Rheinische Portland-Cementwerke

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Das Logo der Firma

Im Jahr 1899 errichtete die neu gegründete Aktiengesellschaft Reinische Portland Cementwerke Köln nördlich von Porz einen großen Industriekomplex. Das umfangreiche Firmengelände, gelegen zwischen Kölner Straße /Hauptstraße und dem Urbacher Weg, hatte zwei Transportgleise zum Rheinufer, hier wurde eine Ladestelle mit zwei Schiffsanlegern errichtet[1]. Die notwendige Unterführung unter die Hauptstraße bewilligte der Gemeinderat 1899. Das Unternehmen hatte zur Rohstoffgewinnung Steinbrüche in Budenheim und ein Tonfeld in Oberpleis. Die acht Schornsteine der Produktionsanlagen galten knapp drei Jahrzehnte als Wahrzeichen von Porz.

Die Produktion[Bearbeiten]

Hergestellt wurden Zement und Zementklinker. Hierfür gab es eine Rohmühle, eine Vorbrechanlage und Trockenöfen. Die gesamte Fabrikanlage wurde durch die große Produktionshalle mit ihren acht Schornsteinen über den Schachtöfen dominiert. 1902 wurde die Anlage durch Vergrößerungen des Klinkerschuppens, der Verladehalle und des Rohmaterialschuppens sowie durch den Neubau einer Faßhalle und eines Tonschuppens, durch den Ausbau der Kantine und verschiedene notwendige kleinere Anlagen ergänzt. 1905 beschwerte sich die benachbarte Firma Dülken offiziell über die Staubentwicklung, denn ihre Arbeiter erkrankten dadurch häufig an Kattarrhen. Der Kalkstaub gelangte aus einzelnen Anlageteilen ungefiltert aus vier Schornsteinen, drang in benachbarte Wohnungen und lagerte sich selbst in der weiteren Umgebung auf den Pflanzen ab. Doch die weitgehende Filterung des Staubes war damals technisch gar nicht möglich.

Geschäftsverlauf[Bearbeiten]

Am 30.3.1903 fand die vierte Generalversammlung der Aktionäre statt. Die Bilanz 1902 schloss mit einem Überschuß von lediglich "6.830,87 Mark, um welchen Betrag die vorjährige Unterbilanz sich verringert". Ursächlich sei zunächst Preissschleuderei "welche die Auflösung des Nordwest-Mitteldeutschen Portland-Cement-Syndikats unmittelbar im Gefolge haben mußte". Zudem wurde die Fabrikanlage in Porz ergänzt, die Kosten hierfür betrugen 44.786,67 M. 1903 und 1904 verschlechterten sich die Verkaufspreise weiter, beide Geschäftsjahre wurden mit jeweils sechsstelligen Verlusten abgeschlossen. 1904 nennt das Adressbuch von Porz Carl Diederich und August Schöfer als Direktoren der Werke. 1905 wurde ein Reingewinn von 43.359,64 M erwirtschaftet und als dreiprozentige Dividende auf Vorzugsaktien ausgeschüttet. 1906 betrug der Reingewinn nur 15.232,78 M., obgleich sich inzwischen ein Rheinisch-Westfälisches Cement-Syndikat neu gebildet hatte. "Das Endergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres ist wesentlich ungünstig beeinflußt worden durch höhere Löhne, höhere Kohlenpreise und insbesondere durch die außergewöhnlich hohen Schiffsfrachten infolge des abnorm niedrigen Wasserstandes." Eine Zukunft des Werkes sah der neue Vorstand nur "durch umfassende, den neuesten Erfahrungen entsprechende Umänderungen der Werksanlagen eine erhebliche Verringerung der Herstellungskosten", was bereits in Ausführung begriffen sei.

Im Januar 1906 kam es bei starken Sturm zum Zusammenbruch des Ausladekrans am Rhein. Auf der 32 Meter hohen Hochladebrücke geriet durch den Sturm der Ausleger außer Kontrolle:

"Der lange Ausleger riß nun zuerst den Mast des davorliegenden Schiffes um, warf den am Ufer stehenden Dampfkran in den Rhein und schlug mit voller Wucht gegen die Drahtseilbahn. Infolgedessen knickte die ganze Eisenkonstruktion des Wagens zusammen und riß die lange schräge Brücke mit zu Boden. Das Maschinenhaus, in dem der Monteur saß, fiel auf die Unferböschung, und es ist ein Glücksfall zu preisen, daß der Monteur ohne Verletzung davonkam."[2]

