Himmelreich

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Anzeigenausschnitt, Rheinischer Merkur v. 4.12.1901

Gründungsgeschichte bis Weltkriegsende[Bearbeiten]

Das Lebensmittelhandelsunternehmen Himmelreich hatte eine lange Geschichte, die mitten im Zentrum von Porz wurzelt. Der evangelische Kaufmann Gustav Adolf Himmelreich (1866 - nach 1941)[1] eröffnete zunächst im Jahr 1897 einen Kolonialwarenladen in der Ehrenstraße 69 in Köln. Zu diesem Laden kamen rasch weitere Filialen und so betrieb er zusammen mit Oskar Winzerling ab 1901 auch ein Geschäft im Ort Porz an der Hauptstraße 96 (heute Höhe 408). Die Firma Himmelreich & Winzerling handelte mit Kolonialwaren, Delikatessen, Spirituosen, Gewürzen, aber auch mit Arzneimitteln und Farben. Allerdings war diese frühe Firma (HR A51) im Oktober 1902 bereits wieder erloschen. Himmelreich unterhielt in Porz auch ein Engros-Lager, also einen Großhandel. 1909 erhielt Fritz Weidemann (1882-1936) in Porz für die Firma Adolf Himmelreich, Cöln (A 3888) Prokura, diese Firma wurde jedoch 1910 veräußert, die Prokura erlosch. Stattdessen wurde im April 1910 die Firma Adolf Himmelreich Colonialwaren Engros, Cöln (A4975) gegründet, Weidemann erhielt hier erneut Prokura. Im Jahr 1910 umfasste das regionale Filialnetz von Himmelreich bereits zehn Geschäfte. Um 1913 firmierte der Laden an der Hauptstraße in Porz als Germania-Drogerie.

Anzeige, General-Anzeiger v. 26.9.1914

Auch gab es bereits im Ersten Weltkrieg am Porzer Standort eine Sojakaffee-Rösterei. Sie war ein Zweigwerk der Deutschen Lecithin-Werke, Neuss, und firmierte als Delwerks Soja-Caffee-Rösterei Porz-Cöln. Offensichtlich war das Produkt als billigere Kaffe-Variante stark erklärungsbedürftig. Wissenschaftliche Autoritäten wurden bemüht, in zahlreichen Anzeigen zitiert, zudem wurde behauptet, das patentgeschützte Produkt "vereinigt vollkommenen Kaffegenuß mit Bekömmlichkeit" und sei der "Liebling der Hausfrauen"[2]
Im Ersten Weltkrieg war Himmelreich zudem Vertriebsstelle der Gemeindewaren der Bürgermeisterei Heumar.

Werbung, Bergisch Gladbacher Volkszeitung v. 3.12.1924

Um 1917 wurde die benachbarte Konservenfabrik geschlossen. Himmelreich nutzte diese Chance, mietete das Gelände, damals Hauptstraße 98 und bis an die heutige Josefstraße reichend, vom neuen Besitzer und baute die Gebäude zu Lagerräumen um. Zum Großhändler wurde das Unternehmen durch einen Auftrag der Gemeinde, nunmehr auch Lebensmittel-Läden im gesamten Porzer Raum zu beliefern.

Weimarer Republik und NS-Zeit[Bearbeiten]

Ab Februar 1923 firmierte das Unternehmen als A. Himmelreich Aktiengesellschaft, zunächst in Nußbaum bei Bergisch Gladbach (B71), ab März 1928 in Köln (HRB 6756). Es hatte zunächst ein Stammkapital von 600 Namensaktionen zu je 10.000 Mark. Weiterhin ging es um den Handel mit Kolonialwaren, die Kaffeerösterei und die Herstellung von Essig. Gründer und Aktionäre der AG waren neben Adolf Himmelreich und seiner Ehefrau Martha, geb. Wissemann (1876-1941) auch ihre Tochter Gertrud Hess, geb. Himmelreich aus Köln, der Kaufmann Heinrich Münster in Porz (für Firma Edmund Münster, Düsseldorf) sowie Fritz Weidemann und seine Ehefrau Martha, geb. Gißler[3] Fritz Weidemann war neben Adolf Himmelreich bis zu Jahresende 1932 Direktor des Unternehmens, danach erneut ab 1934 bis zu seinem Tod.

