St. Michael (Niederzündorf)
Historie

Eine der beiden ältesten Gotteshäuser im Bezirk Porz ist die heutige Kirche St. Michael in Zündorf im Burgweg. Aus dem Jahr 1008 ist eine Schenkungsurkunde zu einer Kirche in Zündorf erhalten, 1155 werden in Aufzeichnungen dann zwei Kirchen erwähnt. Ob nun diese Kirche in Niederzündorf oder St. Martin in Oberzündorf die ältere Kirche ist, bleibt noch zu beweisen.
Ein hölzerner Maueranker der bis zum benachbarten Kirchenneubau 1897 St. Mariä Geburt genannten Kirche wurde 1993 näher untersucht und in den Zeitraum 1020-1040 datiert. In der Kirche sind römische Spoilen verbaut und es wurden Grabsteine aus dem 10./11. Jahrhundert gefunden. Ursprünglich wurde das Bauwerk als kleine Saalkapelle mit abgetrennter Grabkapelle für die Herren von Zündorf angelegt. Der im 12./13. Jahrhundert über der Südwestecke des Langhauses errichtete Westturm ruht auf drei nach aussen sichtbaren eigenen Strebepfeilern. Ergänzt wurde der Bau sodann um ein Seitenschiff mit im Laufe der Zeit mehrfach veränderten Fensteröffnungen. Um 1300 lag das Patronat bei St. Severin, Köln.
1690 ließ der damalige Pastor Wilhelm Dackweiler die Kirche renovieren und vergrößern. Es entstand der dreiseitige Chor und das nördlich Seitenschiff mit Sakristei[1]. 1692 wurde eine Kapelle ("Chörchen") angebaut. Am 12.12.1702 plünderten Fanzosen die Kirche, der inzwischen Greise Pastor erhielt in seinem Hause "einen Schuß durch Brust und Schulter". 1704 wurde Tilman Stegh sein Nachfolger und war bis in das Jahr 1731 im Amt. Er ließ 1712 gemeinsam mit seinem Kirchenmeister Wilhelm Quotteusch das Kirchenschiff erneuern. Auf dem Kirchhof errichtete er 1720 ein hohes Steinkreuz mit dem Hauszeichen der Stegs und lateinischen Inschriften. Sie besagen: "Gedenkt meiner, des Tilmanus Stegh. Im Jahr 1720 haben dieses Kreuz zu Ehren Jesu des Gekreuzigten und der seligen Jungfrau Maria errichtet Herr Tilmannus Stegh aus Mülheim, Pastor in Nieder-Zündorf und Jakobus Stegh, Catharina Herwegh, Eltern und Brüder und Schwestern, dero Seelen Gott Gnade."[2] 1726 stifteten die Eltern des Pfarrers ein Altar für die Kirche.
Im Jahr 1897 verlor die Kirche ihre Hauptfunktion durch die Einweihung der neuen benachbarten Pfarrkirche St. Mariä Geburt, im Jahr 1906 wurde das Seitenschiff abgebrochen.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Kirche im Februar 1945 durch die Reichswehr beschlagnahmt und als Behelfslazarett genutzt.
In den Jahren 1993/94 wurde eine notwenige Sanierung durchgeführt und mit verschiedenen Restaurierungen verbunden. Die Kirche war um 1990 als Station 4.11 Teil des Kulturpfad Porz.
Heutige Ausstattung
Kalksteinrelief mit Darstellung eines Weinstocks aus dem 8./9. Jahrhundert, zwischenzeitlich im Innenraum vermauert. Zahlreiche ältere vermauerte Grabsteine.
Quellen, Literatur und Links zur Vertiefung
Ristow, Sebastian: Neues zu St. Michael in Zündorf. In: Rechtsrheinisches Köln 37/38.2012
porzer-rheinkirchen.de