Gemeinde Heumar

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Die Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Heumar bzw. Bürgermeisterei Heumar war eine Gebietskörperschaft im Landkreis Mülheim weitgehend auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Köln-Porz. Sie wurde im November 1808 unter französischer Besatzung als Mairie Heumar gegründet. Zu ihr gehörten die Dörfer Heumar, Westhoven, Ensen, Porz, Eil, Urbach und Elsdorf. Die Mairien (frz. für Bürgermeistereien) waren die kleinste Verwaltungseinheit im damaligen Großherzogtum Berg. Zu dieser Zeit hatten Gemeinderäte kaum Kompetenzen und trafen sich nur einmal jährlich. Nach einer Interimszeit 1813 bis 1815 fiel das Gebiet an den preußischen König, aus den Mairien wurden Gemeinden und die Rechte der Gemeinderäte erweiterten sich. In den Jahren 1814/15 war Max Forsbach Bürgermeister von Heumar, danach von 1815 bis 1831 Aloys Boecker, und zwar zugleich als Bürgermeister der Gemeinde Wahn (siehe unten). Zwischen den Volkszählungen jeweils im Dezember 1900 und 1905 wuchs die Gemeinde um 32 Prozent von 6.052 auf 7.986 Personen an. Davon wohnten 2.474 in Porz/Porz-Urbach, 1.379 in Urbach, 1.239 in Ensen, 1.135 in Eil, 830 in Heumar, 604 in Westhoven und 325 in Elsdorf.

Bensberger Volkszeitung, 6.9.1928

Der Gemeinderat Heumar wurde bereits ab ca. 1919 auch als Gemeinderat Porz bezeichnet, die Körperschaft im September 1928 offiziell in Landgemeinde Porz umbenannt. Nach der Vereinigung mit der 1929 aufgelösten Gemeinde Wahn findet sich ab 1930 auch die Bezeichnung Großgemeinde Porz. Dies war also keine Terminologie erst der Nationalsozialisten. Vielmehr hat beispielsweise der damalige Landrat des Kreises Mülheim, Eberhard, 1930 in einem Vortrag von der erfolgten "Zusammenlegung der beiden alten Gemeinden Porz und Wahn zur Großgemeinde Porz"[1] gesprochen. Seit April 1919 waren die Sitzungen der Gemeinderäte in der Rheinprovinz öffentlich, bei bestimmten Themen konnte aber die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden.

Die Wahlverfahren[Bearbeiten]

1849 wurde das Dreiklassenwahlrecht eingeführt, aufbauend auf der Steuerleistung: Die Wähler (Frauen und männliche Personen unter 24 Jahren hatten kein Wahlrecht) und zu wählenden Personen wurden in drei Abteilungen eingeteilt. Jede Abteilung stellte ein Drittel der Abgeordneten, in der ersten Abteilung die steuerkräftigen Personen, in der zweiten Abteilung die Mittelschicht und in der dritten Abteilung Personen, die niedrige oder keine Steuern zahlten. Die Abteilungen wurden eine Drittelung der Gesamtsumme der Steuerbeträge aller Wähler gebildet. Wer in den letzten 12 Monaten Armenunterstützung erhalten hatte, war gar nicht wahlberechtigt. Damit hatten die reichsten Einwohner ein starkes Übergewicht, zudem wurden die "Meistbegüterten" sogar automatisch Gemeindevertreter. Zudem waren die Wahlen in den Wahllokalen nicht geheim.

Die Wahlbestimmungen änderten sich. Die Gemeindeordnung für die Rheinprovinz v. 23.7.1845 bestimmte in § 49 eine Wahl auf sechs Jahre, aber nach drei Jahren habe die Hälfte der Gemeindeverordneten auszuscheiden. Hierzu wurden Lose gezogen. Es gab einen durch Bekanntmachung angekündigten Nachwahltermin, zu dem die in Listen erfassten Wahlberechtigten erscheinen konnten. Wiederwahl war zulässig. Die Zahl der Wahlberechtigten bestimmte die Zahl der Mandate, Kandidaten mit absoluter Stimmenmehrheit galten als gewählt.
Die Gemeinde-Ordnung für den Preußischen Staat v. 11.3.1850 hob die alte Ordnung auf und bestimmte in § 16 nun das Ausscheiden von einem Drittel der Gemeindeverordneten alle zwei Jahre. Später wurde die ältere Gemeindeordnung für die Rheinprovinz wieder in Kraft gesetzt. Die Bürgermeister wurden zunächst nicht gewählt, sondern vom preußischen Staat bestimmt und eingesetzt. Gleiches galt für die Beigeordneten in sechsjähriger Amtsdauer.

