Fähren

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Im Raum Porz gab es im Laufe der Jahrhunderte verschiedenste Fähreinrichtungen. Die Fahrgerechtsame zwischen Köln und Deutz gab Kaiser Otto I. seimen Bruder Erzbischof Bruno von Köln bereits um das Jahr 960. Im Raum Porz übte dann im Mittelalter die Fährgerechtsame auf dem linken Rheinufer sowie rechtsrheinisch von Deutz bis vor Westhoven das Erzstift Köln aus, von Westhoven bis hinter Langel hingegen die Grafen von Berg, vertreten durch den Amtmann von Porz. Dieses Besitzverhältnisse führten jahrhundertelang in diesem Abschnitt dazu, dass Fährleute aus dem Rechtsrheinischen nur Personen aus dem Rechtsrheinischen ins Linksrheinische übersetzen durften und Fährleute aus dem Linksrheinischen nur Personen aus dem Linksrheinischen ins Rechtsrheinische. Die Rückfahrt musste mithin eigentlich leer erfolgen - was zu vielfältigem Streit und tätigen Konflikten führte. Behandelt werden unter diesem Stichwort nur Fähren unmittelbar vom einen an das andere Ufer.

Langel[Bearbeiten]

Zwischen Deutz und Bonn gab es im Hochmittelalter zunächst nur kleine Fährverbindungen zwischen Sürth, Weiß und Langel. Diese Nachen durften und konnten weder Wagen noch Großvieh transportieren noch zollbare Waren. Die Sürther Fährrechte waren 1067 dem Stift St. Georg zu Köln geschenkt worden, es besaß den Fronhof zu Sürth und das Dorf Weiß. Die ältste einschlägige Quelle für Langel nennt 1371 den Fährmann Tilmann, der in Langel wohl auch Weinberge bestellte. Der oben beschriebene Konflikt ist erstmals für 1597 nachweisbar, als die Bergischen meinten, ihre Fährleute dürften auch auf der kölnischen Seite Personen aufnehmen. Daraufhin hatten die Weißer den bergischen Nachen erst einmal festgesetzt. Bei weiteren Streitigkeiten wurden auch schon einmal Fahrleute durch die Konrahenten verhaftet und eine Zeitlang eingesperrt.

Öffentliche Verpachtung im Auftrag der Königlichen Regierung zu Köln, Kölner Zeitung v. 13.02.1817

Zur Langeler Fährpacht gehörte zeitweise auch ein Fahrgut, gelegen gegenüber dem Fürstenhof im Unterdorf, heute etwa auf Höhe der Rheinbergstraße 39-41. Die Rheinbergstraße war häufig ein Wohnort der Langeler Fährleute. Der Anlandeplatz der Fähre lag dabei auf dem zugehörigen Grund. Die Pacht wurde mit genau geregelten Pflichten auf unterschiedliche Dauer vergeben: Zum Beispiel 12 Jahre, 24 Jahre oder auch in Erbpacht, dabei war eine Unterverpachtung zulässig. Die jeweiligen Fährtarife setzte der Verpächter fest. Die lange Tradition des Fährbetriebs in Langel wird auch durch den über viele Jahrhunderte in Langel verbreiteten Nachnamen "Fehrer" belegt, Berufsangaben in Geburtsurkunden bestätigen diesen Ursprung[1].

Der Fährbetrieb in Langel hielt sich durch das gesamte 19. Jahrhundert und wurde auch im 20. Jahrhundert zunächst noch weiter fortgeführt. Die bisher eingesetzten Nachen mit ihren Rudern ersetzte 1914 Cornelius Schlimbach durch ein für ihn auf der Mondorfer Schiffswerft gebautes Motorboot[2]. Das 13 Meter lange Boot fasste 59 Personen und nutzte an den Ufern neu errichtete feste Landungsbrücken. Vom Kriegsdienst unterbrochen dauerte dieser Fährdienst bis in das Jahr 1924, dann übernahm ein Sürther Fährmann. Der letzte Langeler Fährmann Josef Baedorf (1903-1971) war vom Sommer 1939 bis 1941 und nach dem Krieg erneut bis September 1948 mit seinem Motornachen tätig, die Anlegestelle lag vor seinem Haus In der Aue 12. Nun wurde der jahrhundertelange Fährbetrieb zwischen Langel und Sürth dauerhaft als unrentabel eingestellt.

