Kaiserstraße
Historisches[Bearbeiten]
Straßenverbindungen vom Dorf Urbach zum Dorf Porz bzw. zum Rhein wird es schon seit der Gründung der Dörfer gegeben haben. Wann die heutige Kaiserstraße (L99) ihren heutigen Verlauf erhalten hat und wann sie zur wichtigsten Verbindungsstraße wurde, ist unklar. Sie hieß wohl in Urbach Porzer Weg, seit der Errichtung der Eisenbahnstation Urbach dann auch Bahnhofstraße.
In Vorbereitung des Kaiserbesuches wurde der "Urbacher Weg" neu basaltiert. Am 8. August 1906 traf Kaiser Wilhelm II. am Bahnhof Urbach ein, um den Schiessplatz Wahn zu besuchen. Die Strecke legte er in einem offenen Kraftwagen zurück, sie führte über Urbach in den Grengel und weiter zum Schießplatz[1]. Bereits unmittelbar nach dem Besuch galt es als beschlossene Sache, die Verbindungsstraße zwischen Bahnhof und Frankfurter Straße künftig Kaiserstraße zu nennen. Der entsprechende Beschluß des Gemeinderats folgte im April 1907, zugleich wurde der zukünftige Fluchtlinienplan der Straße beschlossen.
Im März 1926 beantragte die SPD-Fraktion im Heumarer Gemeinderat eine Umbenennung in Bebelstraße, auch die KPD-Fraktion befürwortete den Antrag. Er wurde jedoch durch die Mehrheit der Zentrums-Gemeinderäte abgelehnt. So behielt die Straße ihren Namen bis zum heutigen Tag.
Verlauf[Bearbeiten]
Noch zur Zeit des Kaiserbesuchs querte die Straße ebenerdig die damals bereits viergleisige Eisenbahntrasse, gesichert durch eine Schrankenanlage, die ein Schrankenwärter hier bediente, und führte in weitgehend geradem Weg nach Urbach. Auch durch die rasch wachsende Zahl von Industriebetrieben, die nördlich und südlich der Kaiserstraße über eigene Gleisanschlüsse verfügten, vervielfachte sich die Zahl der passierenden Güterzüge und die Schranke war oft geschlossen. Bereits 1906 beantragte daher der Gemeinderat bei der Reichsbahn die Genehmigung, eine Unterführung zu bauen. Sie wurde im Frühjahr 1907 bewilligt. Die Unterführung entstand 1911, ihren Bodenaushub verwendeten die Porzer zum Ausbau der neuen Rheinpromenade. Nun zweigte die Kaiserstraße - wie auch heute noch - in Höhe der Hauptstraße 53 von dieser ab und unterquerte die Eisenbahntrasse. Direkt dahinter nahm die Kaiserstraße nun neu eine scharfe, aufwärts führende Kurve nach Süden, um zu ihrem ursprünglichen Verlauf zurückzufinden. Zugleich mit diesen Arbeiten erhielt die Kaiserstraße auf ihrer gesamten Länge Trottoirs, Bordsteine, Rinnen und ein Basaltpflaster.
Der scharfe Knick nach der Bahnhofsunterführung wurde in der ersten Jahreshälfte 1968 durch eine Begradigung ab der Unterführung beseitigt. Der Aufgang zum Bahnhof Porz und die Bushaltestellen entstanden erst im Zuge des Baus der ICE-Schnellbahnstrecke Köln-Frankfurt in den Jahren 2010/12.
Straßenabschnitte[Bearbeiten]
- Ab Frankfurter Straße bis Abzweige Schmale Gasse bzw. Elsdorfer Straße; die Zählung südlich beginnt erst hinter der Kupfergasse, 1-7 (S) 2-24 (N)
- bis Kreuzung Marienburger Straße / Unter den Erlen; 9-19 (S) 32-48 (N)
- bis Kreuzung Egmontstraße / Heinrich-Lob-Weg (Fußweg); 50-62 (N)
- bis Abzweig Dorotheenstraße; 27-55 (S) 74-94 (N)
- bis Abzweig Brucknerstraße; 57-69 (S)
- bis Abzweig Humboldtstraße; 73-93 (S)
- bis Fußweg Ohmstraße; 95-129 (S)
- bis Unterführung Eisenbahntrasse; 194-206 (N) in der heutigen Sackgasse
- bis Einmündung in die Bahnhofstraße; keine Nummernvergaben
Historische Abzweige[Bearbeiten]
- Abschnitt 7: Bis zur Begradigung der Straßenführung in den Abschnitten 7 und 8 mündeten die Helmholtzstraße und die Ohmstraße von Norden kommend in die Kaiserstraße. Im Zuge der Straßenabsenkung 1968 wurde die Ohmstraße hier zur Sackgasse, von der nur noch ein Fußweg mit Treppen zur Kaiserstraße führt. In der früheren Einmündung der Helmholtzstraße entstand eine Bushaltebucht.
Historische Bauwerke[Bearbeiten]
Auf der Kaiserstraße gibt es keine denkmalgeschützen Bauwerke.
- Abschnitt 1: Nr. 20-24 - Schwanebitzer Hof (1966 abgebrochen)
- Abschnitt 3: Nr. 23 - Villa Sternenberg (2007 abgebrochen)
- Abschnitt 8: Gasthaus Nr. 202, errichtet um 1910 als "Gastwirtschaft Schützenhof"
Frühere Industrieunternehmen[Bearbeiten]
An der Kaiserstraße produzierten im 20. Jahrhunderts zahlreiche Industrieunternehmen, deren Bauwerke heute ausnahmslos abgerissen sind:
- Nr. 23 (1941-1944) Aero-Stahl Fluggerätebau; (1947-1952) Wattfort Chemie GmbH; (1949-1972) Steatit Magnesia AG
- Nr. 123-125 (1904-1911) Gewehrfabrik Kettner; (1911-1919) Wortmann & Co.; (1920-1976) Tapetenfabrik Porz
- Nr. 125-127 (1905-2009) Meirowsky & Cie. / Dielektra / Lamitac
- Nr. 141 (1910-1932) Otto Giess GmbH; (1939-1940, dann Kaiserstr. 23) Aero-Stahl Fluggerätebau
Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]
- ↑ Der Kaiser traf um 09:50 Uhr am Bahnhof Porz-Urbach ein, erreichte per Auto um 10:10 Uhr den Schießplatz, ritt zu Pferd zunächst die verschiedenen Stellungen ab und dann auf den Hasenhügel am Wasserturm. Vom dortigen Beobachtungsstand verfolgte er ab 10:30 Uhr mit einem Fernrohr das angesetzte Manöver der Fußartillerie und schweren Artillerie mit Haubitzen und Mörsern. Gegen 11:45 war das Manöver beendet, der Kaiser hielt Manöverkritik und besichtigte per Feldbahn die Ziele. Danach nahm er per Pferd gegen 13:15 Uhr am Paradeplatz den Parademarsch der Truppe ab und verteilte Orden. Nach einem kleinen Imiss vor dem Offizierskasino fuhr der Kaiser am frühen Nachmittag über Wahnheide und Wahn zum dortigen Bahnhof, wo sein Sonderzug auf ihn wartete.