Gedenkstein am Rathaus

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Der Gedenkstein (Foto: porzerleben.de)

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Bereits in der ersten Sitzung des frei gewählten Porzer Gemeinderats im Herbst 1946 beklagte der einzige gewählte KPD-Mandatsträger Josef Nix aus Langel, man habe zu Beginn der Sitzung versäumt, vier von der Polizei Porz als Handlanger der Gestapo festgenommene, deportierte und in Konzentrationslagern zu Tode gekommene Gemeindemitglieder der Weimarer Zeit durch einen Nachruf zu gedenken. Er nannte die Namen Beckschäfer, Brätter, Decker und Klein. Eineinhalb Jahre später, am 28. März 1948, fand nach Vorarbeiten des VVN-Vorstandsmitglieds Ludwig Schneider aus Wahnheide im Scala-Theater in Porz eine feierliche, künstlerisch gerahmte Gedenkstunde für die vier Personen statt[1].

Der Gedenkstein[Bearbeiten]

Im April 1949 wurde dieser Stein zum Gedenken an Opfer des deutschen Faschismus am Porzer Rathaus errichtet. Die Tafel fertigte der Kölner Bildhauer Eduard Schmitz. Laut Herbert Klein, einem der Redner bei der feierlichen Einweihung am 1. Mai 1949, galt das Gedenken wesentlich "zu Ehren der in Konzentrationslagern ums Leben gekommenen ehemaligen Ratsmitglieder"[2]. Nach der allgemeinen Überschrift "Den Opfern der Gewaltherrschaft zum Gedenken" heißt es weiter: "Es liessen ihr Leben: 1933-1945 Die Gemeindevertreter Johann Beckschäfer, Porz - Paul Brätter, Wahn:Heide - Franz Decker, Urbach - Heinrich Klein, Langel, und 34 Männer und Frauen. Den Lebenden zur Mahnung. In tiefer Verpflichtung die Bürger der Gemeinde Porz."

Die Aktion Gewitter[Bearbeiten]

Die "Aktion Gewitter" war ein von Adolf Hitler persönlich am 14.08.1944 angeordneter Willkürakt gegen frühere SPD- und KPD-Funktionäre. Sie stand nicht mit dem Attentat auf Hitler in Verbindung. Und zwar unabhängig davon, ob diese Personen in den letzten Jahren oppositionell aktiv waren oder nicht. Neben der Gestapo Köln hatten auch die jeweiligen NSDAP-Ortgruppenleiter Einfluss darauf, wer verhaftet wurde. Heinrich Himmler befahl reichsweite Verhaftungen in einem Fernschreiben vom 17.08.1944 an alle Gestapo-Leitstellen. Verschont bleiben sollten nur über 70-Jährige, Kranke und Überläufer zur NSDAP. Die Aktion begann am 22. August morgens, der Vollzug war bis zum 25. August zu melden. In Porz wurden die Verhaftungen in Zusammenarbeit mit der örtlichen Schutzpolizei durchgeführt. Die Gefangenen aus Porz wurden zunächst in das sogenannte Messelager gebracht. Dies war ein großes Gefangenenlager der SS auf dem Gelände der Messe in Köln-Deutz, in dem die Gestapo Köln ihren eigenen Bereich hatte. Von dort erfolgten Deportationen per Eisenbahn in verschiedene Konzentrationslager. Viele Häftlinge blieben aber auch im Messelager, wurden in Köln zB. zu Schutträumarbeiten eingesetzt und kamen später wieder frei. [3].

Insgesamt wurden reichsweit rund 5.000 Personen in "Schutzhaft" genommen. Dabei wurden von der Gestapo sowohl veraltete Liste genutzt als auch aktuell Personen mithilfe örtlicher NSDAP-Leiter ausgewählt. So konnte eine politische Betätigung der Betroffenen auch schon ein Jahrzehnt zurückliegen. Viele kamen später nach Protesten von Angehörigen und Freunden wieder frei. Aber über 2.000 Festgenommene wurden in KZs eingewiesen, darunter 650 Personen in das KZ Neuengamme, 742 Personen in das KZ Buchenwald und 860 Personen in das Lager Dachau.

Die Opfer aus Porz[Bearbeiten]

Johann Beckschäfer[Bearbeiten]

Der Kommunist Johann Beckschäfer (1880-1945) war nur kurze Zeit Gemeinderat der Gemeinde Heumar. Er war wohl in den Jahren zuvor von Köln-Mülheim nach Heumar gezogen und dort als Werkzeugschlosser tätig. Beckschäfer erhielt sein Mandat über die KPD-Liste durch Wahlen im Mai 1924, der Gemeinderat konstituierte sich Ende Mai. Doch bereits nach sieben Monaten legte Beckschäfer Ende des Jahres 1924 dieses Amt nieder. Warum, ist (noch) unbekannt. Sein Name findet sich bisher erst 1937 wieder - im Porzer Adressbuch unter der Adresse Wilhelmstraße 15. Am 24. August 1944 wurde er von der Schutzpolizei Porz festgenommen. Vom Messelager Deutz deportierte man Beckschäfer in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg. Ein letztes Lebenszeichen erhielt seine zweite Frau im Januar 1945. Man verlegte Beckschäfer in das Außenlager Hamburg-Hammerbrook, wo er Zwangsarbeiten verrichten musste und am 3. März verstarb. Er wurde auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf begraben (Quadrat BP74, 51. Reihe).

