Hauptstraße (Porz-Mitte)

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Den Namen "Hauptstraße" haben im Bezirk Porz früher verschiedene Straßen getragen, in den Dörfern wurden aus der "Dorfstraße" häufig die "Hauptstraße". Dieser Eintrag befasst sich im Detail mit der heutigen Hauptstraße in Porz (Mitte). Allgemein historische Informationen zu dieser Straße und Details zum Straßenabschnitt in Zündorf folgen Sie bitte diesem Link. Für andere Hauptstraßen folgen sie bitte der Verlinkung nach Eil, Langel oder Libur.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

In Porz gab es erst nur den Uferweg[Bearbeiten]

Eine der ältesten Straßen im Stadtbezirk ist die Hauptstraße, allerdings nur im Abschnitt Ober-Zündorf bis zum Eingang des Dorfes Porz. Durch sie gelangte man - zunächst über den Uferweg - schließlich weiter über die später als Steinstraße und als Frankfurter Straße benannten Wege auf dem kürzesten Weg nach Mülheim. Dieser Landweg bedeutete für Kaufleute die Möglichkeit, durch Umladen ihrer Waren vom Schiff auf Karren das Kölner Stapelrecht zu umgehen: Seit Mai 1259 mussten sämtliche durch das Gebiet von Köln - dazu gehörte auch der Rhein - transportierten Waren drei Tage den Kölner Bürgern zum Kauf angeboten werden. Erst 1831 wurde dieses Recht entgültig abgeschafft. So ist klar, dass diese Straße bereits im 13. Jahrhundert wichtiger war als andere Wege und grundsätzlich auch in einem besseren Zustand erhalten wurde - schließlich wurden hierüber ja Karren über weite Entfernungen transportiert.

1764/65: Neubau östlich des Dorfes Porz[Bearbeiten]

Der Abschnitt im Zentrum von Porz ist deutlich jünger. Noch zur Mitte des 18. Jahrhunderts bestand in Nord-Süd-Richtung nur der Uferweg, der aber durch Hochwasser und Uferabbrüche immer wieder bedroht und beschädigt wurde. Da auch die Post von Wahn nach Deutz diesen Abschnitt nutzten musste, gab es immer wieder Klagen über den Zustand des Uferwegs. 1755 empfahl der jülich-bergische Ingenieurhauptmann Mansfeld, ostwärts des Dorfes einen neuen Weg zu bauen, woraufhin der Landesherr 1756 den Bauauftrag gab. Doch die hierfür notwendigen 2730 Reichthaler wurden zunächst nicht bereitgestellt. Daher bedienten sich, so ein Bericht aus dem Jahr 1761, die Fuhrleute "seit fünf Jahren" der durch Mansfeld bereits geplanten und abgesteckten Strecke über die Felder, die Fahrt auf dem Uferweg trauten sie sich nicht mehr. [1]

Der Bauauftrag wurde schließlich im Oktober 1763 an den Baumeister Johann Georg Leydel als billigstem Bieter für 3695 Reichstaler vergeben[2]. Leydel verpflichtete sich, ab Juli 1764 binnen acht Monaten die neue Straße auf einer Länge von rund 1.065 Metern bei einer Breite von rund 10 Metern einschließlich beidseitiger Gräben ab der Dorfgrenze Porz (heute Höhe Rezag-Siedlung) bis zur heutigen Steinstraße zu errichten[3]. Nach dem Jahr 1813 wurde die Straße weiter ausgebaut und zwischen Oberzündorf und dem Dorf Porz begradigt, dies zeigt ein entsprechender Grundriß[4].

Zu dieser Zeit mündete im Norden des Dorfes Porz die Uferstraße in die Straße nach Ensen, Poll und Deutz, bis Westhoven zumeist dicht am Rhein entlang. Auch dieses Stück war daher beständig durch Rheinabbrüche bedroht. Nachdem 1850 das Rheinhochwasser wieder mal erhebliche Uferabbrüche direkt an dieser Straße verursacht hatte, wurde 1852 in diesem Abschnitt nach Ensen eine Verlegung der Straße weiter nach Osten erstmals erwogen und um 1870 umgesetzt. Im Jahr 1884 erhielt das Ufer neben der Straße zur Hochwassersicherung ein Steindeckwerk.

