Ziegelei Westhoven

Aus porzerleben.de/porz-wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Inserat Kölner Lokal-Anzeiger v. 13.4.1916
Inserat Kölner Lokal-Anzeiger v. 30.6.1916

Die Ziegelei Westhoven GmbH[Bearbeiten]

In Köln gründete sich im Oktober 1915 die Firma Ziegelei Westhoven GmbH mit dem Kölner Rechtsanwalt Fritz Klein als Geschäftsführer. Ziel der GmbH war die Errichtung einer Ziegelei in Westhoven an der Westhovener Aue[1]. Im Verlauf des Jahres 1916 erhalten der Direktor Eugen Arnold Segebarth zu Westhoven (bis August 1919) und der Kaufmann Franz Forscht zu Remscheid Prokura. Franz Forscht war ein enger Vertrauter der Familie Mannesmann. Es ist davon auszugehen, dass die Ziegelei eine strategische Gründung der Mannesmanns war, um umfangreiche Grundstücke für verschiedene Unternehmungen anonym zu erwerben und um die enorme Zahl von Ziegeln, die für die Gebäude der verschiedenen geplanten Mannesmann-Unternehmungen in Westhoven notwendig sein würden, in eigener Herstellung zu fertigen. So tragen die Pläne für die 1916 errichtete Waffenfabrik den Zusatz "Grundeigentümer: Ziegelei Westhoven Mannesmann"[2]. Die Ziegelei begann im Frühjahr 1916 mit der Produktion, zudem wurde offiziell in Westhoven eine Zweigniederlassung errichtet. Verlegt wurde auch ein Werksgleis mit Anschluß an den Güterbahnhof Westhoven. Im Juli 1916 kam es zu einer Zwangsversteigerung von 161 auf den Namen der Ziegelei eingetragenen Parzellen, ihr Umfang überstieg 32 ha deutlich. Es waren zumeist Äcker und Wiesen, aber auch Gebäude, so der damaligen Oberstraße 58 (wohl die Villa der Ziegeleibetreiber) und 75, Geb.-St-R. 20, 23,83 und 151, sowie Nikolausstraße 18 und 20a. Ein Zusammenhang mit dem Konkurs der Firma Zilkens, Baumeister & Co. einen Monat vorher, die in Westhoven eine Gartenstadt errichten wollte, ist nicht belegt, aber naheliegend. Im selben Jahr beantragte die Ziegelei die Lösch- und Ladegerechtsame für das Westhovener Ufer zu erhalten, setzte also ihre Tätigkeit fort. In den Jahren 1920/21 wurde ein Versuchshaus an der Gartenstraße errichtet, 1922 baute das Unternehmen einen bisherigen Schuppen in der Robertstraße zu Wohnraum um. Zum Jahresende 1925 wurde das Stammkapital auf 20.000 Reichsmark umgestellt, 1926 folgte Karl Halbach aus Köln als Geschäftsführer auf Fritz Klein. In den Jahren 1927 und 1934 pachtete die Ziegelei GmbH verschiedene Grundstücke in Westhoven zu unbekannten Zwecken. 1926/27 wurde ein Pferdestall errichtet. Zwischen 1930 und 1933 war die Ziegelei zunächst an Karl Kuhlmann verpachtet, der in Ostheim schon seit 1910 eine Ziegelei betrieb. Karl Halbach wird als Geschäftsführer der GmbH 1933 durch den Kaufmann Fritz Raetzer aus Köln abgelöst[3].

Die Ringofenziegeleien Geschwister Offermanns KG[Bearbeiten]

Im März 1934 verpachtete die GmbH ihre gesamte Ringofenziegelei mit Zubehör an die Geschwister Willy und Änne Offermanns aus Westhoven[4]. Die Geschwister betrieben die Ziegelei unter der Adresse Oberstraße 58, vermutlich mit Unterbrechungen, bis in das Jahr 1955. Erst anfangs der 1960er Jahre wurde der Schornstein abgebrochen.
(wird fortgesetzt)

Grabungsfunde[Bearbeiten]

1937/38 wurden in der Ziegeleigrube alte Siedlungsfunde entdeckt. Zunächst fand man ein verziertes Schälchen und Keramikreste aus der jüngeren Steinzeit (ca. 3000 v. Chr.). Bei einer gezielten Grabung 1938 stießen Archäologen des Städtischen Museums für Vor- und Frühgeschichte Köln an drei Fundstellen auf einem Gebiet von 1100 m² in einer Tiefe von 0,4–0,7 m im Auelehm auf Pfostenlöcher von Häusern, Steinpackungen und Scherben aus der späten Latènezeit (ca. 190 v.Chr. - 0), zudem auf römische Keramikteile.

Nachnutzung[Bearbeiten]

Seit Mitte der 1930er Jahren wurde die umgebende Fläche militärisch genutzt. Auf dem Gelände der Ziegelei errichtete von 1973 bis 1975 der Gerling-Konzern den Wohnpark Westhoven mit 560 Wohneinheiten auf acht bis 17 Geschossen. Erste Planungen des Kölner Architekten Heinz Zimmermann wurden bereits im März 1970 veröffentlicht[5]. Der Wohnpark ist zur Aue hin durch eine Schutzmauer vor Hochwasser gesichert. Die Straße Ziegeleiweg erinnert dauerhaft an die frühere Firma.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Meldungen der Kölnischen Zeitung 1915-1926.
Bestandsverzeichnis Digitales Historisches Archiv Köln

  1. Vgl. Kölnische Zeitung v. 30.10.1915.
  2. vgl. Plan, in HAStK: 9030B.
  3. Hierbei zeigt sich eine Verbindung zu einer Kölner Firma Breitestraße Liegenschaftsgesellschaft mbH, denn zeitgleich wird hier nicht nur Raetzer zum Nachfolger von Halbach, zugleich ist die Ziegelei Westhoven auch Besitzerin eines Gebäudes in der Kölner Innenstadt. Vgl. Der Neue Tag v. 4.3.1934.
  4. vgl. Akten Liegenschaftsamt Gemeinde Porz, HAStK 9160 A4 Bd.3.
  5. vgl. KStA Köln v. 12.3.1971 (mit Skizze).