Porzer Hof

Das Gasthaus Dilgen[Bearbeiten]


Martin Dilgen (*1822 Porz - 1899 Essen) gibt bei seiner Hochzeit mit Margaretha Westhoven (*1822 Zündorf - 1902 Essen)[1] aus Niederzündorf im November 1844 als Beruf Mühlenbesitzer an. Im Oktober 1855 wird er dann als eingetragener Gewerbetreibender in der Bürgermeisterei Heumar mit den Berufen Wirt und Metzger geführt.[2]. Die Familie zieht in den 1860er Jahren nach Essen und übergibt das Gasthaus an Verwandte. 1872 inseriert die Witwe Dilgen eine Wohnung am Ufer des Rheins (siehe Abbildung). Zum Jahreswechsel 1872/73 Zum Neujahrs-Ball 1872/73 lud Johann Dilgen in das Gasthaus nach Porz. 1885 erwähnt ein Zeitungsinserat Jean Dilgen - Johann Peter Hubert Dilgen - als Porzer Gastwirt mit Saal.[3]. 1890 wird auch Heinrich Dilgen als Gastwirt bezeichnet. Um 1895 verbreitet er eine erste Ansichtskarte "Gruss aus Porz". Sie zeigte vier Zeichnungen, darunter auch zwei von Jean Dilgen signierte Abbildungen[4]: Das Porzer Rheinufer sowie vergrößert die Restauration Dilgen. Das Gasthaus bestand mindestens seit dem Jahr 1885 aus einem einstöckigen Gebäude mit fünf Fenstern je Stockwerk, die Adresse verzeichnet Greven's Adressbuch von 1891 unter Porz Nr. 50, Uferstraße.
Eine Karte von 1899 zeigt eine deutliche Erweiterung des Gebäudes, die Länge hatte sich, zuzüglich eines Eingang in der Mitte, nach Nordosten hin verdoppelt, dabei war auch ein großer Saal entstanden, nunmehr der größte Saal in Porz. Das Gasthaus hieß nun Zur schönen Aussicht, denn zugehörig war auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine neue Veranda, die über dem Leinpfad auf einem massiv gemauerten Sockel errichtet wurde. Ein Jahr später zeigte sich um 1900 der Mitteleingang des Gebäudes als ein zwei Stockwerke hohes prunkvolles Türmchen, und auf der Veranda wurde ein kleiner Pavillon errichtet, der auch bei Regenwetter Gastlichkeit versprach. Noch hatte damit Dilgen einen leichten Vorsprung vor seinem Gegenüber - dem Gastwirt Schmitz. Inzwischen lautete die Adresse Uferstraße 30.
In dem erweiterten Gebäude wurde in der ersten Etage ein Wohnung mit sechs Zimmern vermietet. Sie belegte zunächst der in Niederzündorf tätige Arzt Dr. med. [[Robert Schnütgen]] für seine Praxis, dann zog er 1903 in die für ihn errichtete Villa Schnütgen auf der Hauptstraße. Die erste Kinovorführung in Porz fand hier am 19.11.1905 statt. Im Jahr 1906 starb Jean Dilgen. Seine Witwe vertraute das Gasthaus daraufhin dem Pächter Wilhelm Hüppeler an. Der baute Ende 1906 eine Kegelbahn ein. Ab September 1909 führte die Witwe Dilgen das Haus dann erneut selber weiter und ließ 1913 einen größeren Festsaal neu erbauen. "Inbezug auf Bauart, dezente Innendekoration, Bühnenverhältnisse, Luft- und Klosettanlagen etc. repräsentiert sich der Bau als eine den heutigen Anforderungen voll und ganz entsprechende Anlage und bot er (...) in strahlender elektrischer Beleuchtung einen prächtigen Anblick."[5] Die Witwe führt das Gasthaus bis in die Jahre 1918/19.
Postagentur[Bearbeiten]
Vor 1891 wurde die Postagentur Porz vom Gasthaus Schmitz in das Gasthaus Dilgen verlagert. In dieser Zeit führte Johann Dilgen die Berufsbezeichnung Wirt und Postagent. Als die Agentur 1901 durch das sich ständig steigernde Postaufkommen zu einem Postamt aufgewertet wurde, stellte Johann Dilgen hierfür das Erdgeschoss des elterlichen Hauses in der Hauptstraße 385 zur Verfügung - sein Vater Heinrich Dilgen war Ende 1900 verstorben.[6]

Der Porzer Hof[Bearbeiten]
Im Jahr 1920 kaufte Georg Thiebes[7] das Gebäude und nannte es ab 21. März 1920 Porzer Hof. Ein Umbau brachte dem großen Saal einen Teppich, feststehende Stuhlreihen und eine Bühne. An der Rückwand enstand ein Technikraum, ausgestattet mit einem modernen Filmvorführprojektor. Am 16. November verkündete Thiebes die Eröffnung des Lichtspielhaus "Porzer Hof" als ständigem Kino mit gesonderten Vorführerraum. Im Januar 1921 ließ er hierfür eine größere Leinwand installieren.
