Lindenhof

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Der Lindenhof um 1912

Die Vorgeschichte[Bearbeiten]

In der damaligen Hauptstraße Nr. 5 (heute Nr. 297) errichtete Peter Koerfer (+1931) für sich und seine Frau Caroline, geb. Wolff (+1931) auf einem 29.260 qm großen Grundstück zwischen Straße und Rheinufer um 1893/94 ein Landhaus als Alterssitz. Die beiden hatten in ihrem Berufsleben erfolgreich auf der Hohestraße 34 in Köln die Delicatessenhandlung Koefer-Wolff geführt, dieses verkauft und wollten sich nun zur Ruhe setzen. Leider trübte schon bald die Errichtung einer Rußfabrik die Freude am neuen Domizil. Tochter Paula und ihr Ehemann Paul Conrad betrieben um 1900 ein Weinlokal in der Kölner Innenstadt. Doch 1906 starb Paul Conrad und die Tochter zog mit ihren beiden kleinen Kindern zu ihren Eltern. Um 1907 kam die Familie auf den Gedanken, im Erdgeschoss des geräumigen Hauses ein Weinrestaurant und ein Cafe einzurichten. Hier war Platz für drei Wirtschaftszimmer, auch gab es eine nutzbare Veranda.

Der Lindenhof[Bearbeiten]

1908 wurde die Schank-Lizenz für Kaffee und Wein erteilt. Die Restauration florierte. Im Jahr 1909 baute die Familie direkt am Steilufer des Rheins im großen Gartengelände eine kleine Glashalle von 12x7 Meter - einen Anbau an das Haupthaus hatte die Gemeinde untersagt - sowie am Leinpfad eine Anlegestelle für Kähne. Um hierher zu kommen, musste man den Garten mit seinen Lindenanpflanzungen durchqueren. Zu Ostern 1909 eröffnete die Familie das so vergrößerte Restaurant und nannte es "Zum Lindenhof". Der Betrieb im "schönsten Aufenthaltsort am Rhein" (Werbung 1911) brummte, auch weil seit kurzem die Dampfer-Landungsbrücke mit der neu gestalteten Uferpromenade sowie die Vorortbahn den Ausflugsverkehr nach Porz deutlich verstärkten. Der kleine Pavillon konnte um 1913/14 zu einem langgestreckten Gebäude mit großen Sälen ausgebaut werden, zugleich wurde die Schanklizenz auf Bier ausgedehnt. Damit hatte der Lindenhof den einzigen große, modernen und hellen Tanzsaal in der gesamten Umgebung und die Räumlichkeiten wurden besonders Sonntags für Konzerte, Musik- und Tanzvergnügen genutzt. Die Ausstattung der Innenräume zeigen mehrere Ansichtsichtskarten, die über die Jahrzehnte erschienen sind. Im Jahr 1926 gründete sich im Saal des Lindenhof die älteste Porzer Karnevalsgesellschaft K.G. Rot-Weiß. Im selben Jahr gründete sich hier auch der Club für Wassersport und so bekam der Saal im Wortsinn einen Untermieter: der Verein nutzte das bisherige Stuhllager im Keller als Bootsschuppen, Bootsstege führten hinunter zum Rhein. 1931 wurde nach dem Tod ihrer Eltern Tochter Paula (1878-1964) Besitzerin des Lindenhofs, sie erhielt 1933 eine Lizenz zum Ausschank sämtlicher alkoholischer Getränke. 1935 ließ sie das Hauptgebäudes umbauen.

Der Krieg behinderte den Betrieb zunächst lediglich durch die zeitweise Einquartierung deutscher Soldaten. So wurde der Lindenhof ab November 1940 bis Mitte Juni 1941 Stabsgebäude des neu aufgestellten Pionier-Bataillon 106 (tmot), weil die Friedensunterkünfte in der Westhovener Mudra-Kaserne durch Ersatzeinheiten belegt waren. Erneut bezogen deutsche Soldaten den Lindenhof im Frühjahr 1945. Dann zerschoss die amerikanische Artillerie im März 1945 vom linken Rheinufer aus die Dächer der Gebäude.

