Hauptstraße 473

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Ansichtskarte, gelaufen 1921

Geschichte des Gasthauses[Bearbeiten]

Zum Vater Rhein[Bearbeiten]

Heinrich Niederländer betrieb gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der späteren Adresse Hauptstraße 169 ein Lebensmittelkaufhaus. Er baute seine um 1880 errichtete Scheune in ein Lokal um und verpachtete dieses an Peter Schlimgen. Der hatte ein Fuhrunternehmen und wurde so ab 1906 zum Wirt der Gastwirtschaft zum Vater Rhein in der Hauptstraße 173, nach heutiger Zählung Höhe Nr. 473. Es war ein schmales Gebäude und bildete den Beginn der nördlichen Wohnbebauung von Porz (Mitte). Der ursprünglich lange offene Balkon auf der Nordseite wurde in den 20er Jahren zu einem Erkervorbau umgebaut. Vor dem Haus verlief die Hauptstraße, hinter dem Haus zunächst noch die Uferstraße. Das ebenfalls Niederländer gehörende Nachbarhaus Nr. 171 nutzte zunächst noch der Porzer Volksbildungsverein. Doch um 1915/16 lässt Heinrich Niederländer das Gebäude auf den Hausnummern 171 und 173 komplett neu als Wohnhaus mit Gastwirtschaft und Anbauten errichten.

Eine erste Ansichtskarte zeigt das Gasthaus im Jahr 1921. Um 1924/25 verabschiedet sich Peter Schlimgen in den Ruhestand. Für wenige Jahre übernimt nun Heinrich Niederländer selber das Lokal. Um 1930 umfasst das Gasthaus drei hinter einander liegende Gebäude, auch von der Uferstraße aus gibt es einen Zugang. Der Nachfolger Gerhard Zillekens warb ab 1934 nicht nur mit Billard und Kaffeeterrasse, sondern auch mit einer B.V. Aral-Tankstelle. Bereits fünf Jahre später übernimmt Hans Köppen das Gasthaus.

Rheinhotel[Bearbeiten]

Nach 1945 wurde das kleine Gebäude zum Rheinhotel, zeitweise unter der Adresse Friedrich-Ebert-Ufer 132. Erster Besitzer war Anton Plützer, der 1951 "modernst eingerichtete Hotelzimmer" mit "fließend Kalt- und Warm-Wasser" inseriert. Bereits Plützer bietet "samstags und sonntags Tanzunterhaltung". Die kleine Bühne des Tanzlokals wurde in den 1960er Jahren unter Theo Schrick und seiner Frau Gertrud, geborene Plützer (1924-2011) und "Gerti" genannt, zu einem wichtigen und beliebten Zentrum der rheinischen Beat-Szene. Hier traten nicht nur viele Schülerbands auf. Auch mehrere Mitglieder der Bläck Fööss hatten in diesem Lokal in der zweiten Hälfte der 60er Jahre erste Auftritte (z.B. als "Beat Stones" oder "Stowaways") und fanden hier 1970 zur berühmten gewordenen Band zusammen. Im März 1968 brach Nachts im Gebäude ein Großbrand aus, Brandstiftung wurde vermutet.[1] Das gesamte Gebäude ging vermutlich bereits zu dieser Zeit in den Besitz der Stadt Porz über.

Poster[Bearbeiten]

Das Ehepaar Schrick baute die Gaststätte 1968 zur Diskothek Poster um, am 31.8.1968 war Eröffnung. Die Wände waren passend zum Namen mit Postern von Popstars aus aller Welt beklebt. An den Wochenenden zeugten dicht an dicht geparkte Autos an der Kölner Straße von der Beliebtheit dieses Jugendtreffs. Im Dezember 1971 zerstörte ein weiteres Feuer Dachstuhl und Dachgeschoss des Gebäudes, einige der hier wohnenden Arbeiter verloren ihre Habe und ihre Unterkunft, andere zogen nun nach und nach aus. Am 1. Juli 1972 schloss das Tanzlokal seine Türen, Mitte August des Jahres wurde das gesamte Gebäude abgebrochen. Die Stadt Porz plante eine neue Innenstadt mit einer vierspurigen Sammelschiene, dieser Teil der Hauptstraße sollte dazu gehören. Heute sieht man nur noch einen privaten Parkplatz an dieser Stelle. Im Jahr 1994 widmeten die Bläck Fööss dem Gebäude nicht nur einen Song, sondern eine ganze CD "Rheinhotel" mit dem Hotel auf dem Cover. Zu diesem Zeitpunkt stand das Gebäude bereits seit 11 Jahren nicht mehr.

Inhaber/Pächter[Bearbeiten]

Gastwirtschaft zum Vater Rhein

  • 1904-1924: Peter Schlimgen
  • um 1927-1934: Heinrich Niederländer
  • 1934-1938: Gerhard Zillekens
  • um 1939: Hans Köppen

Rheinhotel

  • 1951 Gerti Becher
  • 1952- nach 1955: Anton Plützer
  • - 1968: Theo und Gertrud Schrick

Discothek Poster

  • 1968-1973: Theo und Gertrud Schrick

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Nach Einträgen in Hausakten des Bauordnungsamts und Adressbüchern.

  1. vgl. KStA Porz v. 25.3.1968 (mit Bildern).