Paulshof

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Loenhof[Bearbeiten]

Wohl schon zur Mitte des 16. Jahrhunderts gab es in Wahn ein dominierendes Gut, den Loenhof (Loenhoff). Über diesen früheren Hof ist bislang wenig bekannt, seine genaue Lage zeigt eine Karte des Landmessers Ehmann vom Februar 1748[1]. Er war zu dieser Zeit im Besitz von Gerhard von Loë zu Stade, somit nicht im Eigentum der Besitzer der Burg Wahn[2]. Vom Loenhof aus wurden in Wahn, Lind und Libur der Zehnte erhoben und in der Zehntscheuer des Gutes eingelagert.

"Der Halfmann zu Wahn machte die jährlichen Rundfahrten, stellte die Pferde und beköstigte die Zehntheber und Drescher. Auch war mit dem Wahner Hof die Churmut verbunden: bei jedem Sterbefall eines Lehensinhabers fiel dem Besitzer des Wahner Hofes nach Wahl das beste Stück Vieh von dem Erbteil zu."[3]
Jux 1929: Erbteilung Rittergut Stade 1717

Diese besondere Funktion des Hofes lässt aber darauf schließen, dass es sich um das spätere Paulusgut handeln muss. Nach dem Tod der letzten Eigentümer Gerhard Wilhelm von Loë zu Stade (+1685) und seiner Frau Katharina Margaretha Freiin von Syberg (+1712) wurden die Güter des Ehepaars 1717 unter ihren sechs lebenden Kindern in sechs Lose aufgeteilt. Dabei zeigte sich der besondere Wert des Loenhofs zu Wahn. Er war zwar Bestandteil des sechsten Loses. Dieses hatte aber dem ersten Los und seinem Begünstigsten Lüdger Diederich Freyherrr von Loe jährlich 7 Reichstaler oder einmalig 175 Reichstaler für den Wahner Hof abzugeben. Auch dem fünften Los musste aus dem Loenhof eine jährliche Rente von 12 Reichstaler oder einmalig ein Betrag von 300 Reichstalern gezahlt werden. Zudem wurde der Zehnte von Wahn, Lind und Libur einschließlich der Zehnt-Scheune und dem Erhalt von Pfenniggeldern auf Hühner vom Gut abgetrennt und dem fünften Los zugeschlagen. Da die Scheune baufällig war, hatte das sechste Los auch noch die 10 Reichstaler für ihre Reparatur zu übernehmen. Über die Begünstigsten der Lose zwei bis sechs entschied das Los. Los 5 erhielt Maximilian Wilhelm Freyherr von Loe.

Los 6 mit dem Loehnhof zu Wahn erhielt Wilhelmina Margaretha von Loe (1670-12.1737 als Witwe des N. Bertolf von Belven). Sie war gemeinsam mit ihrer Mutter vor 1692 zum protestantischen Glauben übergetreten und dürfte wenig Interesse am ererbten Besitz im rein katholischen Wahn gehabt haben. Zum Rittergut Stade gehörten zu dieser Zeit auch Jagdgerechtsame im Königsfort sowie die Scheuermühle in Wahn mit der Fischereigerechtsame. Die Scheuermühle gehörte zum vierten Los, das an Anna Clara von Loe fiel. Sie verkaufte die Mühle nachweislich im Jahr 1721 und es ist naheliegend, dass sich Wilhelmina Margaretha zu dieser Zeit ebenfalls vom Loenhof trennte.

Paulusgut / Paulshof[Bearbeiten]

Neuer Besitzer beider Güter wurde wohl der damalige Eigentümer der Burg Wahn, Maximilian Damian Freiherr Schall von Bell (1681-1741), der mit diesen Zukäufen seinen Besitz in Wahn zunächst deutlich ausweitete. Dieser Erwerb könnte auch mit einem Prozeß zusammenhängen, den Wilhelmina Margaretha von Loe seit mehreren Jahren namens der Familie beim Hauptgericht Porz gegen den Freiherrn "über sichern Theil Zehendens zu Wahn" bisher ohne Fortune führte. Der Kauf beiseitigte den Konflikt zukünftig und durch die Kaufsumme konnten zudem die Prozeßkosten beglichen und bisher gerichtlich festgestellte Ausgleichszahlungen verrechnet werden.

Allerdings behielt Freiherr Schall von Bell das Gut nicht sehr lange in seinem Besitz.

Die Pächter[Bearbeiten]

Das Gut wurde wahrscheinlich Zeit seines Bestehens bis in das Jahr 1938 nicht von seinen Besitzern geführt, sondern an Landwirte verpachtet. Die Pächter waren auch für die Gebäude zuständig. Im 19. Jahrhundert wurde der gesamte Hof neu errichtet: das Haupthaus um 1830, die Schmiede um 1845, Arbeiterhäuser um 1855, der Schweinestall um 1865, eine Remise um 1873, die Pferdestallungen erst um 1910. Auch 1938 fanden Umbauten statt. Das geschlossene Ensemble gruppiert sich dabei um einen großen Innenhof.

