Nikolauskapelle

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AK-Ausschnitt um 1958: Kapelle und Friedhof

Die Kapelle[Bearbeiten]

Um das Jahr 1100 wurde diese Kapelle in Westhoven nahe am Rhein errichtet, zunächst wohl als Privatkapelle des zeitgenössischen ursprünglichen Gutes "Westhouuon". St. Nikolaus ist der Schutzpatron der Schiffer und Fischer. Kapelle, Gemeinde, zudem Flächen und Höfe gehörten bis zur Säkularisierung 1802 zur Benediktinerabtei Deutz. Seit 1128 galt, urkundlich festgelegt durch den zehnten Abt von Deutz, Rupert, hier eine besondere Seelsorge für arme Personen, die den sieben Kilometer langen Fußmarsch zur Mutter-Pfarrkirche in Deutz (und zurück) nicht gehen konnten, weil sie hierfür zu schwach (krank, lahm, zu alt, zu jung) waren und sich kein Reittier leisten konnten. Sie sollten in der Kapelle die Messe oder auch die Sterbekommunion empfangen können. Hierzu wurde festgelegt, dass ein Priester aus Deutz an Freitagen, Sonntagen und Feiertagen, zudem täglich während der 40-tägigen Fastenzeit Messen halten solle. Die Hälfte des Priesterlohns hatten die Bewohner Westhovens zu tragen. [1] Die Kapelle wird wesentlich durch die Westhovener Dorfbewohner, selten auch durch treidelnde Schiffer genutzt worden sein.

Schriftliche Berichte über Frühmessen in der Kapelle und geistlichen Unterricht finden sich erst 1793. 1804 ging die Kapelle durch die französische Säkularisierung zunächst in den Besitz der Kommune Heumar über, die Westhovener Gemeinde wurde St. Urban in Deutz zugeordnet. Durch die Verstaatlichung des zugehörigen Kapellenguts (siehe unten) mit seinen Einkünften fanden nun aber Messen nur noch statt, wenn die Einwohner Westhovens die Kosten hierfür trugen. 1866 erfolgte schließlich die Eingliederung der Gemeinde in die Pfarrgemeinde Ensen, die Kapelle selber ging erst 1956 in den Besitz der Pfarrgemeinde Ensen über.

Der Friedhof[Bearbeiten]

1128 erhielt die Kapelle auch das Begräbnisrecht für den oben genannten Personenkreis. In Sterbebüchern der Abtei Deutz aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind regelmäßig Beerdigungen "in Westhoven in coemeterio pauperum" (auf dem Armenfriedhof) bezeugt. Mit Duldung der Deutzer Abtei ließen sich aber auch Angehörige wohlhabender Familien später hier beerdigen. Im Jahr 1807 wurden durch Dekret alle Pfarr-Friedhöfe im Großherzogtum zu kommunalen Friedhöfen[2]. In der Umsetzung dieser Bestimmung wandelte sich ab Frühjahr 1808 der katholische Friedhof Westhoven in einen kommunalen Friedhof für Alle. Doch zu der Zeit lebten in Westhoven nur Katholiken. Sie nutzten den Friedhof bis zum Juni 1929, dann wurde er auf Beschluss der Gemeinde Porz geschlossen.

Auf dem Friedhof befinden sich alte Grabsteine und Grabkreuze von Westhovener Familien, darunter die Familien Engels und Zündorf. Die erhalten gebliebenen Grabkreuze vom alten Ensener Kirchhof wurden in den Jahren 1986/87 hierher verlagert und an der Südwest- und Westseite neu errichtet. Leider haben in den letzten Jahrzehnten ehrlose Metalldiebe ohne jegliche Skrupel etliche der alten Grabkreuze auf dem Friedhof abgesägt und gestohlen.

Kapellengut[Bearbeiten]

Ein mit der Kapelle verbundenes Kapellengut (Kapellen-Gütchen) wird schon 1128 angedeutet: Der Priester soll einen Teil des Entgelts von einer Hufe (so die Übersetzung) erhalten, also einer bereits bewirtschafteten Fläche. Es umfasste ab späteren Jahrhunderten ein Wohnhaus, Stallung und 6,9 ha Ackerland (19 Morgen und 66 Ruten). Es wurde 1794, 1805 und 1817 verpachtet. Bereits 1829 sollte es vorrangig meistbietend verkauft werden. Peter Stahl war ein langjähriger Pächter, vermutlich bereits von 1794 bis 1830. Thomas Jakobs aus Westhoven erwarb das Gut schließlich im August 1931 für 1.164 Reichstaler von der Königlichen Regierung[3].

