St. Laurentius

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Die Pfarrgemeinde Ensen[Bearbeiten]

Die nahezu durchgängig katholische frühere Bevölkerung des Dorfes Ensen gehörte zunächst zur Pfarre St. Mariä Geburt in Niederzündorf[1]. Ob es bereits im 15. Jahrhundert und davor eine selbständige Pfarrei gab, ist strittig, eindeutige Dokumente hierzu fehlen. Eine Urkunde von 1308 bestätigt die Zugehörigkeit von Ensen zu Niederzündorf, seit dem Beginn des 14. Jahrhundert ist zudem eine Laurentius-Bruderschaft nachweisbar, die wohl auch in Ensen aktiv war. Nachgewiesen ist in Ensen ab 1577 auch eine Kapellengemeinde St. Laurentius. Das Ziel der Selbständigkeit führte 1624 zu einer schriftlich geführten Auseinandersetzung mit dem neuen Niederzündorfer Pfarrer. Im Jahr 1744 erhielt die Filialkirche in Ensen mit Servatius Stammen ihren ersten Rektor, der 1773 die Selbständigkeit der Gemeinde erreichte. Er führte die ersten systematischen Aufzeichnungen und begann 1770 die Ensener Kirchenbücher. Durch die Eigenständigkeit stieg die Kapelle Ensen zur Pfarrkirche auf.

Frühere Kapellen[Bearbeiten]

1915: Alte Kirche und Innenansicht neue Kirche

Erste Spuren einer Kapelle in Ensen finden sich in einem Schreiben aus dem Jahr 1223 - Papst Honorius III. bestätigt dem Kölner Stift St. Gereon, das es zu "Enerese" einen "curtis" (Hof) und eine "ecclesia" (Gotteshaus) besitze. 1394 wird eine Fischereigebietsgrenze des Rheins als "tgaen der kirchen zo Eynze" bestimmt.

1590 wird die Ensener Kapelle als Niederzündorfer Filialkirche erwähnt und ist sie auch auf einer Rheinkarte verzeichnet. Im Jahr 1663 entsteht ein erster Kupferstich. Die alte Turmglocke hatte die Inschrift: "Anno Domini 1644 do bin ich gegossen in Collen". 1759 ersetzte Stammen im Auftrag einen alten Taufstein mit einer Inschrift aus dem Jahr 1217, nur der Sockel blieb zunächst erhalten[2]. Vermutlich wurde die Kapelle im Dreißigjährigen Krieg erheblich beschädigt.

Ein Nachfolgebau fiel bereits 1702 plündernden und brandschatzenden Franzosen zum Opfer. Nun wurde ein einfacher barocker Saalbau errichtet, gekrönt von einem achtseitigen Dachreiter mit geschweifter Haube. In die 18,90 Meter lange und 6,90 Meter breite Kirche wurde der alte Turm aus dem Jahr 1682 mit seiner alten Turmglocke integriert. Der Standort war nahe am Rhein in Höhe der heutigen Häuser Hohe Straße 9-15. Im Inneren standen der Überlieferung nach drei barocke Altäre und eine Statue der Mutter Gottes aus dem 16. Jahrhundert. Vor dem Hochaltar befand sich seit 1774 eine Grabplatte, die das Grab des ersten Pfarrers von Ensen, Servatius Stammen, verschloss.

Nach dem Umzug in den Neubau 1896 verfiel die alte Kirche sehr schnell. Zwar wurde ihrem Turm 1911 bei einer Besichtigung des Provinzial-Konservators der Rheinprovinz wohl ein konservativer Wert zugeschrieben,[3] jedoch musste er im August 1913 niedergelegt werden, weil er einzustürzen drohte. Bald danach wurde dann die gesamte Ruine abgebrochen.

Der alte Friedhof[Bearbeiten]

Ein Basaltlava-Kreuz aus dem Jahr 1576 gilt als ältester nachgewiesener Grabstein des Kirchhofs und zugleich als Beleg, dass hier ein Begräbnisrecht schon im 16. Jahrhundert bestand. 1784 verbot ein Edikt des Herzogtums Berg die Beerdigungen in Ortschaften bzw. um deren Kirchen. Doch erst 1862 legten die Ensener einen neuen Friedhof an. Nach Abbruch der Kapelle wurde vorhandene alte Grabsteine des Kirchhofs teils in der neuen Kirche eingelagert, teils an ihr aufgestellt. Erst in den Jahren 1986/87 wurden die verbliebenen Grabsteine auf den Friedhof der Nikolauskapelle in Westhoven umgesetzt. Doch bereits seit den 1970er Jahren galt das älteste Grabkreuz aus dem Jahr 1576 als verschollen.

