Leinpfad
Historie[Bearbeiten]
Unmittelbar entlang des Rheins befanden sich schon gegen Ende des ersten Jahrtausend nach Chr. Treidelpfade für Pferde und Menschen, die rheinaufwärtsfahrende Schiffe zogen. Sie verliefen beim schiffbaren Rhein nicht überall auf beiden Seiten des Rheins, sodaß beim Treideln auch immer wieder der Rhein zu überqueren war. Zwischen Bonn und Köln war der Lynpat bzw. Leinpfad an beiden Ufern. Bei Wesseling ist sogar eine Umspannstation für die Treidelpferde verbürgt . Auf Porzer Seite gilt nur eine Pferdetränke als gesichert, hiervon trägt die Trankgasse in (Ober-)Zündorf noch heute ihren Namen.
Der zumeist unbefestigte Leinpfad war ein wirtschaftlich und strategisch bedeutender Pfad. Hochwasser, Verbuschung und die Pferdehufe erforderten die ständige Instandhaltung durch die anliegenden Dörfer und Gemeinden. Einmündungen anderer Flüsse erforderten den Bau von Brücken oder zumindest Furten für deren Überquerung bei Treideln. Für diesen Unterhalt wurde von Schiffern und Reisenden ein Zoll bzw. eine Abgabe verlangt. Dies geschah im Auftrag (und zum Nutzen) des jeweiligen Eigentümers oder Lehnsherren.
Zu Zeiten Friedrichs I. Barbarossa im 12. Jahrhundert gehörten sämtliche schiffbare Flüsse des Reichs mit ihren Treidelpfaden zum königlichen Stromregal. Später gingen die Nutzungsrechte auch auf kirchliche Herrscher über - so auf die Erzbischöfe von Mainz und Köln[1].
Schlacht von Worringen 1288 befand sich der Leinpfad beidseits des Rheins mindestens von Bonn bis weit hinter Düsseldorf im Besitz des Erzbischofs von Köln, Siegfried von Westerburg. Nach dessen Niederlage gegen den Herzog Johann I. von Brabant und Graf Adolf V. von Berg musste der Erzbischof unter anderem den östlichen Leinpfad von Düsseldorf bis Siegburg an Graf Adolf abtreten. Allerding geriet der Graf nur vier Jahre später durch eine Hinterlist seinerseits in Gefangenschaft des Erzbischofs von Köln, der sich so die Rechte am diesem Abschnitt des Leinpfads zurückholte.[2] Vom 14. bis ins 18. Jahrhundert erhoben sowohl das Erzbistum als auch die Grafschaft bzw. das Herzogtum gleichermaßen Ansprüche auf den rechtsrheinischen Leinpfad. So erklärte zum Beispiel Ferdinand von Bayern, Kurfürst und Erzbischof von Köln von 1612 bis 1650, der Leinpfad gehöre von Platzenborn (bei Andernach) bis Honnepel (heute Kalkar-Hönnepel) zu beiden Seiten des Rheins dem Erzstift. Erst die französische Besetzung des Rheinland gegen Ende des 18. Jahrhunderts sicherte den Leinpfad den weltlichen Herrschern.
Der unbefestigte Leinpfad war häufig in sehr schlechter Verfassung, weil er nach jedem Rheinhochwasser wieder instand gesetzt werden musste. 1764 klagen Bonner Schiffer über den Zustand des Leinpfades zwischen Köln und Bonn, der voller Löcher und Morast sei. Lange Jahrhunderte waren die anliegenden Dörfer verpflichtet, den Leinpfad zu erhalten - was sie aber eher widerwillig und daher sehr nachlässig befolgten. Zur Überwachung des Zustands wurden Leinpfadwächter ernannt. Um 1835 war dies im Porzer Raum der Leinpfadswächter Fieth. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts beendete die Dampfschifffahrt die jahrhunderte alte Treidelschiffahrt.
Sperrung in Westhoven[Bearbeiten]
1935 wurde der Leinpfad in der Westhovener Aue auf einer Länge von 1100 Metern unterbrochen. Ursächlich war der Bau einer Pionierkaserne, zunächst verschleiert als Errichtung einer bäuerlichen Werkschule und landwirtschaftlichen Versuchsanstalt des Reichsnährstands[3]. Weil nach dem 2. Weltkrieg die Belgier die Kasernenanlagen nutzten und ausbauten, dauerte die Unterbrechung bis in die 1980er Jahre weiter an. Bereits 1966 bis 1968 gab es ergebnislose Gespräche über eine mögliche Öffnung. Sie wurden zur Mitte der 1970er Jahre erneut aufgenommen, doch erst 1985 wurde der Leinpfad zumindest Samstags und Sonntags tagsüber geöffnet. Nach dem Abzug der belgischen Einheiten 1995 endeten die Beschränkungen.
(Ergänzung erwünscht)
Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]
Volk, Otto: Wirtschaft und Gesellschaft am Mittelrhein vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Wiesbaden 1998. Der Neue Tag v. 13.5.1936 - "Rheinufer von Porz bis Westhoven"