Gemeinde Porz

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1929 bis 1933[Bearbeiten]

Die Gemeinden Heumar und Wahn wurden 1929 zur neuen Landgemeinde Porz fusioniert. Diese wurde sodann in Äußerungen und Zeitungsberichten auch als Großgemeinde Porz bezeichnet, weil die bisherige Gemeinde Heumar bereits seit Längerem öffentlich auch als Gemeinde Porz galt. Die Gemeinde Porz bestand bis zur Stadtwerdung von Porz im Septmeber 1951. Den ersten Gemeindewahlen am 23. Juni 1929 war ein lebhafter Wahlkampf vorausgegangen. Die Wahlbeteiligung erreichte dennoch nur 46,3 Prozent der Wahlberechtigten[1]. Das Wahlergebnis:

  • Zentrum - 2038 Stimmen / 10 Sitze: Johann Barz, Heinrich Billstein, Karl Hermanns aus Porz, Christian Hök, Peter Hürth, Peter Schumacher, Johann Söntgerath aus Lind, Dr. Johann Thelen aus Ensen, Jakob Werheid aus Heumar und Josef Weifer
  • SPD - 1425 Stimmen / 6 Sitze: Johann Berger aus Porz, Paul Brätter aus Wahnheide, Franz Decker aus Urbach, Josef Jenn, Heinrich Klein und Matthias Müller
  • Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft - 967 Stimmen / 4 Sitze: Bernhard Krämer aus Wahn, Hugo Körber aus Porz, Peter Sost aus Heumar und Peter Johann aus Wahn
  • KPD - 497 Stimmen / 2 Sitze: Christian Herkenrath aus Ensen und Josef Winkelmann aus Gremberghoven
  • Deutsche Volkspartei - 319 Stimmen / 1 Sitz: Max Stursberg
  • Deutschnationale Volkspartei - 240 Stimmen / 1 Sitz: Adolf Schorn

Neuer Bürgermeister wurde der bisherige Bürgermeister von Heumar, das Zentrumsmitglied Wilhelm Schmitz-Hübsch. Ihm zur Seite standen die Beigeordneten Karl Hermanns (1929), Ludwig Schmidt (1929), Max Stursberg (1929), Johann Berger (1929-1930), Peter Schumacher (ab 1930), Hugo Klöter (ab 1930), Friedrich Capellmann (ab 1930) sowie Hermann Göckemeyer (ab 1931).

1933 bis 1945[Bearbeiten]

Machtergreifung 1933[Bearbeiten]

Der Wahlkampf für die Gemeinderatswahlen stand bereits unter dem massiven Einfluß des SA-Straßenterrors. Die Kampagnen der anderen politischen Parteien wurden masiv behindert, KPD und SPD durften keine Flugblätter drucken und viele Kandidaten waren Repressionen ausgesetzt. Die Wahlen am 12.3.1933 erbrachten dann zunächst das folgende Wahlergebnis:

  • Zentrum - 3329 Stimmen / 9 Mandate für Karl Hermanns aus Porz, Johann Söntgerath aus Lind, Heinrich Lob aus Urbach, Dr. Johann Thelen aus Ensen, Jakob Werheid aus Heumar, Heinrich Horion aus Libur, Hugo Klöter aus Porz, Lambert Pohl aus Zündorf und Gustav Heimbach aus Eil
  • NSDAP - 3205 Stimmen / 8 Mandate für August Reuter aus Wahnheide, Theodor Müseler aus Porz, Josef Trompetter aus Wahn, Hans Wittauer aus Porz, Wilhelm Bothe aus Wahnheide, Heinrich Kaiser aus Heumar, Heinrich Heintz aus Porz und Heinz Schaemann aus Lind
  • SPD - 1484 Stimmen / 4 Mandate für Johann Berger aus Porz, Franz Decker aus Urbach, Paul Brätter aus Wahnheide und Franz Kreitz aus Ensen
  • KPD - 931 Stimmen / 2 Mandate für Christian Herkenrath und Josef Winkelmann aus Ensen
  • Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft - 418 Stimmen / 1 Mandat für Bernhard Krämer aus Wahn, der lehnte ab, sein Nachfolger war Peter Sost
  • Kampffront Schwarz-Weiß-Rot - 237 Stimmen / kein Sitz

Als sich jedoch der Gemeinderat erst einen Monat später konstituierte, waren bereits die beiden KPD-Mandatsträger und der Vertreter der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft zur NSDAP übergetreten und diese damit die stärkste Fraktion. Die Porzer Nationalsozialisten hatten extra "Führers Geburtstag", den 20. April, für die erste Gemeinderatssitzung bestimmt. Und so zogen sie mit großem Aufmarsch von SS- und SA-Trupps in den hakenkreuz-geschmückten Saal des Porzer Hof ein. Die SPD-Mandatsträger blieben der ersten Sitzung fern, weil die Porzer NSDAP-Leitung ihre Mitarbeit als unerwünscht erklärt hatte. Spätere Versuche zur Mitarbeit scheiterten, am 23. Juni 1933 belegte ein Runderlass des preußischen NSDAP-Innenministers sämtliche gewählten SPD-Vertreter mit einem Mandatsentzug. Die Mandate der beiden KPD-Überläufer bestanden keine vier Monate - Anfang August 1933 mussten sie auf Weisung übergeordneter Stellen zurücktreten.

