Scheuermühle

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Kölnischer Correspondent vom 6. November 1831
Anzeige, Rheinische Volksstimme v. 7.3.1895
Mühle und Wahner Viehgasse 1895. AK-Ausschnitt, Lithographie A. Henry

Die Scheuermühle[Bearbeiten]

14. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Eine erste urkundliche Erwähnung der Scheuermühle im heutigen Wahnheide stammt aus dem Jahr 1359. Die Scheuermühle war die einzige Wassermühle im Porzer Raum, die Langeler Mühle und die Porzer Mühle arbeiteten hingegen mit Windkraft. An der Mühle vorbei führte der „Wahner Weg auf Buckshorn“ als Verlängerung der Viehgasse durch die Heide nach Altenrath.

1721 wurde die Mühle verkauft, einschließlich dem Bach, dem Teich, Weihern und einigem Umland. Vermutlich erwarben die Herren von Burg Wahn die Mühle, die nun lange Zeit in ihrem Besitz blieb. Im Jahr 1820 wurde die Mühle auch als Scheermühle bezeichnet. Um dieses Zeit wohnten in dem Gebäude rund 20 Personen, der Müller Christian Schmitz und seine Ehefrau Elisabetha geb. Engels hielten auch sieben Kühe, drei Rinder, zwei Ochsen, drei Kälber, 15 Schweine und besaßen drei Ackerpferde (siehe Meldung rechts). Zur Mühle gehörten auch 65 Morgen Land, weshalb hier der Müller immer zugleich auch Landwirt war.

Im Oktober 1843 grüßte der Gutsbesitzer Heinrich Wilhelm Lemmer (1821-1902) aus Meinenbruch (Meinenbroich bei Lohmar) von der "Scheermühle bei Wahn" seine Freunde vor seiner Abreise zur königlichen Garde[1]. Ob er zu diesem Zeitpunkt dort lebte, bleibt offen. Im Sommer 1846 wurde der Besitz des in der Mühle wohnenden Försters Franz Dommerque, darunter auch Vieh, Mobiliar, 20 Bienenstöcke, 150 Bienenhäuschen und Lebensmittel zur Versteigerung gebracht[2]. Der Förster zog nach Mayschoß, um dort Fürstlich von Arenbergischer Rentmeister zu werden. Bereits im Mai 1846 suchte der Besitzer Freiherr von Rübenach einen neuen Pächter und inserierte: „Die Mühle selbst hat zwei Mahlgäng für Korn und Weizen, und einen Gang zum Gersteschälen eingerichtet, hat nie Wassermangel und ein bedeutendes Gemahl“[3].

Johann Bouserath aus Eschmar bekam den Zuschlag. Doch entgegen der Aussage des Inserates lief das oberschlächtige Wasserrad in den folgenden Jahren immer wieder trocken und der Mühlbetrieb musste zwangspausieren. Daher wurde 1852 die Mühle erneuert und ergänzend eine Dampfmaschine installiert, die einen Schornstein benötigte. Um 1863 war Friedrich Hamacher der Pächter. Danach betreibt Adolf Neu (*1829) mit seiner Frau Margareta, geborene Schmitz (1834-1909) die Mühle[4]. Im Jahr 1892 wurde die Mühle aus- und umgebaut, modernisiert und eine neue Dampfmaschine mit 25 PS installiert. Im Frühjahr 1895 beendete das Ehepaar Neu seine Müller- und Landwirte-Tätigkeit und ließ Teile des Mobiliars, das Wirtschaftsinventar und die Tiere versteigern. Erneut wurde die Mühle mit einer Leistung von ca. 100 Zentnern täglich zur Verpachtung ausgeschrieben. Die Familie Neu blieb in der Scheuermühle wohnen.