Der älteste bebaute Teil der Hauptstraße in Porz-Mitte war der nördliche Abschnitt bis zur heutigen Bergerstraße. Zeugnisse hierfür finden sich nur in den Gebäudezeichnungen alter Landkarten. Greven's Adressbuch benennt die Straße 1891 noch als Hochkreuz-Zündorfer Chaussee. Sie hatte zu dieser Zeit noch einen Provinzial-Straßenaufseher: Mathias Ditz wohnte im Haus Nr. 1, unmittelbar vor dem damaligen Urbacher Weg (heute Ecke Bahnhofstraße). Der gebäudehistorisch jüngste Teil ist der Abschnitt südlich der heutigen Bahnhofstraße. Ab 1900 entwickelte sich die Bebauung rund um die heutige Verzweigung Hauptstraße / Mühlenstraße / Poststraße. Erst 1901 fasste die Gemeinde einen Beschluss zur erstmaligen Pflasterung des Abschnittes von der Ortsgrenze mit Ensen bis zur Ortsgrenze mit Zündorf. Die Arbeiten wurden 1903/04 zunächst mit einer Deckschicht aus Makadam, kleingeschlagenen Steinen, ausgeführt. Acht Jahre später erhielt die Straße in den Jahren 1912/13 ein städisches Erscheinungsbild: Mit Bordsteinen, Trottoirs, Rinnen und Basalt-Pflastersteinen. [5]Der jahrzehntealte, reichhaltige und hoch gewachsene Baumbestand blieb zunächst erhalten. Eine detaillierte Liste der Baumaßnahmen zwischen 1900 und 1913 finden Sie hier.

Das veränderte Gesicht[Bearbeiten]

Tieferlegung und Verbreiterung[Bearbeiten]

Bereits vor dem Jahr 1970 war die Umgestaltung der Innenstadt und der weitgehende Abriss aller Gebäude an der Hauptstraße zwischen Bahnhofstraße und Karlstraße beschlossene Sache[6]. Von den 1,6 Millionen DM für die Tieferlegung von 211 Meter Strecke übernahmen Bund und Land 1 Million DM. Im Jahr 1972 setzte die Stadt Porz die von ihr geplante "City-Neugestaltung" um: Die Hauptstraße wurde dafür ab Mitte Februar von der Bahnhofstraße bis zur Rathausstraße für den Verkehr gesperrt, zahlreiche Altbauten fielen bereits in den folgenden Monaten der Spitzhacke zum Opfer[7]. Eine Broschüre "Es werde Stadt!" dokumentierte diese Träume in Beton. Dem Bau des für die Tieferlegung der Hauptstraße notwendigen Pumpwerks wurden im Februar 1972 zunächst zahlreiche alte Bäume im bisherigen Rathauspark geopfert.

Die Überbauung[Bearbeiten]

