Halle Kalk: „Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“

Ettore Scola hat 1976 einen Film gedreht, der mit diesem Titel in die deutschen Kinos kam. Die Schauspiel-Intendantin Karin Beier hat ihn jetzt für die Bühne adaptiert und es lohnt sich, dafür einmal ein die Halle Kalk zu fahren.

Beiers Inszenierungen sind gern aus einer bildhaften Idee heraus entwickelt: Hier besteht das Bühnenbild aus einem langgestreckten und frontal verglasten  Wohncontainer, in dem eine Großfamilie aus der Unterschicht zu Hause ist. Deren Alltagstreiben verfolgen die Zuschauer – nahezu ohne hörbare Dialoge! Das ist aufgrund des spielfreudigen Ensembles kein Nachteil sondern erinnert  an einen Zoobesuch: die in ihrem Käfig ausgestellte Horde futtert, putzt den Bau, verrichtet ihr Geschäft, streitet, langweilt und befummelt sich. Der Fernseher läuft erwartungsgemäß durchgängig und begleitet das Geschehen mit aufschlußreichen Szenen aus dem Teleshopping für Putzmittel. Soweit so unterhaltsam, wäre da nicht der Patriarch Giacinto, der ein kleines Vermögen vor den anderen versteckt hält und seine Herrschaft durch die gängige Mischung aus Zuwendung und Gewalt aufrechterhält. In mehreren Szenen schlägt der banale Alltag unvermittelt  in Drastik um. Der Zuschauer erfährt hierbei ganz direkt die Problematik des eigenen Voyeurismus. Als Giacinto seiner Ehefrau gegenüber zu weit geht, solidarisiert sich die Familie gegen ihn…

Termine im März: 06. / 07. / 11. – jeweils um 19.30 Uhr

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