Heutige Kirche[Bearbeiten]

Bereits 1884 wurde in Ensen beraten, die alte Kirche durch einen Anbau zu erweitern oder aber zwischen Ensen und Westhoven eine neue Kirche zu errichten[4]. Sechs Jahre wogte ein Streit um die Platzwahl, dann fiel die Entscheidung und die Bewilligung für den heutigen Standort. Ausschlaggebend waren Kostengründe: Pfarr- und Vicarienwohnung waren bereits vorhanden, es lagen Zusagen aus der Ensener Gemeinde für Geldgeschenke vor und Adolf Schmitz, zu dieser Zeit Gutsherr des Roten Hauses, bot an, den Bauplatz zu stiften. Der Grundstein für Pfarrkirche St. Laurentius wurde am 23. April 1893 gelegt, sie entstand im neugotischen Stil in der Kölner Straße 115 in Ensen mit einem 56 m hohen Vierkantturm nach Plänen des Kölner Architekten Theodor Kremer und wurde am 6. Mai 1896 durch Weihbischof Schmitz der Gemeinde übergeben (Konsekration). Das Glockenspiel "Te Deum" bestand aus einem Dreigeläut mit der Tonfolge d1, f1, g1. Die Glocken goß Frank Schilling in Apolda mit den Durchmessern 1,39m, 117m un d1,02m. Die größte und die kleinste Glocke mussten 1917 abgeliefert werden, sodaß der Kirche nur die f-Glocke verblieb.[5].

Am 28. Dezember 1944 zerstörten Bombentreffer die Inneneinrichtung und das Gebäude bis auf die Außenmauern. Die Wiedererrichtung und Komplettierung dauerte bis Anfang der 1980er Jahre, seit 1951 waren Gottesdienste wieder möglich. Sanierungen erfolgten in den Jahren 1984/85 und 1999/2000.
Die Kirche wurde 1979 als Station 3.16 des Kulturpfad Porz ausgewiesen.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die frühe Ausstattung der Kirche wurde 1944 durch Bomben vollständig zerstört, lediglich Reste der Orgel von Ernst Seifert aus dem Jahr 1909 konnten um 1950 durch die Firma Seifert in eine Ersatzorgel integriert werden. Doch erst die Generalüberholung 2023 beseitigte vorhanden gebliebene Fehler in der Orgel. Der Bildhauer Sepp Hürten fertigte seit 1965 mehrere Werke neu, darunter Altar, Ambo, Tabernakel und Altarkreuz. Der Kreuzgang mit 14 Holzschnitten(1989) stammt von Jochem Pechau.

Quellen, Literatur und Links zur Vertiefung[Bearbeiten]

Die Kirche auf porzer-rheinkirchen.de
Bürgervereinigung Ensen-Westhoven (Hrsg.): Rückblick auf ein Jahrtausend. Köln 2001.
Scholz, Gertrud: Alte Friedhöfe in Westhoven und Ensen (II). In: Rechtsrheinisches Köln 21.1995.
Wiedenau-Michalski, Anita (Hrsg.): 100 Jahre St.Laurentius in Porz-Ensen. Köln 1996.
Ruine der alten Kirche, Foto im Rheinischen Buldarchiv Köln (Link)

  1. Erste Einträge zu dieser Filiale Ensen finden sich im Archiv der Kirche St. Severin um 1590. 1622 vermerkt der Niederzünder Pfarrer als abgabepflichtig: In Ensen den Steinhof, den Neuenhof und den Kesselhof sowie zu Westhoven den Krumfinger-Hof. In einzelnen Jahren (1628-1635, 1650ff.) hatte Ensen wohl auch einen (Hilfs-)Priester, womöglich ohne Zustimmung aus Niederzündorf, womöglich weil die Niederzündorfer Pfarrer sich nicht um Ensen kümmerten
  2. Dass dieser in der Kirchenchronik Niederzündorf beschriebene Taufstein bereits am 28.5.1217 in einer Ensener Kapelle aufgestellt wurde, ist nicht mehr zu belegen.
  3. Vgl. Kölner Lokal-Anzeiger v. 5.7.1911
  4. vgl. Rheinischer Merkur v. 19.11.1884
  5. vgl. Die Glocken unserer Heimat. In: Bensberger Volkszeitung v. 10.8.1925