Porz-Urbacher Volksblatt

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Zweite Ausgabe vom 31.10.1903

Frühphase[Bearbeiten]

Gründung in Troisdorf[Bearbeiten]

Nr.1 v. 28.10.1903

In Troisdorf verlegte seit 1899 Wilhelm Hagedorn eine zweimal wöchentlich Mittwochs und Samstags erscheinende Zeitung im Umfang von jeweils vier Zeitungsseiten in verschiedenen Ausgaben. Diese Kopfblätter des Allgemeine Anzeiger für den nordwestlichen Siegkreis und den südwestlichen Kreis Mülheim unterschieden sich in ihren Texten auf den Seiten eins und vier. Auf der Titelseite befanden sich vereinzelt Meldungen aus der jeweiligen Region, die Seiten zwei und drei füllten nationale und internationale Meldungen, die vierte Seite zeigte regionale Bekanntmachungen und Inserate. Hauptausgabe war wohl die "TRoisdorfer Zeitung". Weiterhin erschien unter anderem die Sieglarer Zeitung. Relevant für den Bereich Porz waren die Kopfblätter Porz-Urbacher Volksblatt, Wahn-Zündorfer Zeitung und Niedercasseler Zeitung. Samstags wurde das achtseitige Illustrierte Sonntags-Blatt beigelegt. Das Monatsabonnement per Boten kostete 30 Pfennig monatlich. Inserate konnten in Porz in den Lokalen Dilgen, Meis und im Jahr 1903 auch Gantenberg aufgegeben werden. Wilhelm Hagedorn war auch der verantwortliche Redakteur, in seinem Druckhaus erschienen auch katholische Mitteilungsblätter, Bücher, Broschüren und Ansichtskarten.

Verkauf nach Porz[Bearbeiten]

Am 28. Oktober 1903 übernahm Walter Ludwig Otto Gantenberg (1873-1940)[1] die bisherigen Kopfblätter Porz-Urbacher Volksblatt, Wahn-Zündorfer Zeitung und Niedercasseler Zeitung. So trennten sich der "Allgemeine Anzeiger für den nordwestlichen Siegkreis" und der "Allgemeine Anzeiger für den südwestlichen Kreis Mülheim". In der frisch gegründeten Verlags- und Akzidenzdruckerei Walter Gantenberg in Porz standen nun Druckmaschinen im Wert von 5.000 Mark, als Mitarbeiter tätig waren ein Gehilfe und ein Lehrling. So wurde Gantenberg, Sohn eines Schneidermeisters, vom Gastwirt zum Drucker und Verleger.

Veränderungen im Verlag und im Blatt[Bearbeiten]

Nach dem Kauf konzentrierte sich Gantenberg auf den Porzer Raum, auch durch den regelmäßigen Abdruck von Zivilstandnachrichten und Beschlüssen in den Gemeinderäten. Auch nahm er mehr Nachrichten aus Köln, darunter auch die Fruchtmarkt-Preise, und Rheinland Westfalen auf die Seite 3 der Zeitung. Das Wahner Kopfblatt benannte er um in Wahn-Zündorfer Volksblatt. Zur Samstag-Ausgabe gehörte weiterhin die Unterhaltungsbeilage Illustriertes Sonntagsblatt. Begann Gantenberg seine Ausgabe No. 1/1903 des Porzer Blattes zunächst mit neuer Jahrgangszählung, so kehrte er bereits mit Ausgabe No. 4/1903 zur Zählung als 5. Jahrgang zurück. Redaktionelle Korrespondenten aus den einzelnen Orten sind nicht bekannt. Möglicherweise waren dies dieselben Personen, die in jedem Ort mit der Entgegennahme von Abonnements beauftragt waren. Die Niederkasseler Zeitung erschien weiterhin, aber der Herausgeber wird 1904 unklar.

