Porzer Werke für Landwirtschaftliche Bedarfsartikel

Aus porzerleben.de/porz-wiki

Die Gründung[Bearbeiten]

Am 17. Oktober 1905 wurde dieses Unternehmen in Porz gegründet und am 11.12.1905 in das Handelsregister Mülheim eingetragen (Nr. B 42). Das Grundkapital von 300.000 Mark zerfiel in 300 Namensaktien zu je 1.000 Mark. Gründer waren der Gocher Fabrikbesitzer Anton van den Bosch, der Bonner Kaufmann Hubert Balthasar Zerres und aus Köln der Kaufmann Karl Heukeshoven, der Direktor Josef Seul und der Rechtsanwalt Anton Giesen. Die ersten vier Gründer übernahmen je 70 Aktien, Giesen 20 Aktien. Die Gründer hatten wohl bereits aus der Insolvenz der Deutsche Cotton-Oel-Werke deren Betriebsgrundstück erworben, denn diese (Grundbuch Porz, Artikel 138, Nr. 9-11) erfolgte als Sacheinlage mit sämtlichen aufstehenden Gebäuden, Anlagen, Maschinen und Mobilien. Heukeshoven und Seul bildeten den ersten Vorstand, die weiteren Gründer mit zwei weiteren Personen den Aufsichtsrat. Keine der Personen stammte aus dem Porzer Raum. Über Josef Seul Direktor der Hauptgenossenschaft Köln, bestand eine enge Verbindung zum Rheinischen Bauern-Verein, der seine Anteile namens der Hauptbezugs- und Absatzgenossenschaft des Verbandes erworben hatte. Er berichtete: "Durch besondere Maßnahmen ist es jedoch ermöglicht worden, den stärksten Einfluß auf die Verwaltung zu bekomen und durch weitere Beteiligung aus landwirtschaftlichen Kreisen die Mehrheit der Aktien im Interessenkreis des Rhein. Bauern-Vereins zusammenzuschließen. Dadurch beruht das Geschäftsrisiko nur zum kleinen Teil auf der Haupt-Bezugs- und Absatzgenossenschaft."[1]

Zeitungs-Inserat, Sommer 1906

Der Betrieb[Bearbeiten]

Im Herbst 1906 errichtete die Firma einen Schuppen und vergrößerte 1907 ihr Fabrikgebäude. Sie produzierte und verkaufte Rinder- und Schweinemastfutter, mit Pferdefutter und mit Spezialfutter für Milchkühe. Die Produktion wurde von dem Chemiker Egidius Düsterwald aus Porz kontrolliert, der 1908 in den Vorstand eintrat. Das Werk gab beim Mastfutter Garantien über die Anteile von Eiweißen, Fetten und Stärke, die Qualität der Futtermittel hatten bei den Bauern einen guten Ruf und wurde zeitgenössisch auch durch die Futtermittelautorität Prof. Dr. Kellner bestätigt. Regelmäßige Inserate in den Zeitungen des Rheinlands priesen die Produkte an, auch wurden sie in den Versammlungen der regionalen Bauernverbandsgliederungen empfohlen. Das erste Jahr brachte der AG geringe Verluste, 1907 einen geringen Überschuss, der im Unternehmen verblieb.

Das Ende[Bearbeiten]

Inserat Kölnische Zeitung v. 31.5.1912

Zum Jahresende 1909 schied Josef Seul aus dem Vorstand aus und das Unternehmen wurde nun Opfer der zunehmende Risse innerhalb des Bauernverbandes, in dem eine Fraktion anonym aber öffentlich Mißtrauen gegen die Futterfabrik sähte.[2] Am 10. Oktober 1910 beschloss die Hauptversammlung der AG daher ihre Auflösung.[3] Die Abwicklung brachte nun jedoch erhebliche Verluste. Denn die Lieferanten bestanden in den kommenden Monaten auf ihren Lieferverträgen und ließen sich jeweils bar auszahlen, weniger gangbare Ware war aber schwer abzusetzen. Die Besitzung fand zu ihrem Schätzwert von 430.612 Mark keinen Kaufinteressenten, die Buchschulden lagen höher als das Aktienkapital.[4] Zeitgenössisch wurde nun sachwidrig behauptet und berichtet, die Porzer Werke hätten mit schweren Einbußen gearbeitet.[5] Tatsächlich entstanden die hohen Verluste erst durch die Abwicklung in einem Klima, das von spekulativen Berichten in Zeitungsartikeln und Flugblättern über die Rolle des Bauernverbandes bei den Porzer Werken geprägt war.

Am 22. Februar 1912 wurde auf Antrag der AG ihr Besitz öffentlich zur Versteigerung angeboten: "Fabrikgebäude und Fabrikanlagen, die Liegenschaften bestehend aus den Parzellen: Gemarkung Porz Flur 2 Nr. 524/23: 1,82 Ar; 540/7: 2,98 Ar; 541/32: 126,25 Ar"[6] Weil kein Gebot erfolgte, musste der Liquidator Anfang März 1912 wegen Zahlungsunfähigkeit den Konkurs beantragen. So kam es am 24.7.1912 und erneut am 25.9.1912 zur Zwangsversteigerung. Der frühere Aktionär Hauptbezugs- und Absatzgenossenschaft trat hierbei als einziger Bieter auf und erwarb die Grundstücke und Fabrikgebäude für gerade einmal 2.900 Mark (!). Die noch vorhandenen Rohstoffe wurden in einer neu beschafften Düngermischmaschine gemischt und an die Genossen abgesetzt.[7] Vermutlich wurden diese Maßnahmen 1915 eingestellt und die brachliegenden Flächen und Teile der Altanlagen 1917 in das neue Werk der Rhenania AG übernommen.

Quellen, Literatur, Links[Bearbeiten]

  1. Rheinische Volksstimme v. 9.6.1906
  2. vgl. Sieg-Bote v.8.9.1910.
  3. vgl. Kölnische Zeitung v. 13.10.1910
  4. vgl. Kölnische Zeitung v. 26.1.1911
  5. vgl. Kölnische Zeitung und Rheinischer Merkur v. 21.6.1911
  6. vgl. Inserat Kölnische Zeitung v. 29.1.1912
  7. vgl. Kölnische Zeitung v. 7.11.1913