Wilhelm Hermanns GmbH

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Das Unternehmen[Bearbeiten]

Gründung durch Karl Hermanns[Bearbeiten]

Alles beginnt mit einer Stellmacherei, die Karl Hermanns, aus der Gemeinde Rösrath stammend, (1876-1946) im Mai 1901 in Porz übernahm. Denn im April 1901 war der Porzer Stellmacher Wilhelm Meis verstorben und seine Witwe suchte einen Mieter für das Anwesen an der Hauptstraße. 1905/06 dann errichtete Hermanns, inzwischen verheiratet, für seine kleine Familie einen Neubau als Wohnhaus mit Werkstätte auf einem 640 qm großen Grundstück an der Hauptstraße 111 (heute Höhe Nr. 405[1]). In seiner Stellmacherei baute und reparierte er Pferdefuhrwerke in Zusammenarbeit mit örtlichen Schmieden (Krieger, Roggendorf). Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Karl Hermanns auch als Zentrumspolitiker bis 1933 in verschiedenen regionalen Mandaten. Ab 1927 fertigte er dann gemeinsam mit seinem Sohn Wilhelm (*1907), der im väterlichen Betrieb ebenfalls dieses Handwerk gelernt hattte, auch Aufbauten für Automobile. Im selben Jahr konnte er seine Werkstatt erweitern und 1928 richtete Hermanns vor seinem Haus eine Tankstelle für Kraftfahrzeuge ein.

Expansion durch Wilhelm Hermanns[Bearbeiten]

In den Jahren 1927 bis 1930 bildete sich Wilhelm in fremden KFZ-Betrieben fort und wurde 1930 in Berlin zum "Meister des Karosseriebauer- und Wagner-Handwerks" ernannt. So überführten die Hermanns den Betrieb allmählich in ein Karosseriebau-Unternehmen. Ab dem Jahr 1934 nutzte der Betrieb zudem ein angemietete Gebäude der ehemaligen Farbenfabrik Hipp (heutiges Areal: Glashüttenstraße) als Lackiererei. 1939 beschäftigte Wilhelm Hermanns bereits 25 Mitarbeiter und produzierte für regionale Kunden. Im 2. Weltkrieg wurde die Arbeit durch dienstverpflichtete Deutsche, aber auch durch Kriegsgefangene und Ukrainer nicht nur aufrechterhalten. Die Vielzahl der Aufträge für das Heer und andere staatliche Stellen erforderte ab 1942 die Verlagerung des Unternehmens auf das 2950 qm große Gelände der ehemaligen Gasfabrik Porz an der Friedrichstraße 38. Hierfür wurde mit dem Eigner Rheinische Energie AG ein Pachtvertrag über 5 Jahre geschlossen. Das Unternehmen plante in der Friedrichstraße eine Schweißerei, eine Tischlerei, eine Spritzlackiererei und eine Halle für Metallbearbeitungen, die 1943/44 nur allmählich Gestalt annahmen. Die Firmenbezeichnung lautete zu dieser Zeit "Wilhelm Hermanns Karosserie-, Fahrzeug- und Aggregatebau Porz a. Rh.".

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Unternehmen zunächst am Standort Friedrichstraße. Für neue Mitarbeiter, die Ostflüchtlinge waren, errichtete die Firma eigens 1946/47 22 Werkswohnungen. In der Hauptstraße fand bis 1950 nur noch die Holzbearbeitung statt. Dann konnte das Gelände an Friedrichstraße erworben werden, das Gebäude an der Hauptstraße wurde hingegen zur ESSO-Großtankstelle mit Großgarage und Wagenpflege umgebaut. Wilhelm Hermanns spezialisierte sich nunmehr auf Fahrzeuge für den Transport und die pneumatische Entleerung von staub- und granulatförmigen Gütern. Sein Unternehmen beschäftigte nunmehr 75 Mitarbeiter. Anfang der 50er Jahre patentierte er in fast allen Industriestaaten sein "Auflockerungs- und Entleerungssystem Wilhelm Hermanns" . Dabei lockert ein Schlauch das Material in den Silos auf und macht es fließbar. Die Firma expandierte und kaufte 1954 ein neues Gelände in Porz-Urbach an der Frankfurter Straße 462-464 und entlang der Friedensstraße. Ab 1956/57 entstand hier zunächst eine weitere ESSO-Großtankstelle, vorübergehend auch eine VW-Reparaturwerkstatt.