Zündorf[Bearbeiten]

Erste Hinweise auf einen Zündorfer Fährbetrieb (Zudendorp over den Ryn) mit kleinen Nachen gibt es aus dem 14. Jahrhundert. Sie hatten den Vorteil, dass Personen aus dem linksrheinischen Süden und Osten durch eine Rheinüberquerung in Sürth auf eine sichere und gut ausgebaut linksrheinische Landstraße nach Köln gelangten, die zudem kürzer war als der rechtsrheinische Landweg über Deutz. Selbst die kaiserliche Reitpost aus Frankfurt nahm zeitweise diesen Weg. Auch auf dem Weg nach Süden war die nahe an Sürth vorbeiführende Bonner Landstraße bequemer. Die Überfahrten fanden in früheren Jahrhunderten nur bei Bedarf und damit kaum täglich statt, der Fährbetrieb war somit wohl eher Nebeneinkunft der Schiffer.

1627 ist für einige Jahre eine größere Zündorfer Fähre (ein sog. "offen Fahr") nachweisbar. Die Fährleute hatten von den bergischen Beamten die Fahr gepachtet und die nötigen Kähne und flachen Nachen, die sich auch zum Transport von Karren und Großvieh eigneten, angekauft. Dagegen erhoben die Deutzer Fährleute Einspruch, die Erzbischof 1480 eine Fahrgerechtsame zwischen Mülheim und Wesseling erhalten hatten. Sie beschlagnahmten im März 1628 sogar den Nachen des Zündorfer Schiffers Johann Baus. In den folgenden Monaten eskalierte der Streit, dabei wurden auch Nachen zerstört. Die Auseinandersetzung geht weiter bis zum Erscheinen des plündernden schwedischen Kriegsvolks 1632. Erst 1684 agiert die Deutzer Fahrkammer erneut - sie untersagt dem Zündorfer Fährer Kindtweis das Übersetzen des kaiserlichen Postillions und anderer Personen und Güter. 1687 betrifft ein Dekret den Zündorfer Peter Engels. In den folgenden zweihundert Jahren wurde das gelegentliche Übersetzen durch Niederzündorfer Schiffer ohne Pachtverträge geduldet, auch der reitende Bote der Stadt Köln benutzte um 1731 diesen Weg nach Frankfurt a.M. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte dieser Fährbetrieb für Zündorf kaum noch Bedeutung. Die 1846 vorhanden elf Fährnachen wurden hauptsächlich zur Kleinschifffahrt nach Köln eingesetzt, es blieb zumeist bei etwa zwei Überfahrten täglich. Zugleich war der Weg über Sürth und Weiß im Vergleich zu den Straßen im Rechtsrheinischen inzwischen die deutlich schlechtere Verbindung nach Köln. Die Fährstelle lag rund 50 Schritte unterhalb des Niederzündorfer Krans.

Eine regelmäßigere Fährverbindung von Zündorf nach Weiß stellte 1924 Hermann Hennes wieder her, er hatte hierfür auch einen Pachtvertrag. Diese Überfahrt blieb durch seine Nachfolger als die letzte auf Porzer Gebiet - mit Unterbrechungen - bis in die Gegenwart erhalten. Der heutige Pächter führt seinen Saisonbetrieb von März bis in den Herbst seit 1987. Übrigens: Er sucht ständig und dringend Fährleute.

Poll[Bearbeiten]

Die Bürger von Poll nutzten einige Jahrhunderte hindurch eigene Nachen, um ihre Erzeugnisse auf die Kölner Märkte zu bringen:

Die Gemeinde Poll unterhielt eine Nachenfähre nach Köln, um Gartenerzeugnisse, Milch und Fische zur Stadt zu bringen. Im Jahre 1779 klagen die Poller Bürger Andreas Cronenberg und Friedrich Hackenbroch bei der Stadt Köln gegen die vom Brückenmeister gemachten Eingriffe in ihre alte Gerechtsame. "Wahr ist es in der geschicht, daß die eingesessenen zu Poll von undenklichen Zeiten im besitz seyen und ihre sachen mitihrem eigenen fahrzeug nach Cöln überbringen zu dürfen"; es habe der Brückenmeister ihnen die Nachen zerschlagen und selbst eine Fähre zwischen Köln und dem "Poller Kopf" eingerichtet. Die kurfürstliche Regierung entschied, daß das alte Privileg der Poller weiter bestehen müsse, doch sollten dieselben einen bestimmten Betrag an den Brückenpächter abführen.[3]
Inserat Kölner Lokal-Anzeiger v. 28.5.1914

