Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Kleinwohnungsbau Porz

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Die Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem 1. Weltkrieg prosperierte die Industrie in Porz und hatte einen deutlichen Bedarf an Arbeitern. Zugleich war Wohnraum knapp und es fehlten Unterkünfte für die Fabrikarbeiter. Nach einer Versammlung zum Thema Wohnen im April 1919, die von Anton Burken (SPD) geleitet wurde, wählten die Teilnehmer zunächst eine neunköpfige überparteiliche Kommission, um eine Gemeinnützige Baugesellschaft vorzubereiten. Sie wurde vom Syndicus Dr. Brock geleitet und legte Listen von Bauwilligen aus, in der sich bis Anfang Mai 1919 bereits 160 Bauinteressenten eingetragen hatten.

Der Gemeinderat Heumar beschloss zunächst nur die Bildung eines Ausschusses, um über einen Beitritt zu beraten. Als erste Baufläche wurde ein Terrain südlich der Kaiserstraße und östlich der späteren Straßenbahntrasse ausersehen.[1] Die im Gemeindrat gebildete Baukommission, in der sich auch Hausbesitzer und Bauunternehmer befanden, sprach sich gegen das Vorhaben aus. Es gelang der Initiative auch nicht, Firmen zu verbindlichen Zusagen zu bewegen. Nach einer Versammlung Ende Oktober 1919 stellte die Neunerkommission ihre Arbeit daher ergebnislos ein.

Die Gründung[Bearbeiten]

Ende September 1921 waren es dann wesentlich fünf Unternehmen unter Beteiligung der Gemeinde Heumar, die ein gemeinnützige Aktiengesellschaft für den Kleinwohnungsbau gründeten.

"Zweck der Gesellschaft ist ausschließlich, der minderbemittelten Bevölkerung gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen billig und preiswert zu verschafffen: Gegenstand des Unternehmens sind daher alle diesem Gesellschaftszweck dienenden Geschäfte insbesondere der Erwerb, die Herstellung und Verwertung von Häusern und Grundstücken."[2]

Gründer waren:

sowie

  • die Gemeinde Heumar
  • der Porzer Bauunternehmer Peter Reinold
  • und der Fabrikbesitzer Rudolf Speck aus Köln-Kalk.

Das Stammkapital betrug 170.000 Mark, aufgeteilt in 170 Namensaktien, es wurde im März 1922 auf 237.000 Mark erhöht.

Den ersten Vorstand bildeten der Porzer Gemeindebaumeister Paul Schwarz und der Fabrikant Friedrich Hipp. Im ersten Aufsichtsrat vertreten waren der Prokurist Georg Heinrich Appel (Meirowsky), der Direktor Wilhelm Brumme ([Mannesmann Mulag), der stellvertretende Bürgermeister Wilhelm Schmitz-Hübsch, der Direktor Paul Mols, der Fabrikant Max Stursberg und der Stellmachermeister Karl Hermanns. Nach der Errichtung des Gebäudes Bahnhofstraße 46 war dies die Adresse der Gesellschaft. Im Jahr 1924 wurde das Grundkapital auf 23.700 Goldmark umgestellt und der Porzer Willy Klotz in den Vorstand berufen. 1926 reduzierte die Gesellschaft das Grundkapital auf 11.960 Reichsmark, was mit einem Ausscheiden der Firma Mannesmann zusammenhängen könnte. Ende November 1930 beschloß die Generalversammlung die Auflösung der Gesellschaft, zum Jahresende war sie erloschen.

Zumindest zwei Akteure der Gesellschaft wohnten aber auch (um 1925) selbst in errichteten Häusern: Gemeindebaumeister Paul Schwarz in der Bahnhofstraße 60 und Tapetenfabrikant Salomon in der Schillerstraße 2.

Bauten[Bearbeiten]

Für die Bebauung stand ein großes Areal nördlich der Bahnhofstraße und zwischen der Mühlenstraße und der Glasstraße zur Verfügung. Dieses hatte der Düsseldorfer Ingenieur und Industrielle Karl Trosset zur Jahrhundertwende erworben, benachbart zu den Spiegelglaswerken Germania. Sein Kalkül war einerseits die etwaige Errichtung eines Industriebetriebs unter seiner Beteiligung, andererseits sicherlich die Geldanlage in Grundstücken mit erwartbarem Wertzuwachs. Ab dem Jahr 1910 kaufte die Gemeinde Heumar Trosset Flächen nach und nach zur Bebauung mit Wohnhäusern ab.[3]

  • Ab Juni 1921 errichtete die Gesellschaft in Porz östlich des Postamtes sechs Einfamilienhäuser unter der Adresse Bahnhofstraße 46-56, Bauleiter war Emil Mewes.[4]
  • Im zweiten Bauabschnitt folgten fünf weitere Häuser unter der Adresse Bahnhofstraße 58-66.
  • 1922-1926 wurden 12 Wohnhäuser in der Schillerstraße 1-19 und 2-4 gebaut[5].
  • 1924-1926 kamen vier weitere Wohnhäuser unter den Adressen Schillerstraße 10-16 hinzu.
  • 1928 entstanden die Häuser Schillerstraße 21 (nicht mehr vorhanden) und 23.

Quellen, Literatur und Link[Bearbeiten]

Fotografie Haus Bahnhofstraße 60 um 1979 im Rheinischen Bildarchiv Köln (Link)

  1. Vgl. Rheinische Volkswacht v. 10.5.1919.
  2. Handelsregistereintrag Nr. 3895, vgl. Kölnische Zeitung v. 24.10.1921.
  3. vgl. HAStK Best. 9330g, A59. Trosset war an verschiedenen Aktiengesellschaften beteiligt, darunter: Betonbau (u.a. Bau der Ennepe-Talsperre), Maschinenbau, Zementwerk, Baumwollspinnerei.
  4. Diese Häuser stehen heute unter Denkmalschutz.
  5. vgl. HAStK Best. 9030B, A 1037