Rathaus Porz
Verlagerung an den Rhein

Seit dem Jahr 1808 gehörte das Dorf Porz zur Gemeinde Heumar im Landkreis Mülheim. Erst im Rahmen der Industrialisierung gewann Porz rapide an Bedeutung. Denn das Dorf hielt große Nutzflächen bereit und war durch den Rhein und die 1874 eröffnete Eisenbahntrasse auch verkehrlich sehr gut angebunden. Die Bürgermeister in den ländlichen Regionen hatten im 19. Jahrhundert keine öffentlichen Amtsgebäude, sie walteten ihres Amtes von ihren eigenen Höfen aus. Während der bis 1875 tätige Heumarer Bürgermeister Bernhard Sternenberg aus Urbach kam, besaß sein Nachfolger Martin Jacobs (1818-1889) einen Hof an der Uferstraße in Porz. Damit verlagerte sich der Amtssitz eines Bürgermeisters erstmals nach Porz an den Rhein, wo er seitdem auch verblieb. Die damals genutzten Gebäude an der damaligen Uferstraße (entspräche heute Friedrich-Ebert-Ufer 82, 80 und 76) stehen heute nicht mehr. Das Haus Nr. 76 wurde ab etwa 1886 angemietet, es gehörte der Familie Kessel. Das Bürgermeisteramt hatte drei Geschosse und lag unmittelbar nördlich des Gasthauses Schmitz, dem späteren Kölner Hof. Im Erdgeschoss befanden sich drei Schulräume der sogenannten "Kleinen Schule", im Obergeschoss die Bürgermeisterei.
Die Gemeindekasse hingegen wurde im Haus Hauptstraße 68 (Haus Bennauer, wäre heute Höhe 380-382) verwaltet, hier befand sich ab 1902 auch eine Zweigstelle der Kreissparkasse Mülheim. Nach dem Tod von Martin Jacobs im Juni 1889 füllte das Amt den jeweiligen Bürgermeister hauptamtlich aus. Sein Nachfolger Theodor Josef Ernst blieb in den Räumlichkeiten in der damalige Uferstraße 53. Mit dem Wachstum der Gemeinde wurden die Räume zu klein, daher lagerte man im September 1905 das Polizei-, das Bau- und das Meldeamt in das Gebäude Uferstraße 80 aus. Im Herbst 1905 gründete sich eine fünfköpfige Kommission mit der Aufgabe, den Bau oder Ankauf eines Gemeindehauses vorzubereiten.
Im Jahr 1907 verlegte der neu gewählte Bürgermeister Rudolf Lütz (1872-1931, im Amt 1907-1919) ab 26.6.1907 seinen Sitz in die angemietete Villa Bellona, damals Hauptstraße 19, gegenüber der Einmündung Mühlenstraße. Auch das Polizeiamt zog hier ein. Bereits zwei Jahre später war auch der Platz in der Villa Bellona nicht mehr ausreichend. Zu dieser Zeit zahlte die Gemeinde jährlich für ihre Räume 1.000 Mark Miete. 1910 wurde das frühere, angemietete Bürgermeisteramt an einen Kölner verkauft, der hier eine Villa errichten wollte.
Das neue Rathaus
Errichtung



1909 beschloss der Gemeinderat einen repräsentativen Neubau am Rhein direkt Vis-a-Vis der erst 1907 installierten ersten Dampfboote-Anlegebrücke von Porz. Eiun Teil des Grundstücks gehörte vorher den Erben Zündorf, ein anderer war "Teil des Heinrich'schen Besitzes". Auf dem Grundstück befanden sich zwei kleinere ältere Bauten der genannten Eigentümer, eines wurde von der Rasierstube Huß genutzt. Als Architekt und Baumeister wurde der Regierungsbaumeister Carl Moritz verpflichtet. Er errichtete zum Preis von 75.000 Reichsmark einen siebenachsigen, dreigeschossigen Bau mit einem großen Turm samt Turmuhr und Arkaden im Erdgeschoss. Die Maße lauteten 22,45 Meter mal 13 Meter mit einem 26 Meter hohen Turm. Um es noch mehr hervorzuheben, hat man das Gebäude drei Meter vor die Flucht der übrigen Häuser gesetzt. Die Adresse lautete damals Uferstraße 24 (heute Friedrich-Ebert-Ufer 64-70).
