Volkszeitung

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Geschichte[Bearbeiten]

Erstausgabe 1910

Im Herbst 1910 wurde in Porz (Mitte) die "Volkszeitung für die Bürgermeistereien Heumar, Wahn und Niederkassel" als Organ der Zentrums-Partei gegründet. Herausgeber war das neue Unternehmen Buchdruckerei und Verlagsanstalt GmbH Porz, ins Handelsregister eingetragen am 27. Juli 1910. Das Gesellschaftskapital betrug 30.000 Mark, zu den Gesellschaftern gehörten katholische Großgrundbesitzer und konservative Fabrikanten (v. Geyr, v. Eltz-Rübenach, Forsbach, Keusch, Seidel, Hohnrath). Das Gebäude für Druckerei und Verlag auf der Hauptstraße war Eigentum der Rheinischen Weinessig- und Konservenfabrik des Fabrikanten Georg Seidel. Er bildete auch gemeinsam mit Johannes Breddemann die Geschäftsführung.

Das Blatt diente als eine strategische Gründung des konservativen Flügels der Zentrumspartei gegen das liberalere bestehende Porz-Urbacher Volksblatt, um die Meinungsführerschaft des liberalen Flügels zu brechen. Es erschien ab dem 3. September 1910 dreimal wöchentlich, das Abonnement kostete per Zusteller 40 Pfennig monatlich, durch die Post bezogen 1,40 Mark im Vierteljahr. Der verantwortliche Redakteur Johannes Breddemann (1881 - 1941) war zuvor als Gewerkschaftssekretär und Referent des Gesamtverbandes Christlicher Gewerkschaftler in Köln tätig, als geschulter und ausdauernder Redner zudem auf vielen Zentrums-Veranstaltungen präsent. Auch in seiner neuen Funktion als Redakteur trat er weiterhin als Redner vor christlichen Arbeitervereinen und Zentrums-Versammlungen auf. Nachdem er aber den Bürgermeister in seinen Artikeln mehrfach hart angegriffen hatte, wurde er Anfang Februar 1912 wegen Verleumdung verurteilt. Sein Artikel "Wohin steuern wir in der Gemeinde Heumar" vom 8. Juli 1911 brachte ihm 200 Mark Geldstrafe und die Kosten des Verfahrens ein. Der Mitgeschäftsführer Seidel wurde freigesprochen.[1] Es folgte die Entbindung Breddemanns als Redakteur, obgleich der Artikel wohl im Interesse der Herausgeber erschienen war. Jean Keysers, als Nachfolger Breddemanns bestimmt, leitete die Redaktion nur ein knappes Jahr, dann erfolgte 1913 die Einstellung der Zeitung.

Breddemann verblieb in der Geschäftsführung der GmbH bis zum Januar 1914, dann wurde der Landwirt Wilhelm Hohnrath zu seinem Nachfolger bestimmt. Breddemann wurde nach diesem Zwischenspiel und der Teilnahme am Ersten Weltkrieg erneut als Gewerkschaftssekretär und Redakteur in Essen tätig. Die Ehefrau des Essener Gewerkschaftlers und Reichstagsabgeordneten Heinrich Imbusch, Franziska Breddemann, war seine Schwester.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Bestände in der zeitgeschichtlichen Sammlung des Historischen Archivs Köln

  1. Kölner Lokal-Anzeiger v. 14.2.1912