Feilenfabrik Max Stursberg

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Die Familie Stursberg[Bearbeiten]

Otto Stursberg (1857-1940) war als Feilenhauer in einer Remscheider Fabrik tätig. Er heiratete Auguste Heinsmann und zog mit ihr zunächst nach Wermelskirchen. Von sechs geborenen Kindern wuchsen nur zwei heran: Tochter Hedwig und Sohn Max. 1904 zog die Familie nach Porz. Auf ihrem Wagen hatte sie das Werkstatt-Inventar für die Herstellung von Feilen mitgebracht: Drei Feilenhauer-Ambosse, einen Tretkurbel-Schleifstein und diverse Werkzeuge. Vater und Sohn begannen in ihrer neuen Heimat mit der Produktion von Feilen, der Ort der ersten Werkstatt ist noch unklar. In den Jahren 1914/15 bauten Max Stursberg (1884-1963)[1] und seine Frau Käthe (1889-1981) unter der damaligen Adresse Mühlenstraße 13-15 ein Wohnhaus mit Feilenfabrik[2]. Bereits im Jahr 1917 sind die Produktionsräume in der Mühlenstraße zu klein geworden, ein Erweiterungsbau wurde erwogen und beantragt.

Die Fabrik an der Steinstraße[Bearbeiten]

Inserat, Kölnische Zeitung v. 26.1.1919

Doch dann fand sich ein neues Betriebsgelände an der Steinstraße 58, unmittelbar an der Vorortbahnlinie E. Hier entstand 1919 eine Feilen- und Werkzeugfabrik aus Backsteinen mit einer großen Werkshalle, Nebenräumen und einem Schornstein. In der Halle erleichterte ein Drei-Tonnen-Lastenkran auf einer Laufkatze die Arbeit, 1921 wurde auf dem Gelände auch eine Arbeiterwohnung errichtet. Im September 1920 genehmigte die Stadt Köln der Firma einen Gleisanschluss an die Vortortbahn.

Die Fabrik produzierte verschiedene Feilen und Raspeln, darunter Segefeilen und Dutzendfeilen in allen Sorten und richtete stumpf gewordenes Werkzeug wieder her. In der Schleiferei wurden auch Gußteile geglättet, zum Beispiel für Bügeleisen oder Heizplatten. Auch firmierte sie nun als Feilenfabrik und Stahlhammerwerk. Die produzierten Werkzeuge trugen unter anderem die Wortmarke "Emstu".

Die Familie Stursberg wohnte weiterhin in der Mühlenstraße 13. Im Jahr 1921 beteiligte sich Max Stursberg an der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Kleinwohnungsbau Porz. In den Jahren 1921/22 stiftete er der evangelischen Kirchengemeinde Porz eine größere Summe für die Inneneinrichtung ihrer Gemeindekirche. 1941 erhielten die beiden Kinder Max Stursberg junior (1912-1948) und Ida Stursberg (bis 1944) Prokura[3].

1948 baute die Familie das im Krieg durch Bombentreffer beschädigte Wohn- und Geschäftsgebäude wieder auf. Die Produktion von Feilen begann erneut und wurde bis in das Jahr 1962 fortgeführt, dann schloss die Fertigung.
(Vertiefung erwünscht)

Nach der Einstellung der Fertigung[Bearbeiten]

Der Verkauf des noch reichhaltigen Bestandes und das Schärfen und Reparieren der Feilen wurde noch bis in die 70er Jahre durch die Familie fortgesetzt. Einige Hallen wurden vermietet, andere standen nun leer. In den 1980er Jahren wurden die Maschinen verschrottet, Gebäude und Gelände entrümpelt.

Neue Nutzung ab 2006[Bearbeiten]

Nachdem das Gelände in der Familie weitervererbt wurde, entschied sich die Nachfahrin, verheiratete Heinz, zur Sanierung der Fabrikhalle. Um 2004/05 wurde der Lastenkran hergerichtet, der Fußboden erneuert, Heizungen verbaut. Im Erdreich aufgefundene alte Schleifsteine zieren seitdem den Schotterparkplatz. Hartmut Heinz führte als gelernter Gastronom ab Juli 1906 das Restaurant Feilenhof einige Jahre lang selber als anspruchsvolles Restaurant.

Im Jahr 2015 eröffnete im Feilenhof ein Restaurant der Franchise-Kette Purino (Pizzas und italienische Küche), es schloß im Jahr 2019. In Köln gibt es ein weiteres Purino seit Jahren auf dem Carlswerk-Gelände in Mülhein. Seit Juni 2021 findet sich in den Räumlichkeiten das inhabergeführtes Tapas- und Steak-Restaurant Gutierrez.

Quellen, Literatur, Links[Bearbeiten]

Erwin Stursberg: 600 Jahre Stursberg: Aus der Geschichte einer bergischen Familie. 1963.

  1. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem Friedhof Porz.
  2. Ob er damals bereits seine Firma unter der Nr. 8625 in das Handelregister eintragen ließ, ist noch zu klären. Später ist die Nummer im Handelsregister Köln A 150006
  3. vgl. Kölnische Zeitung v. 7.2.1941.