Nikolauskapelle

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AK-Ausschnitt um 1958: Kapelle und Friedhof

Kapelle und Friedhof[Bearbeiten]

Um das Jahr 1100 wurde diese Kapelle in Westhoven nahe am Rhein errichtet. St. Nikolaus ist der Schutzpatron der Schiffer. Die Kapelle wird wesentlich durch die Westhovener Dorfbewohner und evtl. durch treidelnde Schiffer genutzt worden sein[1]. Kapelle und Gemeinde gehörten bis zur Säkularisierung 1802 der Abtei Deutz. Danach ging die Kapelle in den Besitz der Kommune Heumar über, die Westhovener Gemeinde wurde St. Urban in Deutz zugeordnet. Ein der Kapelle zugeordnetes Kapellen-Gütchen bestand aus einem Wohnhaus, Stallung und Ackerland. Es wurde 1805 und 1817 verpachtet und 1831 durch die Königliche Regierung veräußert[2]. 1866 erfolgte dann die Eingliederung der Gemeinde in die Pfarrgemeinde Ensen, die Kapelle ging erst 1956 in den Besitz der Pfarrgemeinde Ensen über.

1128 erhielt die Kapelle durch den zehnten Abt von Deutz, Rupert, das Begräbnisrecht, jedoch nur für Arme, die keine Mittel hatten, um zur Mutterpfarrkirche St. Urban in Deutz getragen zu werden. 1807 wurden durch Dekret alle Pfarr-Friedhöfe im Großherzogtum zu kommunalen Friedhöfen[3]. In der Umsetzung dieser Bestimmung wandelte sich ab Frühjahr 1808 der Armenfriedhof Westhoven in einen kommunalen Friedhof für Alle. Zu der Zeit lebten in Westhoven nur Katholiken, die den Friedhof bis zum Juni 1929 weiterhin nutzten, dann wurde er auf Beschluss der Gemeinde Porz geschlossen. Bei einer Sanierung in den Jahren 1959/64 wurde die Kapelle weiß verputzt, ein sachgerechte Restaurierung erfolgte 1995. Dabei fanden auch Bauuntersuchungen statt. Die frühere St. Agatha-Straße wurde als Fußweg in Pfarrer-Nikolaus-Vogt-Weg umbenannt.

Die Kapelle und ihren Friedhof hat die Stadt Porz im Dezember 1955 an die katholische Kirchengemeinde Ensen-Westhoven zurückgegeben. Sie sind seit 1983 denkmalgeschützt und wurden Ende der 1980er Jahre als Station 2.2 des Kulturpfad Porz ausgewiesen. Seit 1986 pflegt die Bürgervereinigung Ensen-Westhoven in Abstimmung mit dem Stadtkonservator Gebäude, Flächen und Grabmale. Die erhalten gebliebenen Grabkreuze vom alten Ensener Pfarr-Friedhof wurden hierhin verlagert und an der Südwest- und Westseite neu errichtet. Die Toranlage ist nach alten Fotos rekonstruiert.

Ausstattung[Bearbeiten]

Der von der Südseite zu betretende Hauptraum mit den Maßen 9,18 Meter x 6,88/6,40 Meter ist ein schlichter einschiffiger Rechteckbau mit Satteldach und aufgesetztem Glockenturm. Im Osten schließt sich ein rechteckiger Chor von 4 x 3 Meter an. Im Mauerwerk sind unterschiedlichste Materialien bis hin zu Rheinkieseln verarbeitet. Die Fachwerkgiebel stammen aus einer späteren Epoche. Zwei Chorfenster sind früher mehrfach versetzt worden, in der östlichen Mittelachse findet sich heute noch ein Rundbogenfenster.

Im Glockenturm befinden sich zwei Bronze-Glöckchen, deren Schlagtöne "in einem sehr gut getroffenen Kleinterzintervall klingen"[4]. Das kleinere und ältere Glöckchen fertigte Johann Heinrich Wickrath in Köln 1676 mit dem Schlagton a"+4. Es hat bei einer Höhe von 46 cm unten einen Durchmeser von 46,5 cm, oben hingegen von 22 cm. Seine Inschrift lautet: IOHANNES WICKRATH ME FECIT AO 1676. Die Glocke wurde einmal geschweißt, ohne dass es zu klanglichen Verschiebungen gekommen ist. Das größere Glöckchen fertigte Christian Claren 1850 in Sieglar mit dem Schlagton fis"+7. Bei einer Höhe von 54 cm ist sein Durchmesser unten 54,1 cm, oben 29 cm[5]. Ein Eichenlaubband zieht sich oben um die Glocke, die Inschrift fassen die Relieffiguren St. Nikolaus und Madonna mit Kind ein. Die Inschrift lautet: ZU EHREN DER ALLERHEILIGSTEN JUNGFRAU MARIA UND DES HEILIGEN NIKOLAUS VON DER GEMEINDE WESTHOVEN GEGOSSEN VON C.CLAREN IN SIEGLAR 1850.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Scholz, Gertrud: Alte Friedhöfe in Westhoven und Ensen (II). In: Rechtsrheinisches Köln 21.1995.
Rückblick auf ein Jahrtausend. Beiträge zur Heimatgeschichte von Ensen-Westhoven. Köln 2001

  1. Für Kaufleute auf dem Weg von Zündorf nach Mülheim hingegen, wie es in anderen Dastellungen vermutet wird, lag die Kapelle völlig abseits. Deren kürzester Weg führte über Steinstraße und Frankfurter Straße - sie mussten zudem Köln-Deutz umgehen.
  2. vgl. Kölnische Zeitung v. 14.7.1831.
  3. Artikel 49 der vom Großherzog von Berg erlassenen Verordnung vom 13.10.1807.
  4. So die klangliche Beurteilung durch den Musikdirektor Jakob Schaeben vor 1980. Zit. n. Glocken katholischer Kirchen Kölns. 3. Auflage Köln 2004.
  5. vgl. Die Glocken unserer Heimat. In: Bensberger Volkszeitung v. 12.8.1925 sowie: Rückblick auf ein Jahrtausend. Köln 2001.