Streitpunkt IKEA in Poll

Foto: Ikea Pressebild

Foto: Ikea Pressebild

Der schwedische Möbelmarkt IKEA hat den Wunsch nach einer weiteren Filiale in Köln. Der Konzern erwägt den Standort auf dem Grundstück des derzeitigen Verkehrsübungsplatz in Poll. Die CDU ist dafür, die SPD dagegen. Porzerleben hat die unterschiedlichen Sichtweisen aus den Pressemitteilungen zusammengestellt. Es geht dabei wesentlich um unterschiedliche Einschätzungen der Auswirkung auf die lokale Wirtschaft und das Verkehrsaufkommen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Sozialdemokraten befürchten eine nachhaltige Schädigung des vorhandenen Ortszentrums an der Siegburger Straße. Dr. Simon Bujanowski, Vorsitzender in der Bezirksvertretung Porz: „Wenn Ikea wie vorgesehen 2.500 m² Randsortiment anbietet, sprich auch Angebote wie Cafés, Bäckereien und Schlüsseldienste, stirbt das Ortszentrum an der Siegburger Straße.“ Ingo Jureck, Vorsitzender der Porzer SPD, ergänzt: „Aufwertung bedeutet mehr als nur den Vorschlag der Ansiedlung eines Möbelriesen. Ich erwarte von unserer Stadtspitze endlich mal einen entwicklungspolitischen Impuls. Es kann nicht sein, dass das Domumfeld aufgehübscht und in der Kölner City weitere Museen, Flaniermeilen und Opern ihren Platz finden, während für die Bürgerinnen und Bürger im Rechtsrheinischen nur noch ein Einkaufszentrum übrig bleibt. So fördert man keine solidarische Stadtgesellschaft.“

Norbert Schmidt, Vorsitzender der Poller CDU, sieht in den jetzt publik gewordenen Überlegungen nicht nur eine Bestätigung für die weiterhin hohe Attraktivität des Stadtteils sondern auch eine Chance, die Wirtschaft in Poll anzukurbeln. „Als CDU sind wir weiter der Überzeugung, dass das Gelände auch für Wohnbebauung nutzbar wäre, wie wir es Anfang 2015 gefordert haben. Wir könnten uns aber auch mit der Errichtung eines IKEA anfreunden, zumal die dafür notwendigen Rahmenbedingungen die gleichen bleiben.“

Verkehrliche Auswirkungen

Bujanowski, auch Vorsitzender der Poller SPD, verweist vor allem auf die nicht beherrschbaren Verkehrsströme durch den Ortskern. „Die Siegburger Straße ist jetzt schon dicht. Die aus dem Süden kommenden Kunden werden vielfach nicht über die Autobahn und den Östlichen Zubringer fahren, sondern die kürzere Strecke Siegburger Straße und Auf dem Sandberg nutzen. Und wenn die Straßen verstopft sind, suchen sie sich ihren Weg durch die benachbarten Anliegerstraßen. Eine Horrorvorstellung für die Anwohner.“

Marlies Meurer, für Poll Mitglied in der Bezirksvertretung Porz, hält dagegen: „Für uns Christdemokraten sind diese Herausforderungen aber lösbar und kein Grund, die Planungen von vornherein abzulehnen. In der Tat müssen wir über diese Frage reden, bevor mit dem Bau begonnen wird. Wir müssen auch Forderungen wie den endgültigen Ausbau der Rolshover Straße oder den Anschluss von Poll an das S-Bahn-Netz deutlicher forcieren.“

Weitere Auswirkungen

Unklar bleibt nach Ansicht der Sozialdemokraten auch die Nutzung im nördlichen Bereich: „Hier steht zu befürchten, dass – ähnlich wie bei den absurden Planungen zum Festivalgelände – Grünflächen und Kleingärten an der Siedlung Altenberger Kreuz weichen müssen.“

