Tefi-Apparatebau

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Gründungsgeschichte der Firma[Bearbeiten]

Der studierte Maschinenbauer und Elektrotechniker Dr. Karl Daniel (1905-1977) befasste sich zunächst mit der Entwicklung eines Anrufbeantworters auf Basis einer Schallfilm-Technologie. TEFI stand dabei für TElefon-FIlm, denn das Trägermaterial war zunächst kein Magnetband, sondern Filmmaterial, in das im Nadeltonverfahren Schallrillen eingeritzt wurden. Doch die Reichspost untersagte die weitere Entwicklung und den Einsatz bei Androhung einer hohen Geldstrafe. Daniel wandelte das Gerät daher zur Nutzung als Tonbandsystem für Sprach- und Musikaufzeichnungen ab und gründete 1936 zur Herstellung und Vermarktung in Köln die Firma "Tefi-Apparatebau Dr. Daniel KG". Sie wurde von Kölner Industriellen und Bankern finanziert. An der Schallfilmtechnik arbeiteten zu dieser Zeit auch die AEG sowie der Siemens-Konzern. Bereits 1936 präsentierte Daniel auf der Funkausstellung in Berlin das Systems einer Aufnahme und Wiedergabe mit einem 100m langen, losen Endlos-Schallband. Das zugehörige Aufnahmegerät nannte er Tefiphon, das Abspielgerät Teficord. Zwei Jahre später, 1938, errichtete das Unternehmen eine erste Produktionsstätte in Porz in der Steinstraße Nr. 17.

Geschäftsverlauf[Bearbeiten]

1936 wurde die Schallfilm-Syndikat AG erworben, in eine Patentverwaltungsgesellschaft "Schallband-Syndikat AG" der Tefi AG umbenannt und deren Aktienkapital von 150.000 auf 2 Millionen Reichsmark angehoben. Sie besaß wertvolle Patentrechte auf Lichttongeräte. Bis in den Krieg hinein fertigte das Werk Porz Aufzeichnungsgeräte für den Einsatz in Tonstudios und Rundfunkanstalten, zudem ab Kriegsausbruch hauptsächlich in spezifischer Bauart Geräte, die bei der Luftwaffe nicht Funksprüche aufzeichneten, sondern als Sprachkennungsgeber (SGK10) zur störsicheren Richtfunk-Lenkung von Kampfflugzeugen. Im Jahr 1942 wurde in Berlin gemeinsam mit der Löwe Radio AG das Joint Venture "Tefi-Opta-Radio Vertriebs-GmbH" mit einem Stammkapital von 1 Million Reichsmark gegründet, um das Know-how beider Firmen zusammen zu führen. Doch nach dem Krieg gingen beide Unternehmen ihre eigenen Wege.

Die TEFI-Schallbänder besaßen Schallrillen, waren also weiterhin keine Magnetbänder. Gegenüber den konkurrierenden Magnetophon-Systemen blieben sie klanglich unterlegen, in der Herstellung aber deutlich preiswerter. Die Produktionspreise von bespielten Bändern schienen auf dem Weg, billiger als Schallplattenpressungen zu werden. Doch es gab auch ein Marktrisiko: Die bekannten Künstler waren bereits an Schallplattenfirmen gebunden.[1] Aufgrund des nahen Verschiebebahnhofs Gremberg häuften sich nun aber die Bombenangriffe, weshalb die Produktion noch 1943 in das oberbergische Dieringhausen wechselt.

Nach 1945 kam die Fertigung nach Porz zurück, zunächst musste das stark zerstörte Werk wieder aufgebaut werden. Das Sortiment erweiterte sich um Radiogeräte, in den 50er Jahren teils mit integriertem Bandspielsystem. Ab 1950 wurden Aufnahme und Wiedergabe in einem Gerät so zusammengefasst, dass nun auch Geräte für den Privatgebrauch entstehen. Das nunmehr Tefifon genannte Gerät nutzte keine offenen Bänder mehr, sondern Kleinkassetten. Gefertigt wurden nicht nur Geräte, sondern auch die zugehörigen bespielten Tonträger. Zur Beschaffung von Aufnahmen wurde 1950 die Tochter "Tefi Schallband GmbH" gegründet. Der Vertrieb aller Geräte und Schallbänder erfolgte dabei grundsätzlich immer über Verkaufsagenturen als Direktvertrieb, 1955 waren es 170 Verkaufsfilialen. Normale Rundfunk-Fachhändler und Tonträgerläden wurden somit nicht beliefert. Die Fünfzigerjahre brachten den Markterfolg, der Betrieb in Porz wurde vergrößert und ab 1958 sogar eine größere, neu errichtete Produktionsstätte auf der Kölner Straße Nr. 8 bezogen. 450 Mitarbeiter waren nun im Werk tätig.

Die Finanziers witterten das große Geld, allen voran die Flick-Gruppe. Die Forschungsabteilung wurde beschnitten, der Unternehmensgründer Karl Daniel im Jahr 1957 aus dem Unternehmen herauskomplimentiert, die Firma in "Tefi-Werke GmbH & Co KG" umfirmiert.[2]. Zum Ende der 50er Jahre umfasste das Repertoire von Tefi zwar rund 6.000 Titel auf Schallbändern, darunter das gesamte Philips-Programm. Die Bänder hatten eine Spieldauer von entweder einer Stunde oder sogar vier Stunden, weshalb die Geräte auch als "Heimsender" vermarktet werden. Aber viele der Titel waren bereits auf Schallplatten erstveröffentlicht worden, im Hausgebrauch setzten sich daher Plattenspieler durch.

Ab 1961 waren auch Stereo-Geräte im Sortiment, doch die Produktion brach bereits ein und führte 1962 zur Rückkehr in die Steinstraße. Mehr als ein zwei Drittel der Belegschaft, 130 Beschäftigte, wurden zum 1.10.1962 entlassen, weil die Firma die Produktion von Rundfunkgeräten aufgab und auch die Fertigung der Fefi-Geräte zu an den neuen Kooperationspartner Körting Werke GmbH in Grassau verlagerte. In Porz verblieb nur noch die Ferigung von Schallbändern und Laufwerken[3]. Doch die Abwärtsentwicklung hielt dies nicht auf. Daran änderte auch der geänderte Vertrieb auch über das Versandhaus Neckermann nichts mehr. Drei Jahre später wurde die Produktion in Porz eingestellt und die Firma liquidiert. Das Versandhaus Neckermann übernahm die Namensrechte und den Kundenservice, verkaufte die Restbestände und ließ noch einige Jahre lang Neugeräte in Bayern fertigen.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Baus, Werner: Ein Tag bei Dr. Daniel in Porz (Link)
Eintrag Tefifon bei Wikipedia (Link)
Schwalm, Frank: Porz. Bergisches Tor am Rhein. Köln 2004, S. 168 ff.

  1. vgl. "Eine Schallfilmindustrie entsteht". In: Schweizer Film 116(1943)8, S. 34
  2. Karl Daniel blieb in Porz wohnen und gründete einige Jahre später eine neue Firma "Elektrometall Dr. Daniel GmbH & Co. KG" zur Herstellung von flexibel gedruckten Schaltungen.
  3. vgl. KStA Porz v. 25.08.1962.