Merkwürdigkeiten bei TOP-Level-Verfahren „.koeln“

Für Köln ist ab 2012 eine TOP-Level-Domain „.koeln“ erhältlich. Das ist zunächst eine erfreuliche Nachricht. Bereits im März 2011 hatte der Rat der Stadt Köln einstimmig beschlossen:

„Der Rat der Stadt Köln unterstützt die Einführung einer regionalen Top-Level-Domain „.koeln“. Die Verwaltung wird beauftragt, durch ein transparentes diskriminierungsfreies Interessenbekundungsverfahren (Hervorhebung durch den Autor) den privaten Bewerber auszuwählen, dem die Stadt Köln die erforderliche Unterstützungserklärung im internationalen Vergabeverfahren bei der ICANN für den Erwerb der Top-Level-Domain „.koeln“ erteilt.“

Das Verfahren ist eigentlich ganz einfach: Die ICANN entscheidet ab April 2012 über den Domainbetreiber auf Vorschlag der Stadt Köln. Die gibt dem potentiellen Domainbetreiber nämlich als Voraussetzung für eine ICANN-Entscheidung einen sogenannten „Letter of Support „. Die Bewerbung um diesen Letter hat die Stadt Köln nun bis zum 28. November, 14 Uhr, ausgeschrieben.

Doch hier beginnen nun die Merkwürdigkeiten zum vom Rat gewünschten „transparenten diskriminierungsfreien Interessenbekundungsverfahren“: Ganz offensichtlich hat die Verwaltung abweichend vom Ratsbeschluss ein Paket aus zwei Domains (geoTLDs) geschnürt: Neben „.koeln“ soll es auch „.cologne“ geben, und beides soll von einem Unternehmen gemeinsam betrieben werden. Ohne Zweifel ist „.koeln“ für eine breite Zielgruppe von Kölner Privatpersonen, regionalen und lokalen Dienstleistern, Geschäften und Firmen eine attraktive Sache. Aber „.cologne“? Hierfür dürfte die Nachfrage nur einen Bruchteil der erwartbaren  „.koeln“-Nachfrage betragen. Denn eine solche Domain-Endung ist nur in transnationalen oder internationalen (Geschäfts-)Beziehungen relevant.

Sind aber zwei Domains nicht besser als eine? In diesem Fall nicht, denn mit diesem Paket wird ein „diskriminierungsfreies Interessenbekundungsverfahren“ höchst fraglich. Eine geoTLD-Lizenz kostet bei der ICANN einmalig 185.000 Dollar und jährlich weitere 25.000 Dollar. Damit hat die Verwaltung der Stadt Köln nicht nur die notwendige Investitionssumme für potentielle Bewerber im ersten Jahr des Betriebs von 210.000 auf 420.000 Dollar an die ICANN eben mal verdoppelt, sondern zugleich das unternehmerische Risiko wegen der ungewissen Vermarktungschance von „.cologne“ massiv erhöht. Auch andere Positionen des technischen Betriebs werden nun deutlich teurer. Das Ergebnis: den Schwellenwert für die Finanzierung des Ganzen wird deutlich nach oben verschoben. Und das alles ohne einen diesbezüglichen Auftrag durch den Rat der Stadt Köln! Präferiert die Stadt bereits bestimmte ressounrcenstarke Bewerber? Was steckt dahinter?
(Wird fortgesetzt.)

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