Im März 1971 präsentierten vier Architekten der Stadt Porz ihre Ideen für den gewünschten Brückenbau über die abgesenkte Hauptstraße. Sie reichten von neu bis 18 Geschossen mit Wohn- und Geschäftsräumen[8]. Als Trägerin der Baumaßnahme war zunächst die Rheinische Gewerbebau vorgesehen, ein Zusammenschluss der Westdeutschen Landesbank Düsseldorf, der Sparkasse der Stadt Köln und der Kreissparkase Köln. Sie einigte sich mit der Stadt nicht über die Finanzierung. Dann war die Franz Weissenberger KG vorgesehen, sie ging vorher in Konkurs. Nummer drei war die Bayerische Hausbau, doch zu einem Vertragsabschluß kam es nicht. Und so baute die Stadt Porz von Herbst 1974 bis Juli 1975 die Brücke für 500.000 DM selber, nach dem Prinzip Hoffnung und um die Absenkung zu vollenden[9]. Allerdings mündeten danach beide Brückenenden in Baugruben. Im Sommer 1978 war die geplante Überbauung immer noch ein Thema. Nun sollten höchstens noch vier Geschosse mit Läden, Büros und Praxen auf das Brückenbauwerk, drei Monate später zeigte sich in den Vorschlägen bereits die heute sichtbare Gestaltung des Areals: Auf der mächtigen Brücke nur drei kleine Pavillons, zudem westlich die Rathauserweiterung mit Stadtteilbibliothek und VHS bei Auslöschung des bisherigen Rathausparks, zudem eine geschlossene Neubebauung durch einen Wohnriegel an der Friedrichstraße und der Wilhelmstraße.[10]. Aber zunächst wurde erneut um eine ein- oder zweistöckige Brückenbebauung gestritten, nun erhielt die NWDS den Zuschlag zur Errichtung der Wohn- und Geschäftsgebäude.

Straßenabschnitte in Porz-Mitte[Bearbeiten]

Die 14 Straßenabschnitte in Porz-Zündorf finden Sie hier.

  1. bis Poststraße / Mühlenstraße; 293-313 (W) 334-352 (O)
  2. bis Fischerweg; 315-321 (W) 354-362 (O)
  3. bis Am Rheinbrauhaus; 323-333 (W) 364-378 (O)
  4. bis Kreuzung Bennauerstraße / Ernst-Mühlendyck-Straße; 335 (W) 380 (O)
  5. bis Kreuzung Bahnhofstraße; 341-355 (W) 388-402 (O)
  6. bis Karlstraße; 361-369 (W) 404-408 (O)
  7. bis Kreuzung Rathausstraße / Bergerstraße; 387-419 (W) 420-432 (O)
  8. bis Kreuzung Steinstraße; 425-441 (W) 434-456 (O)
  9. bis Stadtteilgrenze Ensen; 451-469 (W)

Veränderte Hausnummern, historische Abzweige[Bearbeiten]

  • Bis mindestens 1960 begann die Zählung der Hausnummern für Porz-Mitte erst ab der Ortsgrenze zu Zündorf, nach der Veränderung dann bereits in Oberzündorf in Höhe des Börschhofs.
  • Abschnitt 6: Der Abzweig Wilhelmstraße existiert heute nicht mehr und ist durch die Tieferlegung der Hauptstraße unterbrochen.
  • Abschnitt 6: Auch die Karlstraße wurde um 1900 als Privatstraße errichtet, hier entstanden zunächst vier Mietshäuser durch den Eigentümer Arnold Nießen.

Denkmalgeschützte Bauwerke[Bearbeiten]

Unter Denkmalschutz stehen:

Weitere historische Bauwerke[Bearbeiten]

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

  1. vgl. Jürgen Huck: Der Rhein und seine Ufer. In: Unser Porz 14.1972, S. 29.
  2. vgl. Mahlberg, Hermann Josef: Johann Georg Leydel. In: Rechtsrheinisches Köln 4.1978
  3. Im Original: 282 1/2 Ruthen lang, dreißig-zwei Rheinische Fuß; vgl. Mahlberg
  4. (RW Karten, Nr. 3058)
  5. Wolf-Dieter Raudsep: Leben und Sterben in Porz. In: Rechtsrheinisches Köln 44.2019, S. 48f.
  6. Ein Foto der noch intakten Bebauung dieses Abschnitts findet sich in KStA Porz v. 30.10.1970
  7. Ein Foto des intakten Abschnitts vorher zeigt die Sylversterausgabe des KStA Porz 1970.
  8. vgl. KStA Porz v. 13.3.1971.
  9. vgl. KStA Porz v. 2.8.1974 und 9.7.1975 (mit Fotos).
  10. vgl. KStA Porz v. 20.7., 4.10. und 14.10.1978 (mit Fotos).