Im Jahr 1956 erhielt das Hauptgebäude Zentralheizung und zwei Fremdenzimmer, nun firmierte man auch als "Hotel" und der Lindenhof feierte 1959 sein 50-jährige Jubiläum. Inzwischen war mit der Tochter die dritte Generation im Hause tätig. Doch als die engagierte Wirtin im März 1964 mit 86 Jahren starb, schloss ihre Tochter den Restaurationsbetrieb zum 30. August 1964. Die Eigentümerfamilie erwog zwar eine Verpachtung, wollte aber privat am Rhein wohnen bleiben. Die Stadt Porz untersagte aber ein weiteres Gebäude als Zweifamilienhaus auf diesem Grundstück und zog ein am Rhein gelegenes Ersatzgrundstück als Tauschangebot zurück[1].

Die Stadt wird Eigentümer[Bearbeiten]

Die Famile verkaufte Grundstück und Gebäude 1965 schließlich doch an die Stadt Porz. Die Porzer Stadtväter träumten bereits damals von einem ganz neuen großstädtischen Porz und sie waren bereit, dafür auch sämtliche traditionsreichen im Wege stehenden Gebäude niederzureißen. Insofern war die weitere Entwicklung nun vorgezeichnet, wenngleich die Stadtrhethorik den Erhalt ankündigte. Denn Proteste mehrerer Vereine führten zunächst ab Januar 1966 zur Verpachtung auf fünf Jahre bis Ende 1970 an die Fürsten-Brauerei Bonn (Union Dortmund), die ihrerseit das Ehepaar Knorre als Unterpächter benannte. Im Januar 1971 wollte die Stadt den Lindenhof dann für die Übergangszeit mit ihren eigenen Dienststellen belegen. Denn die Planungen für ein 12 geschossiges Hochhaus mit Restaurant und "Versammlungsräumen im Erdgeschoss" waren schon weit fortgeschritten. Doch durch die vielen bereits erfolgten Abrisse historischer Gaststätten war der Lindenhof-Saal inzwischen der letzte verbliebene große Saal in Porz und der Karneval stand vor der Tür. Der bisherige Pächter Knorre erhielt daher zunächst eine Gnadenfrist bis zum Karnevalsende[2]. Danach schloss die Stadt mit einem neuen Pächter einen Vertrag über nur 18 Monate. Dieser letzte Pächter hatte einen Migrationshintergrund - für die Kölnische Runschau damals Grund genug, das neue Restaurant mit seiner griechischen und jugoslawischen Küche als zukünftigen "Treffpunkt für Gastarbeiter" zu bezeichnen.

Das Ende[Bearbeiten]

Kaum war der letzte Pachtvertrag abgelaufen, wurden die Gebäude des Lindenhofs im November 1972 abgerissen. Die Stadt hatte des Gelände an die "Münchener Germanair Bedarfsluftfahrt-Verwaltungsgesellschaft" mit Sitz in Frankfurt/Main veräußert. Denn diese plante gemeinsam mit der Bayerischen Hausbau GmbH & Co KG hier einen wuchtigen Südpfeiler des neuen Porz: Ein 18-stöckiges Wohngebäude, 55 Meter hoch, mit 112 Eigentumswohnungen sowie Schwimmbad und Sauna im obersten Stockwerk. Von Januar 1973 bis in das Jahr 1974 dauerten die Bauarbeiten. Zur Jahresmitte 1974 zogen die ersten Bewohner ein, erst 1979 war die Vermarktung abgeschlossen. Im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes wurde an seiner Südwestseite ein Restaurant eingebaut, rheinseitig als Bastei ausgebildet. Versammlungsräume für Vereine jedoch sucht man vergebens. Das Restaurant hat seit seiner Eröffnung im Januar 1976 unterschiedlichste Pächter und Benennungen erlebt, darunter zuletzt "Himmel un Erd", "Rheinschauen" (2018-2020) sowie "Fischrestaurant Incik" (2021). Am Gebäudekomplex prangt bis heute in großen Lettern "Lindenhof" - die Erbauer scheinen zu realistisch gewesen zu sein, um einen städtischeren Namen für das Hochhaus zu wählen.

Inhaber/Pächter[Bearbeiten]

  • Peter und Varoline Körfer (1908-1930, Inhaber)
  • Paula Conrad (1930- 1964, Inhaberin seit 1907 Wirtin)
  • Fred u. Dorit Knorre (1966-1971, Unterpächter)
  • Konstantinos Sidiropoulos (1971-1972, Pächter)

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Walter Müller: Der Lindenhof in Porz. In: Rechtsrheinisches Köln 16.1990.

  1. vgl. KStA Porz v. 3.2.1965.
  2. vgl. KStA Porz v. 30.1.1971 (mit Bild Fred Knorre)