Ausrichtung: Katholisch und Zentrum[Bearbeiten]

Das Porz-Urbacher Volksblatt war der Zeit gemäß ein Parteirichtungsblatt. In ihm wurde bis 1933 strikt zentrumsnah berichtet, alle anderen Parteien kamen nicht oder nur abwertend vor: "Pfui! Nur ein allzu gutmütiger Arbeiter kann einer Partei Gehör schenken, die mit charakterloser Heuchelei an ihn herantritt (...) Jeder christliche Arbeiter aber wisse, daß er nicht zugleich Christ und Anhänger der Sozialdemokratie sein kann." (31.10.1905) Die regionale Zeitungsseite waren gefüllt mit Berichten und Meldungen über Aktivitäten der katholischen Kirche und der katholischen Krieger- und Volksbildungsvereine. Die Artikel der Redaktion nutzen bereits zu dieser Zeit des Öfteren eine Rhetorik, an die dreißig Jahre später die Nationalsozialisten mühelos anknüpfen konnten:

"Nur der tausendstimmige Ruf der großen Masse, der Partei erzwingt sich Gehör. Zu welcher Partei wir zählen unterliegt keiner Frage mehr. (...) Aber nur der ist allzeit gewappnet und gerüstet, der mit dem Parteileben innigste Führung hält. (...) Hier fehle niemand!"[2]

Als Mitte Februar 2011 im Blatt eine Versammlung der freien Gewerkschaften annonciert wurde, schrieb die Redaktion unter "Lokales": "Bezüglich der heute in unserem Blatt entnhaltenen Annonce 'Gewerkschaftsversammlung' bemerken wir, daß wir als amtliches Organ verpflichtet sind, Publikationen einer Versammlung jedweder Partei aufzunehmen[3].

1904 bis 1913[Bearbeiten]

Zum Jahresende 1904 ließ Gantenberg einen Neubau in der späteren der Bahnhofstraße 28 errichten, nutzte das Erdgeschoss auch für eine Papier-, Schreibwaren- und Büroartikel-Handlung und vermietete die erste und zweite Etage. Ab September 1905 war die Zeitung zugleich offiziell Amtliches Blatt für alle Bekanntmachungen der Bürgermeistereien Heumar und Wahn. Ab Oktober 1905 erweiterte Gantenberg das Blatt aufgrund der zunehmenden Zahl von Inseraten in einzelnen Ausgaben durch eine zweiseitige Beilage auf sechs Seiten. Im Juni 1906 firmierte Gantenberg erstmals auch als Buchhandlung.

Ab Januar 1907 erschien das Volksblatt nun dreimal wöchentlich am Dienstag, Donnerstag und Samstag für nun 40 Pfennig im Monatsabonnement. Jede Ausgabe hatte weiterhin vier Seiten. Der Anteil lokaler Meldungen stieg dadurch aber nicht, er verkümmerte erkennbar. Dienstags und Donnerstags führte nur noch die Seite 4 über der Werbung wenige lokale Meldungen, Samstags fanden sich Meldungen nur vereinzelt auf der Seite 1 und zusammen mit Werbung auf Seite 4. Ganz überwiegend bestand das Blatt aus Artikeln und Meldungen, die von Materndiensten bezogen werden konnten. So fand zu dieser Zeit kaum ein eigenständiger Journalismus im Blatt statt. Zum Jahresende 1907 abonnierte Gantenberg wohl eine Nachrichtenagentur, denn er warb nun mit tagesaktuellen Meldungen. Ab 1908 finden sich vermehrt sechsseitige Ausgaben, dabei waren Lokalmeldungen je nach Aufkommen auch auf den Innenseiten verstreut.

1.9.1910

Am 3. September 1910 bekam das Volksblatt Konkurrenz durch die neu gegründete Volks-Zeitung. Sie erschien preisgleich ebenfallls mit drei Ausgaben wöchentlich. In ihrer Ausrichtung bezeichnete sie sich als Zentrumsblatt, inhaltlich vertrat sie treukirchliche Positionen kirchlich-katholischer Gesellschaftsdominanz und damit den rückwärtsgewandten Flügel der Porzer Katholiken. In der Folge gibt es immer wieder mal inhaltliche Beharkungen zwischen den Blättern.

1914 bis 1918[Bearbeiten]

Mit dem Kriegseintritt Deutschlands am 2.8.1914 verlor das Blatt einen erheblichen Teil seiner Geschäftsinserate. Der Verlag reagierte durch ein verkleinertes Format der Zeitung und durch eine Intensivierung der Depeschen-Aushänge an seinen Schaufenstern. Zugleich gab der Verlag Raum nicht nur für die gewaltige Kriegsbegeisterung, die sich auch in Porz Raum brach, sondern auch für die propagandistischen Texte der Militärbehörden.