Es gibt also reichlich Gesprächsbedarf. Nochmals Marlies Meurer, CDU: „Nach der Pleite des Praktiker und mit der unsicheren Zukunft des Kaiser’s auf der Siegburger Straße vor Augen, dürfen wir nicht riskieren, das Gebiet nicht bestmöglich zur Ansiedlung von Gewerbe zu nutzen.“

  3 Kommentare zu “Streitpunkt IKEA in Poll

  1. Kolbe
    2. November 2016 um 21:22

    “ Porzerleben hat die unterschiedlichen Sichtweisen aus den Pressemitteilungen zusammengestellt. “
    Diese Recherche scheint nicht sehr gründlich gewesen zu sein! So findet sich auf der SPD Seite eine Pressemitteilung vom 5. März 2015, der eine deutlich andere Sprache spricht: „Auf dem Gelände der ehemaligen Müllumladestation wird ein neues Möbelhaus seine Pforten öffnen. […] Das teilen das Poller Ratsmitglied Frank Schneider und Simon Bujanowski, Vorsitzender der Porzer SPD-Bezirksfraktion, mit.“ Desweiteren: „Dazu SPD-Fraktionschef Simon Bujanowski: „Die jetzigen Planungen mit Möbelhaus, Küchenfachmarkt sowie einem Fitnesscenter auf der ehemaligen Müllumladestation werden das Gebiet zwischen Poll und Humboldt-Gremberg deutlich aufwerten.“ sowie „Ratsmitglied Frank Schneider äußert sich zu den Sorgen der Anwohner um die Verkehrsanbindung: „Auch hier hat der Stadtentwicklungsausschuss für Klarheit gesorgt. Die Zu- und Abfahrt zum neuen Möbelmarkt soll über die Autobahn geführt werden.[…] Schneider sieht hier ebenfalls den Schutz der Poller Ortskerns vorrangig: „Ziel ist es, dass auch der Quell- und Zielverkehr aus dem südlichen Bereich des Gewerbegebiets direkt an den östlichen Zubringer angebunden wird und eben nicht die Siegburger Straße zusätzlich belastet. Die erforderlichen Straßenbaumaßnahmen werden vom Investor mitfinanziert. Dazu wird ein entsprechender Erschließungsvertrag abgeschlossen, in dem alle Maßnahmen zur Aufwertung des Gewerbegebiets festgehalten werden.“
    Quelle: http://www.porzspd.de/meldungen/9721/191159/Poller-Gewerbegebiet-erhaelt-neues-Gesicht.html

    Für mich spricht vieles dafür, dass mit der jetzigen Namensnennung IKEA lediglich die Katze aus dem Sack gelassen worden ist!

    MfG
    U. Kolbe

    • admin
      3. November 2016 um 09:32

      Lieber Herr Kolbe,
      das sind zwei verschiedene Projekte. In der Tat gab es schon 2005 einen Beschluss des Stadtentwicklungsaussschusses für den Gewerbepark Köln-Poll, für den dann 2015 eine Bauvoranfrage zur Errichtung eines Möbelmarktes eintraf. Aber: Hier ging es um das Gelände der ehemaligen Müllumladestation und die „Errichtung eines Möbelmarktes mit circa 8000 qm“. Heute hingegen wird das Gelände des ehemaligen Verkehrsübungsplatzes beplant und die IKEA-Häuser in Köln oder Düsseldorf haben Verkaufsflächen von rund 40.000 qm.
      Quelle: https://politik-bei-uns.de/file/579aeb001ae6a024c8b67d66

      • Kolbe
        3. November 2016 um 17:10

        Lieber admin,
        danke für die Korrektur. Da bin ich wohl das beste Beispiel dafür, wie selektiv man nach einer Überschrift wie „Poller Gewerbegebiet erhält neues Gesicht“ liest und gelobe Besserung.
        Ich denke, geschadet hat der Verweis auf die letztjährigen Pläne trotzdem nicht.
        MfG
        U.Kolbe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Aufgabe: *