Das Ortsstatut sah ab 1892 vor, dass die Mitglieder des Gemeinderats nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl aus jeder einzelnen Ortschaft zu wählen sind, maßgeblich war hierfür das Ergebnis der letzten Volkszählung. Im Januar 1907 beschloß der Gemeinderat, die Wahlberechtigten über ihre Wahlberechtigung mittels Postkarten zu benachrichtigen.

In der Weimarer Republik galt die Stimme jedes volljährigen Bürgers gleich - und auch die Frauen hatten nun das Wahlrecht, das geheinm ausgeübt wurde. Und der Bürgermeister wurde nun durch die gewählten Gemeindevertreter bestimmt.

Wahlen: Preußen und Kaiserreich[Bearbeiten]

Mit eigenem Stichwort werden in diesem Wiki Wahlergebnisse der Gemeinde Heumar für die Jahre 1855 bis 1909 ausgewiesen:

  • 15.11.1855 - ein Drittel schied aus, Nachwahlen am 30.11.1855
  • 18.10.1888 - die Hälfte schied aus, Nachwahlen am 31.11.1888
  • 31.12.1906 - die Hälfte schied aus, Nachwahlen am 5./6.10.1906
  • 31.12.1909 - die Hälfte schied aus, Nachwahlen am 15./18.21.12.1909
Um 1910 bekämpften sich Zentrum und Sozialdemokratie in Wahlzeiten mit Mitteln, die alles andere als demokratisch waren. Während Sozialdemokraten in einigen Gegenden (u.a. Mülheim) an Ladentüren Zettel mit der Aufschrift "Hat Schwarz gewählt" hefteten, suchten in Ensen bei einer Hauptwahl im Februar 1910 Zentrumsleute das Wahllokal auf und notierten die Namen all jener Wähler, die ihr Wahlrecht ausgeübt hatten. Zwar wurden sie vom Wahlvorstand zunächst aus dem Raum verwiesen. Jedoch - der (Zentrums-)Bürgermeister der Gemeinde Heumar wies den Wahlleiter daraufhin telefonisch an, diese Ausspähung zu dulden.[2]

1910[Bearbeiten]

Im September 1910 wurde Peter Mühlens als "Meistbegüterter" automatisch Mitglied im Gemeinderat.

1912[Bearbeiten]

Im Juli 1912 wurde Mathias Broicher als "Meistbegüterter" automatisch Mitglied im Gemeinderat.

Zum Jahresende 1912 schieden aus:

  • 1. Klasse: Franz Thelen, Heumar; Alois Marx, Urbach; Engelbert Wolf, Elsdorf
  • 2. Klasse: Melchior Jakobs, Eil; Gerhard Metzger, Urbach; Dr. Robert Schnütgen, Porz
  • 3. Klasse: Heinrich Forsbach, Eil; Peter Meyer, Urbach; Johann Cremer, Ensen.

Neu gewählt wurden auf sechs Jahre am 19.11.:

  • I. Klasse: Kaufmann Heinrich Schmitz, Porz; Werkmeister Josef Brock, Porz und Landwirt Heinrich Holdorf, Ensen.[3]

Auf der Wählerliste I. Klasse wurde auch Ernst Georg Leonhardt geführt. Er besaß neben einem Zimmmer in der Gemeinde Heumar auch eine Wohnung in Köln. wurde dort aber nicht in der Wählerliste geführt. Dies nahm die Zentrumspartei (Freiherr v. Geyr, W. Hohnrath u.a.) zum Anlaß, seine Wahlberechtigung anzuzweifeln und die Wiederholung der Wahl vom 19.11. zu fordern[4].

