Wohnturm Zündorf
Historie[Bearbeiten]
Bis nahezu in die Gegenwart galt dieser Turm in Zündorf den Porzern als Zollturm - bei seinem Bau im 12. Jahrhunderts sei er dazu bestimmt gewesen, den Zündorfer Hafen zu schützen. Tatsächlich war der Turm wohl als wehrhafter Wohnturm errichtet worden und Teil einer geschlossenen Hofanlage, in die er zum Rhein hin mittig eingebettet war - dem Turmhof Zündorf. Gebaut aus Säulenbasalt (Bruch- und Feldsteine) hat das fünfgeschossige quadratische Gebäude eine Höhe von 20 Metern und Seitenmaße von 8 Metern außen mit unten 1,25 Meter dicken Mauern, die sich nach oben verjüngen. Das heute schiefergedeckte Spitzdach ist nicht die ursprüngliche Dachform, vermutlich trug der Turm ursprünglich einen Wehrgang mit Ecktürmen. Im Jahr 1380 ist der Turm erstmals urkundlich erwähnt[1], sein Hofgut aber bereits um 1120/30. Der Turm war bis in das 16. Jahrhundert hinein im Besitz von Adelsfamilien, zunächst der Herren von Zündorf (Zudendorp). Ob und wann nun diese Familien hier auch wohnten ist unklar, ebenso, ob der Familienname sich tatsächlich vom Ort herleitete[2]. Warum genau an dieser Stelle solch ein Turm errichtet wurde, bleibt ebenfalls im Dunkeln.[3].
Auch nach der Errichtung des neuen Herrenhauses 1771 blieb der Turm bei Gefahr ein möglicher Rückzugsort. Die Familie Wolf Metternich zu Gracht verkaufte das Hofgut im Jahr 1816 an die Familie Courth. Zu dieser Zeit war der Turm ab nur noch ein Gebäude der Hofanlage. Im 19. Jahrhundert wurde der Zugang im dritten Geschoss, der über eine äußere Holzleiter erreichbar war, daher durch eine ebenerdige Tür ersetzt. 1864 brannte das hölzerne Innere des Turms vollständig aus, auch das Dach wurde zerstört und durch ein einfaches Spitzdach ersetzt, auf dem eine Wetterfahne mit den Inschrift "L.C. 1864" (Ludwig Courth) befestigt war.
Bereits 1963 gab es erste Planungen der Stadt Porz, den Turm umzubauen und öffentlich nutzbar zu machen, im Jahr 1970 wurden die Planungen erneut aktualisiert. 1972 verkaufte der letzte Privateigentümer Hans Kleinmanns die gesamte Hofanlage mit weitern zugehörigen Grundstücken an die Stadt Porz. Den Stadtoberen unterlief beim Weiterverkauf von Teilflächen an einen Investor ein schwerer Fehler, denn sie veräußerten dabei auch den Zufahrtsweg zu Turm und Herrenhaus. Um dennoch diese beiden im Stadtbesitz verbliebenen Gebäude gestronomisch und kulturell nutzen zu können, musste sie für das zugebilligte Wegerecht dem Abriß der restlichen Hofgebäude (Ställe und Scheunen) zustimmen, was jedoch das historische Ensemble des Turmhofs als geschlossene Hofanlage völlig zerstörte. Heute wird der Turm mit der Adresse Hauptstraße 181 Zündorfer Wehrturm genannt.
Der Turm als Museum[Bearbeiten]
Bereits nach dem Erwerb durch die Stadt Porz war vorgesehen, im Turm ein Heimatmuseum zu eröffnen. Nach jahrelangen Planungen und zwischenzeitlicher Eingemeindung wurde der Turm als Außenstelle dem Kölnischen Stadtmuseum zugeordnet. Den kompletten Innenraum gestaltete der Kölner Architekt Gottfried Böhm ab 1974 für die zukünftige Nutzung mit Glas, Stahl und Beton neu. Im Juli 1980 stellte die Stadt Köln den Turm unter Denkmalschutz, ab Juni 1980 bis 1999 fanden hier regionalhistorische Ausstellungen statt, in den 1990er Jahren war dann eine kulturhistorische Sammlung zu sehen. Nach deren Auflösung 1999 fiel die Nutzung des Turms dem bereits am 1.7.1993 gegründeten Förderverein Zündorfer Wehrturm e.V. zu, der seitdem in eigener Verantwortung Künstlerinnen und Künstlern sowohl aus dem Köln-Bonner Raum als auch über die Region hinaus die Möglichkeit bietet, ihre Werke in dieser einzigartigen Kunststätte einen Monat lang auf neun unterschiedlichen Ebenen zu präsentieren. Auf diese Weise gibt es jährlich von März bis Oktober sechs Ausstellungen.
Regionalhistorische Ausstellungen[Bearbeiten]
- 1980: Porz. Geschichte eines Stadtbezirks zwischen Rhein und Wahner Heide. Mit einem großen Bereich Schifffahrt. [4]
- unklar
- 1988: Porz. Geschichte eines Kölner Stadtteils[5].
- 1990: Geschichte von Zündorf. Bilder von der Ausstellung: Link
Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]
Stommel Karl: Johann Adolf Freiherr Wolff genannt Metternich zur Gracht. Köln 1986.
KuLaDig: Zündorfer Wehrturm (Link)
Förderverein Zündorfer Wehrturm e.V. (Link)
Aufnahmen von 1979/95 im Rheinischen Bildarchiv Köln (Link)
- ↑ Torne zu Zudendorp, Heiratsvertrag von Lodewich van Zudendorp mit Aylken van Broicke v.13.1.1380, Archiv Schloss Eicks, Kreis Schleiden.
- ↑ Es gibt keine Quellen, woher der erste verbriefte Heinrich von Zudendorp (er lebte um 1180 in Köln wie auch seine Nachfahren) stammte
- ↑ Es bedurfte aber eines erheblichen Reichtums und Sicherheitsbedürfnisses, solch einen Steinturm im 13./14. Jahrhundert zu errichten. Da die vermögenden Adeligen zu dieser Zeit eher im deutlich besser geschützten Köln lebten, handelte es sich wohl entweder um eine Außenstelle oder aber um einen Rückzugsort.
- ↑ Zur Ausstellung erschien ein farbiger, 132 Seiten umfassender gebundener Katalog "Das Museum im Zündorfer Wehrturm". Köln 1980.
- ↑ Die Ausstellung war eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der "Freunde des Kölner Stadtmuseums e.V.". Zur Ausstellung erschien eine dünne 32-seitige s/w Broschüre im Format A5 - Schmidtke, Reiner: Porz. Geschichte eines Kölner Stadtteils. Köln 1988.