Strandbad Langel

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Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die erste Kartierung des Rheins aus der Rheinbesichtigung von 1556 zeigt bei Langel zwei Inseln. Im Zuge der Begradigungen des 19. Jahrhunderts wurden die Inseln mit dem Festland verbunden, die Zwischenräume versandeten teilweise. (Vertiefung dieses Aspektes folgt)

Das Strandbad[Bearbeiten]

Das Unternehmen[Bearbeiten]

Im Jahr 1911 bildete die Kölner Firma Reformhaus Colonia ein Konsortium von rund 25 Kölner Geschäftsleuten zur Finanzierung eines Standbades in Langel. Sie pachtete mit Unterstützung der Bürgermeisterei Wahn rund 1.600 Meter Rheinfront südlich von Langel vom Wasserbauamt Köln. Das Unternehmen verhandelte mit der Rheinuferbahn über eine Preisermäßigung für Badegäste auf der Strecke Köln-Godorf. In Godorf war dann eine Motorbootverbindung zum Strandbad geplant. Das Konsortium war auch bereit, sich am Bau einer elektrische Bahn von Porz nach Siegburg mit 10.000 Mark zu beteiligen, die Finanzierung dieser Strecke wurde aber vom Stadtrat Ende des Jahres 1911 abgelehnt. "Innerhalb eines Zeitraums von nur acht Tagen sind sämtliche Arbeiten einschließlich Nachsuchung der Genehmigung bei den verschiedensten Behörden ausgeführt worden."[1] Seit November 1911 führte der Gesellschafter Rechtsanwalt Dr. Hermann Lenders aus Siegburg das Unternehmen. 1912 wurde dann in Köln die Strandbad Langel GmbH mit 150.000 Mark Stammkapital in das Handelsregister eingetragen. Geschäftsführer war der Kölner Kaufmann Anton Becker. In die Gesellschaft brachte Lenders die von ihm abgeschlossenen Pachtverträge über 100 Morgen Land und weitere Posten als Einlagen im Wert von 65.000 Mark ein. Die früheren Gesellschafter des Strandbads wurden mit 25.000 Mark abgefunden. Im Dezember 1913 wurde Anton Becker als Geschäftsführer abgelöst, in der Folge wechselten die Geschäftsführer mehrfach.

Der Badebetrieb 1911 bis 1915[Bearbeiten]

Kölner Lokal-Anzeiger, 19.8.1911

Errichtet wurden 1911 zunächst nur provisorische Gebäude mit Ankleidehallen, Erfrischungsräumen und Gastronomie. Der Eintrittspreis des im ersten Jahr nur an warmen Sonntagen geöffneten Bades betrug 35 Pfennig einschließlich der Rheinüberfahrt von Godorf aus. Am Eröffnungstag, Sonntag den 13. August 1911, besuchten bei wolkenlosem Himmel und einer "quälender Hitze" rund 6.000 Gäste das neue Strandbad. Trotz der Absperrung im Rhein ertrank am Eröffnungstag ein 18jähriger Lehrling bei einem gescheiterten Rettungsversuch. Die in Not geratene junge Frau konnte hingegen von einem Boot aus aus dem Wasser gezogen werden. Der Badebetrieb wurde daraufhin für einige Stunden unterbrochen.[2] Am darauffolgenden Sonntag steigerten die Betreiber daher die Sicherheit: "Ein Taucher, vier bis sechs Rettungskähne, Rettungsringe und -Haken sind zur Sicherheit der Badegäste zur Stelle". Getrennt gab es auch ein Familienbad ("für Herren Strandanzug Bedingung") und ein Damenbad. Für Unterhaltung sorgten laut Announcen eine eigene Strandkapelle sowie "Wasserpolonäse, Parademarsch im Wasser, abends bengalische Beleuchtung". Von den Konzerten profitierte auch die Gemeinde Wahn: Sie kassierte bei diesen Gelegenheiten 5 Pfennig Lustbarkeitssteuer pro Besucher. Eine eigene Bäckerei und zeitweise auch eine Metzgerei sorgten für den Nachschub der Küche.