Zwischenzeitlich hatte die SA auch den noch amtierenden Bürgermeister Wilhelm Schmitz-Hübsch durch massive psychische Einschüchterung zum Rücktritt genötigt, sodaß bereits mit Hermann Oedekoven ein auswärtiges NSDAP-Parteimitglied als kommissarischer Bürgermeister einzog. Er wurde in seiner Arbeit bis in das Jahr 1937 durch den Gemeindedirektor Peter Schumacher[2] unterstützt.

Die NSDAP in der Rathausverwaltung[Bearbeiten]

Nach der "Machtergreifung" in Porz wurde auch die Porzer Verwaltung zum Erfüllungsgehilfen der Nationalsozialisten. Nur einzelne Mitarbeiter lehnten politisch die NSDAP ab und wurden entlassen, während nahezu alle leitenden Beamten sich in den Dienst des nationalsozialistischen Unrechtsstaats stellten und bis 1945 auf ihren Positionen blieben bzw. im Rathaus ihre Beamtenkarrieren fortsetzten. Bereits ab Mitte Dezember 1933 galt durch das Preußische Gemeindeverfassungsgesetz in den Gemeindeverwaltungen das Führerprinzip.

Etliche Verwaltungsmitarbeiter traten nun der NSDAP bei. Dies gilt vermutlich auch für Melchior Kurth (1898-1972)[3]. Gebürtig und wohnhaft in Elsdorf, trat er schon 1912 als Lehrling in die kleine Gemeindeverwaltung Wahn ein und brachte es durch Schulungen und Studium an der Verwaltungsakademie dort zum Gemeindeobersekretär. Die fusionierte Gemeinde Porz übernahm Kurth 1929. 1934 wurde er Leiter des Schulamts. Das Schulsystems der NS-Zeit war bekanntlich durch das NS-Regime völlig in den ideologischen Dienst genommen worden. Es ist sehr fraglich, ob ein Amtsleiter gerade dieses Ressort ohne nationalsozialistische Überzeugung führen konnte. Kurths Handeln wurde auch im NS-Staat belohnt: 1935 war er bereits Oberinspektor, 1938 übernahm er die Leitung der Hauptverwaltung Porz, ab 1943 im Rang und der Besoldung eines Verwaltungsdirektors. Rolf Marenbach erinnerte Kurth als "Gradwanderer": "Er gab sich nach außen hin als sehr gefügig, war aber dennoch ein sehr strenger Katholik"[4].

Hermann Oedekoven (1900-1967 Siegburg) wurde nun Bürgermeister der Landgemeinde Porz und darüber hinaus ab 1938 im Rheinisch-Bergischen-Kreis unter dem Kreisleiter, SA-Sturmführer und Reichstagsmitglied Walter Aldinger, auch Kreisamtsleiter. Er blieb es, bis seine vielfältigen persönlichen Verfehlungen Anfang Oktober 1940 zu einer Anklage wegen Untreue im Dienst führten. Im anschließenden Prozess erhielt er im Herbst 1941 ein Strafmaß von sechs Jahren Gefängnis[5]. Sein Nachfolger wurde ab 1.12.1940 Ignaz Morschel (*1896)[6], der das Amt bis zum Ende der NS-Diktatur in Porz ausfüllte.

Die Gemeinde war in der NS-Zeit keinesfalls nur der Erfüllungsgehilfe übergeordneter Stellen. Viele Maßnahmen geschahen ohne Anweisungen "von oben" aus eigener NDSAP-Folgschaft oder sogar in eigener völkischer Überzeugung. So wurde keiner Gemeinde die (Um-)Benennung von Straßen vorgegeben - in der Gemeinde Porz betraf dies immerhin mehr als ein Dutzend Straßen. Ein Beispiel von völkischem Verwaltungshandeln ist ein rechtsbeugendes Schreiben aus dem Jahr 1938, mit dem sich das Porzer Bauamt über die Gültigkeit von Passagen im notariellen Kaufvertrag des bisherigen Zündorfer Synagogengebäudes hinwegsetzte: "Da sich die vorgenannten Juden gänzlich ausserhalb der Volksgemeinschaft stellen (...), bitte ich (...) die Dispens zu erteilen."[7]

NSDAP-Mitglieder als "Gemeinderäte" in Porz 1933-1945[Bearbeiten]

Der Gemeinderat Porz bestand spätestens ab Herbst 1933 nur noch aus überzeugten NSDAP-Mitgliedern im Dienst des NSDAP-Regimes. Ende Januar 1935 hob die Deutsche Gemeindeverordnung alle landesrechtlichen Verfassungen auf. Nun war ein Gemeinderat weder ein entscheidungsbefugtes Gremium noch ein einzelner gewählter Mandatsträger. Sondern vielmehr eine Person, die vom Kreisleiter als Beauftragten der NSDAP und dem Bürgermeister zum Ehrenbeamten im Führerstaat feierlich verpflichtet wurde. Dieser Personenkreis wurde auch als Gemeindeälteste bezeichnet.

