Paulshof

Aus porzerleben.de/porz-wiki

Loenhof[Bearbeiten]

Schon im 16. Jahrhundert gab es in Wahn ein dominierendes Gut, den Loenhof. Über diesen früheren Hof ist bislang wenig bekannt, seine genaue Lage findet sich in keiner zeitgenössischen Quelle. Zur Mitte des 16. Jahrhunderts war der Hof wohl im Besitz von Gerhard von Loë[1]. Von diesem Hof aus wurden in Wahn, Lind und Libur der Zehnte erhoben und in der Zehntscheuer des Gutes eingelagert.

"Der Halfmann zu Wahn machte die jährlichen Rundfahrten, stellte die Pferde und beköstigte die Zehntheber und Drescher. Auch war mit dem Wahner Hof die Churmut verbunden: bei jedem Sterbefall eines Lehensinhabers fiel dem Besitzer des Wahner Hofes nach Wahl das beste Stück Vieh von dem Erbteil zu."[2]

Diese besondere Funktion des Hofes lässt aber darauf schließen, dass es sich um das spätere Paulusgut handeln muss. Nach dem Tod der letzten Eigentümer Gerhard Wilhelm von Loë zu Stade (+1685) und seiner Frau Katharina Margaretha Freiin von Syberg (+1712) wurden die Güter des Ehepaars 1717 unter ihren sechs lebenden Kindern in sechs Lose aufgeteilt. Dabei zeigte sich der besondere Wert des Loenhofs zu Wahn. Er war zwar Bestandteil des sechsten Loses. Dieses hatte aber dem ersten Los und seinem Begünstigsten Lüdger Diederich Freyherrr von Loe jährlich 7 Reichstaler oder einmalig 175 Reichstaler für den Wahner Hof abzugeben. Auch dem fünften Los musste aus dem Loenhof eine jährliche Rente von 12 Reichstaler oder einmalig ein Betrag von 300 Reichstalern gezahlt werden. Zudem wurde der Zehnte von Wahn, Lind und Libur einschließlich der Zehnt-Scheune vom Gut abgetrennt und dem fünften Los zugeschlagen. Da die Scheune baufällig war, hatte das sechste Los auch noch die 10 Reichstaler für ihre Reparatur zu übernehmen. Über die Begünstigsten der Lose zwei bis sechs entschied das Los. Los 5 erhielt Maximilian Wilhelm Freyherr von Loe. Los 6 mit dem Loehnhof zu Wahn erhielt Wilhelmina Margaretha von Loe (+1737 ale Witwe des von Belven).

Paulusgut / Paulshof[Bearbeiten]

Dieses Gut hieß später für lange Zeit Paulusgut, gelegen nahe am Burg/Schloss Wahn. Eigentümer waren ab dieser Zeit die jeweiligen Burg- bzw. Schlossherren.

Das Gut wurde bis 1938 an Landwirte verpachtet. Der gesamte Hof wurde im 19. Jahrhundert neu errichtet: das Haupthaus um 1830, die Schmiede um 1850, Arbeiterhäuser um 1855, der Schweinestall um 1865, die Pferdestallungen erst um 1910. Das geschlossene Ensemble gruppiert sich um einen großen Innenhof.

Die frühen Pächter sind noch aus den Akten zu ermitteln. Um 1890 ist Barthel Gymnich als Gutspächter nachweisbar, er sucht per Inserat im selben Jahr einen Schäfer gegen hohen Lohn. Im Februar 1892 versteigert er dann "sämtliches tote und lebende Inventar"[3]. Sein Nachfolger wurde Johann Dünwald, er betrieb auf dem Gutshof hauptsächlich eine Yorkshire-Schweinezucht. Ab 1902 sind Carl Kalteyer und seine Frau Katharina geb. Destrée (1870-1938) die Gutspächter. Kalteyer unterhielt als Pferdezüchter ein Kaltblutgestüt und war in verschiedensten Ehrenämtern der Landwirtschaftskammer tätig, zudem von 1924 bis 1929 gewählter Gemeinderatsabgeordnerter in Wahn. Zu dieser Zeit gehörten zum Hof 140 Hektar Flächen. Im Feruar 1938 versteigerte Carl Kalteyer seine gesamte Pferdezucht und zog ins linksrheinische Freimersdorf. Wenige Wochen später verstarb nach langer Krankheit hier seine Ehefrau.