Um den anhaltenden Andrang zu meistern - es wird von über 10.000 Gästen an einigen Sonntagen berichtet - setzte die Rheinuferbahn Sonderzüge ein, die ohne weiteren Halt zwischen Köln und Godorf verkehrten. Eine am Strandbad neu errichtete Dampfer-Anlegebrücke nahmen zudem die Weber-Schiffe als Haltepunkt Strandbad Langel in ihren Fahrplan auf. Für die Saison 1912 wurden Terassen für die Zuschauer angelegt, denn im ersten Jahr zeigte sich, dass längst nicht alle Gäste zum Baden kamen. Zudem wurde die Fläche auf 265 Ar ausgedehnt, um auch Spiel- und Sportplätze zu schaffen und einen Wald zum Spazierengehen zu bieten. Auch ein Familien-Wellenbad war in der Planung. Das Jahr 1912 brachte einen kleinen Boom von neuen Strandbädern in der Umgebung, darunter in Deutz/Mülheim, Rodenkirchen und Bonn, was die Besucherzahlen in Langel reduzierte.

Gruß vom Strandbad, Verlag Bies 1913

Am 21. Juli 1912 konnte die neue repräsentative Strandhalle teilweise eröffnet werden. Der erste Stock des 105 Meter langen und 11 bzw. 35 Meter tiefen Gebäudes ruhte hochwassersicher auf Säulen und beherbergte das Restaurant mit Platz für 3.000 Personen, im Erdgeschoss befanden sich die Umkleideräume für Männer und für Frauen. Alle Trennwände waren bei Hochwasssergefahr demontierbar. Inzwischen hatte das Bad auch werktags geöffnet. Bereits ein knappes Jahr später, am 31. März 1914, zerstörte ein Großbrand das Gebäude. Die offensichtliche Brandstiftung wurde nie aufgeklärt. Einige Zeit vorher waren bereits Messinghähne von Gasleitungen gestohlen worden, 1500 Kubikmeter Gas strömten dabei aus. Den Brand hatten vermutlich bereits nachts unbekannte Einbrecher verursacht, die ein in Godorf gestohlenes Boot zur Anfahrt benutzten. Erst Mittags brach das Feuer durch, wurde sichtbar und das große Holzgebäude brannte in nur einer Stunde nieder. Die Schadenssumme von 370.000 Mark war nur teilweise versichert[3]. Erst am 13. Juni 1915 konnte der Badebetrieb mit einem provisorischen Ersatzgebäude fortgesetzt werden. Jedoch war diese Saison mitten im Ersten Weltkrieg nicht erfolgreich: Ende September fand die Versteigerung des gesamten Wirtschaftsinventars statt.

Der Badebetrieb 1930 bis 1940[Bearbeiten]

Ab 1916 finden sich für Jahre keine Hinweise mehr auf einen Badebetrieb, 1925 wurde die Strandbad Langel GmbH von Amts wegen gelöscht. Erst ein Zeitungsbericht von 1930 erwähnt das Strandbad erneut, Bauakten verzeichnen die "Errichtung eines Strandbades mit Hauptgebäude, Abortgebäude und Wasser-Rutschbahn" durch die Eigentümerin Elly Schäfer[4]. Eine Ansichtskarte aus dem selben Jahr nennt Heinrich Klein als Betreiber und Besitzer der nun schmucklos auf einem Betonfundament ruhenden eher kleinen Strandgaststätte. Er erweiterte das Gebäude in den beiden Folgejahren. 1933 kam eine Speiseeishalle von Karl Jäger hinzu. Die Adressbücher der Zeit führen Klein zunächst als Bauunternehmer und Gemeindeverordneten, seit 1937 als Gastwirt. Neben den Fähren von Sürth oder Godorf gab es nun keine weiteren Schiffsverbindungen mehr. Zudem entstand Anfang der 1930er Jahre auch in Zündorf an der Groov ein kleines Strandbad. Damit verlor das Langeler Bad weitgehend seine regionale Anziehungskraft, inserierte aber 1938 bis 1940 weiterhin in Kölner Zeitungen. Für die Rheinuferbahn gab es eine "verbilligte Fahrkarte nach Station Godorf einschließlich Rückfahrt, Fähre und Badekarte".[5] 1938 errichtete Heinrich Klein im Gebäude eine Kegelbahn. Im Sommer 1940 finden sich letztmalig Inserate for das Stranbdbad Langel, im weiterne Verlauf des 2. Weltkriegs kam der Gaststättenbetrieb dann zum Erliegen.