1907 verbesserte sich der Reingewinn trotz rückläufigem Absatz auf 94.375,18 M und wurde teilweise als fünfprozentige Dividende ausgeschüttet. Auch 1908 erhöhte sich der Reingewinn trotz Absatzeinbußen durch Verbesserungen und Einsparungen weiter auf 127.777,78 M, die Dividende betrug sechs Prozent. 1909 verschlechterten sich Absatzlage und Preise weiter, weil sich die Konkurrenz durch neue Werke und belgische zolllfreie Importe verschärfte. Zwar wurde 2009 ein Reingewinn von 65.190,02 M erwirtschaftet. Doch während der Monate Januar und Februar 1910 wurde das Werk geschlossen, zu gering war das Auftragsvolumen. Für das Jahr 1910 ergab sich dann auch ein Gesamtverlust von 106.335,65 M, der durch Reserven weitgehend ausgeglichen werden konnte. Die Lage besserte sich nicht. 1911 wurde die Zementklinkerproduktion vier volle Monate eingestellt, insgesamt wurde der Betrieb nur beschränkt einschichtig gefahren. Der Gesamtverlust im Jahr 1911 betrug 203.307,32 M. Im Geschäftsjahr 1912 wurden wieder schwarze Zahlen geschrieben, 38.516,74 M Nettoüberschuss verringerten den Verlustvortrag von 1911. Das Jahr 1913 brachte schon wieder Rückschläge. Die im Vorjahr produzierten Lagervorräte an Zementklinkern und fertigem Zement waren umfangreich, der Absatz hingegen gering, der Betrieb lief nur eingeschränkt in der Tagschicht, gegen Ende des Jahres ruhte er mehrere Wochen ganz. Das Ergebnis war ein Jahrsverlust von 54.265,86 M. Anfang 1914 wurde das Syndikat auf die Dauer von 12 Jahren erneuert, das Porzer Kontingent verdoppelte sich hierdurch. Die Generalversammlung fand am 30. Juni 1914 statt, einen Monat vor Beginn des Ersten Weltkriegs. In den ersten Kriegsjahren verschlechterten sich nicht nur die Absatzzahlen weiter, auch an Kohlen und Arbeitskräften bestand Mangel. Alles drei führte zum Ende der Gesellschaft. Die Verluste addierten sich zum Jahresende 2016 auf 1.108.208,20 M. Es blieb nur noch die Liquidation[3].

Rhenania AG - Phosphat als Dünger[Bearbeiten]

Abbildung in Messerschmitt 1922

Die Produktionsanlagen der insolventen Cementwerke erwarb 1917 die Chemische Fabrik Rhenania AG, Aachen und rüstete die Fabrik in den folgenden Monaten von der Zementproduktion auf die Produktion von Düngemitteln um. Es wurde "schließlich 1919 das Werk Porz bei Köln, direkt am Rhein gelegen, dessen Einrichtung sich durch den Zusammenbruch, Revolution und Besetzung der Rheinlande stark verzögert hatte"[4], wieder in Betrieb genommen. Das Werk zählte mit seinen Kapazitäten "zu den größten Düngerfabriken des Kontinents", die Firmenbezeichnung lautete "Rhenania Phosphatwerk Porz zur Herstellung von Düngemitteln". 1919 produzierte das Porzer Werk "die Hälfte, später die ganze Produktion" des deutschen Düngerphosphats, "welche übrigens maximal nur 30.000 Tonnen jährlich betrug". Bemerkenswert war die Produktionsweise: Es wurde "die erhaltene Rohmischung aus Phonolith und Rohphosphat nicht in Drehöfen, sondern in auch sonst bei der Zementindustrie gebräuchlichen Schachtöfen erbrannt wurde. Zu diesem Zweck mußte das Rohmehl zu Preßlingen geformt werden und so in Backsteinform in den Schachtöfen aufgegeben werden."[5]

Einige Jahre nach Kriegsende standen in Deutschland aber wieder die hochwertigen Dünger Superphosphat und Thomasmehl zur Verfügung, der Konkurrenzkampf wurde schwer. Das Rhenaniaphosphat aus Porz war nicht vergleichbar hochwertig und die Fabrikationskosten verhältnismäßig hoch. Mit dem Ende der Inflation ging das anfangs gut florierende Geschäft mit Glühphosphaten stark zurück, 1924 wurde das Werk Porz stillgelegt, das Gelände verblieb bei der Muttergesellschaft und wurde 1928 in die Firma Kali-Chemie AG, Berlin, eingebracht. 1926 demontierte eine Eisengroßhandlung den Ladekran am Rhein, von 1931 bis 1933 erfolgte der Abbruch der Fabrikgebäude des Werkes.

Verwertung des Firmengeländes[Bearbeiten]

Das Firmenglände verblieb im Besitz der "Rhenania-Kunheim Verein Chemischer Fabriken AG", Berlin. Sie fusionierte 1928 zur Kali AG, Berlin. Die Direktionsvilla mit Adresse Hauptstraße 204 wurde in den 1930er Jahren als Wohnhaus wieder hergerichtet und vermietet. 1936 schuf die Gemeinde im Norden des Geländes einen Sportplatz, er wurde u.a. von den Fussballern der Sportvereinigung Porz genutzt. Die Kali-AG behielt das Grundstück als Reserve zur industriellen Eigennutzung. 1958 verkaufte sie nur einen kleinen Teil des Geländes mit der Adresse Kölner Straße 8 an die Tefi-Werke. Die restlichen Flächen veräußerte die Kali-AG erst 1962 zur Errichtung des Krankenhaus Porz.

Quellen[Bearbeiten]

Geschäftsberichte 1902 - 1913
Messerschmitt, A: Das Rhenaniaphosphat. In: Zeitschrift für angewandte Chemie 35(1922), 537-544

  1. Ein historisches Foto findet sich in KStA Porz v. 21.1.1959.
  2. vgl. Bonner Volkszeitung v. 19.1.1906.
  3. Tonindustrie-Zeitung 40, S. 618
  4. Messerschmitt 1922, S.542
  5. Handbuch der Pflanzenernährung und Düngerlehre. Bd. 2. 1931, S: 346.