  • II. Klasse, Wahl vom 21.11.: Franz Thelen, Heumar; Gerhard Metzger, Urbach; Alois Marx. Ubach

Bei der Wahl am 26.11.1912 für die III. Klasse wurde die inzwischen tiefe Spaltung der Porzer Zentrumspartei in eine treu-kirchliche und eine liberalere Fraktion durch zwei Listen "Zentrumspartei" (ihre Gegener betitelten "Volkszeitungs-Zentrums-Partei") und "Wahre Zentrumspartei" deutlich. Auch Sozialdemokraten traten an. Dennoch war es eine Personenwahl. Nach der Wahl stand nur der Fabrikarbeiter Christian Höck mit 467 Stimmen fest - er hatte sich auf beide Listen setzen lassen. Ansonsten lautete das Ergebnis:

  • Zentrumspartei - Fabrikarbeiter G. Stärk 262 St., Landwirt W. Hohnrath 260 St.
  • Wahre Zentrumspartei - Wilhelm Wurms 220 St. , Wilhelm Joistgen 224 St.
  • SPD - Anton Burken, Urbach 153 St.; Josef Jenn, Eil 151 St.; Max Betz, Porz 149 St.

Für die Stichwahl um die Plätze 2 und 3 gaben die unterlegenen Sozialdemokraten keine Empfehlung ab und plädierten auch nicht für eine Wahlenthaltung ihrer Anhänger, wie dies ihnen von Zentrumsvertretern nahegelegt worden war. Ihre Anhänger votierten daraufhin deutlich für die liberaleren Zentrumskandidaten Wilhelm Wurms und Wilhelm Joistgen, die dadurch auch die Stichwahl gewannen.

1909-1919: Lagerkämpfe unter Katholiken[Bearbeiten]

Spätestens ab 1910 gab es innerhalb der Zentrumspartei in Porz harte Flügelkämpfe. Auf der einen Seite stand ein liberal-katholisches Lager mit dem Bürgermeister Lütz, dem Beigeordneten Mülhens und weiteren Kräften. Sie hatten in der Kaiserzeit noch die Mehrheit im Gemeinderat und das Porz-Urbacher Volksblatt hinter sich. Ihnen stand ein antimodernistisches treukirchliches Lager um den Gutsbesitzer Eltz-Rübenach, den Gutsbesitzer Keusch und den Landwirt Hohnrath aus Elsdorf gegenüber, dass die althergebrachte Dominanz der katholischen Kirche und ihrer Pfarrer in den Bereichen Erziehung, Schule, Kulturangebote und die Nachrangigkeit der politischen Kräfte demgegenüber um jeden Preis bewahren wollte. Hierzu wurde eigens 1910 die Volkszeitung in Konkkurenz zum Bürgermeister, zum bestehenden Gemeinderat und zur Porz-Urbacher Volksblatt gegründet[5]. Die Gemeindewahlen 1912 wurden mit zwei konkurrierenden Zentrums-Listen durchgeführt, das liberal-katholische Lager obsiegte. Scharfer Agitator des treukirchlichen Lagers im Porzer Raum war der verantwortliche Redakteur des Volks-Blatts, Johannes Breddemann. Ihn ließ das Lager aber nach seiner Verurteilung wegen falschen Tatsachenbehauptungen und Beleidigung des Bürgermeisters im Herbst 1912 fallen. Bereits damals war der Parteisekretär des Zentrums aus Mülheim, Wernerus, seit 1910 ein wesentlicher Strippenzieher der Treukirchlichen im Hintergrund.

Im April 1914 beantragten der Fabrikbesitzer Georg Seidel und der Gutsbesiter Engelbert Wolf, als geborene Mitglieder in den Gemeinderat zu gelangen. Dies lehnte zunächst der Bürgermeister ab. In beiden Fällen waren zwar Nachweise über die Höhe von Grundsteuer-Zahlungen eingereicht worden, aber die Zurechnung zu den Herren war dem Bürgermeister zweifelhaft. Im Fall Seidel zumindest gehörten die meisten Güter als Erbe der Ehefrau Seidel, geb. Keusch. 13 der 15 Gemeinderatsmitglieder teilten die Position des Bürgermeisters. Eine Beschwerde beim Kreisausschuß bestätigte das Anrecht Seidels - eine Errungenschaftsgemeinschaft der Ehegatten sei dem Ehemann zuzurechnen. Der vom Gemeinderat angerufene Bezirksausschuß bestätigte dann aber am 23.2.1915 das Anrecht von Geoorg Seidel, auch mit Verweis auf Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts.

