Unverzagt-Kaserne

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Die Westhovener Aue war nach einer Phase der wirtschaftlichen Nutzung (Kiesgrube) und gescheiterten Plänen für eine Villenbebauung in den Jahren ab 1925 weitgehend sich selbst überlassen worden, nur an ihrem Rand bestanden eine Ziegelei und eine Landmaschinenfabrik. Das wuchernde Biotop, als Idyll, Totenmaar und Eifellandschaft von Besuchern beschrieben, wurde bis 1935 von der Bevölkerung am Wochenende als Erholungsgebiet genutzt[1]. Große Teile der Aue gehörten der Stadt Köln. Sie hatte 1921 Flächen vom Reich übernommen, das sie zwischen 1877 und 1907 für einen Festungsring um Köln, bzw. zur Sicherung freier Schußbahnen nach Süden erworben hatte. Zudem war der Leinpfad am Rhein ein beliebter Wanderweg von Poll nach Westhoven und umgekehrt, in beiden Orten gab es direkt am Rhein stark frequentierte Ausflugslokale mit Außengastronomie.

Errichtung in der NS-Zeit[Bearbeiten]

Baustellenschild, in: Der Neue Tag v. 20.08.1935

Zwischenzeitlich waren Militärs in Abstimmung mit dem Reichsministerium des Inneren im Geheimen damit beschäftigt, den raschen Aufbau einer starken Reichwehr auch im Rheinland vorzubereiten. Noch war dieses aufgrund des Friedensvertrags von Versaille entmilitarisiert. Daher wurde 1934 zunächst die kasernierte Polizei in Bonn und Köln zu militärisch ausgerichteten Landespolizei-Gruppen zusammengefasst und die Personalstärke erhöht. Aus diesem Umfeld fiel auf der Suche nach Standorten für Pionierkasernen mit geeignetem Übungsgelände der Blick auf die Westhovener Aue. Um die Planungen zu verschleiern, wurde der Bürgermeister der Großgemeinde Porz, Oedekoven, in das geheime Projekt eingeweiht. Ihm fiel die Aufgabe zu, die nötigen Grundstücke zunächst für die Gemeinde Porz anzukaufen und später an die Wehrmacht zu veräußern. Offiziell erwarb er ab Mai 1935 von privaten Besitzern und der Landmaschinenfabrik Flächen für eine in der Aue geplante "Bäuerliche Werksschule und Landwirtschaftliche Versuchsanstalt" des Reichsnährstands. Selbst im Porzer Gemeinderat sagte er die Unwahrheit über den eigentlichen Zweck. Die Stadt Köln und ihr Rat wurden hingegen eingeweiht, in nichtöffentlichen Sitzungen verkauften sie nach anfänglichem Zögern die geforderten Flächen. Auch während des Baus ab Juli 1935 bis zur Übergabe wurde diese Täuschung aufrechterhalten, selbst gegenüber den Bauarbeitern[2].

Ausschnitt einer Luftaufnahme 1944 des Kasernengeländes (gelb eingefärbt) (Q.: Alliierte Luftaufklärung, Rechtsrheinische Köln, Bd. 17)

Am 27. 9.1936 nahm die Wehrmacht[3] die Kaserne in Dienst. Die Großgemeinde Porz übergab dem Kommandanten des neu formierten Pionier-Bataillon 26 zu diesem Anlass eine bebilderte Festschrift. Das Bataillon war jedoch halbmotorisiert - es besaß auch noch Pferde. Für sie gab es keine Gebäude, denn die Planung ging von vollmotorisierten Einheiten aus. Daher wurde im selben Jahr mit dem Bau einer weiteren Kaserne weiter östlich begonnen. Im Sommer 1938 erfolgte der Wechsel: Das Pionier-Bataillon 46, aufgestellt in Minden im Oktober 1935, war schon seit Oktober 1937 auf dem Truppenübungsplatz Wahn-Heide stationiert. Es übernahm am 3. August 1938 die Gebäude in Westhoven[4] und nannte sie Unverzagt-Kaserne, das Pionier-Bataillons 26 hingegen zog in seine neue Mudra-Kaserne.

Auf dem Kasernengelände gab es neben drei Wohnblöcken, dem Exerzierhaus, dem Stabsgebäude und den Kraftfahrzeughallen ein spezifisches Übungsgelände für die Pioniere. Es bestand aus einen großen Landübungsplatz, einen Wasserübungsplatz am Rhein, der später durch einen kleinen Motorboothafen ergänzt wurde, und einen Wasserübungsplatz an der ehemaligen Kiesgrube. Der erste Abschnitt der früheren Feldbahnstrecke von der Kiesgrube Richtung Bahnhof Westhoven wurde zu einem Wasserkanal vertieft und nun für Übungen des Brückenbauens genutzt. Im August 1939 wurde zudem in der Unverzagt-Kaserne ein Offizierskasino für die Offiziere beider Kasernen eingeweiht. Das Stabsgebäude für den Kommandeur der Pioniere des Armeekorps befand sich hingegen in der Mudra-Kaserne.