Doch zum 16. April 1921 verkaufte Thiebes das Restaurant mit Kino an Adam Filz.[8] Dieser führte langjährig als Inhaber die Kölner Coloniasäle (Aachener Straße 5, später Millowitsch-Theater). Er erweiterte das Gebäude zu einem Hotel. Die festliche Eröffnungsfeier am 29. April 1921 bot dem Publikum ein Orchester, Schautänze, Opernarien, Schelmenliedern und einem Spitzentanz von Töchterchen Therese Filz.[9] Filz stellte die Kinovorführungen in den Sommermonaten jeweils ab Mitte Mai bis Mitte September ein. Ab Januar 1922 verpachtete er die Schenkwirtschaft in seinem Hause an Hermann Meisen. Doch bereits im Februar 1924 führte Filz seine Gaststube wieder selber.
Das Gebäude wurde zur Jahresmitte 1924 vollständig renoviert. Architekt Karl Klag aus Köln führte auch bauliche Veränderungen durch: "Der Turm, der bisher als Treppenhaus für die obere Etage diente, ist im Parterre an den drei freiliegenden Seiten durchbrochen worden und gibt so dem Saal einen neuen geräumigen Eingang. Dem jetzt auf zwei schweren Säulen ruhenden oberen Turm hat man die Helmspitze genommen." Die Fassade war nun in einem "terrakottafarbenen Putz mit gelbem abgesetzten Sockel und Fenster- und Türrahmungen" gehalten. Das Weinzimmer wurde mit "geschmackvollen, neuen Korbmöbeln" ausgestattet.[10]
Kinobetrieb
Nachdem es hier wohl einige Jahre keine Kinovorführungen gegeben hatte, verlegte am 3. November 1927 M. Offenbach, der Betreiber der Scala-Lichtspiele Porz seinen Kinobetrieb vom Seipelsch'schen Saal in den Saal des Porzer Hofs. Ein Vorführraum war hier noch vorhanden. Ende November 1927 erhielt der Landeshauptmann der Rheinprovinz ein Schreiben von einem E. Willmers: Der Vorführraum des Kinos befinde sich "viel zu klein in unmittelbarer Nähe menschlicher Wohnungen". Der Weg der Familien führe unmittelbar an dem Raum vorbei, sie "sie leben in beständiger Angst vor einem Filmbrand, wobei sich die Leute kaum retten können."[11] Zwar beschwichtigte die Bürgermeisterei Porz zunächst, die Lichtspielstätten entsprächen in allen Teilen den polizeilichen Vorschriften. Doch im März 1928 stellte der Regierungspräsident fest: Eine Bauererlaubnis für den Bildwerferraum sei nie beantragt worden, zudem weise der Raum mehrere gravierende Mängel auf. Der Kinobetrieb sei sofort zu untersagen. Die Porzer Bürgermeisterei spielte hingegen weiter auf Zeit, im September 1928 war immer noch keine Schließung verfügt.
Ende 1928 benannte eine Liste der Bürgermeisterei Heumar für den Saal mit Bühne unter der Adresse Uferstraße 30 maximal 324 zulässige Besucher. Unter dem späteren Pächter Christian Odenthal wurde eine Kegelbahn inseriert. Im Jahr 1930 wollte Filz einen eigenständigen Zugang von der Hauptstraße zum großen Saal schaffen. Hierzu erwarb er Grundstücke an der Hauptstraße, die bis zu seinem bebauten Grundstück an der Uferstraße reichten. Sein Ziel war es, hierüber einen neuen direkten Weg zur Hauptstraße südlich der Körsgengasse anzulegen.
1932 übernahm Filz erneut selber die Leitung.
Am 20. April 1933 triumphierten im großen Saal die Nationalsozialisten in der ersten Gemeindevertretungssitzung nach der Wahl im März mit Hakenkreuzfahnen und SA-/SS-Aufmarsch. Durch den Übertritt der beiden gewählten KPD-Mandatsträger stellten die Nazis nun die größte Fraktion. Im selben Jahr erhielten die Innenräume eine Umgestaltung. Um 1937 starb Adam Filz, seine Witwe Wilhelmine Filz führte den Betrieb weiter. 1940 wurden in Porz Pionierbataillone neu aufgestellt. Weil die Kasernen hierzu nicht mehr ausreichten, nahmen die Soldaten Quartier in Gasthäusern und Privatwohnungen. So wurden von März bis Mai 1940 Porzer Hof und Kölner Hof zu Standquartieren des thüringisch-sächsischen Bataillons 187.
