Bürgersprechstunde zum Thema „Gott und die Welt in Porz“

Pfarrer Rhein referierte über die vielfältigen Aufgaben eines Seelsorgers

Der Bürgerverein Porz-Mitte (BVPM) hatte zu seiner Bürgersprechstunde am 18. April 2017 als Gast und Referenten Pfarrer Thomas Rhein, Oberhaupt der Porzer Rheinkirchen (St. Josef in Porz-Mitte, Zündorf, Ensen und Langel), zu dem Thema „Gott und die Welt in Porz – Die vielfältigen Aufgaben eines Seelsorgers“ eingeladen. Zu diesem Thema waren 29 Personen erschienen.

Einige Gäste kamen aus der Pfarrgemeinde St. Josef, viele auch aus dem Kirchenchor und interessierten sich für dieses Thema. Der neue „Hirte“ von St. Josef, Pfarrvikar Heinz-Otto Langel ließ es sich nicht nehmen, seinem „Chef“ zu lauschen. Wir konnten ihn als Vollmitglied für den Bürgerverein gewinnen.

Sigrid Alt begrüßte Pfarrer Rhein sowie „Pastöres“ Langel und die Gäste mit einem launigen Halleluja, um dann sofort den Übergang und Einstieg in das Thema für Pfarrer Rhein einzuleiten. Er versicherte uns, dass Theologen manchmal Worte benutzen, die man im Alltag nicht so versteht und anwendet, wie z. B. das Wort „Gnade“. Er hat sich aber über die die Einladung unter dem Thema „Seelsorge“ sehr gefreut.

In der Kirche geht es, ähnlich wie in der Politik, um Zuständigkeitskompetenz und Fähigkeitskompetenz; d.h. heißt, dass man zuständig sein kann, aber nicht fähig. Vielleicht ist man aber auch fähig, jedoch nicht zuständig. Kleriker bekommen eine Menge Fähigkeiten von Menschen zugeschrieben. Sie kennen die heiligen Worte -und damit muss dann ja auch etwas passieren. Da ist die Erwartungshaltung der Menschen groß. Mit seiner Kompetenz hat Pfarrer Rhein aber auch eine Verantwortung in seinem Unternehmen. Er hat auch eine Menge Verwaltungsarbeit zu bewältigen. Ein Kleriker hat übrigens keinen Arbeitsvertrag. Die Zeiten für seinen Seelsorgedienst sind sehr unregelmäßig. Es gibt keinen typischen Tag.

In der Öffentlichkeit sieht man Kleriker überwiegend bei Messen, Hochzeiten, Begräbnissen und Taufen. Diese Veranstaltungen müssen vor- und nachbereitet werden. Jede Kirchengemeinde ist auch eine Körperschaft öffentlichen Rechts mit all ihren administrativen Verantwortlichkeiten.

Messen sind „etwas für die Seele“. Man fühlt sich dort wohl und nimmt aufgetretene Gefühle mit nach Hause. Pfarrer Rhein erzählte von der Emmaus-Geschichte, dem Ursprung und dem Wesen christlichen Glaubens: 2 Jünger machten sich auf den Weg in ein Dorf namens Emmaus. Sie waren sehr traurig und außer sich über die schlimmen Dinge, die mit Jesu von Nazareth passiert sind. In ihrer Verlassenheit kam Jesus zu ihnen und fragte sie nach ihrer Traurigkeit. Sie erkannten ihn nicht. Sie berichteten ihm von dem in Wort und Tat mächtigen Propheten, der vor Tagen von Hohenpriestern verraten und ans Kreuz geschlagen wurde. Sie luden ihn nach Hause ein und bei Tisch nahm der Fremde das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn, da er dies schon öfters mit ihnen gemacht hatte. Der totgewähnte Jesus gab ihnen nun Hoffnung – seine Mission war zu ihrer geworden, sie erhielten die Kraft, Dinge zu tun, die sie bislang als unmöglich betrachteten …

Solche Tröstungen haben für Pfarrer Lebensberatungsfunktion. Der Seelsorger geht ein Stück des Wegs mit, erklärt Situationen, gibt Hoffnung und klinkt sich langsam wieder aus. Begleitung als Krisenintervention tut in kritischen Lebenslagen gut, geklammert werden darf jedoch nicht.

Auf Besucherfragen hin antwortet Pfarrer Rhein:

Die Kirche ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung generell auf dem Rückzug, die weiteren Aussichten eher negativ. Porz ist auch betroffen, aber nicht gottvergessen, obwohl es bislang noch über eine jüngere Gemeinde verfügt. Die Bindungsbereitschaft für längere Zeit an eine Sache schwindet.
Die Frage nach der Frauenfeindlichkeit der Kirche und die Beendigung des Zölibats für Priester ist für ihn kein Kriterium, das größere Veränderungen im Hinblick auf mehr Theologinnen und Theologen mit sich bringen würde. Vielmehr sind Veränderungen innerhalb der Gemeinden oft nicht gewünscht, Traditionen werden gerade in diesem Bereich hochgehalten.

Kirche bekommt ein Gesicht, indem Seelsorger den Menschen zur Verfügung stehen. Es werden auch regelmäßig Krankenbesuche gemacht, berichtete Pfarrer Langel. Die Kirche habe ca. 400 Sitzplätze, die nie alle belegt sind.

Kirchenbesucher sagen, dass das Gebäude St. Josef eine schlechte Akustik hat. Weiter hinten kann man kaum noch etwas hören.
Pfarrfeste sind wichtig für das Zusammenleben in der Gemeinde. Im vergangenen Jahr ist es aus Mangel an Ehrenamtlichen in St. Josef ausgefallen.
Für Religionsunterricht in den Schulen fehlen viele Seelsorger. Es sind aber auch nicht alle Seelsorger zum Unterrichten geeignet.

Ein Agapemahl-Gottesdienst wird angesprochen. Das Wort leitet sich vom griechischen neutestamentlichen Begriff der Liebe ab, die sich ohne Bedingungen gibt. Man teilt Essen und Trinken miteinander im Geiste Jesu im Rahmen eines Gottesdienstes.

Im Herbst wird neue Verwaltungsangestellte eingestellt, die Seelsorgern einen Teil der Verwaltungsarbeit abnehmen soll. Als Einwurf kam, dass Geschiedene leider keine adäquaten Positionen erhalten werden.

Pfarrer Rhein ist sich sicher, dass diese Kirche für ihn die Beste ist, seinen Glauben zu leben und mit Christus zu leben.

Die Gäste haben sehr engagiert die Arbeit der Kirche insgesamt hinterfragt und Veränderungen gefordert. Die katholische Kirche muss vieles ändern, ganz speziell was die Kirchentätigkeiten von Frauen betrifft. Aber es war jedem klar, dass dies ein langwieriger Prozess wird. Veränderungen dahingehend dauern in der Kirche ungleich länger als in anderen Unternehmen oder Institutionen. Man rechnet eher in Hunderten von Jahren.

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