Frankfurter Straße 527

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Inserat, Kölnische Zeitung v. 2.1.1821
Inserat, Kölnische Zeitung v. 14.4.1861
Inserat, Rheinischer Merkur v. 30.3.1889

Historie[Bearbeiten]

Der Kymeshof bestand an dieser Stelle in Urbach wohl seit 1817. Er lag nicht nur an der Frankfurter Straße, sondern auch genau gegenüber der damaligen Einmündung des Viehgasse, der späteren Waldstraße. Er diente wohl auch als Raststation der Fernpostlinie Heidelberg-Köln mit Stallungen für die Fuhrleute, später kamen nach Fertigstellung der Chaussee nach Frankfurt weitere Fernpostlinien hinzu. Als Gastwirt ist ein Mathias Kimmes 1817 bezeugt[1], in diesem Jahr kaufte er ein Gebäude, das als "Behausung des Gastwirths Kimmes zu Urbach" in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer wieder für notarielle öffentliche Versteigerungen von Gebäuden und Grundstücken aus der Region diente.[2] Auch ein Plan aus dem Jahr 1828 nennt unter der Hausnummer 9 an der Deutz-Siegburger Landstraße des Dorfes Mathias Kymes als Eigentümer. Links neben dem Gebäude verlief ein Weg, rechts waren Einfahrt und Hof, daneben schloss sich der Dorfpfuhl (Teich) an, der bis zur heutigen Kaiserstraße reichte. [3] Nach dem Tod von Mathias Kimmes 1845 führte seine Witwe Anna Maria, geb. Dresbach (+1867), die Gaststätte fort, ab 1854 zeitweise gemeinsam mit ihrem Enkel Philipp. 1861 verpachtete sie dann Wirtschaft und Stallungen (siehe rechts). Das Ehepaar war wohlhabend, galt auch als Gutsbesitzer und hatte Immobilien in den Gemeinden Urbach, Elsdorf, Wahn, Niederzündorf und Rösrath, die eine gerichtliche Teilungsankündigung 1867 ausführlich auflistet.[4] Im Jahr 1889 wird das Haus, in dem bis zu diesem Zeitpunkt eine Gastwirtschaft und eine Colonialwarenhandlung betrieben wurden, nebst 2 Morgen Garten erneut zur Verpachtung angeboten.

Im ersten Stock entstand spätestens im 19. Jahrhundert ein Tanzsaal mit kleiner Bühne. Rechts neben dem Gebäude befand sich zur Jahrhundertwende ein großer Magnolienbaum. 1891 trägt das Gasthaus die Adresse An der Chaussee 64. 1902 wird das Gebäude zweistöckig mit vielen Fenstern neu erbaut: Die Front vier Fenster breit mit einer Rundgaube im Dach, zum Metzgersgässchen hin auf jeder Etage sieben Sprossenfenster. Ab 1902 betrieb Gerhard Metzger (+ um 1936) im Gebäude seine Gastwirtschaft und ab 1903 im Nachbarhaus seine Metzgerei. 1927 und 1928 wohnte Gerhard Metzger nur noch im Haus unter der damaligen Adresse Frankfurter Straße 63, war aber nicht mehr tätig und zog 1929 in die Kaiserstraße. Inzwischen war Johann Joseph Keller Gastwirt in der Nr. 63. Zugleich führte hier seine Frau in den Jahren 1937/38 eine Kurz- und Kolonialwarenhandlung.

1939 findet sich unter dieser Adresse kein Gasthaus und kein Ehepaar Keller, nur offensichtliche Mieter (Anstreicher, Schuhmacher, Schreiner, Fabrikarbeiter). Jedoch zeigt sich in der Nachkriegszeit bis 1971 Johann Keller weiterhin als Gastwirt. Anfang der 60er Jahre wird das Dach neu gedeckt und die Gaube entfernt. Das Haus steht seit 1985 unter Denkmalschutz.

(Vertiefung erwünscht)

Inhaber, Pächter[Bearbeiten]

Gasthaus Kimmeshof bzw. Kimmes'sches Haus

  • vor 1821 - 1845: Mathias / Matthes Kymes / Kimmes / Kimes; auch Bäckerei
  • 1845 - 1861: Witwe Anna Maria Kimmes
  • um 1879: Blumenthal
  • um 1891: Bloch, Jean; auch Spezereihandlung
  • 1902 - um 1925: Gerhard Metzger (Inhaber)

Gasthaus Keller

  • um 1926 - nach 1971 Johann "Jean" Josef Keller (Pächter)
  • um 1937 - nach 1971: Käthe Keller: Kolonialwarenhandlung (Pächterin)
  • Gerhard Steindorf (??, Pächter) Klare (??, Pächter)
  • unklar - nach 2010: Franz Stengert

Gasthaus Zum Hennes

  • bis ca. 2015: Frank Matters

Nachnutzung[Bearbeiten]

2015/16 wurde das Gebäude vom Neukirchener Erziehungsverein aufgekauft, einem der größten deutschen Kinder- und Jugendhilfeträger in Deutschland.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Foto um 1980, Rheinische Bildarchiv (Link) Speck, Friedhelm: Urbach. Köln 2016.

  1. vgl. HAStK Best. 9510, A9.
  2. vgl. Kölnische Zeitung v. 10.4.1821
  3. Abgedruckt in Wilhelm Becker: Aus der Urbacher Pfarrchronik des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Rechtsrheinisches Köln 18.1992.
  4. vgl. Kölnische Zeitung v. 30.6.1867.