Porz-Urbacher Volksblatt
Frühphase[Bearbeiten]
Gründung in Troisdorf[Bearbeiten]

In Troisdorf verlegte seit 1899 Wilhelm Hagedorn eine zweimal wöchentlich Mittwochs und Samstags erscheinende Zeitung im Umfang von jeweils vier Zeitungsseiten in verschiedenen Ausgaben. Diese Kopfblätter des Allgemeine Anzeiger für den nordwestlichen Siegkreis und den südwestlichen Kreis Mülheim unterschieden sich in ihren Texten auf den Seiten eins und vier. Auf der Titelseite befanden sich vereinzelt Meldungen aus der jeweiligen Region, die Seiten zwei und drei füllten nationale und internationale Meldungen, die vierte Seite zeigte regionale Bekanntmachungen und Inserate. Hauptausgabe war wohl die "TRoisdorfer Zeitung". Weiterhin erschien unter anderem die Sieglarer Zeitung. Relevant für den Bereich Porz waren die Kopfblätter Porz-Urbacher Volksblatt, Wahn-Zündorfer Zeitung und Niedercasseler Zeitung. Samstags wurde das achtseitige Illustrierte Sonntags-Blatt beigelegt. Das Monatsabonnement per Boten kostete 30 Pfennig monatlich. Inserate konnten in Porz in den Lokalen Dilgen, Meis und im Jahr 1903 auch Gantenberg aufgegeben werden. Wilhelm Hagedorn war auch der verantwortliche Redakteur, in seinem Druckhaus erschienen auch katholische Mitteilungsblätter, Bücher, Broschüren und Ansichtskarten.
Verkauf nach Porz[Bearbeiten]
Am 28. Oktober 1903 übernahm Walter Ludwig Otto Gantenberg (1873-1940)[1] die bisherigen Kopfblätter Porz-Urbacher Volksblatt, Wahn-Zündorfer Zeitung und Niedercasseler Zeitung. So trennten sich der "Allgemeine Anzeiger für den nordwestlichen Siegkreis" und der "Allgemeine Anzeiger für den südwestlichen Kreis Mülheim". In der frisch gegründeten Verlags- und Akzidenzdruckerei Walter Gantenberg in Porz standen nun Druckmaschinen im Wert von 5.000 Mark, als Mitarbeiter tätig waren ein Gehilfe und ein Lehrling. So wurde Gantenberg, Sohn eines Schneidermeisters, vom Gastwirt zum Drucker und Verleger.
Veränderungen im Verlag und im Blatt[Bearbeiten]
Nach dem Kauf konzentrierte sich Gantenberg auf den Porzer Raum, auch durch den regelmäßigen Abdruck von Zivilstandnachrichten und Beschlüssen in den Gemeinderäten. Auch nahm er mehr Nachrichten aus Köln, darunter auch die Fruchtmarkt-Preise, und Rheinland Westfalen auf die Seite 3 der Zeitung. Das Wahner Kopfblatt benannte er um in Wahn-Zündorfer Volksblatt. Zur Samstag-Ausgabe gehörte weiterhin die Unterhaltungsbeilage Illustriertes Sonntagsblatt. Begann Gantenberg seine Ausgabe No. 1/1903 des Porzer Blattes zunächst mit neuer Jahrgangszählung, so kehrte er bereits mit Ausgabe No. 4/1903 zur Zählung als 5. Jahrgang zurück. Redaktionelle Korrespondenten aus den einzelnen Orten sind nicht bekannt. Möglicherweise waren dies dieselben Personen, die in jedem Ort mit der Entgegennahme von Abonnements beauftragt waren. Die Niederkasseler Zeitung erschien weiterhin, aber der Herausgeber wird 1904 unklar.
