Krankenanstalten Poll

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Für ein großes Gelände zwischen Poll und Westhoven, am Rande der Westhovener Aue, gab es in den 1910er Jahren Pläne zum Bau eines Gesundheitskomplexes. Er bestand aus drei Einrichtungen, die unabhängig voneinander geplant wurden, die aber Elemente der Infrastruktur (Heizung, Entwässerung, aber auch die Kochküche und die Waschküche) miteinander teilen sollten: Ein weiteres städtisches Krankenhaus, ein Altenheim und ein Erholungsheim für tuberkulosebedrohte Kinder.

Noch 1924 zeigt die Gleisharfe der Feldbahn die Lage der Baustelle (1924, Plan der Stadt Köln)

Die geplanten städtischen Krankenanstalten[Bearbeiten]

Ab 1911 wurden in Poll die Stadtkölnischen Krankenanstalten Poll geplant. Ein Plan vom 15.12.1911 sah auch die Herstellung eines Gleisanschlusses an die Kleinbahn Köln-Porz sowie eine Verbindungsstraße an den Rhein vor. Im November 1912 hatte die Gesellschaft der Gartenstadt Westhoven eine Genehmigung zum Bau einer Feldbahn von der Kölnerstraße von Westhoven bis zur Baustelle der Krankenanstalten erhalten. Am 6. Mai 1912 erhielt die Stadt Köln vom Regierungspräsidenten die Erlaubnis zum Kauf der Grundstücke und zu eventuell notwendigen Enteignungen[1] im Umfang von 125 Morgen. Die meisten Flächen lagen in der Gemarkung Poll, Flur 119. Auf der Tagesordnung einer Ratssitzung am 4.5.1913 stand die Errichtung des Werkmeisterwohnhauses, bereits vorher hatte der Rat auch die Anbindung der Kleinbahnlinie E an die Krankenanstalten beschlossen. Lediglich der Bau der Werkmeisterhauses[2] wurde 1913/14 ausgeführt, das Gebäude steht noch heute an der Autobahnausfahrt Köln-Poll unter der Adresse Kölner Straße 501. Das gesamte Projekt war somit bereits in der Ausführung begriffen, da beendete der Ausbruch des Erste Weltkriegs noch im Jahr 1914 den Weiterbau. Nach dem Krieg verwarf die Stadt Köln ihre Planung für Poll und entschied sich für einen anderen Standort:

Es empfiehlt sich aber mit Rücksicht auf die dortige industrielle Entwicklung, auf die Entwicklung der Bahnanlagen und des Hafengebiets in der Nähe des Terrains [in Poll] an der Stelle desselben ein Gelände bei Brück in Aussicht zu nehmen. Die Stadtverordnetenversammlung hat in der letzten Sitzung vom 24. April 1919 das Gelände der Iddelsfelder Hardt, 32 Morgen, zum Preise von 500 000 Mark angekauft[3].

Aber auch in der Iddelsfelder Hardt entstand kein Krankenhaus. Erst 1945 wurde in Merheim ein neues rechtsrheinisches Krankenhaus errichtet und 1967/72 dann in Holweide. Im Jahr 1927 nannte ein Artikel rückschauend ein weiteres Argument gegen den Standort Poll:

Der damals sehr starke Schiffsverkehr, namentlich der Schleppdampfer und die damit verbundene Rauchentwicklung, besonders bei den meist westlichen Winden ließ den Plan aufkommen, das Krankenhaus an der Iddelsfelder Hardt zu errichten. Der Krieg machte indes auch diesen Plan zunichten[4].

Das geplante Altersheim[Bearbeiten]

Joseph Coblenz (+1906), Tabakfabrik-Besitzer aus Deutz, hatte 1906 sein Erbe "zum Bau eines Asyls für altersschwache Personen beiderlei Geschlechts jeder Konfession" im Raum Deutz bestimmt, das Heim sollte nach ihm und seinem Bruder Heinrich (+1909) "Joseph- und Heinrich Coblenz-Stift" heißen. Das Vermögen war 1912 auf eine Summe von 2,5 Millionen Mark angewachsen. Daraufhin plante die Stadt Köln, den Bau mit der geplanten Krankenanstalt in Poll zu verbinden[5]. Auf einem Grundstück von 34.000 m² sollte ein Altersheim mit 170 Betten, erweiterbar auf 400 Betten, entstehen. Im September 1912 wurde den Stadtverordneten der erste Vorentwurf vorgelegt[6]. Durch den Stop des Krankenhausbaus waren auch die Pläne für das Altersheim hinfällig. Erst fünzig Jahre später, im Jahr 1968, errichtete die Stadt Köln in Deutz in der Gebrüder-Coblenz-Straße ein Städtische Seniorenzentrum Gebrüder Coblenz Stift, das bis 2011 bestand.

Plan des Erholungsheims, Kölner Lokal-Anzeiger v. 5.4.1914

Das geplante Kindererholungsheim[Bearbeiten]

Justizrat Dr. Erwin Compes (1852-1924) und seine Frau Laura (1858-1934), geb. Poensgen, stifteten 1913 eine Summe von 165.000 Mark zur Unterbringung tuberkulosebedrohter Kinder aus der Stadt Köln. Errichtet werden sollte ein Heim mit Unterkünften für 60 Kinder beiderlei Geschlechts mit einer jeweiligen Verweildauer von drei Monaten. Zudem war eine Tageseinrichtung für weitere 140 Kinder geplant, die aus Köln täglich mit der Kleinbahnlinie E tagsüber in die Einrichtung pendeln sollten. Vorgesehen war entsprechend ein massives Wohngebäude, sowie ein Saalbau und eine offene Spielhalle in Holzbauweise. Angestellt werden sollten ein Arzt, ein Lehrer und Pflegkräfte. Um die Gebäude sollte eine parkartige Anlage mit größeren Wiesenflächen entstehen. Das Projekt wurde nicht verwirklicht, stattdessen kam das Stiftungsgeld in den Folgejahren der Kölner Lungenheilstätte in Rosbach an der Sieg (später Waldkrankenhaus Windeck-Rosbach) zugute.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

Zum Altersheim: Kölner Lokal-Anzeiger v. 13.9.1912
Zum Kinderheim: Kölner Lokal-Anzeiger v. 18.3.1914 und 5.4.1914

  1. vgl. Kölner Lokal-Anzegier v. 26.5.1912
  2. vgl. Kölner Lokal-Anzeiger v. 4.5.1913
  3. Mülheimer Volkszeitung v. 23.5.1919
  4. Kölner Lokal-Anzeiger v. 16.7.1927
  5. vgl. Kölner Lokal-Anzeiger v. 20.10.1911
  6. Kölner Lokal-Anzeiger v. 13.9.1912