„Reha-Sport“: Reha? Sport? Oder nur Bewegung?

In Porz wird von verschiedenen Trägern Reha-Sport (Rehabilitationssport) angeboten.

Etliche Porzer Bürger nehmen dieses Angebot in Anspruch. Aber in einzelnen Gruppen gibt es immer wieder Unzufriedenheit. Die Teilnehmer erwarten wirksame Übungen gegen ihre Beschwerden. Doch zumindest einige Porzer Programme setzen eher auf Bewegung. Ist die Enttäuschung ungerechtfertigt? Erwarten die Teilnehmer zu viel? Dieser Frage geht dieser Artikel nach und listet am Ende die Angebote für Porz auf.

Die Grundlagen

Der Begriff „Rehabilitationssport“ findet sich im Sozialgesetzbbuch, § 44 SGB IX Ergänzende Leistungen. Hier heißt es:

Die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und zur Teilhabe am Arbeitsleben der (..) Rehabilitationsträger werden ergänzt durch (…) 3. ärztlich verordneten Rehabilitationssport in Gruppen unter ärztlicher Betreuung und Überwachung, einschließlich Übungen für behinderte oder von Behinderung bedrohte Frauen und Mädchen, die der Stärkung des Selbstbewusstseins dienen, (…).

Reha-Sport muss also von einem Arzt verordnet werden, im Regelfall mit 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten. Die Verschreibung belastet nicht das Kostenbudget des Arztes, der Nutzer hat einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme. Kostenträger ist zumeist die Krankenkasse, kann aber auch die Rentenversicherung oder die Unfallversicherung sein, sofern dies eine Anschlussleistung ist.

Der Rehabilitationssport findet grundsätzlich in gemeinnützigen Vereinen statt ; in NRW gibt es einzelne Angebote von gewerblichen Anbietern. Die Anerkennung der Gruppen bzw. Vereine erfolgt durch die jeweiligen landesspezifischen Behindertensportverbände.

Die Details werden in einer Rahmenvereinbarung geregelt, die erstmals 2003 getroffen und zum 1.10.2007 sowie zum 1.10.2010 neugefasst wurde. Die Teilnehmer haben einen Anspruch auf Teilnahme an formal und inhaltlich richtigen Angeboten des Rehabilitationssports. Zitate aus der Vereinbarung:

2.2 Ziel des Rehabilitationssports ist, Ausdauer und Kraft zu stärken, Koordination und Flexibilität zu verbessern, das Selbstbewusstsein insbesondere auch von behinderten oder von Behinderung bedrohten Frauen und Mädchen zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. (…)

2.4 Rehabilitationssport umfasst Übungen, die in der Gruppe im Rahmen regelmäßig abgehaltener Übungsveranstaltungen durchgeführt werden. Das gemeinsame Üben in festen Gruppen ist Voraussetzung, um gruppendynamische Effekte zu fördern, den Erfahrungsaustausch zwischen den Betroffenen zu unterstützen und damit den Selbsthilfecharakter der Leistung zu stärken. (…) Die einzelnen Maßnahmen sind dabei auf die Erfordernisse der Teilnehmer/-innen abzustellen.“

4.5 Rehabilitationssport und Funktionstraining im Sinne dieser Vereinbarung sind nicht
Übungen ohne medizinische Notwendigkeit, die lediglich der Erzielung oder Verbesserung
des allgemeinen Wohlbefindens des behinderten oder von Behinderung
bedrohten Menschen dienen (z. B. freies Schwimmen an so genannten Warmbadetagen).

5.1 Rehabilitationssportarten sind: Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen, Bewegungsspiele in Gruppen,soweit es sich um Übungen handelt, mit denen das Ziel des Rehabilitationssports
erreicht werden kann.

10.1 Beim Rehabilitationssport beträgt die maximale Teilnehmerzahl einer Übungsveranstaltung
grundsätzlich 15 Teilnehmer/-innen je Übungsleiter/-in. (…)

10.2 Für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr und für Jugendliche sind möglichst
altersgerechte Übungsgruppen zu bilden. (…)

10.3   Die Dauer einer Übungsveranstaltung soll grundsätzlich mindestens 45 Minuten, beim Rehabilitationssport in Herzgruppen mindestens 60 Minuten betragen. Die Anzahl der Übungsveranstaltungen beträgt bis zu zwei, mit besonderer Begründung höchstens drei Übungsveranstaltungen je Woche. (…)

16.3 Rehabilitationssport (…) [ist] in der Regel in der Rehabilitationssportgruppe durchzuführen, die dem Wohn- oder Arbeitsort des behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen am
nächsten gelegen ist (…) Seinen berechtigten Wünschen ist zu entsprechen.

