum Jahresende 1912 schieden aus: Franz Thelen, Heumar; Melchior Jakobs, Eil; Heinrich Forsbach, Eil; Alois Marx, Urbach; Gerhard Metzger, Urbach; Peter Meyer, Urbach; Engelbert Wolf, Elsdorf; Dr. Robert Schnütgen, Porz; Johann Cremer, Ensen. Neu gewählt wurden auf sechs Jahre:

I. Klasse[3]:

  • Kaufmann Heinrich Schmitz, Porz; Werkmeister Josef Brock, Porz und Landwirt Heinrich Holdorf, Ensen.

Wahlergebnisse Weimarer Republik[Bearbeiten]

16. November 1919
Das Zentrum stellte gemeinsam mit dem katholischen Arbeiterverein und der christlichen Gewerkschaft eine Liste "Christlichsoziale Volkspartei" auf. Auf ihr kandidierten 24 Personen.

Ergebnis:

  • Zentrum/CV - 2015 Stimmen / 14 Sitze: Franz Bennauer, Gemeinde-Rentmeister, Porz; Dr. Paul Schneider, Arzt Alexianer-Krankenhaus, Ensen; Johann Barz, Lehrer, Urbach; Andreas Meller, Gutsbesitzer, Eil; Wilhelm Krämer, Dreher, Heumar; Johann Schmitz, Eisenbahn-Weichensteller, Westhoven; Wilhelm Hohnrath, Landwirt, Elsdorf; Heinrich Billstein, Glasarbeiter, Porz; Adolf Johnen, Fabrikarbeiter, Ensen; Karl Hermanns, Stellmachermeister, Porz; Heinrich Lob, Eisenstanzer, Urbach; Johann Büscher, Fabrikarbeiter, Eil; Jakob Werheit, Maschinenschreiner, Heumar; Philipp Habbig, Friseur, Ensen.
  • SPD - 1314 Stimmen / 9 Sitze
  • Mittelstand - 228 Stimmen / 1 Sitz
  • DVP - 125 Stimmen / kein Sitz
  • DDP - 104 Stimmen / kein Sitz
  • Bürgermeister: Wilhelm Schmitz-Hübsch (Zentrum, bis 10/1921 komm.)

4. Mai 1924

  • Zentrum - 1942 Stimmen / 10 Sitze: Johann Barz, Urbach; Adolf Bellinghausen, Gremberghoven; Heinrich Billstein; Karl Hermanns, Porz; Heinrich Lehn, Eil; Ludwig Reinold, Ensen; Wilhelm Scharrenbroich; Ludwig Schmidt, Porz; Josef Schunk, Elsdorf; Jakob Werheit.
  • KPD - 979 Stimmen / 5 Sitze: Johann Beckschäfer bis Ende 1924 dann Josef Winkelmann, Gremberghoven; Christian Herkenrath, Ensen; Theodor Keller, Westhoven; Lina Kretzen, Porz; Christian Roth bzw. später Fritz Hünerberg, Porz bzw. später Mathias Sauer
  • SPD - 946 Stimmen / 5 Sitze: Johann Berger, Porz; Mathias Brendt, Gremberghoven; Anton Burken, Porz; Josef Jenn, Ensen; Franz Joistgen, Urbach bzw. später Franz Decker
  • Bürgerliche Vereinigung - 797 Stimmen / 4 Sitze: Paul Braun, Porz; Alex Lehner, Gremberghoven; Jean Neesen, Porz bzw. später Karl Behle; Max Stursberg, Porz
  • Bürgermeister: Wilhelm Schmitz-Hübsch (Zentrum)

Die Mandatsträger[Bearbeiten]

Meldung Kölnische Zeitung v. 31.12.1847
Kölner Nachrichten v. 16.10.1890

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bis 1848 übte der Bürgermeister der Samtgemeinde Heumar zugleich das Amt des Bürgermeisters der Samtgemeinde Wahn aus. Bis 1886 war das Wohnhaus des Bürgermeisters zugleich auch sein Amtssitz.