Strandbad Marie[Bearbeiten]

Bereits seit den 1930er Jahren verschmutzten die Industriebetriebe des Ober- und Mittelrheins zunehmend den Fluss, womit die Strandbäder allmählich Geschichte wurden. Gegenüber dem Strandbad wurde der bereits 1928 in Betrieb genommene Godorfer Hafen mit Kaianlagen weiter ausgebaut - als Kulisse für Erholungssuchende nicht gerade idyllisch. Der Ausbau führte wohl auch zu Strömungsveränderungen, das Langeler Ufer wurde seichter. Schließlich wanderte eine langgestreckte Kiesbank durch die Flußbiegung am Langeler Lido stromabwärts[6]. Sie besiegelte die ab 1950 zunehmende Verlandung der östlichen Rheinseite, wodurch sich das Strandbad-Gebäude immer weiter vom Rhein entfernte. Die Rheintümpel und das Rheinufer wurden 1974 unmittelbar vor dem Strandbad auf einem Streifen von 500 x 100 Meter mit weiteren Ausbaggerungen aus dem Hafenbecken in Wesseling aufgefüllt.

Zunächst führte Johann Klein die Gaststätte am Strandbad weiter[7]. Dann übernahmen Gustav und Maria Hollstein (1918-2002) die Gaststätte und betrieben in dem umgebauten und vergrößerten Haus das Strandbad Marie für Ausflügler und Nutzer des später angelegten Campingplatzes bis ins Jahr 1996. Zeitweise gab es in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre hier zwei Gaststätten. Besitzer des Campingplatzes war seit 1930 bis mindestens zu Beginn der 1960er Jahre Johann Öffling, danach übernahmen Gustav und Maria Hollstein auch den Betrieb des Campingplatzes.
Nach 1996 stand das Gasthaus-Gebäude jahrelang leer, denn im Landschaftsplan der Höheren Landschaftsbehörde von 1991 waren Gaststätte und Campingplatz nicht vorgesehen. Stattdessen sollte das Auenwaldgelände rückgebaut werden und damit drohte bereits im Jahr 2003 der Abriß. So musste der Architekt Lambert Nöbel aus Niederkassel als Käufer der Gastätte auf die "Legalisierung" und die Schanklizenz warten, obwohl er die Gaststätte bereits renoviert hatte. Erst im Jahr 2009 konnten dann Andreas Nothelfer und Thomas Kern das Restaurant Strandbad eröffnen, und sie betrieben es bis in das Jahr 2018. Seitdem steht es bis in die Gegenwart leer, das Gebäude wurde beschädigt und vermüllte. Im März 2020 beschloss der Ratsauschuss Umwelt und Grün den Abriß und die Ausweisung des Geländes einschließlich des bislang verpachteten Campingplatzes als Teil des Naturschutzgebiets Langeler Auwald - wenn kein neuer Pächter gefunden würde, der sich auf 30 Jahre bindet - bereits für das Jahr 2021. Einen Interessenten gibt es, er macht jedoch eine Erlaubnis zu erheblichen Eingriffen in das Auengelände (Parkmöglichkeiten, Wegebeleuchtung, Außengastronomie) zur Bedingung. In der ersten Hälfte des Jahres 2022 wird sich die Zukunft des Geländes entscheiden.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Huck, Jürgen: Porz in alten Ansichten. Porz 1977.

  1. Kölner Lokal-Anzeiger, 12.8.1911
  2. Am selben Tag ertranken am ungesicherten Strand von Rodenkirchen sieben Menschen, im Kölner Gebiet insgesamt 10 bis 12 Personen und im Stadtgebiet von Düsseldorf sechs Menschen.
  3. Kölner Lokal-Anzeiger, 1.4.1914
  4. Best. 9030B (Bauordnungsamt (Hausakten) Porz), A 910
  5. Der neue Tag, 25.6.1936
  6. vgl. Wirtz, Alexander: Porz und der Rhein seit 1945. In: Unser Porz, Heft 14. Porz 1972
  7. vgl. Adressbuch Rheinisch-Bergischer-Kreis 1951