17.2 Die Träger der Rehabilitationssportgruppen bzw. Funktionstrainingsgruppen haben eine pauschale Unfallversicherung für die Teilnehmer/-innen an den Übungsveranstaltungen
abzuschließen, sofern nicht bereits eine Sportversicherung besteht.

17.4 Die Rehabilitationsträger begrüßen eine Mitgliedschaft in den Rehabilitationssportgruppen
auf freiwilliger Basis, um die eigenverantwortliche Durchführung des Bewegungstrainings zu fördern und nachhaltig zu sichern. Eine Mitgliedschaft in der Gruppe, Selbsthilfegruppe oder im Verein ist jedoch für die Teilnahme am Rehabilitationssport bzw. Funktionstraining für die Dauer der Verordnung zu Lasten eines Rehabilitationsträgers nicht verpflichtend.

19.1 Die Rehabilitationssportgruppen sind zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der von ihnen erbrachten Leistung verpflichtet. Die Leistungen müssen dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und in der fachlich gebotenen Qualität erbracht werden.

Nach dieser Regelung ist Gerätetraining kein Bestandteil des Rehabilitationssports mehr. Somit sind Übungen an technischen Geräten, die zum Muskelaufbau oder zur Ausdauersteigerung dienen  mit Ausnahme des Trainings auf Rad-Ergometern in Herzsportgruppen vom Rehabilitationssport ausgeschlossen.

Wenn Sie Reah-Sport verordnet bekommen haben, vereinbaren Sie mit einem Anbieter Ihrer Wahl (siehe Liste unten) ein Vorgespräch, Ihr Gesprächspartner sollte dann auf jeden Fall ein Physiotherapeut sein. Nehmen Sie zunächst auch an einer Probestunde teil. Als Teilnehmer am Reha-Sport können Sie erwarten, dass Ihre Gruppe auf Ihre Beschwerden abgestimmt ist. Zwar gilt dies nicht für die individuellen Notwendigkeiten, aber für jede Gruppe muss von den Anbietern deutlich ausgesprochen werden, auf welche Indikationen sich die Übungen beziehen. Reha-Sport ist mehr als allgemeine Begungsgymnastik.

Angebote in Porz mit Links und Kontaktmails:

AmKaRe e.V.
(Herzsport, IRENA) Gesundheitszentrum Urbacher Weg 25 (am Krankenhaus Porz)
reha.porz@gesundesherz.de

Morbus Bechterew-Therapiegruppe (DVMB) Köln-Porz
(Gymnastik, Trockengymnastik, Wassergymnastik) Realschule Max-Planck / Krankenhaus Porz
koeln@dvmb-nrw.de

Gesundheitssportverein Porz e.V.
(Wirbelsäulenfitness, mit Zuzahlung auch an Geräten), Trainingsräume Glasstr. 35 (Porz-Zentrum)
info@gs-porz.de

Herzsportverein Krankenhaus Porz e.V.
(Herzsport) Gesundheitszentrum Urbacher Weg / Krankenhaus Porz
info@herzsport-porz.de

Movemus
(Lungensport, Rückengymnastik) Theodor-Heuss-Straße (Eil)
info@movemus.eu

Reha-Sport-Porz e.V.
(gemischte orthopädische Gruppe, Gymnastik bei neurologischen Erkrankungen, Gymnastik für Rücken/Knie, Gymnastik bei neurologischen Erkrankungen, Schwimmen gemischte Gruppe Orthopädie, Training des Stütz- und Bewegungsapparates, Wassergymnastik, Wirbelsäulengymnastik) Physio-Vital, Tiergartenstr. 47 (Urbach)
info@physio-vital-porz.de

RehaVitalisPlus e.V.
(Rückengymnastik, Wirbelsäulengymnastik)
INJOY Köln, (Wahn), info@injoy-koeln.de
oder
Aktivo Training & Reha (Zündorf), info@aktivo-zuendorf.de

Sportfreunde 1963 Porz-Eil e.V.
(Herzsport) Turnhalle Gesamtschule (Eil)
Bihlmeier@sportfreunde-eil.de

TV „Jahn“ Wahn 1909 e.V.
(Herzsport, Sport bei Diabetes) Großsporthalle Zündorf
info@tv-wahn.de

 

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