  • 1814-1815: Max Forsbach, Gutsbesitzer aus Urbach
  • 1815-1831: Alois Mathias Böcker / Aloys Boecker[4], Wahn
  • 1831-1834: Clemens von Eltz-Rübenach, Schlossherr aus Wahn
  • 1834-12.1847 Ludwig Süren, Wahn (*1850)
  • 1848-1850: Theodor Forsbach, Urbach (+1879)
  • 1851-1875: Bernhard Sternenberg, (1817-1892), Gutsbesitzer aus Urbach
  • 1875-1889: Martin Jacobs (1818-1889), Hofbesitzer aus Porz
  • 1889-1906.10: Theodor Josef Ernst, "reicher Junggeselle" aus Köln
  • 1906.10-1906.12: Christian Keusch, 1. Beigeordneter, kommissarisch

Das Wahlverfahren 1906: Auf die Ausschreibung bewarben sich 70 Personen, der Gemeinderat wählt drei Kandidaten aus. Der Landkreisausschuss Mülheim am Rhein schlägt hieraus einen Kandidaten dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz vor. Der entscheidet nun und ernennt den neuen Bürgermeister.

  • 1907.01-1919: Rudolf Lütz
  • 1919-1929: Wilhelm Schmitz-Hübsch

Beisitzer /Beigeordnete[Bearbeiten]

Die Beigeordneten wurden vom Bürgermeister vorgeschlagen, der Vorschlag von den Gemeinderäten durch Beschluß unterstützt und die Kandidaten sodann durch einen Erlass des Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannt.

  • 1847: Ernannt wurden als 1. Beigeordneter Johann Marx aus Leidenhausen/Eil; als 2. Beigeordneter Michael Engels aus Westhoven; als 3. Beigeordneter Theodor Forsbach aus Urbach.
  • 1855: Johann David, Ackerer in Urbach; Christian Forsbach, Ackerer in Urbach; Peter Wilhelm Bennauer, Rotgerber in Porz
  • 1877-1910: Christian Keusch, Gutsbesitzer in Porz
  • 1901-1903: Franz Josef Limbach (+1903), Ziegeleibesitzer, Porz
  • 1904-1916: Peter Mülhens, Fabrikbesitzer, Gut Röttgen

Gemeinderatsmitglieder[Bearbeiten]

  • 18xx-1888: Max Marx, Gutsverwalter zu Leidenhausen (3. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Franz Küchenhofen, Heumar (3. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Johann Forsbach, Urbach (3. Wählerklasse)
  • vor 1879 -1888: Johann Peter Overath (+1904), Porz (2. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Jakob Bennauer, Porz (2. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Gottfried Stärk, Eil (2. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Gerhard Spickerbaum, Eil (1. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Johann Wolter, Westhoven (1. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Johann Wolf, Elsdorf (1. Wählerklasse)
  • 1863-1899: Freiherr Franz von Geyr-Schweppenburg (1833-1899), Schlossherr zu Röttgen (Geborenes Mitglied, 1. Wählerklasse)

Die Bevölkerung[Bearbeiten]

1828: 2.749 Einwohner; 1861: 3.857 Einwohner[5]; 1871: 3.711 Einwohner; 1875: 3.947 Einwohner; 1880: 4.277 Einwohner[6]; 1890: 4.749 Einwohner; 1900: 6.052 Einwohner; 1910: 9.488 Einwohner; 1920: 10.385 Einwohner; 1925: 12.053 Einwohner[7]

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Henseler, Paul: Politische Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Unser Porz 10.1968
Porzky, Eugenie und Jürgen Huck: Politische Strömungen im Raume Porz 1918-1933. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 1, 1975.
Im Historischen Archiv der Stadt Köln lagern unter der Best. 9001B die Protokolle des Rates und der Ausschüsse der Stadt Porz und ihrer Vorgängergemeinden. Bestände zu Heumar sind: 1846-1850; die Jahre 1851 bis August 1897 sind nicht erhalten geblieben; 1897-1907 (Best. 9001B A1 Bd. 12); 1907-1916 (Best. 9001B A1 Bd. 13) etc.

  1. Rheinisch-Bergische Zeitung v. 19.3.1930
  2. vgl. Meldung in Kölner Lokal-Anzeiger v. 22.2.1910
  3. vgl. Kölner Lokal-Anzeiger v. 20.11.1912
  4. Vom 8.3.1831 bis zum 28.08.1836 war Böcker darauf folgend Bürgermeister von Mülheim.
  5. zit. n. Aders, Gebhard: Entwicklung der Besiedelung.... In: Rechtsrheinisches Köln 22.1996.
  6. zit. n. Henseler: Polit. Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jhdts.
  7. zit. n. Schwalm, Frank: Porz. Bergisches Tor am Rhein. Köln 2004.