Die frühen Pächter sind noch aus den Akten nur teilweise zu ermitteln. Als Halbwinner gesichert gelten zur MItte des 18. Jahrhundert Johann Adolph Contzen (1699-1768) und seine Frau Anna geb. Immendorf. Denn beide hatten im Juni 1742 einen Bildstock zur Ehre Gottes auf eine Feldkreuzung setzen lassen, nachdem im Mai ihre Tochter Anna gesund geboren wurde[4].
Um 1890 ist Barthel Gymnich als Gutspächter nachweisbar, er sucht per Inserat im selben Jahr einen Schäfer gegen hohen Lohn. Im Februar 1892 versteigert er dann "sämtliches tote und lebende Inventar"[5]. Sein Nachfolger wurde Johann Dünwald und seine Frau Christa, geb. Gierlings, sie betrieben auf dem Gutshof hauptsächlich eine Yorkshire-Schweinezucht. Ab 1902 sind Carl Kalteyer und seine Frau Katharina geb. Destrée (1870-1938) die Gutspächter. Kalteyer unterhielt als Pferdezüchter ein Kaltblutgestüt und war in verschiedensten Ehrenämtern der Landwirtschaftskammer tätig, zudem von 1924 bis 1929 gewählter Gemeinderatsabgeordnerter in Wahn. Zu dieser Zeit gehörten zum Hof 140 Hektar Flächen. Im Feruar 1938 versteigerte Carl Kalteyer seine gesamte Pferdezucht und zog ins linksrheinische Freimersdorf. Wenige Wochen später verstarb nach langer Krankheit hier seine Ehefrau.

Die Familie Eltz-Rübenach setzte nun eine eigene Gutsverwaltung ein. Der damalige Gutsherr, Kuno von Eltz-Rübenach (1904-1945), hatte als Agrarpolitiker der NDSAP bereits seit 1930 vielfältige Ämter inne. Er war seit 1933 Reichstagsabgeordneter und Landesbauernführer der Landesbauernschaft Rheinland.

Das Versuchsgut um 1990 (© Landwirtschaftskammer Rheinland)

Versuchsgut Wahn[Bearbeiten]

Auf dem Hof fanden bereits in den 1930er Jahren auch Prüfungen der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg pachtete im Februar 1948 die Landwirtschaftskammer Rheinland den Hof und seine landwirtschaftlichen Flächen und betrieb ihn erneut mit seinen zugehörigen Ackerflächen als Lehr- und Versuchsgut. Von 1970 bis 1989 war Prof. Dr. Franz-Joseph Vollmer Leiter des Gutes, danach Prof. Dr. Werner Buchner. Seit 1973 wurde das Gut als reiner Ackerbaubetrieb ohne Viehhaltung geführt.

Laut Haushaltsplan zahlte die Kammer 1994-1996 für Mieten und Pachten der Grundstücke und Gebäude eine Jahresmiete von 76.500 DM. Nach der Fusion zur Landwirtschaftskammer NRW schloss das Versuchsgut nach 56 Jahren zum 31. Oktober 2004, der Pachtvertrag wurde gelöst.

Kulturgut Eltzhof[Bearbeiten]

Die Eigentümer entschlossen sich, das Gut einer öffentlichen Nutzung zuzuführen, die zugehörigen landwirtschaftlichen Flächen wurden hingegen zumeist zum Wohnungsbau veräußert. Zunächst eröffnete die Familie Eltz-Rübenach 2005 mit dem Eventmanager Roland Kulik das Kulturcafé Mahou und eine Landarbeiterkneipe mit Biergarten. Der ehemalige Pferdestall wurde zum Konzert- und Theatersaal. Erst seit dieser Zeit heißt das Anwesen ofiiziell Eltzhof. In den gesamten Umbau investierten die Eigentümer in Abstimmung mit der Denkmalbehörde von 1994 bis 2009 rund 5 Millionen Euro. Im Oktober 2009 eröffnete das privatwirtschaftlich geführte Kulturgut Eltzhof dann vollständig als multifunktionaler Veranstaltungsort. Es bietet seitdem einen großen Saal, Tagungsräume, ein Restaurant mit Brauhaus, ein Foyer, einen Biergarten und verschiedene Nebengebäude. Ganzjährig finden hier vielfältige Veranstaltungen statt. Die Adresse lautet heute Burgallee 1, 51147 Köln. Die Hofanlage steht seit Oktober 1988 unter Denkmalschutz. An den ursprünglichen Namen Paulshof erinnert seit 2010 ein umbenannter Abschnitt der Burgallee: die Spiel- und Anliegerstraße Zum Alten Paulshof im benachbarten Neubaugebiet am Bahnhof.

Quellen, Literatur, Links[Bearbeiten]

Landwirtschaftskammer Rheinland: 50 Jahre Versuchsgut Wahn. 1940-1998. Bonn 1999.
Krix, Benno: Der Eltzhof in Wahn. In: Rechtsrheinisches Köln 48.2023
Das Kulturgut Eltzhof heute (Link)

  1. Einen Ausschnitt zeigt Krix 2023, S. 13. Krix berücksichtigt allerdings die Quelle Jux 1929 nicht, weshalb er den Küchenhof von Haus Wahn als identisch mit dem Loenhof vermutet.
  2. Namensgebend war das Haus Loe bei Marl. Der hier relevante Zweig der Familie bewohnte seit 1450 die Wasserburg Haus Stade bei Rösrath.
  3. Anton Jux in der Beilage "Ruhmreiche Berge" - Heimatkundliche Beilage der Bergisch Gladbacher Volkszeitung v. 18.10.1929, er führt als Quelle einen Erbteilungsakt von 1717 an, "der sich im Seelscheider Kirchenarchiv wiederfand". Heute: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, U 177 / Haus Neuenhof (Dep.) / Akten, Nr. 688
  4. Inzwischen ist der verbliebene Unterbau mit Inschrift an der Kirche St. Aegidius in Wahn angebracht. 1748 kauften die beiden gemeinsam mit einem weiteren Ehepaar den Poller Hof zu Eschmar. Ob sie danach dennoch weiter in Wahn verblieben sind, ist unklar.
  5. vgl. Sieg-Bote v. 6.2.1892