Premiere „Ich, Feuerbach“ im Theater „Das Spielbrett“

Thomas Traeder und Willi Feldgen (Alle Fotos: © porzerleben.de)

Einen anspruchsvollen und zugleich unterhaltsamen Theaterabend bietet das Theater „Das Spielbrett“ in Poll, wo am Samstag mit „Ich, Feuerbach“ Premiere gefeiert wurde. Das Stück von Tankred Dorst, einem der renommiertesten modernen Theaterautoren, stammt aus dem Jahr 1986. Das Theater selbst ist hier Thema, die Eitelkeiten und Härten einer Branche, die ihren Akteuren perfekte Selbstinszenierung abverlangt. Der ehemals etablierte Schauspieler Feuerbach (Willi Feldgen), findet sich nach einer längeren Berufspause für ein Vorsprechen für eine Rolle auf der Bühne ein. Er trifft jedoch nicht wie erwartet auf den Intendanten, sondern lediglich auf seinen Assistenten (Thomas Traeder).

Man läßt Feurbach warten. Eine zunächst universelle Bewerbungssituation, in der die Nervenstärke des Bewerbers auf die Probe gestellt wird. Das Publikum wird Zeuge, wie Feuerbach sich gegenüber dem Assistenten produziert, wie die Fassade anfänglicher Selbstsicherheit und Arroganz zu bröckeln beginnt bis sich Unsicherheiten offenbaren und schließlich sogar eine tiefe Lebenskrise. Diese fortschreitende Selbstentblößung – versinnbildlicht darin, dass Feuerbach schließlich auf der Bühne die Schuhe auszieht – korrespondiert mit seinem künstlerischem Credo: „Alles was ich tue, tue ich mit allergrößter Intensität und gehe dabei auch bis zum Äußersten(…)“.

Willi Feldgen gelingt es, Feuerbachs Schwanken zwischen Hochmut und Selbstzweifeln, zwischen künstlerischem Anspruch und dem Ringen um Anerkennung facettenreich auszudrücken. Die Inszenierung von Gisela Olroth-Hackenbroch gewinnt dem auch durchaus komische Momente ab, etwa wenn Feuerbachs Monologe durch den Backstage-Betrieb des Theaters unterbrochen werden.

Eine gelungene Premiere eines zeitlosen Stücks, das sich nicht nur als Künstlerdrama verstehen lässt, sondern auch als Kritik am Perfektionsanspruch in unserer Leistungsgesellschaft.  Die Inszenierung berührt hier sowohl inhaltlich als auch durch die positive Nähe von Publikum und Darstellern in einem kleinen Theater mit 60 Plätzen.

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