Dr. Ing. Mannesmann Apparatebau

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Historie[Bearbeiten]

Dieter A. Mannesmann (1911-1956), Sohn des Unternehmers Alfred Mannesmann, hatte Ingenieurwissenschaften studiert und mit einer Promotion abgeschlossen. Als Schnellboot-Kommmandant im Weltkrieg geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Hier wirkte er bei der Entwicklung von Geräten für Luftaufnahmen bei Nacht mit. Ab 1946 entwickelte er nach seiner Entlassung ein Elektronen-Blitzgerät, den Prototypen stellte er 1947 fertig. Er teste ihn im Kölner Karneval und zog damit das Interesse der Fotoreporter auf sich. Er entschloss sich zur eigenständigen Fabrikation und gründete 1948 in Westhoven in der Oberstraße 89, der Villa seiner Eltern, das Unternehmen "Dr. Ing. Mannesmann Apparatebau Westhoven bei Köln". Mannesmann nannte seine Geräte ab der Photokina 1951 "Multiblitz", denn nun entfiel der zeitraubende Lampenwechsel vor einem erneuten Einsatz. Dieter Mannesmann ist auch Erfinder der heute weltweit gebräuchlichen Blitzwirkungs-Kennziffer „Leitzahl“; die zugehörige Berechnungsformel lautet: Leitzahl geteilt durch die Entfernung beim Blitzen = einzustellende Blende. Später wurde die Rechtsform GmbH & Co. KG gewählt. Am eigenen Standort entstanden die Blitzgeräte, Blitzröhren und Lichtformer vom ersten Entwurf bis zum fertigen Gerät.

Multiblitz-Prospekte

Im Nordwesten des Parks der Villa errichtete die Firma Mitte der 1950er eine große Produktionshalle. Dieter Mannesmann starb bei einem Sportunfall völlig unerwartet bereits Anfang 1956. Die Firma wurde von seiner Witwe Flora, geb. Nestler (*1910) 17 Jahre lang weitergeführt. Weil die Mannesmann AG Verwechselungen befürchtete musste sich die Firma im September 1956 in "Gesellschaft für Multiblitzgeräte Dr.-Ing. D.A. Mannesmann GmbH" umbenennen, der Name wurde 1968 in "Multiblitz Dr.-Ing. D.A. Mannesmann GmbH" verkürzt. Beliefert wurden ab 1963 auch Photo-Porst und Revue-Quelle. Das Unternehmen florierte viele Jahre weiterhin und weitete seine Geschäftsfelder aus. Doch ab der Mitte der 1960er Jahre dominierten ganz allmählich japanische Produktionen den internationalen Kamera- und Blitzgerätemarkt. 1968 produzierten und arbeiteten 115 Mitarbeiter in Westhoven auf 1.550 qm.

Eingangs der 70er Jahre wurde Hans-Gerd Wulms Geschäftsführer, er übernahm bis Dezember 1973 alle Anteile der produzierenden KG. Hingegen blieben Grundstücke und Immobilien weiter in der Hand der Familie Mannesmann. Der neue Inhaber konzentrierte sich nun ausschließlich auf Studioblitz-Technik. Zur Photokina 1976 stellte Multiblitz mit dem Mini-­Studio 202 das weltweit erste Kompaktblitzgerät der Foto-­Branche vor. Im Februar 1985 verlagerte sich die Firma in neu errichtete Gebäude in der Ferdinand-Porsche-Straße 19 in Eil, in der auf 5000 qm sämtliche Apparate gefertigt wurden und hierzu auch eine eigene Glasbläserei vorhanden war. Hans-Gerd Wulms übergab die Firma zum Ende des Jahres 2004 an seinen Sohn Falk.

Das Ende der Firma[Bearbeiten]

Im Jahr 2013 geriet die Multiblitz GmbH in eine erste wirtschaftliche Schieflage, im November wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Die Dörr GmbH in Neu-Ulm, ein Hersteller von Fotozubehör, übernahm Firma und Geschäftsführung im Frühjahr 2014. Doch im Oktober 2017 kam es erneut zur Insolvenz. Und diesmal sah der Insolvenzverwalter keine Perspektiven mehr: er wickelte die Multiblitz Mannesmann GmbH zum Jahresende 2017 ab. Die Marke Multiblitz war damit kurz vor ihrem 70-jährigen Jubiläum erloschen. Das Gründungsgebäude, die Villa Mannesmann in Westhoven, steht seit dem Auszug der Firma 1985 unter Denkmalschutz.

== Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

  • Kadlubek, Günther: Multiblitz - Blitztradition aus Köln-Porz. In: Rechtsrheinisches Köln 44.2019.
  • Rennert, Cornelia und Horst A. Wessel: Mannesmann – weit mehr als ein Kapitel rheinischer Geschichte. Portal Rheinische Geschichte (Link)