Historisches: Porzer Straßen zur NS-Zeit

(Aktualisierter Artikel) In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Porz zahlreiche Straßen umbenannt. Die meisten Änderungen wurden nach 1945 schnell wieder rückgängig gemacht, aber längst nicht alle. Haben Sie Ergänzungen zu unserer Liste? Weitere Angaben zu den aufgeführten Straßen und einigen der nationalsozialistischen Benennungen , aber auch generell zur Historie des Porzer Raums, seiner Straßen, Firmen und Gebäude finden Sie übrigens in unserem historisch ausgerichteten Porz-Wiki.

*Am Rhein in Porz wurde aus der Uferstraße, an der auch das Rathaus liegt, kurz nach der Machtübernahme im Sommer 1933 das Adolf-Hitler-Ufer gemacht. Nach dem Ende des Faschsmus erhielt die Straße ihren heutigen Namen Friedrich-Ebert-Ufer.


* Die heutige Weststraße in Wahnheide (Kasernengelände) hieß während der NS-Zeit Hermann-Göring-Straße.

* Die frühere Schießplatzstraße in Wahn und Wahnheide trug bereits ab September 1933 den Namen Adolf Hitler-Straße umbenannt, seit dem Ende des Weltkriegs heißt sie nun Heidestraße.

* Um 1934 erhielt der Maarhäuser Weg, weil er an der SA-Führerschule am Hochkreuz vorbei führte, den neuen Namen Peter-Hermann-Straße. Nach der Absetzung des Bürgermeisters Hermann Oedekoven stellten Ende 1943 die Nazis den ursprünglichen Namen wieder her.

* Im Juli 1935 änderte der faschistische Gemeinderat von Porz die Linder Dorfstraße bzw. den Leichenweg zum Wahner Friedhof in die Bezeichnung  Erich-Hellwig-Straße. 1945 wurde daraus die Friedrich-Ebert-Straße, 1973 Am Linder Kreuz.

* Die Keimergasse in Zündorf wurde um 1938 bis 1945 zur Ludwig-Knickmann-Straße.

* Die Waldstraße benannten die Porzer Faschisten ab August 1940 bis 1945 in von Klugestraße – nach dem damaligen „erfolgreichen“ Generalfeldmarschall – um.

* In einer neu errichteten Siedlung in Zündorf gab es ab 1936 die Albert-Leo-Schlageterstraße, die Litzmannstraße und die Richthofenstraße. 1945 wurde aus der Litzmannstraße die Wolff-Metternich-Straße, 1946 aus der Schlageterstraße die Zollturmstraße.

* Bis in die Gegenwart blieb die 1941 erfolgte Änderung der Meirowskystraße in Georg-Ohm-Straße (heute: Ohmstraße).

Dr. Max Meirowsky (*1866) war jüdischer Industrieller, Mäzen und Kunstsammler. Seit 1894 in Ehrenfeld Isolatoren produzierend gründe er 1910 zwischen Kaiserstraße und Eisenbahntrasse das Porzer Werk der Meirowsky AG. Sie wurde in den 20er Jahren durch Felten & Guilleame (F&G) übernommen. 1941 entstand durch Arisierung daraus die „Dielektra“. Meirowsky gelang Ende 1938 die Emigration, er starb 1949 in Genf. Die Dielektra erlebt nach dem Krieg ihren Aufschwung und wurde 1990 an Siemens verkauft. Der Niedergang endete 2009 in der Insolvenz. Das Hauptgebäude wurde 2017 abgebrochen. 1988 lehnte die Bezirksvertretung Porz die Rückbenennung ab. Stattdessen benannten sie eine neue Straße nach Meirowsky: Sie ist kurz, verkehrsberuhigt und unbedeutend in einem Neubaugebiet in Eil gelegen – weit ab von der einst pulsierenden Meirowsky-AG.

(Quellen u.a.: Schünemann-Steffen, Rüdiger: Kölner Straßennamen-Lexikon; Werner, Marion: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz. Eine Kulturgeschichte der Kölner Straßennamen seit 1933. Köln 2008; http://www.rheinische-industriekultur.com)

 

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