Himmelreich

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Gründung und erste Jahrzehnte[Bearbeiten]

Anzeigenausschnitt, Rheinischer Merkur v. 4.12.1901

Das Lebensmittelhandelsunternehmen Himmelreich hat eine lange Geschichte, die mitten im Zentrum von Porz wurzelt. Adolf Himmelreich eröffnete zunächst im Jahr 1897 einen Kolonialwarenladen in der Ehrenstraße 69 in Köln. Zu diesem Laden kamen rasch weitere Filialen und so betrieb er zusammen mit Oskar Winzerling ab 1901 auch ein Geschäft im Ort Porz an der Hauptstraße 96 (heute Höhe 408). Die Firma Himmelreich & Winzerling handelte mit Kolonialwaren, Delikatessen, Spirituosen, Gewürzen, aber auch mit Arzneimitteln und Farben. Um 1913 firmierte der Laden als Germania-Drogerie.

Zudem gab es wohl im Ersten Weltkrieg am Porzer Standort eine Sojakaffee-Rösterei. Sie war ein Zweigwerk der Deutschen Lecithin-Werke, Neuss, und firmierte als Delwerks Soja-Caffee-Rösterei Porz-Cöln. Offensichtlich war das Produkt als billigere Kaffe-Variante stark erklärungsbedürftig. Wissenschaftliche Autoritäten wurden bemüht, in zahlreichen Anzeigen zitiert, zudem wurde behauptet, das patentgeschützte Produkt "vereinigt vollkommenen Kaffegenuß mit Bekömmlichkeit" und sei der "Liebling der Hausfrauen"[1]

Um 1917 wurde die benachbarte Konservenfabrik geschlossen. Himmelreich nutzte diese Chance, kaufte das Gelände, damals Hauptstraße 98 und bis an die heutige Josefstraße reichend, und baute die Gebäude zu Lagerräumen um. Zum Großhändler wurde das Unternehmen durch einen Auftrag der Gemeinde, nunmehr auch Lebensmittel-Läden im gesamten Porzer Raum zu beliefern.

Die Supermarktkette[Bearbeiten]

Im Jahr 1910 umfasste das regionale Filialnetz von Himmelreich bereits zehn Geschäfte. Seit dem Beginn der 1930er Jahre firmierte das Unternehmen als A. Himmelreich Aktiengesellschaft (HRB 6756), 1934 schied Adolf Himmereich aus dem Vorstand aus.

Erst ab dem Beginn der 1950er Jahre rechneten zur A.Himmelreich KG auch selbständige Kaufleute als Mitglieder von Himmelreich als Einkaufsgemeinschaft ("freiwillige Handelskette"). In den 1960er Jahren reichte der Auslieferbezirk von Leverkusen bis Koblenz und von Wipperfürth bis Düren. 1962 umfasste das Geschäftsnetz rund 1.500 Läden. Bis 1964er Jahren befanden sich Verwaltung, Lager und Kaffeerösterei[2] mitten in Porz, dann erfolgte der Umzug in neue Gebäude mit einer Lagerfläche von 15.000 qm in die Charlottenstr. nach Ensen-Westhoven, darunter auch wieder eine Kaffeerösterei und eine Weinkellerei (Sonnenkellerei), die 4 Mio. Flaschen jährlich abfüllen konnte. In den 1968er Jahren erreichte der Umsatz die Schwelle von 100 Mio. DM, Zweigbetriebe gab es in Haan, Bottrop und Mönchengladbach[3]. Die Himmelreich-Belegschaft konnte zahlreiche Vorteile nutzen, so gab es am Lagerstandort in Ensen für die Mitarbeitenden u.a. einen firmeneigenen Tennisplatz und Vereinsclub, sowie ein Hallenschwimmbad.

In den 1989er Jahren endete die Zeit des Zustellgroßhandels sowie der "Himmelreich"-Läden. Der Slogan "ah - Vertrauen durch Qualität" verschwand sodann, denn die Kette wurde von der Spar Handels AG Hamburg-Düsseldorf-München aufgekauft und die Läden sukzessíve auf deren Logo mit der Tanne umgestellt. Fortan erfolgte die Belieferung der Läden über die Spar Großhandlung in Langenfeld/Rhld.
Seit dem Zusammenbruch und beinahe Konkurs der Spar Handels AG im Jahr 2005 gehören die Kaufleute der Handelskette wiederum zur genossenschaftlichen Edeka-Gruppe.

Frühere Himmmelreich-Läden im Bezirk Porz:

  • Eil: Inselmarkt/Mellerhof
  • Ensen: Josef Hein (ab 1974, heute Edeka)
  • Finkenberg ehem. Demo-Gebiet, Konrad-Adenauer-Str. (Oktober 1971 bis ??)
  • Porz Zentrum: Hauptstr.
  • Urbach: Tempo-Markt, Kupfergasse/Ecke Kaiserstr. (Regie-Markt des A.Himmelreich Tochterunternehmens Johann Förster KG)
  • Wahnheide, Linder Weg
  • Wahnheide, Rolandstr.

Handelshof[Bearbeiten]

In den 1959er Jahren beteiligte sich die Firma A.Himmelreich gemeinsam mit der Kölner Firma Franz Willick Kaffeegroßrösterei (Löwen Kaffee) an einem der ersten Cash- und Carry-Märkte Deutschlands, dem Selbstbedienungsladen "Handelshof" in Haan bei Düsseldorf. Weil der C&C Markt so erfolgreich war, entstand bereits in den 1961er Jahren in Köln-Poll ein zweiter Handelshof. Zur Steuerung der beiden Märkte wurde die Handelshof-Gruppe gegründet. Zum Liefergroßhandel wird die Gruppe in der 1968er Jahren.

Ab dem Jahr 2019 erfolgte der Rückzug der Eigentümerfamilien aus dem operativen Handelsgeschäft. Im Februar 2019 wurde die Handelshof-Gruppe vom Edeka-Konzern übernommen und in eine Stiftung überführt. Die Integration der Franz Willick Kaffeegroßrösterei folgte dann im Jahr 2022. Die Aktivitäten von Kaffeegroßrösterei und C&C Betrieben werden weiterhin von Porz-Ensen aus gesteuert. Die Handelshof Management GmbH kümmert sich um die Bereiche Management, Marketing, Wareneinkauf und IT.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

  1. vgl. zahlreiche Inserate 1913/14 im Iserlohner Kreisanzeiger, zB. 12.2.1914.
  2. Der markante Schornstein der Kaffeerösterei fiel am 20.10.1969, vgl. KStA Porz v. 21.10.1969 (mit Foto)..
  3. vgl. KStA Porz, 9.1.1969.