1918/19 wiederholte sich das Szenario von 1911/12. Inzwischen war es die "Volks-Zeitung" des Zentrums aus Mülheim, die gegen Lütz auftrat, in Versammlungen agitierte neben Wernerus der Redakteur Paul Saupe des "Kölner Lokal-Anzeigers" für die Treukirchlichen. Die Tonalität übertraf die Jahre 1911/12. Inzwischen hatte das treukirchliche Lager nicht nur die katholischen Gewerkschaften im Porzer Raum fest im Griff, sondern wohl auch in den Zentrums-Ortsvereinen in der Gemeinde die Oberhand. Hinzu kam, dass fast die gesamte Tagespresse im Kölner und rechtsrheinischen Raum (Volkszeitungen und Kölner Lokal-Anzeiger) treukirchlich ausgerichtet war und so gemeinsam mit den katholischen Pfarrern und den diversen katholischen Vereinen die Öffentlichkeit und damit die Informationsversorgung der Bevölkerung dominierte.

In einer Versammlung der - faktisch katholischen - Christlichen Gewerkschaft im Porzer Hof Ende November 1918 unter Leitung des Landwirts Hohnrath behauptete Wernerus als Redner nich nur zu Unrecht, bei den Wahlen 1912 hätten zwei Instanzen die Klage auf Wahlfälschungen des Bürgermeisters bestätigt. Denn tatsächlich waren dies keine Gerichte, sondern der Kreis- und der Bezirksausschuss von Mülheim. Der Bezirksausschuss folgte als zweite "Instanz" der Entscheidung des Kreisausschusses mitnichten, sondern forderte bisher juristisch belastbare Belege, die stichhaltiger wären als die bisher von den Einspruch Erhebenden. Doch Wernerus hetzte noch weiter: "Die vier Jahre Krieg mit all ihren Gelegenheiten zu schmutzigen Geschäften hätten beim Bürgermeister Lütz und seinen Helfershelfern eine Tätigkeit hervorgerufen, die einfach zum Himmel schreie. Dabei sei der Bürgermeister über Leichen gegangen. Wer von den Gemeindebeamten ihm nicht zu Willen war, wurde einfach mit Hilfe des Bezirkskommandos in den Schützengraben befördert." [6] Der systematische Rufmord der treukirchlichen Zentrum-Agitatoren wirkte: Bürgermeister Lütz ließ sich seit Mitte April 1919 krankheitsbedingt vertreten. Zur Gemeinderatssitzung am 27. Juni erschien extra Landrat Eberhard. Er verkündete im nichtöffentlichen Teil der Sitzung, Bürgermeister Lütz werde zum 1. Juli wegen erschütterter Gesundheit in den Ruhestand treten. Zudem stellte er richtig, gegen die Amtsführung von Lütz lägen amtlich keinerlei Anwürfe vor.

Inzwischen übernahm durch Entscheid der Bezirksregierung der Assessor Wilhelm Schmitz-Hübsch (Zentrum) das Amt, zunächst kommmissarisch. Schmitz-Hübsch wurde im Oktober 1921 regulärer Bürgermeister der Gemeinde Heumar und später auch der Gemeinde Porz. Er konnte damals nicht ahnen, dass auch er sich gezwungen sehen würde, sein Bürgermeisteramt aufgrund äußeren psychischen Drucks (durch Nationalsozialisten 1933) aufzugeben.

