Hauptstraße 473

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Porz-Urbacher Volksblatt, Mai 1903

Geschichte des Gasthauses[Bearbeiten]

Zum Vater Rhein[Bearbeiten]

Porz-Urbacher Volksblatt August 1904

Heinrich Niederländer baute eine um 1880 errichtete Scheune an der späteren Adresse Hauptstraße 169 in den 1890er Jahren zunächst in ein Lebensmittelgeschäft um. Mit der Ansiedlung von zwei größeren Industriebetrieben östlich der Hauptstraße wurde für ihn die Umwandlung des Ladens in eine Trinkhalle attraktiv. Er verpachtete diese Ausgangs des Jahrhunderts an den Fuhrunternehmer Peter Schlimgen.

Inserat
Porz-Urbacher Volksblatt v. 23.12.1905

Zum Anfang des neuen Jahrhunderts beschränkte sich Schlimgen zunächst wieder auf sein Fuhrunternehmen, wurde dann aber ab August 1904 erneut auch zum Wirt des Gasthauses in der Hauptstraße 171, nach heutiger Zählung Höhe Nr. 471. Im Jahr 1905 errichtete Schlimgen auf dem Nachbargrundstück unter der Adresse Hauptstraße 173 sein eigenes Gasthaus. Er eröffnete es am 23. Dezember 1905 als Gastwirtschaft zum Vater Rhein. Es war ein schmales Gebäude und bildete den Beginn der nördlichen Wohnbebauung von Porz (Mitte). Der ursprünglich lange offene Balkon auf der Nordseite wurde in den 20er Jahren zu einem Erkervorbau umgebaut. Vor dem Haus verlief die Hauptstraße, hinter dem Haus der Uferweg.

Inzwischen führte Niederländer im Nebenhaus die frühere Schankwirtschaft als Laden fort. Im Juni 1906 wird er als Flaschenbierhändler bezeichnet und "wegen unbefugter Führung einer Schankwirtschaft zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt." Denn er hatte wiederholt geduldet, dass Arbeiter das gekaufte Bier sofort in seinem Laden austranken.[1] Das Niederländer gehörende Nachbarhaus Nr. 171 nutzte zunächst noch der Porzer Volksbildungsverein. In der darüberliegenden Wohnung vermietete Niederländer einzelne Zimmer. Im September 1905 wird am Gebäude ein Postbriefkasten angebracht. Um 1915/16 lässt Heinrich Niederländer das Gebäude auf den Hausnummern 169 und 171 komplett neu als Wohnhaus mit Gastwirtschaft und Anbauten errichten.
Schlimgen war weiterhin auch als Fuhrunternehmer tätig. Im Herbst 1907 inserierte er die Personenbeförderung mit seinem neuen Landauer, zudem auch Umzüge.

Ansichtskarte, gelaufen 1921

Eine erste Ansichtskarte zeigt das Gasthaus von Peter Schlimgen im Jahr 1921. Um 1924/25 verabschiedet er sich in den Ruhestand. Vermutlich kauft nun Heinrich Niederländer das Gebäude und verbindet die Räumlichkeiten mit seinem eigenen Haus. So vergrößert er die Fläche des des Gasthauses, das er selber führt, auf drei hintereinander liegende Gebäude. Auch von der Uferstraße aus gibt es nun einen Zugang. Der Nachfolger Gerhard Zillekens warb ab 1934 nicht nur mit Billard und Kaffeeterrasse, sondern auch mit einer B.V. Aral-Tankstelle. Bereits fünf Jahre später übernimmt Hans Köppen das Gasthaus.

Rheinhotel[Bearbeiten]

Bläck Fööss: CD Rheinhotel 1994

Nach 1945 wurde das kleine Gebäude zum Rheinhotel, zeitweise unter der Adresse Friedrich-Ebert-Ufer 132, zumeist aber Hauptstraße 169-173. Erster Besitzer war Anton Plützer, der 1951 "modernst eingerichtete Hotelzimmer" mit "fließend Kalt- und Warm-Wasser" inseriert. Bereits Plützer bietet "samstags und sonntags Tanzunterhaltung". 1960 ist er Pensionär. Die kleine Bühne des Tanzlokals wurde in den 1960er Jahren unter Theo Schrick und seiner Frau Gertrud, geborene Plützer (1924-2011) und "Gerti" genannt, zu einem wichtigen und beliebten Zentrum der rheinischen Beat-Szene. Hier traten nicht nur viele Schülerbands auf. Auch mehrere Mitglieder der Bläck Fööss hatten in diesem Lokal in der zweiten Hälfte der 60er Jahre erste Auftritte (z.B. als "Beat Stones" oder "Stowaways") und fanden hier 1970 zur berühmten gewordenen Band zusammen. Im März 1968 brach nachts im Gebäude ein Großbrand aus, Brandstiftung wurde vermutet.[2] Das gesamte Gebäude ging vermutlich bereits zu dieser Zeit in den Besitz der Stadt Porz über. Im Jahr 1994 widmeten die Bläck Fööss dem Gebäude nicht nur einen Song, sondern eine ganze CD "Rheinhotel" mit dem Hotel auf dem Cover. Zu diesem Zeitpunkt stand das Gebäude bereits seit 11 Jahren nicht mehr.

Poster[Bearbeiten]

Das Ehepaar Schrick baute die Gaststätte 1968 zur Diskothek Poster um, am 31.8.1968 war Eröffnung. Die Wände waren passend zum Namen mit Postern von Popstars aus aller Welt beklebt. An den Wochenenden zeugten dicht an dicht geparkte Autos an der Kölner Straße von der Beliebtheit dieses Jugendtreffs. Im Dezember 1971 zerstörte ein weiteres Feuer Dachstuhl und Dachgeschoss des Gebäudes, einige der hier wohnenden Arbeiter verloren ihre Habe und ihre Unterkunft, andere zogen nun nach und nach aus. Am 1. Juli 1972 schloss das Tanzlokal seine Türen, Mitte August des Jahres wurde das gesamte Gebäude abgebrochen. Die Stadt Porz plante eine neue Innenstadt mit einer vierspurigen Sammelschiene, dieser Teil der Hauptstraße sollte dazu gehören. Heute sieht man nur noch einen privaten Parkplatz an dieser Stelle.

Inhaber/Pächter[Bearbeiten]

Speisewirtschaft und Trinkhalle

  • 1904/05: Peter Schlimgen

Gastwirtschaft zum Vater Rhein

  • 1906-1924: Peter Schlimgen
  • um 1927-1934: Heinrich Niederländer
  • 1934-1938: Gerhard Zillekens
  • um 1939: Hans Köppen

Rheinhotel

  • 1951 Gerti Becher
  • 1952- nach 1955: Anton Plützer
  • - 1968: Theo und Gertrud Schrick

Discothek Poster

  • 1968-1973: Theo und Gertrud Schrick

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Nach Einträgen in Hausakten des Bauordnungsamts und Adressbüchern.

  1. vgl. Volksblatt für Berg. Gladbach und Umgegend v. 16.6.1906.
  2. vgl. KStA Porz v. 25.3.1968 (mit Bildern).