Jubiläum auf Schloss Wahn

100-Jähriges Bestehen der Theaterwissenschaftlichen Sammlung

Draperie-Entwürfe (um 1900); Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Sie führt ein etwas entrücktes Dasein in Köln-Porz und nicht allzuviele Bürger des Stadtteils dürften sie im Schloss Wahn schon einmal besucht haben. Als Außenposten der Universität zu Köln ist sie vor allem Forschungs- und Dokumentationszentrum für Materialien aus der Welt des Theaters. Im November begeht die Theaterwissenschaftliche Sammlung ihr 100-jähriges Bestehen und darf sich als eines der größten Archive seiner Art in Europa und wichtige Institution für Lehre und Forschung über das Theater feiern lassen. Das umfangreiche Jubiläumsprogramm beinhaltet am 1.12. und am 08.12. einen Tag der offenen Tür mit einer Ausstellung, öffentlichen Führungen und Theater. Eine gute Gelegenheit auch für Porzer Bürger, einmal hinter die Kulissen der renommierten Institution zu blicken.

Die Geschichte der Sammlung begann 1919, als der Kölner Gelehrte Carl Niessen eine Lehrsammlung für das damals neue Fach Theaterwissenschaft an der gerade wiedereröffneten Universität zu Köln begründete. Ziel war – und ist es bis heute –, die Vielseitigkeit von Theater in allen Spielarten erfahrbar zu machen. Niessen hat dabei einen sehr weiten Begriff von Theater zugrunde gelegt, der das Puppen- und Schattenspiel aber auch Feste, Prozessionen und kultische Handlungen einbezog. Außerdem wurden auch Theaterformen jenseits des europäischen Kulturkreises berücksichtigt. So entstand eine einzigartige Schatz- und Wunderkammer, eine umfangreiche und vielfältige Sammlung von Theatergrafik, Bühnenbildmodellen, Theaterfotografie, Puppen, Masken, Schattenfiguren, Stücktexten, Kritiken.

Carl Niessens Sammlung konnte weitgehend den 2. Weltkrieg überdauern, nicht aber sein 1932 am Salierring eröffnetes „Kölner Theatermuseum“. Die Einlagerung der Bestände in Schloss Wahn 1956 war zunächst nur als Interimslösung gedacht. In den 80er Jahren beschloß die Universität jedoch, diesen Standort zu renovieren und für eine langfristige Perspektive auszubauen. Heute gehört die Theaterwissenschaftliche Sammlung zum „Institut für Medienkultur und Theater“ der Universität und wird von Studierenden und Wissenschaftlern für Studien- und Forschungsarbeiten genutzt. In Wahn treffen sich zudem Theaterwissenschaftler aus aller Welt zu Tagungen und Workshops.

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