Zwangsarbeit in Porz

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Einleitung[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Porz Personen aus anderen Staaten durch den NS-Staat gefangen gehalten und zur Arbeit in Betrieben gezwungen. Es waren zunächst Kriegsgefangene, im Verlauf des Krieges aber auch verschleppte Menschen aus besetzen Gebieten. Bereits ab Herbst 1939 trafen in Porz Niederländer, Belgier und Franzosen ein, sie wurden anfangs in Sälen von Porzer Gastwirten untergebracht. Ab 1941 waren es dann zumeist sowjetische Soldaten aus der Ukraine und Russland. 1943 kamen Italiener hinzu. Kriegsgefangenen aus Polen, der Sowjetunion sowie Italien wurden die geltenden völkerrechtlichen Normen vorenthalten, auch in Bezug auf deren Arbeitseinsatz. Verschleppte Zivilisten stammten überwiegend aus Polen[1], der Ukraine oder Tschechien. Eingesetzt wurden die Gefangenen in Industriebetrieben, auf Bauernhöfen, auf dem Rangierbahnhof Gremberg, im Straßenbau und verzeinzelt in Privathaushalten. 1944 lebten über 2.000 polizeilich gemeldete ausländische Arbeitskräfte in Porz, hinzu kamen etwa gleich viele Kriegsgefangene[2].

Diejenigen Zwangsarbeiter, welche grundsätzlich die Möglichkeit zum Ausgang nach dem Arbeitsende hatten, stießen auf verschiedene Verbote. Sie durften nicht gesellig mit Deutschen verkehren, auch war ihnen der Besuch von Gaststätten, Kinos und örtlichen Freizeitveranstaltungen untersagt. Der Ausgang von "Ostarbeitern" in belebte Straßen und Stätten wurde generell unterbunden. Kirchenbesuche wurden hingegen zumeist geduldet.

Die Bewachung der Lagerinsassen übernahmen generell Soldaten aus Bataillonen der Landesschützen - sie waren nicht (mehr) frontfähig. Etliche der späteren Kriegsgefangenen stammten aus dem Gefangenencamp Waldbröl, in dem auf einem Krankenhausgelände zumeist französische und sowjetische Soldaten interniert waren. Das Lager in Waldbröhl wiederum war ein Unterlager des Kriegsgefangenen-Stammlagers Bonn-Duisburg (Stalag VI G).

Die Betriebe[Bearbeiten]

Die Lager[Bearbeiten]

Nur wenige Zwangsarbeiter/-innen wohnten außerhalb von Sammelunterkünften, diese waren zumeist bei Landwirten oder als Hausgehilfinnen tätig. Dies waren die größeren Lager:

  • Ensen:
    • Kriegsgefangenenlager Hohe Straße 70; rd. 500 Personen, darunter Franzosen, Polen und Russen
    • Kriegsgefangenenlager der Reichsbahn, Ladestraße zwischen den Gleisen 250 bis 255, Nähe Gremberghovener Straße - im Volksmund "Krim" genannt; vorwiegend Russen
    • Barackenlager auf dem Gelände Massey-Harris, Kölner Straße
    • Barackenlager auf dem Gelände Eisenwerk Gebrüder Faber, Kölner Straße 13; rd. 120 Personen
  • Grengel: Barackenlager mit 8-12 Gebäuden am Kriegerweg (heute Kriegerstraße, östlich Grengeler Mauspfad), "Nordlager"
  • Porz:
    • Barackenlager auf dem Gelände Kaiserstraße 119 (Dielektra)
    • Barackenlager auf dem Gelände der Germania Werke
  • Urbach: Barackenlager auf dem Gelände der Firma Aero-Stahl
  • Wahn: Barackenlager auf dem Gelände der Elektro-Isolier-Industrie

Besondere Vorfälle[Bearbeiten]

Allgemein waren die Gefangenen einer harten Behandlung ausgesetzt. Zudem galten verschiedene Gesetze, die insbesondere bei Flucht oder Sabotage die Todesstrafe vorsahen.

