Rheinische Weinessig- und Konservenfabrik

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Gründung[Bearbeiten]

Ansichtskarte um 1916, Serie 426
Ansichtskarte um 1916, Serie 464
Ansichtskarte um 1916, Serie 426

Die Gebrüder Georg Seidel (1870-1935) und Joseph Seidel (1877-1919) gründeten am 1. Mai 1899 in Porz an der Hauptstraße Nr. 96-98 (heutige Lage Höhe 408-410) auf dem Grundstück ihres Vaters Heinrich eine Konservenfabrik. Zuvor betrieb Georg Seidel bereits in Köln-Ehrenfeld eine Essigfabrik, auf dem Grundstück des Vaters stand hingegen bis dahin nur die Familienvilla. Georg Seidels Frau Mathilde (1876-1927) war eine geborene Keusch, Christian Keusch somit sein Schwiegervater. Josef Seidel ehelichte Agnes Giersberg.

Produktion und Produktionsbedingungen[Bearbeiten]

Das Sortiment umfasste Konserven mit eingemachten Gurken und Bohnen, Gemüsekonserven, Sauerkraut, Weinessig, Essigsprit, Senf und Marmeladen und Früchtekonserven. Zum Teil wurden Obst und Gemüse auf eigenen Plantagen direkt in der Umgebung angebaut. In der Produktion beschäftigte die Firma weitgehend Frauen aus der Nachbarschaft. Jedoch zeigten Routinekontrollen und Ermittlungen zur Jahresmitte 1908, dass bei Seidel unangemeldet 14- bis 17-jährige Mädchen tätig waren und verbotenerweise sogar Dreizehnjährige. Die Mädchen arbeiteten werktags von 7 bis 19 Uhr mit zwei Stunden Pause. Als zudem amtlicherseits feststellt wurde, dass die Arbeitszeit des Büropersonals werktags von 5 bis 21 Uhr dauerte und gelegentlich auch an Sonntagen gearbeitet wurde, erhielt Seidel eine Strafanzeige wegen Gewerbevergehens.
Im Sommer 1909 beschwerten sich offiziell Anwohner und die Firma Himmelreich über unerträgliche Gerüche. Eine Inspektion des Kreisarztes deckte unhygienische Zustände in der Fertigung auf: Der Arbeitsraum war stark verschmutzt, der Gärraum war ohne Zementbelag, Wachraum und Aborte ebenfalls schmutzig. Selbst von den Arbeiterinnen hatten einige schmutzige Arbeitskleidung; diese war durchgehend eigene Kleidung, nur vereinzelt gab es Gummischürzen. Ursächlich für den Gestank aber war eine nicht genehmigte, im Sommer gärende Grube hinter dem Produktionsgebäude. Sie wurde nie gereinigt, nahm aber sämtliche Gemüseabfälle und Abwässer der Fabrik auf. In der Folge musste Seidel eine Kläranlage bauen[1].

Entwicklung in Porz[Bearbeiten]

Das Unternehmen firmierte zunächst als "Rheinische Weinessig- und Konservenfabrik Georg & Josef Seidel" (Handelsregister Köln Nr. 2200). Ab 1905/06 bestand bereits auch ein Werk in Finthen bei Mainz, Josef Seidel hatte hier ein Mühlengelände zum Bau einer Konservenfabrik erworben. Spätestens 1913 lautete die Bezeichnung "Vereinigte Conserven- und Weinessigfabriken". Der weitere Ausbau des Werkes im sich entwickelnden Porzer Zentrum stieß auf Widerstand. Ein geplantes Anschlussgleis an die Vorortbahn scheiterte im Februar 1914 an der Weigerung der Gemeinde, die Kreuzung der neuen Josefstraße zu gestatten. Die Produktion in Porz bestand bis in den Ersten Weltkrieg hinein. Das Nachbarunternehmen Himmelreich kaufte um 1916/17 große Teile des Betriebsgeländes auf und baute es zu Lagerräumen um, womit die Produktion in Porz wohl endete. Nach Kriegsende wurde das Porzer Unternehmen im Januar 1919 auch rechtlich aufgelöst.

Die Werke in Finthen und Sechtem[Bearbeiten]

Georg Seidel zog nach Bad Godesberg, Josef Seidel nach Finthen. Doch bereit im März 1919 stirbt Josef Seidel mit 42 Jahren. In den 1920er Jahren trennten sich daher die Wege der beiden Familien. Den Vorstand der Bad Godesberger "Rheinische Konvervenfabrik Georg Seidel & Co. GmbH" (Handelsregister Bonn Nr. 623) bildeten Georg Seidel und sein Sohn Georg Seidel junior. Das Unternehmen vertrieb zunächst nur Konserven, bevor 1925 in Bornheim-Sechtem wieder eine Konservenfabrik errichtet wurde. Die Familie lebte weiter in Bad Godesberg. Aus dem Werk in Finthen schied Georg Seidel hingegen 1925 als Generaldirektor aus, es wurde nun nur noch von den Erben Josef Seidel weitergeführt. Allerdings wird das Unternehmen 1926 bereits unter staatliche Geschäftsaufsicht gestellt. In späteren Jahrzehnten hieß das Unternehmen dann "Konservenfabrik Finthen KG, Steitz, Pfeifer & Co.". In Finthen befand sich auch das Familiengrab Josef Seidel.

Quellen, Literatur, Links[Bearbeiten]

(Text)

  1. vgl. Gebhard Aders: Porz um 1910. In: Rechtsrheinisches Köln 12.1986, S. 121ff.