Porzer Hof

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Das Gasthaus Dilgen[Bearbeiten]

"Gasthaus zur schönen Aussicht", um 1899
Inserat, Kölner Lokal-Anzeiger v. 9.3.1915

Bereits im Oktober 1855 wird als eingetragener Gewerbetreibender in der Bürgermeisterei Heumar ein Wirt und Metzger Martin Dilgen genannt.[1]. Um 1885 erwähnt ein Zeitungsinserat erstmals Jean Dilgen als Porzer Gastwirt mit Saal.[2]. Um 1895 verbreitet er eine erste Ansichtskarte "Gruss aus Porz". Sie zeigte vier Zeichnungen, darunter auch zwei von Jean Dilgen signierte Abbildungen: Das Porzer Rheinufer sowie vergrößert die "Restauration Dilgen". Das Gasthaus bestand mindestens seit dem Jahr 1885 aus einem einstöckigen Gebäude mit fünf Fenstern je Stockwerk, die Adresse verzeichnet Greven's Adressbuch von 1891 als Uferstraße 50, Dilgen wird zu dieser Zeit auch als Postagent bezeichnet.

Eine Karte von 1899 zeigt eine deutliche Erweiterung des Gebäudes, seine Länge hatte sich, zuzüglich eines Eingang in der Mitte, nach Nordosten hin verdoppelt, dabei war auch ein großer Saal entstanden. Das Gasthaus hieß nun "Zur schönen Aussicht", denn zugehörig war auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine neue Veranda, die über dem Leinpfad auf einem massiv gemauerten Sockel errichtet wurde. Ein Jahr später zeigte sich um 1900 der Mitteleingang des Gebäudes als ein zwei Stockwerke hohes prunkvolles Türmchen, und auf der Veranda wurde ein kleiner Pavillon errichtet, der auch bei Regenwetter Gastlichkeit versprach. Noch hatte damit Dilgen einen leichten Vorsprung vor seinem Gegenüber - dem Gastwirt Schmitz. Inzwischen lautete die Adresse Uferstraße 30.

In dem erweiterten Gebäude wurde in der ersten Etage ein Wohnung mit sechs Zimmern vermietet. Sie belegte zunächst der in Niederzündorf tätige Arzt Dr. med. Robert Schnütgen für seine Praxis, dann zog er 1903 in die für ihn errichtete Villa Schnütgen auf der Hauptstraße. Im Jahr 1906 baute Jean Dilgen in seinem Gasthaus eine Kegelbahn. 1912 war der Gastwirt verstorben, seine Witwe führte das Haus weiter und ließ zunächst einen Saal erweitern. In den nächsten Jahren baute sie dann einen großen Festsaal.

Der Porzer Hof um 1928

Der Porzer Hof[Bearbeiten]

Im Jahr 1921 kaufte Adam Filz das Gebäude und ließ es umbauen, der große Saal erhielt eine Bühne. Filz führte vorher langjährig als Inhaber die Kölner Coloniasäle (Aachener Straße 5, später Millowitsch-Theater). Die festliche Eröffnungsfeier seines Hotels Porzer Hof am 29. April 1921 bot dem Publikum ein Orchester, Schautänze, Opernarien, Schelmenliedern und einem Spitzentanz von Töchterchen Therese Filz.[3] 1925 wird die Fassade erneutert, 1933 erhielten die Innenräume eine Umgestaltung. Filz verpachtete das Gasthaus ab der Mitte der 20er Jahre, 1927 warb der Pächter Georg Thiebes auch mit der Bezeichnung "Lichtspielhaus". Unter Christian Odenthal wurde auch eine Kegelbahn inseriert. 1932 übernahm Filz erneut selber die Leitung. Am 20. April 1933 triumphierten im großen Saal die Nationalsozialisten in der ersten Gemeindevertretungssitzung nach der Wahl im März mit Hakenkreuzfahnen und SA-/SS-Aufmarsch; durch den Übertritt der beiden gewählten KPD-Mandatsträger stellten die Nazis nun die größte Fraktion. Um 1937 starb Adam Filz, seine Witwe Wilhelmine Filz führte den Betrieb weiter. 1940 wurden in Porz Pionierbataillone neu aufgestellt. Weil die Kasernen hierzu nicht mehr ausreichten, nahmen die Soldaten Quartier in Gasthäusern und Privatwohnungen. So wurden von März bis Mai 1940 Porzer Hof und Kölner Hof zu Standquartieren des thüringisch-sächsischen Bataillons 187.

Viele Jahrzehnte hindurch war der Porzer Hof auch Stätte für Volkstheater-Aufführungen und Puppentheater. Der Dekorationsmaler Wilhelm Emsmann (1887-1966), seit 1914 in Porz ansässig, erstellte 36 Jahre lang für den Porzer Hof Bühnenbilder und Dekorationen.[4]

Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden und erhielt die neue Adresse Friedrich-Ebert-Ufer 30. Der große Saal war ein beliebter Veranstaltungsort. Hier feierten am 16. September 1951 die Porzer im großen Saal ihre Stadtwerdung.

Das Ende[Bearbeiten]

Im Jahr 1958 wurde der Eigentümer behördlich aufgefordert, zum weiteren Betrieb der Säle Umbauten für rund 3.000 DM vorzunehmen. Er verkaufte daraufhin die Immobilie an die Stadt Porz. Nach deren Berechnung ergab sich nun aber unerwartet eine Umbausumme von über 55.000 DM, weil die aktuellen behördlichen Auflagen für einen Restaurationsbetrieb nunmehr - durch den Wegfall des bisherigen Bestandsschutzs des Altbetreibers - denen eines Neubaus gleich kamen. Im Ergebnis schloss der Porzer Hof am Aschermittwoch endgültig seine Türen und wurde kurz darauf abgerissen[5]. Unmittelbar vor dem Abriss versprachen die Stadtväter den Porzern den sofortigen Neubau einer Stadthalle an diesem Platz - die aber niemals kommen sollte. Anlässlich des Abrisses des benachbarten Kölner Hofs im März 1968 schrieb der Stadtanzeiger rückblickend: "Der Abbruch des Porzer Hofes machte für viele Jahre einen Schlußstrich unter viele repräsentative Veranstaltungen in der Stadt. Er legte den Gesamtporzer Karneval ebenso lahm wie einen Teil des kulturellen Lebens."[6] Heute stellt sich das Areal als Wendehammer der Rathausstraße dar.

Inhaber / Pächter[Bearbeiten]

Gasthaus zur schönen Aussicht

  • um 1885 - um 1911: Heinrich (Jean) Dilgen
  • um 1911 - 1920: Witwe Jean Dilgen

Porzer Hof

  • 1921 - 1937: Adam Filz; Eigentümer
  • um 1926 Georg Thiebes; Pächter
  • um 1927/28: Georg Odenthal; Pächter
  • um 1929 - 1931: Christian Odenthal; Pächter
  • 1937 - nach 1951: Wilhelmine Filz; Eigentümerin

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

  1. vgl. Mülheim-Sieger Kreisblatt v. 7.10.1855 und 31.10.1855.
  2. vgl. Bensberg-Gladbacher Anzeiger v. 23.09.1885.
  3. Rheinische Volkswacht v. 30.4.1921
  4. vgl. KStA v. 12.8.1960. Darüber hinaus zeichnete Emsmann auch viele alte Porzer Gebäude.
  5. vgl. KStA Porz v. 23.1.1959 und 12.3.1959.
  6. KStA Porz v. 14.3.1968.