Turmhof (Zündorf)
Historie[Bearbeiten]
Im Norden von Zündorf befand sich bis in die 1970er Jahre nahe am Rhein eine weitgehend geschlossene Hofanlage, der Turmhof. Das zeitweise adelig freie Gut wurde erstmals um 1120/30 erwähnt, der Turm 1380. Das Gut bestand aus Stallungen, Scheunen, einem Weingarten und aus dem wehrhaften Wohnturm. Wohl bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war der Turmhof ein erbliches Lehen der Adelsfamilie van Zudendorp. In der Regel war der Turmhof verpachtet, die Pächter wurden "Turmhalfe" genannt.
Im 15. Jahrhundert wechselten die Besitzer mehrmals: Von Mauwenheym über Ophoven zu van Brincken. 1458 verkauften die Eheleute Wynrich und Ida van Brincken ihren Anteil am Turmhof, am Weingarten und ihre Fischereirechte den Edelleuten von Hall. 1496 erwarben diese auch die restlichen Anteil an dem Gut von Heinrich van der Mittelheß und Druyten. Durch die Heirat mit Catharina von Hall erhielt 1615 Johann Adolf Wolff Metternich zu Gracht den Zündorfer Turmhof. Zum Jahresende 1625 bekam er durch den Herzog von Jülich Berg auch noch das Zündorfer Rheinwerth mit dessen Weidenbewuchs als erbliches Lehen zugesprochen. 1771 errichteten Reichsgraf Johann Ignaz Wolf-Metternich zu Gracht und seine Frau Maria Antoniette Freiin von der Asseburg neben dem Turm ein Herrenhaus[1]. 1803 erwirbt das Ehepaar Johann Walram Flimm (+1810) und Maria Sophia Kügelgen den Hof und bewirtschaften ihn sieben Jahre lang selber, der Turmhof trägt nun die Hausnummer Niederzündorf 1. Zu dieser Zeit gab es auf dem Hof auch eine Schenkwirtschaft.
Im Jahr 1817 wurde das Ehepaar Johann Courth (+ vor 1842) und Clara, geb. Grames aus Morsbroich neue Besitzer[2]. Ende Januar 1859 heiratete Sohn und Erbe Johann Ludwig Courth (1816-1895) Anna Gertrud geb. Engels[3]. Um 1902 ist das Gut im Besitz von dessen zweitem Sohn Bartholomäus (Barthel) Hubert Courth (1864-1928) und seiner Frau Maria, geb. Schmitz.[4]. Im Jahr 1931 verzeichnet das Adressbuch Gutsflächen von 190 Hektar und als Betreiber Heinrich Kellinghaus. Um 1934 verkaufte die Familie Courth das Gut an die Familie Kleinmann, deren Miteigner Dr. Josef Kleinmann in Weilerswist war.
Heute[Bearbeiten]
Der letzte Privateigentümer Johannes (Hans) Bartholomäus Kleinmanns (1920-2012) ließ 1962 das Dach erneuern und 1965 fas Mauerwerk von außen sichern. Er verkaufte 1972 die gesamte Hofanlage mit weiteren zugehörigen Grundstücken an die Stadt Porz. Diese plante die Nutzung als Museum sowie Restaurant/Cafe. In den Jahren 1975/76 begannen die Umbauarbeiten mit Rückbauten von Überformungen. Kurz vor Abschluss der Restaurierungsarbeiten zerstörte im September 1977 eine Gasexplosion die hölzerne Inneneinrichtung des Gastraums und den Keramikfußboden, der Dachstuhl des Wohnhauses wurde beschädigt und ein Brand verrußte den Turm. Zudem unterlief den Stadtoberen beim Weiterverkauf von Teilflächen an einen Investor ein schwerer Fehler: Sie veräußerten dabei auch den Zufahrtsweg zu Turm und Herrenhaus. Um dennoch diese beiden im Stadtbesitz verbliebenen Gebäude gestronomisch und kulturell nutzen zu können, musste der Stadtrat für den Rückerhalt des Wegerechts dem Abriß der restlichen Hofgebäude (Ställe und Scheunen) zustimmen, was jedoch das historische Ensemble des Turmhofs beseitigte. Ab Juni 1978 diente dann das Herrenhaus als Restaurant, im Juni 1980 wurde im Turm eine heimatkundliche Sammlung eröffnet. 1983 verkaufte die Stadt das Herrenhaus an eine private Stiftung und behielt nur den Turm. Seit Herbst 2009 wird das Herrenhaus nur noch privat bewohnt.
Quellen, Literatur, Links[Bearbeiten]
Boley, Karl H.: Die von Zudendorp. 700 Jahre Turmhof. Köln 2013; ähnlich seine Fassung in: Rechtsrheinisches Köln 39.2014.
- ↑ Die Reichsgrafen selber wohnten auf Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar. Zur Erinnerung gibt es heute in Zündorf, allerdings südlich der Wahner Straße, eine Wolff-Metternich-Straße.
- ↑ HAStK 9502, A27.
- ↑ Gestorben mit 75 Jahren vor 1902.
- ↑ Zwischenzeitlich wählten sie die Familie Lülsdorf zu Pächtern des Turmhofs. Der erste Sohn Johannes Louis Courth (*1860) war ab März 1892 bis Ende 1903 Gutspächter des Ritterguts Haus zur Mühlen bei Siegburg. Er erschoß betrunken 1902 seine Frau und den Gutsverwalter, die miteinander ein Verhältnis hatten (was breit durch die Zeitungen ging, vgl. z.B. Aachener Anzeiger v. 25.9.1902). Das Schwurgericht sprach den Gutspächter frei. In der Verhandlung nannte er als Abfindung seines Erbanteils am Gut Turmhof den Betrag von 96.000 Mark.