Kriegseinsätze des Pionier-Bataillons 46[Bearbeiten]

Ende August 1939 erreichte das Bataillon seine Kriegsstärke von rund 900 Soldaten, zur selben Zeit starben fünf Soldaten in Westhoven bei einem Unfall mit Sprengminen. Zwar verließ das Bataillon vorübergehend die Kaserne zu verschiedenen Maßnahmen am Westwall und zu Ausbildungszwecken, aber erst Anfang Mai 1940, mit dem Beginn des Westfeldzugs, wurde die Kaserne für lange Zeit verlassen. Nun folgten Einsätze in den Niederlanden, in Belgien, zumeist zum Bau von Kriegsbrücken. Im Dezember 1940 verlagerte sich das Bataillon nach Rumänien. Im Balkanfeldzug baute das Bataillon Brücken und Straßen in Bulgarien, Serbien und Griechenland bis zur Insel Euböa. Bald erfolgte der Rückmarsch, in Nordrumänien hielt sich das Bataillon dann zur Teilnahme am Russlandfeldzug bereit, der am 22. Juni begann. Durch die Sowjetrepubliken Moldawien und die Ukraine führte der Kriegseinsatz das Bataillon zunächst bis auf die Krim. Bei Feodossija werden kurz nach Weihnachten 1941 die Soldaten der 2. Kompanie bei einem Gegenangriff weitgehend getötet.

Vor der Einnahme Sewastopols Anfang Juli 1942 wurden die Pioniere zur Bunkerbekämpfung, zum Minenräumen und zur Beseitigung anderer Sperren eingesetzt. Dann ging es Richtung Kaukasus, gebaut wurden mehrere Brücken, zunächst über den Don bei Razdorskaya, dann über den Kuban, die Laba und den Belaya bei Beloretschensk. Vor Tuapse beginnt nach der Niederlage von Stalingrad im Februar 1943 der Rückzug über Warenikowsaja zurück auf die Krim. Hier werden sämtliche Offiziere bei Gefechten getötet oder verwundet. Die schweren Verluste machen eine "Auffrischung" des Bataillons bei Kertsch erforderlich. Im Mai 1944 konnten sich größere Teile des Bataillons die Krim mit Schiffen nach Rumäninen absetzen. Die Zwischenbilanz: 80 Prozent der Pioniere waren gefallen, vermisst oder verwundet. Zudem waren sämtliche Fahrzeuge, alle Ausrüstung und viele Waffen auf der Krim zurückgeblieben. Die restlichen Soldaten trafen Mitte Juni 1944 zum Heimaturlaub auf dem Truppenübungsplatz Wahn ein. Der neue Standort wurde die Kaserne Bonn-Duisdorf, das Bataillon zum Heeres-Sturmpionier-Bataillon 46 umorganisiert.
Im August 1944 geht es nach Polen, das Bataillon ist an der Niederschlagung des Aufstandes im Wahrschauer Ghetto beteiligt. Danach folgen nur noch Rückzugseinsätze, an der Elbe bei Wittenberg begeben sich die letzten etwa 100 Mann in amerikanische Gefangenschaft.

Erst Notunterkunft, dann Brasseur-Kaserne[Bearbeiten]

Im Jahr 1951 kamen die Handwerker und stellten die Gebäude bis zum Oktober 1951 wieder her. Belgische Pioniere zogen nun ein, der Name wurde in Brasseur-Kaserne geändert. Namensgeber war der Unteroffizier der Pioniere Adjudant Jean Brasseur (1914-1940). Er wurde beim deutschen Westfeldzug am 11. Mai 1940 am Albertkanal getötet[5].

(wird fortgesetzt)

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Noske, Herbert: Der Pionier-Standort Porz. In: Unser Porz 11.1969.

  1. vgl. "Kleine Eifellandschaft in Köln". Kölner Lokalanzeiger v. 24.8.1933.
  2. vgl. Bericht Der Neue Tag v. 20.08.1935
  3. Mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht am 16.3.1935 wurde die Reichswehr in Wehrmacht umbenannt.
  4. vgl. Der Neue Tag v. 5.8.1938
  5. vgl. De Achttiendaagse Veldtocht. Het Belgische verhaal van mei 1940, eenheid per eenheid (Link)