Arbeiter- und Soldatenrat 1918[Bearbeiten]

Am 8.11.1918 bildeten Arbeiter aus Porz im Zuge der November-Revolution für die Gemeinde Heumar ein provisorischer Arbeiter- und Soldatenrat. Er rief die Bevölkerung zu einer Volksversammlung am 10.11. im Dilgenschen Saal auf. Diese Versammlung wurde von Anton Burken geleitet. Die Versammlung wählte sieben Personen in den "endgültigen" Arbeiterrat "für die gesammten Orte der Bürgermeisterei", darunter vier Sozialdemokraten: für Porz Max Betz, Sandformer, Ludwig Brück und Paul Ender, sowie für Ensen-Westhoven Josef Jenn. Zudem wurden drei Zentrumsmitglieder bestimmt: für Porz der Rektor Carl Breuer, für Eil der Schlosser Christian Höck und für Urbach-Elsdorf der Lehrer Johann Barz.[7]

In merkwürdigem Kontrast zu dieser zeitgenössischen Quelle steht eine Einsendung von Jacob Werheit aus Heumar ein Jahr später[8]. Er beschrieb dort einen Siebenerrat aus sechs Sozialdemokraten und ihm als Zentrumsmitglied. Die Anderen hätten ihn schließlich zur Mitgliedschaft in der SPD genötigt, was er pro Forma vollzog bis zur Auflösung des Rates. Erklärbar ist dies nur als ein isoliert Heumarer Rat. In der Porzer Versammlung war anscheinend auch niemand aus Heumar zugegen, noch wurde für Heumar eine Person gewählt.

Da aber die englischen Besatzungsbehörden Arbeiter- und Soldatenräte nicht anerkannten, lösten sich die Räte bereits im Dezember 1918 wieder auf.

Die Weimarer Republik[Bearbeiten]

Seit ihrer Ankunft gegen Ende des Jahres 1918 hatte die britische Militärbehörde im Bürgermeisteramt einen Polizei-Offizier stationiert, der in der Gemeinde Heumar mit seinen Militärpolizisten die Einhaltung des Besatzungsrechts überwachte. Ein ständig tagendes britisches Kriegsgericht ahndete Verstöße der Bevölkerung gegen das Besatzungsrecht mit Geld- und Haftstrafen.

Im Frühjahr 1919 geplante Gemeindewahlen wurden zunächst von der Besatzungsbehörde verboten, daher fanden die Wahlen erst im November statt. Zu dieser Zeit bildeten den Gemeinderat Heumar, basierend auf dem Dreiklassenwahlrecht und Wahlergebnissen der Jahre 1909 bis 1912:

  • Borsbach, Josef Brock, Mathias Broicher, Heinrich Holdorf, Christian Höck, Dr. Jacobs, Joestgen, Lehmacher, Meller, Gerhard Metzger, Röseler, Schneider, Heinrich Schmitz, Franz Thelen, Wieneke
  • zudem die drei Beigeordneten Sternenberg, Mülhens und Graf

Seit April 1919 waren die Sitzungen der Gemeinderäte in der Rheinprovinz öffentlich, bei bestimmten Themen konnte aber die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Daher wurde für die Gemeinderatssitzung am 22. Mai im Sitzungssaal eine Trennung in die Bereiche Gemeindeverordnete und Zuschauer geschaffen. Hinsichtlich der Beigeordneten schlug der Gemeinderat der Regierung jeweils drei Kandidaten vor, die REgierung bestimmte dann den jeweiligen Beigeordneten endgültig.

Neukonstituierung 1919[Bearbeiten]

Bei der ersten Gemeinderatswahlen in der frischen Republik im November 1919 waren 24 Gemeindeverordnete zu bestimmen. Erstmals konkurrierten gleich fünf Listen um die Gunst der Wähler[9]. Das Zentrum stellte gemeinsam mit dem katholischen Arbeiterverein und der christlichen Gewerkschaft eine Liste "Christlichsoziale Volkspartei (Wahlvorschlag Bennauer)" auf, sie umfasste 24 Personen.

Die Ergebnisse vom 16. November:

  • Zentrum/CV - 2015 Stimmen / 14 Sitze: Franz Bennauer, Gemeinde-Rentmeister, Porz; Dr. Paul Schneider, Arzt Alexianer-Krankenhaus, Ensen; Johann Barz, Lehrer, Urbach; Andreas Meller, Gutsbesitzer, Eil; Wilhelm Krämer, Dreher (Werkmeister), Heumar; Johann Schmitz, Eisenbahn-Weichensteller, Westhoven; Wilhelm Hohnrath, Landwirt, Elsdorf; Heinrich Billstein, Glasarbeiter, Porz; Adolf Johnen, Fabrikarbeiter, Ensen; Karl Hermanns, Stellmachermeister, Porz; Heinrich Lob, Eisenstanzer, Urbach; Johann Büscher, Fabrikarbeiter, Eil; Jakob Werheit, Maschinenschreiner, Heumar; Philipp Habbig, Friseur, Ensen.
  • SPD - 1314 Stimmen / 9 Sitze: Johann Berger, Arbeiter aus Porz; Josef Jenn, Schmied in Ensen; Wilhelm Krux, Bohrer in Heumar; Franz Joistgen, Fabrikarbeiter aus Urbach; Adam Linden, Fabrikarbeiter aus Eil; Anton Burken, Dreher aus Porz; Peter Schmitz, Weichensteller a.D. aus Ensen; Jakob Werheid, Monteur aus Heumar; Anton Cichutek, Faßbinder aus Urbach.
  • Mittelstand - 228 Stimmen / 1 Sitz: Johann Neeßen, Installateur aus Porz.
  • DVP - 125 Stimmen / kein Sitz
  • DDP - 104 Stimmen / kein Sitz

Am 8. Dezember 1919 konstituierte sich der erste demokratisch gewählte Gemeinderat im Porzer Rathaus. Nach Grundsatzreden der Parteien wurde die Einrichtung mehrerer Kommissionen beschlossen, wobei deren Mitglieder durch Vereinbarung unter den Parteien bestimmt werden sollten:

  • Armendeputation:
  • Gesundheitskommission: 5 Räte, fünf weitere Personen und die 5 Ärzte der Gemeinde; die SPD sendet Auguste Betz, Ehefrau von Max Betz, in den Ausschuß
  • Gewerbliche Fortbildungsschule: 2 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer, zudem 5 Handwerker beratend
  • Gesamtausschuß Steuern: 14 Personen, darunter mindestens 7 Räte
  • Höhere Knabenschule: 8 Personen - 6 Räte, Bürgermeister, Schulleiter und als Lehrer Dr. Habrich
  • Höhere Mädchenschule: 8 Personen - 6 Räte, Bürgermeister, Schulleiter und als Lehrerin Frl. Köring[10]
  • Ernährungsausschuß: 13 Personen und die Gewerkschaftsvorsitzenden Sonn (Christliche Gewerkschaften) [11] und Kautz (Freie Gewerkschaften)[12]
  • Finanzkommission: 14 Personen und der Gemeinderentmeister
  • Wegebaukommission: 14 Räte nach Ortsschlüssel
  • Gemeindesparkassse: 8 Personen, mindestens 4 Räte, Bürgermeister und Rendant
  • Verfassungs- und Geschäftsordnungskommission: 9 Personen
  • (später) Preisprüfungsstelle: 10 Räte
  • (später) Schlichtungsausschuss des Mieteinigungsamtes: 6 Räte

Gewählt wurden zudem nach dem Verhältniswahlsystem 5 Abgeordnete für den Landkreistag Mülheim: Dr. Schneider, Meller, Krämer (alle Zentrum) sowie Joistgen und der Kaufmann Albert Hosp aus Ensen (SPD). Die Nachberichterstattung schließt das Volksblatt mit dem Satz: "Erst gegen ½10 Uhr schloß die interessante Sitzung, welche vor allem zeigte, daß die Parteien bemüht sind, gemeinsam zum Wohl unserer Gemeinde ihr Bestes zu leisten und unter Zurückstellung von Sonderwünschen nur der Allgemeinheit zu dienen."[13]

1924[Bearbeiten]

Die Ergebnisse vom 4. Mai:

