Saphir

Meinung: „G8 stiehlt die Kindheit“

G 8 ist für die Schüler/innen wie für die Eltern eine Strapaze: Es bedeutet ständigen Lerndruck schon in den unteren Klassen. Wochenenden sind von Anfang an für Hausaufgaben, Referate, Gruppenarbeiten fest mit verplant. Selbst in den Ferien sollen z.B. Lektüren gelesen oder Referate vorbereitet werden. Die Zeit für Hobbys ist äußerst knapp.

Meine Tochter ist einen Nachmittag pro Woche (3 Stunden) zum Reiten unterwegs und das erscheint oftmals vor Klassenarbeiten als kaum noch zu rechtfertigender Luxus. Und sobald mal ein Kind krank ist, bricht gleich Panik aus, weil man ja so viel Stoff versäumt! Da wird unseren Kindern also ihre Kindheit gestohlen, ohne dass ersichtlich wird, was sie mit dem eingesparten Jahr denn Sinnvolles anfangen werden können.

Halle Kalk: „Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“

Ettore Scola hat 1976 einen Film gedreht, der mit diesem Titel in die deutschen Kinos kam. Die Schauspiel-Intendantin Karin Beier hat ihn jetzt für die Bühne adaptiert und es lohnt sich, dafür einmal ein die Halle Kalk zu fahren.

Beiers Inszenierungen sind gern aus einer bildhaften Idee heraus entwickelt: Hier besteht das Bühnenbild aus einem langgestreckten und frontal verglasten  Wohncontainer, in dem eine Großfamilie aus der Unterschicht zu Hause ist. Deren Alltagstreiben verfolgen die Zuschauer – nahezu ohne hörbare Dialoge! Das ist aufgrund des spielfreudigen Ensembles kein Nachteil sondern erinnert  an einen Zoobesuch: die in ihrem Käfig ausgestellte Horde futtert, putzt den Bau, verrichtet ihr Geschäft, streitet, langweilt und befummelt sich. Der Fernseher läuft erwartungsgemäß durchgängig und begleitet das Geschehen mit aufschlußreichen Szenen aus dem Teleshopping für Putzmittel. Soweit so unterhaltsam, wäre da nicht der Patriarch Giacinto, der ein kleines Vermögen vor den anderen versteckt hält und seine Herrschaft durch die gängige Mischung aus Zuwendung und Gewalt aufrechterhält. In mehreren Szenen schlägt der banale Alltag unvermittelt  in Drastik um. Der Zuschauer erfährt hierbei ganz direkt die Problematik des eigenen Voyeurismus. Als Giacinto seiner Ehefrau gegenüber zu weit geht, solidarisiert sich die Familie gegen ihn…

Termine im März: 06. / 07. / 11. – jeweils um 19.30 Uhr