Viele Jahrzehnte hindurch war der Porzer Hof auch Stätte für Volkstheater-Aufführungen und Puppentheater. Der Dekorationsmaler Wilhelm Emsmann (1887-1966), seit 1914 in Porz ansässig, erstellte 36 Jahre lang für den Porzer Hof Bühnenbilder und Dekorationen.[12]
Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden und erhielt die neue Adresse Friedrich-Ebert-Ufer 30. Der große Saal war ein beliebter Veranstaltungsort. Hier feierten am 16. September 1951 die Porzer im großen Saal ihre Stadtwerdung.
Das Ende[Bearbeiten]
Im Jahr 1958 wurde der Eigentümer behördlich aufgefordert, zum weiteren Betrieb der Säle Umbauten für rund 3.000 DM vorzunehmen. Er verkaufte daraufhin die Immobilie an die Stadt Porz. Nach deren Berechnung ergab sich nun aber unerwartet eine Umbausumme von über 55.000 DM, weil die aktuellen behördlichen Auflagen für einen Restaurationsbetrieb nunmehr - durch den Wegfall des bisherigen Bestandsschutzs des Altbetreibers - denen eines Neubaus gleich kamen. Im Ergebnis schloss der Porzer Hof am Aschermittwoch 1959 endgültig seine Türen und wurde kurz darauf abgerissen[13]. Unmittelbar vor dem Abriss versprachen die Stadtväter den Porzern den sofortigen Neubau einer Stadthalle an diesem Platz - die aber niemals kommen sollte. Anlässlich des Abrisses des benachbarten Kölner Hofs im März 1968 schrieb der Stadtanzeiger rückblickend: "Der Abbruch des Porzer Hofes machte für viele Jahre einen Schlußstrich unter viele repräsentative Veranstaltungen in der Stadt. Er legte den Gesamtporzer Karneval ebenso lahm wie einen Teil des kulturellen Lebens."[14] Heute stellt sich das Areal als Wendehammer der Rathausstraße dar.
Inhaber / Pächter[Bearbeiten]
Gasthaus Dilgen
- 1855 - 1871: Martin Dilgen, Metzger und Gastwirt
- 1872 - 1884: Heinrich Dilgen
Gasthaus zur schönen Aussicht
- 1885 - 1906: Johann (Jean) Dilgen
- 1906 - 1908: Wilhelm Hüppeler (in Vertretung der Witwe Dilgen)
- 1909 - 1919: Witwe Jean Dilgen
Porzer Hof
- 1920 - April 1921 Georg Thiebes; Eigentümer
- April 1921 - 1937: Adam Filz; Eigentümer
- um 1927/28: Georg Odenthal; Pächter
- um 1929 - 1931: Christian Odenthal; Pächter
- 1937 - nach 1951: Wilhelmine Filz; Eigentümerin
Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]
- ↑ Ihre Mutter Catharina geb. Wirtz ist in der Heiratsurkunde mit dem Beruf "Wirtin" in Niederzündorf eingetragen.
- ↑ vgl. Mülheim-Sieger Kreisblatt v. 7.10.1855 und 31.10.1855.
- ↑ vgl. Bensberg-Gladbacher Anzeiger v. 23.09.1885.
- ↑ Jean Dilgen hat nicht nur diese Karte gestaltet, von ihm sind im Familienbesitz auch drei kleine Ölgemälde überliefert. Sie zeigen allerdings wohl keine Porzer Motive.
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 3.5.1913
- ↑ Johann Dilgen meldete beim Standesamt Porz am 22.12.1900 den Tod des 73-jährigen Rentners Heinrich Dilgen, der wiederum Sohn des Krippenmeisters Johann Peter Dilgen war.
- ↑ Bisher ist seine Herkunft unklar. Namensgleiche Personen lebten zwar im Bonner Raum, passen aber nicht zu den Ereignissen.
- ↑ Am 19.7.2021 eröffnete Georg Thiebes ein Delikatessen-Geschäft in Köln, Breite Straße 109. Doch bereits im April 1922 zog hier das nächste Geschäft ein. Der Verbleib von Thiebes ist noch unklar.
- ↑ Rheinische Volkswacht v. 30.4.1921
- ↑ Porz-Urbacher Volksblatt v. 3.7.19124
- ↑ vgl. Kreisarchiv RBK, A365, S. 50
- ↑ vgl. KStA v. 12.8.1960. Darüber hinaus zeichnete Emsmann auch viele alte Porzer Gebäude.
- ↑ vgl. KStA Porz v. 23.1.1959 und 12.3.1959.
- ↑ KStA Porz v. 14.3.1968.