AK-Ausschnitt 1905, Verlag Peter Thelen

Im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Danach wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts der gebürtige Holländer Wilhelm Diebels (1862-1906) Pächter der Mühle. Er motorisierte die Mühle vollständig, damit endete ihr Wasserbedarf. Nach seinem Tod im Juni 1906 führte seine Witwe Mathilde (1973-1946) die Mühle zunächst weiter und gründet hierfür 1908 die Firma Wilhelm Diebels Ww. zu Wahn [5]. 1912 gab sie - inzwischen mit einem Gastwirt verheiratet - die Müllerei auf und ihre Firma wurde 1913 gelöscht. Am 17. Juli 1913 inserierte Peter Neu (1867-1918) im Porz-Urbacher Volksblatt, er habe den Mühlenbetrieb wieder aufgenommen. 1914 erwarb der preußische Staat die Mühle im Zuge der Erweiterung des Schiessplatz Wahn. Im Jahr 1918 starb Peter Neu, seine Witwe Josefine (1879-1963) führte den Betrieb weiter, bis ihr Sohn Franz Neu (1900-1968) die Mühle als Pächter übernahm. Er hatte 1924 Elisabeth Maria Diebels (1899-1974), eine Tochter der früheren Pächter, geheiratet.

1949 wurde der Mühlbetrieb auf britischen Befehl hin eingestellt, die Militärs befürchteten unter den Kunden Spione. Franz Neu eröffnete nun eine Mühle in einem Lagergebäude am Güterbahnhof Wahn, wohnte aber bis 1957 in der Mühle.

In den nachfolgenden Jahren konnte der Landeskonservator den Abbruch der 500 Jahre alten Mühle zwar verhindern, Gelder für eine Sanierung fehlten jedoch. Dann trat Generallleutnant Dr. Adolf Hempel seinen Dienst als Chef des Luftwaffenamts an. Auf seinen Befehl hin erfolgte 1968 der Abbruch des Mühlengebäudes, um einem Hochhausneubau als Fernmeldezentrum Platz zu machen - der aber blieb im Planungsstadium stecken[6]. Von den drei Mühlsteinen mit je 1,50 Meter Durchmesser sollte einer im Wohnturm Zündorf aufbewahrt werden, einer zum Taufbecken der katholischen Garnisonskirche Wahnheide werden und einer auf dem Fliegerhorst Wahn verbleiben. Am Standort wurde später mit dem Wasserrad und einigen Mauerresten eine kleine Gedenkanlage errichtet. Das Gelände liegt heute baumbewachsen innerhalb der Luftwafffenkaserne, rund 580 Meter nordwestlich des unteren Scheuerteiches zwischen Mittelstraße, Aachener Staße und Allensteiner Straße.

Pächter[Bearbeiten]

  • ? -1831 Christian Schmitz und Elisabetha, geb. Engels (Pächter)
  • 1832-1846: Franz Dommerque, Revierförster (Pächter)
  • 1846 - ?: Johann Bouserath, Bäcker in Eschmar (Pächter)
  • um 1863: Friedrich Hamacher zu Wahn (Pächter)
  • 1869-1895: Adolph Neu und Ehefrau Margaretha, geborene Schmitz
  • 1895-1905: unklar
  • 1905-1906: Wilhelm Diebels und Ehefrau Mathilde Antonie, geb. Leeder
  • 1906-1912: Witwe Mathilde Antonie Diebels
  • 1913-1918: Peter Neu und Ehefrau Josefine, geb. Pungel
  • 1918-1924: Witwe Josefine Neu
  • 1924-1949: Franz Neu und Ehefrau Elisabeth Maria, geb. Diebels

Das Wasser[Bearbeiten]

Wasser für das Mühlrad sollte der Scheuerbach heranführen, tat dies aber nur sehr unzuverlässig. Daher wurden ursprünglich drei Scheuerteiche angelegt.

Der Scheuerbach[Bearbeiten]