  • Zentrum - 1942 Stimmen / 10 Sitze: Johann Barz, Urbach; Adolf Bellinghausen, Gremberghoven; Heinrich Billstein; Karl Hermanns, Porz; Heinrich Lehn, Eil; Ludwig Reinold, Ensen; Wilhelm Scharrenbroich; Ludwig Schmidt, Porz; Josef Schunk, Elsdorf; Jakob Werheit.
  • KPD - 979 Stimmen / 5 Sitze: Johann Beckschäfer bis Ende 1924 dann Josef Winkelmann, Gremberghoven; Christian Herkenrath, Ensen; Theodor Keller, Westhoven; Lina Kretzen, Porz; Christian Roth bzw. später Fritz Hünerberg, Porz bzw. später Mathias Sauer
  • SPD - 946 Stimmen / 5 Sitze: Johann Berger, Porz; Mathias Brendt, Gremberghoven; Anton Burken, Porz; Josef Jenn, Ensen; Franz Joistgen, Urbach bzw. später Franz Decker
  • Bürgerliche Vereinigung - 797 Stimmen / 4 Sitze: Paul Braun, Porz; Alex Lehner, Gremberghoven; Jean Neesen, Porz bzw. später Karl Behle; Max Stursberg, Porz
  • Bürgermeister: Wilhelm Schmitz-Hübsch (Zentrum)

Die Mandatsträger[Bearbeiten]

Meldung Kölnische Zeitung v. 31.12.1847
Kölner Nachrichten v. 16.10.1890

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bis 1848 übte der Bürgermeister der Samtgemeinde Heumar zugleich das Amt des Bürgermeisters der Samtgemeinde Wahn aus. Bis 1886 war das Wohnhaus des Bürgermeisters zugleich auch sein Amtssitz.

  • 1814-1815: Max Forsbach, Gutsbesitzer aus Urbach
  • 1815-1831: Alois Mathias Böcker / Aloys Boecker[14], Wahn
  • 1831-1834: Clemens von Eltz-Rübenach, Schlossherr aus Wahn
  • 1834-12.1847 Ludwig Süren, Wahn (*1850)
  • 1848-1850: Theodor Forsbach, Urbach (+1879)
  • 1851-1875: Bernhard Sternenberg, (1817-1892), Gutsbesitzer aus Urbach
  • 1875-1889: Martin Jacobs (1818-1889), Hofbesitzer aus Porz
  • 1889-1906.10: Theodor Josef Ernst, "reicher Junggeselle" aus Köln
  • 1906.10-1906.12: Christian Keusch, 1. Beigeordneter, kommissarisch

Das Wahlverfahren 1906: Auf die Ausschreibung bewarben sich 70 Personen, der Gemeinderat wählt drei Kandidaten aus. Der Landkreisausschuss Mülheim am Rhein schlägt hieraus einen Kandidaten dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz vor. Der entscheidet nun und ernennt den neuen Bürgermeister.

  • 1907.01-1919.04: Rudolf Lütz; ab 17.4.1919 vertrat Bertram Sternenberg den Bürgermeister wegen Krankheit.
  • 1919-1929: Wilhelm Schmitz-Hübsch; ab Mai 1919 zunächst in Vertretung.

Beisitzer /Beigeordnete[Bearbeiten]

Die Beigeordneten wurden vom Bürgermeister vorgeschlagen, der Vorschlag von den Gemeinderäten durch Beschluß unterstützt und die Kandidaten sodann durch einen Erlass des Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannt.

  • 1847: Ernannt wurden als 1. Beigeordneter Johann Marx aus Leidenhausen/Eil; als 2. Beigeordneter Michael Engels aus Westhoven; als 3. Beigeordneter Theodor Forsbach aus Urbach.
  • 1855: Johann David, Ackerer in Urbach; Christian Forsbach, Ackerer in Urbach; Peter Wilhelm Bennauer, Rotgerber in Porz
  • 1877-1910: Christian Keusch, Gutsbesitzer in Porz
  • 1901-1903: Franz Josef Limbach (+1903), Ziegeleibesitzer, Porz
  • 1904-1919: Peter Mülhens, Fabrik- und Gutsbesitzer auf Gut Röttgen
  • 1916-1919: Bertram Sternenberg, Gutsbesitzer in Urbach (1. Beigeordneter)
  • 1916-1920: Dr. Broicher, Arzt (2. Beigeordneter)
  • 1916-1922: Gottlob Graf, Fabrikdirektor
  • 1920-1926: Franz Bennauer, Gemeinderentmeister (1. Beigeordneter)
  • 1921-1930: Johann Berger, Arbeiter (2. Beigeordneter)

Frühe Gemeinderatsmitglieder[Bearbeiten]