Ausstattung[Bearbeiten]

Der von der Südseite zu betretende Hauptraum mit den Maßen 9,18 Meter x 6,88/6,40 Meter ist ein schlichter einschiffiger Rechteckbau mit Satteldach und aufgesetztem Glockenturm. Bei der Erneuerung des Glockenturms um 1964 wurde die frühere Form mit vier Seitenspitzen und zwei Öffnungen durch einen glatten Aufbau mit vier Öffnungen ersetzt. Im Osten schließt sich ein rechteckiger Chor von 4 x 3 Meter an. Im Mauerwerk sind unterschiedlichste Materialien bis hin zu Rheinkieseln verarbeitet. Die Fachwerkgiebel stammen aus einer späteren Epoche. Zwei Chorfenster sind früher mehrfach versetzt worden, in der östlichen Mittelachse findet sich heute noch ein Rundbogenfenster.

Im Glockenturm befinden sich zwei Bronze-Glöckchen, deren Schlagtöne "in einem sehr gut getroffenen Kleinterzintervall klingen"[4]. Das kleinere und ältere Glöckchen fertigte Johann Heinrich Wickrath in Köln 1676 mit dem Schlagton a"+4. Es hat bei einer Höhe von 46 cm unten einen Durchmeser von 46,5 cm, oben hingegen von 22 cm. Seine Inschrift lautet: IOHANNES WICKRATH ME FECIT AO 1676. Die Glocke wurde einmal geschweißt, ohne dass es zu klanglichen Verschiebungen gekommen ist. Das größere Glöckchen fertigte Christian Claren 1850 in Sieglar mit dem Schlagton fis"+7. Bei einer Höhe von 54 cm ist sein Durchmesser unten 54,1 cm, oben 29 cm[5]. Ein Eichenlaubband zieht sich oben um die Glocke, die Inschrift fassen die Relieffiguren St. Nikolaus und Madonna mit Kind ein. Die Inschrift lautet: ZU EHREN DER ALLERHEILIGSTEN JUNGFRAU MARIA UND DES HEILIGEN NIKOLAUS VON DER GEMEINDE WESTHOVEN GEGOSSEN VON C.CLAREN IN SIEGLAR 1850.

Die Kapelle und ihren Friedhof hat die Stadt Porz im Dezember 1955 an die katholische Kirchengemeinde Ensen-Westhoven zurückgegeben. Bei einer Sanierung in den Jahren 1959/64 erhielt die Kapelle einen weißen Putz, nachdem sie jahrzehntelang unverputzt überdauert hatte. Seit 1986 pflegt die Bürgervereinigung Ensen-Westhoven in Abstimmung mit dem Stadtkonservator Gebäude, Flächen und Grabmale. Die Toranlage ist nach alten Fotos rekonstruiert.Eine sachgerechte Restaurierung erfolgte im Jahr 1995. Dabei fanden auch Bauuntersuchungen statt. Die frühere St. Agatha-Straße wurde als Fußweg in Pfarrer-Nikolaus-Vogt-Weg umbenannt.

Seit 1983 sind Kapelle und Friedhof denkmalgeschützt und wurden Ende der 1980er Jahre als Station 2.2 des Kulturpfad Porz ausgewiesen.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Scholz, Gertrud: Alte Friedhöfe in Westhoven und Ensen (I) + (II). In: Rechtsrheinisches Köln 21.1995.
Rückblick auf ein Jahrtausend. Beiträge zur Heimatgeschichte von Ensen-Westhoven. Köln 2001

  1. Das Original dieser Urkunde ist verschollen, es gibt jedoch eine Abschrift (HAStK Abtei Deutz 1/34 Bl. 27b u. 28a.).
  2. Artikel 49 der vom Großherzog von Berg erlassenen Verordnung vom 13.10.1807.
  3. vgl. Rechtsrheinisches Köln, Bd. 30, S. 91
  4. So die klangliche Beurteilung durch den Musikdirektor Jakob Schaeben vor 1980. Zit. n. Glocken katholischer Kirchen Kölns. 3. Auflage Köln 2004.
  5. vgl. Die Glocken unserer Heimat. In: Bensberger Volkszeitung v. 12.8.1925 sowie: Rückblick auf ein Jahrtausend. Köln 2001.