Im Jahr 1958 wurde das Unternehmen rechtlich geteilt. Die alte Firma nannte sich nun "Wilhelm Hermanns Großgarage und Tankstelle, Patentverwertung und Grundstücksverwaltung in Porz". Der Industriebtrieb erhielt hingegen den neuen Mantel "Wilhelm Hermanns, Staubfördertechnik Fahrzeugfabrik GmbH" und wurde mit zunächst 250.000 DM, später 1, 5 Millionen DM Grundkapital ausgestattet. Ab 1960 entstand an der Frankfurter Straße in Urbach ein neues modernes Industriewerk, in das die Produktion von der Friedrichstraße bis 1964 vollständig verlagert wurde. Im Jahr 1962 gründete Wilhelm Hermanns dann bei Madrid in Valdemoro als spanisches Joint-Venture mit Ricardo Navarro Rubio als Partner die "Hermanns Iberica S.A.", zunächst als Handelsfirma, ab 1971 dann aber als Produktionsgesellschaft. Der spanische Betrieb war nunmehr eine 90-prozentige Tochter des seit 1966 als KG firmierenden deutschen Unternehmens, zwischenzeitlich traten die vier Kinder von Wilhelm Hermanns als Kommanditisten in die Gesellschaft ein. Um 1970 hielt die Firma über 100 patente im In- und Ausland und beschäftigte rund 100 Mitarbeiter. Das Werksgelände umfasste schließlich 23.500 qm bei einer Gebäudefläche von 6.000 qm. Das Sortiment für den internationalen Export: Silofahrzeuge von 10 m³ bis 60 m³ Nutzvolumen, Staubgut-Waggons, Staubgutbehälter für Schiffe, stationäre Anlagen für die innerbetriebliche Förderung, Staubgut-Schiffsentleerungs-Einrichtungen, Stückgut-Container für Staubgut/Granulat.[2]

1971 scheiterte eine Erweiterung am Standort Urbach, die Flächen wurden daher verkauft. Für einen neuen Standort erwarb das Unternehmen ein Grundstück von 25.000 qm Größe im Gewerbegebiet Gremberghoven, Hansestraße 74-76. Im Oktober 1973 wurden die neuen Produktionsstätten mit 100 Mitarbeitern bezogen. Zwischenzeitlich trat 1972 in dritter Generation Karl Hermanns (*1946) aktiv in die Firma ein und wurde 1974 zum 2. Geschäftsführer bestellt.

Verkauf und Stillegung[Bearbeiten]

Zum Jahresanfang 1982 entschieden sich die beiden Inhaber Wilhelm und Karl Hermanns für den Verkauf der Gremberghovener Produktionsstätte. Nur zwei Jahre später legt der neue Inhaber den Betrieb still. 1986 wird das Industrieunternehmen Wilhelm Hermanns im Grundbuch gelöscht. Eine Nachfolgefirma "Wilhelm Hermanns GmbH & Co. KG" vermietet seitdem als Immobiliengesellschaft die Gebäude als Lager- und Büroräume an andere Firmen. Die Fertigung von Silo-Fahrzeugen bei Madrid setzte Karl Hermanns bis in das Jahr 2001 fort, dann verkaufte er auch dieses Werk. In den Folgejahren betreibt das Unternehmen Silobau nur noch in Kooperation mit Produktionsfirmen in verschiedenen Ländern auf der Basis seiner Patente auf das "System Hermanns". (Vertiefung erwünscht)

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Ein Foto der Werkstatt im Jahr 1910 findet sich bei Huck, Jürgen: Porz in alten Ansichten. Zaltbommel/Niederlande: Europäische Bibliothek 1977. Bild 16.

  • Jürgen Huck: 75 Jahre Firma Hermanns in Porz. Von der Stellmacherei zur Fabrik für Fahrzeuge und Staubfördertechnik. In: Jahrbuch Rechtsrheinisches Köln. 2.1976
  • Bebilderte Firmengeschichte auf hermanns-immobilien.de (Link)
  1. Flur 1, Nr. 539/35
  2. Announce in Walter Först: Porz, eine dynamische Stadt. Porz 1970, S. 149.