Nach der Inflationszeit entsprach das Stammkapital zunächst 240.000 Reichsmark, 1925 wurden es dann auf 150.000 neue Reichsmark umgestellt und im März 1928 auf 240.000 Reichmark erhöht. 1928 wohnte das dem Aufsichtsrat angehörende Ehepaar Albrecht und Gertrud Hess inzwischen in Porz. Zwischen 1924 und 1935 gab es keine Ausschüttung von Dividenden. Zum Jahresende 1933 war das Unternehmen zahlungsunfähig und stand kurz vor dem Konkurs, nur ein gerichtliches Verlgeichsverfahren konnte ihn im März 1934 abwenden. "Die sämtlichen Aktien (...) befinden sich nunmehr in Händen der Vorbesitzer der Fabrikgrundstücke. Der Fortbestand der Firma ist infolge Zuführung der erforderlichen Mittel gesichert.[4]" Offenbar wechselten hierdurch auch die Inhaber. Nicht nur Adolf Himmelreich schied aus der Unternehmensleitung aus - Direktion und Aufsichtsrat kamen nun weitgehend aus Düsseldorf, darunter Fritz Wolter als Vorstand. Mitte des Jahres 1936 erhielten Heinrich Marenbach[5] und Heinrich Wirtz aus Porz Prokura. Fritz Wolter starb Ende 1940, sein Nachfolger wurde Dr. Edmund Münster (1906-1943) aus Düsseldorf[6]. In den Jahren 1939 bis 1944 zahlte das Unternehmen seinen Aktionären Jahresdividenden zwischen 5 und 6 Prozent.

Linder Weg 26, Wahnheide, um 1974 (Bildrechte: HANDELSHOF Köln Stiftung & Co. KG)
Ein LKW aus Ensen, 70er Jahre (Bildrechte: HANDELSHOF Köln Stiftung & Co. KG)

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Das Jahr 1948 zeigt Heinrich Wirtz als in Porz wohnenden Vorstand, er hatte bereits ab 1936 Prokura im Unternehmen erhalten und war 1942 zum stellvertretenden Vorstand aufgerückt. Das Aktienkapital des Unternehmens belief sich 1948 auf 700.000 DM. Erst ab dem Beginn der 1950er Jahre rechneten zur A.Himmelreich KG auch selbständige Kaufleute als Mitglieder von Himmelreich als Einkaufsgemeinschaft ("freiwillige Handelskette"). In den 1960er Jahren reichte der Auslieferbezirk von Leverkusen bis Koblenz und von Wipperfürth bis Düren. 1962 umfasste das Geschäftsnetz rund 1.500 Läden. Bis 1964er Jahren befanden sich Verwaltung, Lager und Kaffeerösterei[7] mitten in Porz, dann erfolgte der Umzug des Unternehmens.

Der Standort Ensen[Bearbeiten]

An der Grenze zwischen Ensen und Westhoven entstanden im Bereich Charlottenstraße und Viktoriastraße neue Gebäude. Sie hatten eine Lagerfläche von 15.000 qm. Neben der Kaffeerösterei gab es die Weinkellerei Sonnenkellerei, sie konnte 4 Mio. Flaschen jährlich abfüllen. In den 1968er Jahren erreichte der Umsatz die Schwelle von 100 Mio. DM, Zweigbetriebe gab es in Haan, Bottrop und Mönchengladbach[8]. Das Unternehmen gehörte zu den Pionieren in der Nutzung der EDV. Nicht nur durch Nutzung einer IBM-Großrechenanlage, sondern auch durch die Einführung der ersten Scannerkassen in den Himmelreich-Filialen. Die Himmelreich-Belegschaft konnte zahlreiche Vorteile nutzen, so gab es am Lagerstandort in Ensen für die Mitarbeitenden u.a. einen firmeneigenen Tennisplatz und Vereinsclub, sowie ein Hallenschwimmbad.