Ausrichtung: Katholisch und Zentrum[Bearbeiten]
Das Porz-Urbacher Volksblatt war der Zeit gemäß ein Parteirichtungsblatt. In ihm wurde bis 1933 strikt zentrumsnah berichtet, alle anderen Parteien kamen nicht oder nur abwertend vor: "Pfui! Nur ein allzu gutmütiger Arbeiter kann einer Partei Gehör schenken, die mit charakterloser Heuchelei an ihn herantritt (...) Jeder christliche Arbeiter aber wisse, daß er nicht zugleich Christ und Anhänger der Sozialdemokratie sein kann." (31.10.1905) Die regionale Zeitungsseite waren gefüllt mit Berichten und Meldungen über Aktivitäten der katholischen Kirche und der katholischen Krieger- und Volksbildungsvereine. Die Artikel der Redaktion nutzen bereits zu dieser Zeit des Öfteren eine Rhetorik, an die dreißig Jahre später die Nationalsozialisten mühelos anknüpfen konnten:
"Nur der tausendstimmige Ruf der großen Masse, der Partei erzwingt sich Gehör. Zu welcher Partei wir zählen unterliegt keiner Frage mehr. (...) Aber nur der ist allzeit gewappnet und gerüstet, der mit dem Parteileben innigste Führung hält. (...) Hier fehle niemand!"[2]
1904 bis 1914[Bearbeiten]
Zum Jahresende 1904 ließ Gantenberg einen Neubau in der späteren der Bahnhofstraße 28 errichten, nutzte das Erdgeschoss auch für eine Papier-, Schreibwaren- und Büroartikel-Handlung und vermietete die erste und zweite Etage. Ab September 1905 war die Zeitung zugleich offiziell "Amtliches Blatt für alle Bekanntmachungen der Bürgermeistereien Heumar und Wahn". Ab Oktober 1905 erweiterte Gantenberg das Blatt aufgrund der zunehmenden Zahl von Inseraten in einzelnen Ausgaben durch eine zweiseitige Beilage auf sechs Seiten. Im Juni 1906 firmierte Gantenberg erstmals auch als Buchhandlung.
Ab Januar 1907 erschien das Volksblatt nun dreimal wöchentlich am Dienstag, Donnerstag und Samstag für nun 40 Pfennig im Monatsabonnement. Jede Ausgabe hatte weiterhin vier Seiten. Der Anteil lokaler Meldungen stieg dadurch aber nicht, er verkümmerte erkennbar. Dienstags und Donnerstags führte nur noch die Seite 4 über der Werbung wenige lokale Meldungen, Samstags fanden sich Meldungen nur vereinzelt auf der Seite 1 und zusammen mit Werbung auf Seite 4. Ganz überwiegend bestand das Blatt aus Artikeln und Meldungen, die von Materndiensten bezogen werden konnten. So fand zu dieser Zeit kaum ein eigenständiger Journalismus im Blatt statt. Zum Jahresende 1907 abonnierte Gantenberg wohl eine Nachrichtenagentur, denn er warb nun mit tagesaktuellen Meldungen. Ab 1908 finden sich vermehrt sechsseitige Ausgaben, dabei waren Lokalmeldungen je nach Aufkommen auch auf den Innenseiten verstreut.
Die Titel erschienen bei Gantenberg noch 1926, das Abonnement kostete inzwischen 1,10 Mark monatlich. Am 27. Juli 1929 erhielt die Zeitung den neuen Titel Volkszeitung für das Amt Porz. Ab Januar 1933 änderte sich der Titel erneut zu Vokszeitung an Rhein und Sieg. 1936 änderte sich der Name in Anzeiger für Sieg und Rhein. 1941 wurde diese Zeitung eingestellt.
Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]
Bestände befinden sich in der zeitgeschichtlichen Sammlung des Historischen Archivs Köln. Die Zeitung ist ab Januar 1903 bis April 1941 digitalisiert. (Z190)
- ↑ Geboren wurde Walter Gantenberg in Duisburg, als Wirt ist er in Porz seit dem Jahr 1900 nachweisbar. Er heiratete 1898 in Köln Johanna Gertrud Horlacher. Im August 1903 verkaufte er seine Gastwirtschaft. Gantenberg starb 1940 in Porz.
- ↑ Redaktioneller Aufruf zum Besuch einer Veranstaltung des katholischen Volksvereins, 21.3.1906.