Die Familie Eltz-Rübenach setzte nun eine eigene Gutsverwaltung ein. Der damalige Gutsherr, Kuno von Eltz-Rübenach (1904-1945), hatte als Agrarpolitiker der NDSAP bereits seit 1930 vielfältige Ämter inne. Er war seit 1933 Reichstagsabgeordneter und Landesbauernführer der Landesbauernschaft Rheinland.

Das Versuchsgut um 1990 (© Landwirtschaftskammer Rheinland)

Versuchsgut Wahn[Bearbeiten]

Auf dem Hof fanden bereits in den 1930er Jahren auch Prüfungen der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg pachtete im Februar 1948 die Landwirtschaftskammer Rheinland den Hof und seine landwirtschaftlichen Flächen und betrieb ihn erneut mit seinen zugehörigen Ackerflächen als Lehr- und Versuchsgut. Von 1970 bis 1989 war Prof. Dr. Franz-Joseph Vollmer Leiter des Gutes, danach Prof. Dr. Werner Buchner. Seit 1973 wurde das Gut als reiner Ackerbaubetrieb ohne Viehhaltung geführt.

Laut Haushaltsplan zahlte die Kammer 1994-1996 für Mieten und Pachten der Grundstücke und Gebäude eine Jahresmiete von 76.500 DM. Nach der Fusion zur Landwirtschaftskammer NRW schloss das Versuchsgut nach 56 Jahren zum 31. Oktober 2004, der Pachtvertrag wurde gelöst.

Kulturgut Eltzhof[Bearbeiten]

Die Eigentümer entschlossen sich, das Gut einer öffentlichen Nutzung zuzuführen, die zugehörigen landwirtschaftlichen Flächen wurden hingegen zumeist zum Wohnungsbau veräußert. Zunächst eröffnete die Familie Eltz-Rübenach 2005 mit dem Eventmanager Roland Kulik das Kulturcafé Mahou und eine Landarbeiterkneipe mit Biergarten. Der ehemalige Pferdestall wurde zum Konzert- und Theatersaal. Erst seit dieser Zeit heißt das Anwesen ofiiziell Eltzhof. In den gesamten Umbau investierten die Eigentümer in Abstimmung mit der Denkmalbehörde von 1994 bis 2009 rund 5 Millionen Euro. Im Oktober 2009 eröffnete das privatwirtschaftlich geführte Kulturgut Eltzhof dann vollständig als multifunktionaler Veranstaltungsort. Es bietet seitdem einen großen Saal, Tagungsräume, ein Restaurant mit Brauhaus, ein Foyer, einen Biergarten und verschiedene Nebengebäude. Ganzjährig finden hier vielfältige Veranstaltungen statt. Die Adresse lautet heute Burgallee 1, 51147 Köln. Die Hofanlage steht seit Oktober 1988 unter Denkmalschutz. An den ursprünglichen Namen Paulshof erinnert seit 2010 ein umbenannter Abschnitt der Burgallee: die Spiel- und Anliegerstraße Zum Alten Paulshof im benachbarten Neubaugebiet am Bahnhof.

Quellen, Literatur, Links[Bearbeiten]

Landwirtschaftskammer Rheinland: 50 Jahre Versuchsgut Wahn. 1940-1998. Bonn 1999.
Das Kulturgut Eltzhof heute (Link)

  1. Namensgebend war das Haus Loe bei Marl. Der hier relevante Zweig der Familie bewohnte seit 1450 die Wasserburg Haus Stade bei Rösrath.
  2. Anton Jux in der Beilage "Ruhmreiche Berge" - Heimatkundliche Beilage der Bergisch Gladbacher Volkszeitung v. 18.10.1929, er führt als Quelle einen Erbteilungsakt von 1717 an, "der sich im Seelscheider Kirchenarchiv wiederfand". Heute: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, U 177 / Haus Neuenhof (Dep.) / Akten, Nr. 688
  3. vgl. Sieg-Bote v. 6.2.1892