In den 1989er Jahren endete die Zeit des Zustellgroßhandels sowie der "Himmelreich"-Läden. Der Slogan "ah - Vertrauen durch Qualität" verschwand sodann, denn die Kette wurde von der Spar Handels AG Hamburg-Düsseldorf-München aufgekauft und die Läden sukzessíve auf deren Logo mit der Tanne umgestellt. Fortan erfolgte die Belieferung der Läden über die Spar Großhandlung in Langenfeld/Rhld.
Seit dem Zusammenbruch und beinahe Konkurs der Spar Handels AG im Jahr 2005 gehören die Kaufleute der Handelskette wiederum zur genossenschaftlichen Edeka-Gruppe.

Frühere Himmmelreich-Läden im Bezirk Porz:

  • Eil: Inselmarkt/Mellerhof
  • Ensen, Gilgaustraße 29: Josef Hein (ab 1974, heute Edeka)
  • Finkenberg, Konrad-Adenauer-Straße (Oktober 1971 bis um 1998)
  • Gremberghoven, Talweg 16
  • Porz Zentrum, Hauptstraße
  • Urbach, Kupfergasse/Ecke Kaiserstr.: Tempo-Markt (Regie-Markt des A.Himmelreich Tochterunternehmens Johann Förster KG)
  • Wahnheide, Linder Weg 26: vermutl. Familie Linden (nach 1971)
  • Wahnheide, Rolandstraße

Handelshof[Bearbeiten]

In den 1959er Jahren beteiligte sich die Firma A.Himmelreich gemeinsam mit der Kölner Firma Franz Willick Kaffeegroßrösterei (Löwen Kaffee) an einem der ersten Cash- und Carry-Märkte Deutschlands, dem Selbstbedienungsladen "Handelshof" in Haan bei Düsseldorf. Weil der C&C Markt so erfolgreich war, entstand bereits in den 1961er Jahren in Köln-Poll ein zweiter Handelshof. Zur Steuerung der beiden Märkte wurde die Handelshof-Gruppe gegründet. Zum Liefergroßhandel wird die Gruppe in der 1968er Jahren.

Ab dem Jahr 2019 erfolgte der Rückzug der Eigentümerfamilien aus dem operativen Handelsgeschäft. Im Februar 2019 wurde die Handelshof-Gruppe vom Edeka-Konzern übernommen und in eine Stiftung überführt. Die Integration der Franz Willick Kaffeegroßrösterei folgte dann im Jahr 2022. Die Aktivitäten von Kaffeegroßrösterei und C&C Betrieben werden weiterhin von Porz-Ensen aus gesteuert. Die Handelshof Management GmbH kümmert sich um die Bereiche Management, Marketing, Wareneinkauf und IT.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

  1. Seine Sterbedatum ist noch unbekannt. Er wurde am 30.4.1866 in Lennep geboren, besuchte dort die Höhere Bürgerschule, verlobte sich im September 1897 in Düsseldorf mit Martha Wissemann und zog dann nach Köln. Er lebte ab 1920 in in Bergisch Gladbach-Nußbaum und zog 1941 nach dem Tod seiner Ehefrau nach Köln-Riehl. Angaben lt. Meldekartei Bergisch Gladbach.
  2. vgl. zahlreiche Inserate 1913/14 im Iserlohner Kreisanzeiger, zB. 12.2.1914.
  3. Das Ehepaar wohnte mit seinen drei Kindern in der Hauptstraße 96 in Porz.
  4. Kölnische Zeitung v. 11.5.1934
  5. (HRB 6756) Kölnische Zeitung v. 28.7.1936. Marenbach kam aus Altenkirchen, sein Sohn Rolf gab dem NSDOK ein Interview über die NS-Zeit.
  6. Vgl. Kölnische Zeitung v. 9.1.1941. E.M. war der Sohn von Edmund Münster sen., der in Düsseldorf seit dem Jahr 1900 ein sehr profitables Lakritz- und Süßigkeitenwerk betrieb. Von 1919 bis 1931 bestand auch eine Zweigniederlassung in Porz (HR Köln NR. 7174).
  7. Der markante Schornstein der Kaffeerösterei fiel am 20.10.1969, vgl. KStA Porz v. 21.10.1969 (mit Foto)..
  8. vgl. KStA Porz, 9.1.1969.