  • Beigeordnete waren:

Freiherr Kuno von Eltz-Rübenach (1933-1942); Urban Engels(1933/34, 1942-1945), Porz; Paul Kohls (1933), Wahnheide; Theodor Müseler (1934-1942); Peter Soft (1934-1945), Burg Röttgen.

  • NSDAP-Gemeinderäte waren:

Johann Berg (1935-1943), Eil; Peter Billstein (1935-1945), Porz; Friedrich Wilhelm Bothe (1933/34), Wahnheide; Friedrich Capellmann (1933-1945), Urbach; Urban Engels[8] (1934-1942), Porz; Heinrich Euler (1935-1945), Langel; Heinrich Heintz (1933/34)[9], Porz; Dr. Georg Herrmann, Porz (1934-1937); Peter Hesseler (1935-1942), Libur; Gottfried Hungenberg (1933-1943), Wahn; Heinrich Kaiser (1933-1943), Heumar; Josef Klein (1935-1943), Zündorf; Christoph Klintwordt (1933-1945)[10], Porz; Peter Kuhn[11] (1933, 1935-1943), Gremberghoven; Franz Ludemann (1935-1945), Heumar; Otto Renner (1933-1943)[12], Wahn; August Reuter (1933/34)[13], Wahnheide; Fritz Salitter (1934-1940)[14]; Karl Benczek (1941-1944)[15]; Heinz Schämann (1933-1945), Wahnheide/Lind; Heinrich Scharrenbroich (1933-1939), Ensen; Wilhelm Scheben (1937-1939), Westhoven; Peter Schmitz (1935-1945), Porz; Johann Söntgerath (1937-1939), Lind; Franz Tollmann (1935-1945), Eil; Josef Trompetter (1933-1945), Wahn; Otto Weber (1935-1942), Gremberghoven; Heinrich Weiden (1935-1945), Eil; Hans Wittauer (1933), Porz.

1945 bis 1951[Bearbeiten]

(Text)

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

  • Porzky, Eugenie und Jürgen Huck: Politische Strömungen im Raume Porz 1918-1933. In: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 1, 1975.
  • Frielingsdorf, Volker: Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Porz im Jahre 1933. In: Rechtsrheinisches Köln 7.1981.
  • Literatur-Tipp: Fleiter, Jürgen: Kommunen und NS-Verfolgung. In: APuZ 2007 (Link)
  1. vgl. Bensberger Vokszeitung v. 24.6.1929
  2. Schumacher war bereits im Jahr 1904 als Gemeindesekretär in die Gemeindeverwaltung Wahn eingetreten, 1921 befördert zum Obersekretär. Er gehörte dem Zentrum an und war in den 1920er Jahren auch zeitweise gewähltes Gemeinderatsmitglied bzw. Beigeordneter. 1929 übernahm er in der fusionierten Gemeinde Porz
  3. laut Erinnerung von Rolf Marenbach, die Überprüfung steht noch aus.
  4. NSDOK - Erlebte Geschichte. Ein dreiseitiger Nachruf auf Melchior Kurth in "Unser Porz" 15.1973, S. 145 handelt dessen NS-Dienstzeit in neun Worten ab: "... am 1. April 1936 Gemeindeoberinspektor und am 1. Februar 1943 Gemeindeverwaltungsdirektor."
  5. Amtsgericht Köln Az 1a KLs 13/41 -33/ 260/41. Dass er diese Jahre verbüsst hat, ist unwahrscheinlich. 1946 durchlief er ein Entnazifizierungsverfahren.
  6. Morschel hatte ein Ausbildung als Justizsekretär, und war zunächst als Obersteuersekretär bei verschiedenen Finanzverwaltungen tätig. Dann trat er 1931 der NSDAP bei und übernahm 1936 das Kulturreferat der Gaupropagandaleitung. Zuletzt war er Gauhauptstellenleiter in Köln.
  7. Faksimile beim Poller Heimatmuseum
  8. Ortswalter Porz der DAF Deutschen Arbeitsfront
  9. Leiter der NSDAP-Ortsgruppe Porz
  10. Geschäftsführer der NSDAP-Ortsgruppe Porz
  11. NSV-Ortsgruppenleiter Ensen/Heumar
  12. Leiter der NSDAP-Ortsgruppe Wahn
  13. Polizeiwachtmeister und SS-Hauptscharführer
  14. Fritz Salitter (1882-1963) war ab 1.8.1933 bis 1940 Kommandant des Truppenübungsplatzes Wahn, zuletzt im Rang eines Generalmajors.
  15. Oberstleutnant/Oberst Karl Benczek (1891-1951) war der Nachfolge Salitters als Standortkommandant.