Franz Decker[Bearbeiten]

Der Sozialdemokrat Franz Decker (1885-1945) rückte 1929 in den Heumarer Gemeinderat nach und wurde im selben Jahr in den nachfolgenden Gemeinderat der Landgemeinde Porz gewählt. Er war zudem ab Oktober 1932 bestelltes Mitglied eines kommissarischen Kreisausschusses für den neu gegründeten Rheinisch-Bergischen Kreis. Der Ausschuss hatte die Aufgabe, bis zur Kreistagswahl im März 1933 die Geschäfte des Kreises zu regeln. Im März 1933 erhielt Decker erneut ein Mandat für den Landgemeinderat Porz, doch bereits in der konstituierenden Sitzung im April 1933 ergriff die NSDAP die Macht - unter Ausschluss der SPD-Mandatsträger. Am August 1944 wurde Franz Decker durch die Porzer Schutzpolizei festgenommen und deportiert. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort war im Frühjahr 1945 das Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg, rund 30 km nördlich von Berlin. Da Franz Decker nicht im Totenbuch des Lagers genannt wird, starb er vermutlich erst auf einem Todesmarsch bei der Räumung des KZ im April 1945.

Paul Brätter und Heinrich Klein[Bearbeiten]

Die Sozialdemokraten Paul Brätter (1878-1945) und Heinrich Klein (1885-1945) waren bereits im November 1919 in den Gemeinderat Wahn gewählt worden. 1924 erhielt die SPD nur zwei Sitze, Heinrich Klein schied aus. In dem Gemeinderat der Landgemeinde Porz ab 1929 waren beide Mitglieder. 1933 erhielt nur Paul Brätter erneut ein Mandat. Im August 1944 wurden auch diese beiden Sozialdemokraten durch die Porzer Schutzpolizei verhaftet, ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war im Frühjahr 1945 ebenfalls das Konzentrationslager Sachsenhausen. Da auch Paul Brätter und Heinrich Klein nicht im Totenbuch des Lagers genannt werden, muss auch für sie angenommen werden, dass sie erst auf den Todesmärschen bei der Räumung des KZ im April 1945 starben.

Weitere Personen[Bearbeiten]

Nach den vier Personen wurden im Stadtbezirk Straßen benannt: Im Oktober 1967 die Paul-Brätter-Straße in Wahnheide, im Februar 1968 die Heinrich-Klein-Straße in Langel, im Mai 1973 die Franz-Decker-Straße in Urbach, im Oktober 1976 die Johann-Beckschäfer-Straße in Zündorf.

Wer die "34 Männer und Frauen" waren, auf die der Gedenkstein weiterhin Bezug nimmt, ist bisher nicht rekonstruierbar. Wurden sie durch die Nationalsozialisten getötet? Oder fielen sie in Porz den Bombardierungen bzw. dem Artilleriefeuer der Alliierten zum Opfer?

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Mielke, Siegfried (Hrsg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch, Bd. 1. Berlin: Metropol Verlag 2002. Einträge: Franz Decker (S. 140), Heinrich Klein (S. 210f.)

  1. vgl. Krix, Benno: Zwischen Schiessplatz und Autobahn. In: Rechtsrheinisches Köln 33.2008, S. 76
  2. Klein, Herbert: Erlebnisse in Porz in den Jahren 1945 bis 1951. In: Rechtsrheinisches Köln, 1.1975., S. 137
  3. Im benachbarten Köln-Brück wurden ebenfalls vier Personen festgenommen und in das Messelager gebracht: Eberhard Krone (SPD) war auf persönliche Veranlassung des Brücker NSDAP-Ortsgruppenleiters Weiden verschleppt worden, er kam nach fünf Wochen erneut auf Veranlassung Weidens, der unter Druck gesetzt werden konnte, aus dem Meselager wieder frei. Auch Anton Schössler (SPD) wurde nach zwei Monaten aus dem Messelager wieder entlassen. Gustav Gutenhofer (KPD) verließ als Weltkiegsversehrter das Deutzer Lager nach ca. sechs Wochen. Nur Peter Hagen (Metallgewerkschaft) wurde in das KZ Buchenwald verbracht, wo er 1945 starb. Auch Konrad Adenauer wurde im Rahmen dieser Aktion in das Messelager gebracht und konnte nach einer Krankenhauseinweisung aus diesem fliehen.