Der heute als Biotop gesetzlich geschützte Scheuerbach hieß in früheren Jahrhunderten auch Krebsbach, denn hier wurden Krebse gefangen. Gebräuchlich war auch die Bezeichnung Scheermühlenbach. Das Gewässer entspringt in der Wahner Heide südwestlich von Altenrath, zahlreiche Entwässerungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert reduzierten sein Wasservolumen. Nach dem Durchfließen der Scheuerteiche und des Mühlengrabens unterquerte der Scheuerbach früher den Mauspfad, floss zunächst durch die Grundstücke südlich der Wahner Viehgasse, um diese ca. 100m vor dem Mauspfad zu unterqueren. Dann führte das ab ca. 1825 kanalisierte Bachbett direkt entlang der Nordseite der späteren Schießplatzstraße bis zur heutigen Sportplatzstraße. Hier knickte der Bach nach Norden ab und versickerte schließlich in den Teichen des Bieselwalds. Häuser, die auf der Nordseite der Schiessplatzstraße errichtet wurden, hatten in diesem Straßenabschnitt an ihrem Zugang daher bis in das Jahr 1925 jeweils eine kleine Brücke über den Bach. Bis zur Errichtung einer Kläranlage auf dem Militärgelände im Jahr 1902 gelangten auch Abwässer aus dem Schießplatz in den Scheuerbach.

Heute erreicht der Bach nicht einmal mehr den früheren Mühlenstandort. Stattdessen mündet er nahe der Flughafenstraße in den bereits 1925/26 errichteten unterirdischen Rheinkanal 1, der nach 5,4 km ein gutes Stück nördlich des Zündorfer Yachthafens im Rhein endet.

Die Teiche[Bearbeiten]

Badevergnügen 1939, AK-Ausschnitt, Verlag August Lichius

Der untere Scheuermühlenteich war ursprünglich der einzige Mühlenteich. Durch die Trockenlegungen in der Wahner Heide wurden aber zwei weitere Teiche erforderlich, wobei der mittlere Teich heute ausgetrocknet ist und nur noch durch eine Senke erkennbar bleibt. Der obere Scheuerteich liegt heute in der militärischen Zone und gehört zu einem europäischen FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat); er ist daher nicht zugänglich.

Den kaiserlichen Soldaten war es insgesamt bei Strafe verboten, im Scheuerteich zu baden. Ob Zivilisten vor 1919 hier baden konnten, ist unbekannt. Die französische Besatzungsbehörde untersagte 1925 der deutschen Zivilbevölkerung, dort zu baden. "Dieser Teich ist ausschließlich für das französische und das englische Militär reserviert."[7]

Der untere Scheuerteich wurde in den Jahren 1936 bis ca. 1942 von den Soldaten des Truppenübungsplatzes als Freizeitgelände und Bademöglichkeit genutzt. Der Wasserstand war zu dieser Zeit an einigen Stellen so hoch, dass sogar zwei Sprungbretter in 3 und 6 Meter Höhe aufgebaut werden konnten.

Nach 1945 nutzte ein Angelverein das Gewässer, bis man entdeckte, dass das Wasser, die Fische und der Teichgrund durch Löschwasserversickerungen der Flughafenfeuerwehr daherhaft mit giftigen Tensiden kontaminiert waren. Heute steht der Teich mit seiner sehr geringen Wassrtiefe unter Naturschutz und ist mit der Scheuerbachsenke ein Naherholungsgebiet entlang des Planitzweges. Beides leidet immer wieder unter Wassermangel, im Oktober 2022 war der Scheuermühlenteich erstmals zeitweise komplett ausgetrocknet. Im Jahr 2023 versteppt der Grund des Teiches ohne Wasser weitgehend. Das Gebiet wird vom Bürgerverein Wahn-Wahnheide-Lind betreut.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Huck, Jürgen: Die Scheuermühle. Köln 1962 (Sonderdruck aus "Unser Porz", Heft 4)
Krix, Benno: Zwischen Schiessplatz und Autobahn, Teil 1. Rechtsrheinisches Köln 32.2007
Bilder der Mühle bei Wikipedia (Link)
Bilder vom unteren Scheuermühlenteich beim Bürgerverein (Link)

  1. vgl. Kölnische Zeitung v. 24.10.1843.
  2. vgl. Kölnische Zeitung vom 20. Mai 1846
  3. Kölnische Zeitung vom 10. Mai 1846
  4. Im HAStK gibt es ein Foto der Familie aus dem Jahr 1885 (Best. 9722 Fo 69)
  5. HR Mülheim Nr. 302 v. 11.5.1908
  6. vgl. KStA Porz vom 8. August 1968 (mit Fotos)
  7. Bekanntmachung von Bürgermeister Oedekoven im Porz-Urbacher Volksblatt Nr. 68 v. 13.6.1925.