Im nun herrschenden Krieg erhielt das Generalkommando die vollziehende öffentliche Gewalt. Es überwachte per Vorzensur die Zeitungsartikel und Inserate bis zur Wortwahl, um die Gestaltung des Kriegsbilds zu kontrollieren und griff entsprechend Presse-lenkend ein. Als Beispiel wird gleich am 11. August über angebliche "belgische Greuel" der dortigen Zivilbevölkerung gegenüber den deutschen Soldaten berichtet. Verschwiegen wurde den Lesern dabei, das sich Belgien für neutral erklärt hatte und am 4.8.1914 von der deutschen Armee ebenso wie Luxemburg überfallen wurde, um nach dem Schlieffen-Plan Frankreich unter Umgehung von dessen Abwehrstellungen anzugreifen. Und dass der unerwartet heftige Widerstand der Belgier diesen Plan weitgehend zunichte machte - anstatt einem schnellen Vorstoß auf Paris kam der Bewegungskrieg rasch zum Stillstand.

Am 22. August erscheint die erste Todesanzeige: Der verheiratete Karl Schwamborn aus Lind aus starb am 19. August in den ersten Kämpfen im Alter von 29 Jahren. Die Witwe ließ setzen: "Er starb den Heldentod fürs Vaterland im festen Vertrauen auf seinen Erlöser, willig sein Leben opfernd für Kaiser und Reich." Am 24.8. starb Peter Geus aus Zündorf "den Heldentod fürs Vaterland". Danach werden solche Anzeigen zunächst seltener.

Ab 1915 bestehen die Ausgaben der Zeitung nur noch aus zwei Seiten überwiegend mit Frontmeldungen, Bekanntmachungen und Verordnungen. Der Anzeigenteil schrumpft auf eine drittel bis eine halbe Seite. Die Vorzensur der Militärbehörden sorgte für eine Kriegsberichterstattung ausschließlich im Sinne des deutschen Militärs: Deutsche Verluste wurde heruntergespielt oder verschwiegen, feindliche Verluste überhöht. Zum 1. Oktober 1917 erhöht der Verlag den Abonnementspreis von 40 Pfennig monatlich auf 55 Pfennig und begründet dies mit gestiegenen Kosten für Papier und Durckerfarbe.
Bereits ab Juni 1918 - die letzten Deutschen Vorstöße waren gescheitert und die Alliierten im Vormarsch - nahmen die Berichte über die Lage an den Fronten im PUV massiv ab, stattdessen wurde auf einem Viertel der Zeitung ein Fortsetzungroman gedruckt. So beginnt am 3. September der Roman "Rote Rosen" von Courths-Mahler. Zudem wurden Berichte über kirchlich-katholische Vorgänge im Lokalen stark ausgedehnt und fanden im Porzer Raum wieder mehr Konzerte statt. Ab dem 8. August 1918 unterbleibt im PUV die zeitungstägliche Frontberichterstattung, lediglich am 27. August wurden alliierte Offensiven und eine deutsche Frontzurücknahme gemeldet. Ab 1. November 1918 kostet das Abonnement der Zeitung nun monatlich 60 Pfennig.

Am 19.11. erging auch im PUV der inhaltlich falsche und für Deutschlands Zukunft fatale Aufruf: "Flaggen heraus! Es gilt unsern unbesiegt heimkehrenden Kriegern, die durch jahrelange Kämpfe das Vaterland gegen eine Welt von Feinden geschützt haben, würdig zu begrüßen." Am 28.11. veröffentlichte das PUV zumindest einen Artikel, der die zurückliegende Seekriegsberichterstattung gerade rückte und als Propaganda entdeckte. Es habe nie nennenswerte U-Boot-Kräfte gegeben und die deutsche Hochseeflotte war bereits 1917 der britischen Flotte deutlich unterlegen.

Obgleich das Volksblatt im Dezember auch über den Vortrag eines katholischen Geislichen in Porz berichtet, der den Militarismus als das Grundübel der Kaiserzeit benannte, wandte es sich Ende Dezember gegen Bestimmungen der neuen Regierung, dass Orden, Ehrenzeichen und Rangabzeichen im Alltag nicht mehr getragen werden sollen. Das Volksblatt sinnierte hingegen, es seien "die Orden und Ehrenzeichen doch in der Hauptsache vor dem Feinde erworben und in keiner Weise von den Inhabern als Kennzeichen des Militarismus gewertet."

