Massey-Harris

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Vorgeschichte[Bearbeiten]

Durch den Niedergang des Unternehmens Mannesmann-Mulag in Westhoven wurden in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre attraktive, bereits mit Fabrikhallen bebaute Gewerbeflächen in Westhoven frei. Sie hatten über die gut ausgebaute Bahntrasse der Vorortbahn einen Gleisanschluss für den Güterverkehr, zugleich waren arbeitslose Arbeitskräfte in der Region vorhanden, die sich in der Fahrzeugfertigung auskannten. Dies nutzte das Unternehmen Massey-Harris und erwarb 1928 große Flächen einschließlich der bestehenden Gebäude des früheren Werkes südwestlich der Kölner Straße.

Der kanadische Landmaschinenhersteller Massey-Harris Company Ltd. gründete anfangs im Februar 1896 in Berlin-Charlottenburg eine Generalagentur. Er importierte zunächst seine im fernen Ontario gebauten Pflüge und Erntemaschinen. Bereits 1901 reifte die Idee einer Produktion in Deutschland mit der Gründung einer Zweigniederlassung in Berlin als GmbH, das Grundkapital betrug 5 Millionen Dollar. 1905 suchten die "Massey Harris Co., Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen, Charlottenburg" einen kaufmännischen Lehrling[1]. Im ersten Weltkrieg geriet das Unternehmen zum ersten Mal unter deutsche Zwangsverwaltung.

1925 wurde ein Werk für Erntemaschinen in Frankreich errichtet, um von hier aus den europäischen Kontinent zu versorgen. Im Februar 1925 streikte die Begschaft in Berlin für einen Lohn von 80 Pfennig pro Stunde für gelernte Arbeiter. Das Unternehmen antwortete mit Aussperrung und Entlassung der Belegschaft. Den Versuch von Neueinstellungen kommentierte der Vorwärts eindeutig: "Vor Arbeitsannahme wird gewarnt."[2] Offenbar plante das Unternehmen nun die Verlagerung an einen weniger streitbaren Standort und fand ihn 1927 in Westhoven.

Produktion in Westhoven[Bearbeiten]

Das Werk um 1950, Fotograf: Emil Lichius

Der erste Betriebsleiter in Westhoven hieß L.Linton, vermeldete das Handelregister im Oktober 1928. Bereits in den Jahren 1928/29 konnte auf einem großen Grundstück an der Kölner Straße und der damaligen Nikolausstraße die Produktion zunächst von Mähdreschern aufgenommen werden. Gefertigt wurden neben Grasmähern auch Bindemäher und andere Landmaschinen. Im Jahr 1938 wurde für den Eigenverbrauch auf dem Grundstück eine Doppeltankanlage mit 2x2500 Liter eingebaut. Im selben Jahr präsentierte das Werk in Westhoven den ersten selbstfahrenden Mähdrescher der Welt als Prototypen. 1939 errichte die Firma einen Werkluftschutzraum, zu dieser Zeit beschäftigte das Werk 600 Mitarbeiter.

Im 2. Weltkrieg wurde das Werk unter erneuter deutscher Zwangsverwaltung weitergeführt. Die Fehlwürfe der alliierten Bomber - das Werk selber war kein kriegswichtiges Ziel - zerstörten die Gebäude erheblich, das Werk wurde zwar wieder aufgebaut, aber kaum modernisiert. 1945 wurden zunächst rund 200 noch vorhandene Grasmäher entrostet, instandgesetzt und verkauft werden. Zudem wurden Ersatzteile hergestellt, später auch Stahlrollenketten. In den nächsten Jahren stand der Vertrieb von Ferguson-Schleppern und ihrem Zubehör im Vordergrund. 1951 umfasste die Belegschaft 150 Personen, 50 Prozent der verkauften Produkte gingen in ausländische Märkte. Bereits 1952 zeichnete sich das mittelfristige Ende der Produktion in Westhoven ab - der Konzern erwarb ein großes Areal im hessischen Eschwege nebst zwei dort bereits angesiedelten Unternehmen: einer Eisengießerei und einen Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen. 1953 firmierte das Unternehmen durch Fusion in "Massey-Harris-Ferguson" um. Zwar lief der Betrieb in Westhoven weiter. Jedoch nach dem Bau der ersten 30 Prototypen des selbstfahrenden Mähdreschers 630 folgte der Beschluss, die deutsche Produktion in den nächsten Jahren nach Eschwege zu verlagern. In Westhoven wurde zunehmend der internationale Maschinenversand gesteuert, 1958 schloss das Unternehmen den Standort. Bereits 1959 übernahm die Citroën Deutschland GmbH das Gelände.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Bols, Udo: Massey Ferguson. Traktoren in Deutschland. Brilon 2017.
KuLaDig: Landmaschinenhersteller Massey-Harris (Link)

  1. Berliner Tageblatt v. 28.4.1905, S. 27.
  2. Vorwärts v. 10.2.1925, S. 4.