  • 18xx-1888: Max Marx, Gutsverwalter zu Leidenhausen (3. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Franz Küchenhofen, Heumar (3. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Johann Forsbach, Urbach (3. Wählerklasse)
  • vor 1879 -1888: Johann Peter Overath (+1904), Porz (2. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Jakob Bennauer, Porz (2. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Gottfried Stärk, Eil (2. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Gerhard Spickerbaum, Eil (1. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Johann Wolter, Westhoven (1. Wählerklasse)
  • 18xx-1888: Johann Wolf, Elsdorf (1. Wählerklasse)
  • 1863-1899: Freiherr Franz von Geyr-Schweppenburg (1833-1899), Schlossherr zu Röttgen (Geborenes Mitglied, 1. Wählerklasse)

Die Bevölkerung[Bearbeiten]

1828: 2.749 Einwohner; 1861: 3.857 Einwohner[15]; 1871: 3.711 Einwohner; 1875: 3.947 Einwohner; 1880: 4.277 Einwohner[16]; 1890: 4.749 Einwohner; 1900: 6.052 Einwohner; 1910: 9.488 Einwohner; 1920: 10.385 Einwohner; 1925: 12.053 Einwohner[17]

Ergebnisse der Volkszählungen, PUV 10.12.1910

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Henseler, Paul: Politische Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Unser Porz 10.1968
Porzky, Eugenie und Jürgen Huck: Politische Strömungen im Raume Porz 1918-1933. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 1, 1975.
Im Historischen Archiv der Stadt Köln lagern unter der Best. 9001B die Protokolle des Rates und der Ausschüsse der Stadt Porz und ihrer Vorgängergemeinden. Bestände zu Heumar sind: 1846-1850; die Jahre 1851 bis August 1897 sind nicht erhalten geblieben; 1897-1907 (Best. 9001B A1 Bd. 12); 1907-1916 (Best. 9001B A1 Bd. 13) etc.

  1. Rheinisch-Bergische Zeitung v. 19.3.1930
  2. vgl. Meldung in Kölner Lokal-Anzeiger v. 22.2.1910
  3. vgl. Kölner Lokal-Anzeiger v. 20.11.1912
  4. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnte dies ab. Darauf entschied in erster Instanz der Kreisausschuß Mülheim im November 1913, die Wahl sei zu wiederholen. Doch der Bezirksausschuß bestätigte diese Entscheidung im Juli 1914 zunächst nicht und forderte weitere Prüfungen ein.
  5. Sie erschien ab Herbst 1913 nur noch als Kopfblatt des Zentrums-Organs "Mülheimer Volks-Zeitung" und wurde im Herst 1914 eingestellt.
  6. Mülheimer Volkszeitung v. 30.11.1918. Am Ende schwang sich diese Zentrums-Gewerkschaftler-Versammlung zu einer Resulution als "Bürgerversammlung" auf, die den Bürgermeister zum Rücktritt aufforderte. Zwei Tage später berichtete auch die Volkszeitung von Bergisch-Gladbach gleichlautend.
  7. Porz-Urbacher Volksblatt v. 12.11.1918.
  8. Porz-Urbacher Volksblatt v. 15.11.1919
  9. vgl. Porz-Urbacher Volksblatt v. 8.11.1919
  10. Lehrerinnen mussten im Kaiserreich unververheiratat sein. "Fräulein" Elisabeth Köring stammte aus Bad Münstereifel und unterrichtete bereits seit Juni 1913 an der Porzer höheren Mädchenschule. Ihre Schwester Klara leitete ab März 1914 die höhere Mädchenschule in Zülpich.
  11. Vermutlich Konrad Sonn, Glasarbeiter aus Urbach; er züchtete erfolgreich auch Kaninchen.
  12. Diese Person ist noch unklar.
  13. Porz-Urbacher Volksblatt v. 11.12.1919
  14. Vom 8.3.1831 bis zum 28.08.1836 war Böcker darauf folgend Bürgermeister von Mülheim.
  15. zit. n. Aders, Gebhard: Entwicklung der Besiedelung.... In: Rechtsrheinisches Köln 22.1996.
  16. zit. n. Henseler: Polit. Strömungen in der 2. Hälfte des 19. Jhdts.
  17. zit. n. Schwalm, Frank: Porz. Bergisches Tor am Rhein. Köln 2004.