1919 bis 1933[Bearbeiten]

Prüfstempel der Zensur, März 1919

Ab dem 7. Januar bis zum 16. August 1919 fehlen im Kopf des Blattes das Impressum, die Hinweise auf die Abonnements- und Insertionspreise. Weggefallen ist in diesem Zeitraum auch der Untertitel "Allgemeiner Anzeiger für den südwestlichen Kreis Mülheim". Nach der Besetzung des Rheinlandes und der Errichtung der Britischen Zone verhinderten Transportsperren in den ersten Monaten des Jahres 1919 die Zustellung der Sonntagsbeilage. Denn diese wurde in Gelsenkirchen gedruckt. Die nun von den Besatzungsbehörden streng gehandhabte Vorzensur erforderte, dass Annoncen und Bekanntmachungen nicht mehr bis spätestens 9 Uhr am Tag des Erscheinens, sondern bereits am Vortag beim Verlag eingereicht werden mussten. Mitte April 1919 erhöhte der Verlag seine Announcen-Preise aufgrund gestiegener Kosten. Ein Antrag an den Gemeinderat Heumar, die Pauschalsumme für die Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen auf 3.000 Mark jährlich zu erhöhen, wurde im Mai 1919 bewilligt. Im September 1919 beschloss zudem der Gemeinderat Wahn entsprechend eine Pauschalsumme von 1800 Mark jährlich für seine Bekanntmachungen im Wahn-Zündorfer Blatt, die im Juli 1920 antragsgemäß auf 4.000 Mark erhöht wurde.

30. März 1920

Ab Ende Mai 1919 erschien die Samstags-Ausgabe wieder mit 4 Seiten. Ab Juli 1919 kostet das Monatsabonnement nun 80 Pfennig, ab Oktober 1,- Mark, ab Januar 1920 dann 1,20 Mark und ab Februar bereits 1,50 Mark. Im März 1920 begann die Hyperinflation (siehe nebenstehende Veröffentlichung), die Zeitung kostete ab 1. April nun bereits 2,50 Mark, ab 1. Juli 3 Mark.

Ab Mitte 1919 öffnete sich das Blatt grundsätzlich für Einsendungen der Sozialdemokraten. So erschien im Juni ein Inserat der Eiler Genossen zum Namenstag ihres Stammwirts. Und im Juli wurde eine kurzer Beitrag von Johnann Berger (SPD) zur Diskussion um die Höhere Schule in Porz veröffentlicht. Berger trat folgend in der Zeitung auch als Einsender von Gedichten mit Porzer Bezug in Erscheinung. Die Positionierung der Zeitung änderte sich auch mit der Gründung der Mittelstandsvereinigung Porz Anfang November 1919 in Porz, hier wurde der Verleger Gantenberg Vorstandsmitglied. Da die Vereinigung bei den Gemeinderatswahlen in Heumar 1919 eigenständig antrat, war die einseitige Bevorzugung der Zentrumspartei im Blatt damit vorbei.

Im Oktober 1920 verdoppelten sich die Zahlungen der Gemeinde Heumar für die Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen auf 6.000 Mark jährlich. Ab 1. Juli 1921 stieg der Abonnentspreis auf 3,50 EUR monatlich. Ab Mitte August 1921 gibt es regelmäßig eine kurze Rubrik (Lokal-)Sport.

Die Zeitung erschienen bei Gantenberg noch 1926, das Abonnement kostete inzwischen 1,10 Mark monatlich. Am 27. Juli 1929 erhielt die Zeitung den neuen Titel Volkszeitung für das Amt Porz. Ab Januar 1933 änderte sich der Titel erneut zu Vokszeitung an Rhein und Sieg. 1936 änderte sich der Name in Anzeiger für Sieg und Rhein. 1941 wurde diese Zeitung eingestellt.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Bestände befinden sich in der zeitgeschichtlichen Sammlung des Historischen Archivs Köln. Die Zeitung ist ab Januar 1903 bis April 1941 digitalisiert. (Z190)
Weitere Hinweise zur Kriegsberichterstattung der Zeitung finden sich unter dem Stichwort Porz im Ersten Weltkrieg.

  1. Geboren wurde Walter Gantenberg in Duisburg, als Wirt ist er in Porz seit dem Jahr 1900 nachweisbar. Er heiratete 1898 in Köln Johanna Gertrud Horlacher. Im August 1903 verkaufte er seine Gastwirtschaft. Gantenberg starb 1940 in Porz.
  2. Redaktioneller Aufruf zum Besuch einer Veranstaltung des katholischen Volksvereins, 21.3.1906.
  3. Ausgabe v. 11.2.1911