  • Vor dem Werkstor der Rheinischen Metallwerke erhängte am 25. August 1943 die SS öffentlich den 30-jährigen Polen Kasimir Troc aufgrund des Vorwurfs der Sabotage durch die Werksleitung. Er wurde auf dem Nordfriedhof Bonn (Reihengrab 134, 29, X) beerdigt.
  • Im Lager Faber erschoss im Juli 1944 ein Unteroffizier des Landesschützenbatallions, der als Kommandoführer Lagerleiter war, einen Russsen auf der Flucht[3].
  • Zwangsarbeiter starben auch an unbehandelten Krankheiten. Oft hatten sie gar keinen Zugang zur medizinischen Versorgung. Wer Glück hatte, kam zur Behandlung in die Krankenanstalt Lindenburg in Köln[4]. Es starben unter anderem:
    • 4.2.1945: Semac Belajew (*1909, aus Tambow, Woronesch, Russland - "Blutung/Magengeschwür"
  • Am 28. Januar 1945 fielen mittags ab 14.30 Uhr Bomben auf den Rangierbahnhof Gremberg. Hierbei wurden mehrere Zwangsarbeiter getötet, die im Lager Gremberghoven oder im Lager der Firma Aero-Stahl, Urbach untergebracht waren. Sie wurden im Sterberegister 1945 als "Rangierarbeiter" geführt:
    • Imilian Demiak (*1923, aus Donezk [damals Stalino], Ukraine); Wasil Kandjuba (*1925, aus Dnipro, Ukraine); Iwan Kissilenko (*1924 aus Kiew, Ukraine); Piotr Morzelewski (*1897, aus Pikule, Truszki, Polen); Cohraw Morzelewski (*1922 aus Warschau, Polen); Lenon Wilcz (*1911, aus Warschau, Polen).

(Ergänzungen erwünscht)

Gedenken[Bearbeiten]

Im Stadtbezirk gibt es zwar mehrere Gedenkstätten zu den Opfern der Nationalsozialisten, jedoch schließt keine konkret alle in Porz tätigen Zwangsarbeiter ein.

  • Zwei Gedenkstätten wurden von im Sommer 1946 auf Friedhöfen über Massengräbern errichtet. Sie entstanden auf der Basis eines Vertrags der Gemeinde Porz mit der sowjetischen Militärmission, letztere hat die Ehrenmale auch bezahlt. Beide Gedenkstätten sind ähnlich aufgebaut und tragen identische Inschriften, die sich eindeutig nur auf sowjetische Kriegsgefangene beziehen ("unsere Kameraden"). Sie wurden nach Porz gebracht, um hier Zwangsarbeit zu leisten. Diese Ehremmale für gestorbene bzw. getötete sowjetische Kriegsgefangene befinden sich auf dem Friedhof Porz und auf dem Friedhof Urbach.
  • 1949 wurde vor dem Porzer Rathaus ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel wesentlich "zu Ehren der in Konzentrationslagern ums Leben gekommenen ehemaligen Ratsmitglieder"[5] errichtet. Der Text der Tafel beginnt allgemein: "Den Opfern der Gewaltherrschaft zum Gedenken", verengt sich dann aber: "Es liessen ihr Leben: 1933-1945 Die Gemeindevertreter Johann Beckschäfer, Porz - Paul Brätter, Wahn:Heide - Frank Decker, Urbach - Heinrich Klein, Langel, und 34 Männer und Frauen. (...)." Als Denkmal für die Zwangsarbeiter kann dieser Stein daher nicht gelten.

Ab dem Jahr 1989 bis in das Jahr 2014 lud die Projektgruppe Messelager, finanziert durch die Stadt Köln, jedes Jahr ehemalige Zwangsarbeiter/-innen zu einem Besuch in Köln ein. Im September 1995 waren Gäste auch in Porz. Ein Besuch im Jahr 2003 führte auf das ehemalige Betriebsgelände der Firma Aero-Stahl in Urbach.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Projekt Minderheiten in Porz des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums 2009 (Link)
Wikipedia-Stichwort Zwangsarbeit in der NS-Zeit (Link)
Schreckliche Vergangenheit. Artikel in philtrat Nr.53, 2003 (Link)
Lehnhoff-Felsko, Angelika: "Uns verschleppten sie nach Köln..." Auszüge und 500 Interviews ehemaliger Zwangsarbeitern. Köln: Emons 2015 (Link)

  1. ab Januar 1940
  2. lt. vgl. Typoskript des Stadtarchivs Porz, zit. n. Minderheiten in Porz
  3. vgl. NSDOK-Datensatz 270
  4. In den Arolsen Archives sind unter der Signatur DE ITS 2.1.2.1 NW 049 9 DIV ZM entsprechende Namenslisten digitalisiert überliefert. Sie zeigen Name, Vorname, Geburtsdatum, Anschrifdt und Behandlungszeitraum, nicht aber den Grund der Behandlung.
  5. Klein, Herbert: Erlebnisse in Porz in den Jahren 1945 bis 1951. In: Rechtsrheinisches Köln, 1.1975., S. 137