Transportiert wurden ausschließlich Personen, denn Fuhrwerke und lebende Tiere setzte der Deutzer Brückenmeister mit seinen fliegenden Fähren über. Ab 1822 bestand eine Schiffsbrücke nach Köln. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts fuhr Gotfried Schlömer (+1837) täglich nach Köln. Um 1830 führte der Aufschwung des Ortes zu einem Betrieb mit drei Nachenfähren, die vom Poller Kopf ausgangs der Maifischgasse im Sommer um 6 Uhr, im Winter um 7 Uhr mit Fischer- und Milchfrauen ablegten und zur Rheingasse übersetzten. Nach dem erfolgreichen Verkauf zogen die Frauen die Nachen "an einem langen Seil stromaufwärts bis Marienburg, von dort trieb der Strom die Fähre nach dem Poller Ufer hin"[4]. 1880 stellte Heinrich Schlömer den Fährbetrieb ein, weil zwischenzeitlich immer mehr Poller Milchbauern mit eigenen kleinen Fuhrwerken den Weg über die Schiffsbrücke wählten.

AK-Ausschnitt, Poller Steg der Linden-Fährboote

Doch mit der Industrialisierung wuchs der Personenverkehr nach Köln wieder an und der aus Rodenkirchen stammende Schiffskapitän Ferdinand Linden (1879-1930) richtete zur Jahrhundertwende den Fährbetrieb von Marienburg nach Poll wieder ein. Ab 1909 setzte er auf der Strecke Motorboote ein.[5]. Seine Witwe Helene führte die Reederei fort. 1931 war der Betrieb auf eine Reederei angewachsen, Neben sieben Motorboot-Fähren verkehrten inzwischen sieben Dieselmotorschiffe mit Verbindungen ab der Hängebrücke nach Mülheim, Marienburg, zum Kielshof in Westhoven und zur Rheinterasse in Ensen[6] sowie zwei Ausflugsdampfer für längere Fahrten. Doch das Geschäft wurde schwieriger. Ende 1935 wurde über das Vermögen der Witwe das Konkursverfahren eröffnet, denn die Firma war nicht als juristische Person eingetragen. Im Interesse der Gläubiger dauerte der Betrieb zunächst an, doch die Saison 1936 lief schlecht. Daher wurden die Schiffe nun veräußert.

Für einige Wochen gab es 1961 erneut eine Personenfähre nördlich der Autobahnbrücke, die zwischen Rodenkirchen und dem Campingplatz in Poll verkehrte[7].

Porz[Bearbeiten]

Zwar gab es vom Dorf Porz aus viele Jahrhunderte lang einen regen Schiffsgüterverkehr nach Köln, aber Fähren sind nur selten und dann nur auf kurze Dauer belegt. Porz war nie ein offizieller Fährort. Nicht nur die Deutzer Fahrgerechtsame stand dem entgegen, auch mangelte es an einem gegenüberliegenden Weg an den Rhein. Ab 1939 gab es einen durch den Krieg unterbrochenen Saisonbetrieb des Fährmanns Heinrich Lülsdorf (1893-1950) von Porz nach Weiß. Am 17.9.1950 wurde das Boot in einer Kollision versenkt, Lülsdorf starb bei dem Unglück. Sein Nachfolger, der Fischer Johann Frings (+1958) aus Ensen, stellte nach drei Jahren den inzwischen unrentablen Fährdienst ein.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Becker, Wilhelm: Rheinfähren im Raume Porz. In: Unser Porz, Heft 14, Porz 1972.

  1. Am Ende des diesem Stichwort zugrunde liegenden Aufsatzes von Wilhelm Becker findet sich ein Verzeichnis der Langeler Fährleute und ihrer Familien.
  2. Ein gesondertes Kapitel waren die Motorbootfahrten zum Langeler Strandbad in den Jahren 1912-1915. Hierzu gibt es das Stichwort Strandbad Langel.
  3. "Die Poller Fähre um die Wende des 18. Jahrhunderts". In: Der Sonntag v. 17.5.1925, Auszug aus der lokalhistorischen Untersuchung "Poll" von Lehrer Peter Simons
  4. ebenda
  5. Ferdinand Linden starb bereits mit 51 Jahren, über 100 aus dem Rhein gerettete Menschen verdankten ihm ihr Leben.
  6. vgl. Kölnische Zeitung v. 24.09.1931
  7. vgl. KStA v. 11.5.1961 (mit Foto).