Für die Ausstattung des Gebäudes stifteten Porzer Unternehmen Zuwendungen im Wert von über 10.000 Mark: Die Spiegelglaswerke Germania das gesamte Spiegelglas. der Fabrikant Peter Mülhens, damals auch Beigeordneter im Heumarer Gemeinderat, für den Sitzungssaal die ledergepolsterten schweren Eichenstühle, die mit grünem Tuch bezogenen Tische sowie ein großes Bild Kaiser Wilhelms II[1]. Max Meirowsky gab 1400 Reichsmark für die Turmuhr, die Firmen Zilkens, Baumeister & Co sowie Rheinische Wasserwerke je 1.000 Reichsmark für die Innenausstattung. Wieneke & Co gaben 800 Mark für ein Treppenhausfenster in Buntverglasung, die Rheinischen Portlandzementwerke sowie Privatpersonen Gelder zur Ausmalung des Sitzungssaals und die Firma Dülken die Mittel zur Einrichtung des Bürgermeister-Amtszimmers[2]
In den Bau integriert war im zweiten Stock auch die Dienstwohnung des Bürgermeisters mit sechs Zimmern. Als Dienststelllen zogen am 1. Juli 1910 neben der Bürgermeisterei die Meldebehörde, die Polizei, das Standesamt, das Steueramt, das Schulamt, das Wohlfahrtsamt und die Gemeindekasse ein. Zudem auch die frisch gegründete Sparkasse der Gemeinde Heumar. Unmittelbar links und rechts neben dem Bauwerk rahmten noch viele Jahre zwei alte einstöckige kleine Häuser das neue Rathaus ein. Bereits um 1920 erschien das Rathaus für die wachsende Verwaltung zu klein, in den Folgejahren bezogen Bauamt und Meldeamt das Nachbargebäude Uferstraße 28.
In den Jahren 1928/29 fusionierten die Gemeinden Heumar und Wahn zur Gemeinde Porz, was noch mehr Aufgaben und Platzbedarf mit sich brachte. Dennoch wurde in den folgenden Jahrzehnten keine Erweiterung vorgenommen.
Allerdings gab es in den Jahren 1940/41 - die Adresse lautete nun Adolf-Hitler-Ufer - konkrekte Planungen für eine Rathaus-Erweiterung. Hierzu wurde nicht nur das benachbarte Grundstück Adolf-Hitler-Sraße 16 von den Erben Jakobs aufgekauft. Im Auftrag des Bürgermeisters hatte der Kölner Architekt Gierland bereits konkrete Pläne angefertigt, die auch ein Gemeinschaftshaus vorsahen. Jedoch - der Krieg hatte Vorrang, die Reichregierung verhängte einen allgemeinen Baustopp. So wurde lediglich der Runderker des Bürgermeisterzimmers durch einen über drei Fenster reichenden eckigen Erker ersetzt.
Erste Erweiterung
Die Kriegsschäden des Zweiten Weltkriegs blieben gering, das beschädigte Turmdach entstand nicht wieder in seiner ursprünglichen hohen Form mit Turmfenstern, sondern in einer deutlich schlankeren Ausführung.
Erst in den Jahren 1955/56 errichtete die Stadt Porz einen Anbau nördlich des Turms, die Nutzfläche verdreifachte sich hierdurch. Der Anbau konnte am 17. Juli 1956 eingeweiht werden, seine Errichtung kostete knapp 950.000 DM. Im obersten Stock gab es nun erstmals einen großen Ratssaal. Doch bereits 1961 waren bereits wieder etliche Teile der Stadtverwaltung aus Raumnöten ausgelagert.
Großstädtische Planungen
Ende April 1969 beschloss der Rat der Stadt Porz einstimmig die völlige Neugestaltung der Porzer Mitte. Dabei sollte das Rathaus abgerissen und durch ein 14-stöckiges Verwaltungshochhaus ersetzt werden. Stadtdirektor Rudolf Trum tönte: "Die neue City steht in drei Jahren"[3]. Die Pläne stammten vom Städtplaner Heinz Zimmermmann, der bereits auch eine Tieferlegung der Hauptstraße mit Brückenbebauung vorschlug. Doch die Stadt lobte zunächst einen Architektenwettbewerb aus. Zum Gewinner wurde der Architekt und Hochschullehrer Harald Deilmann bestimmt, der in den nächsten Jahren über 1,5 Millionen DM mit Planungen für ein Rathaus verdienen sollte, das so nie gebaut wurde. Er hatte in einem Vorentwurf ein terassenförmiges großes Verwaltungsgebäude mit Erwachsenbildungszentrum skizziert. Daraufhin gab der Rat im März 1971 grünes Licht für den Architektenvertrag und legte den 15. April 1972 für den ersten Spatenstich fest. Die SPD-Mehrheit und die CDU-Minderheit stritten sich nur um die Größe - die SPD wünschte Arbeitsplätze für 430 Verwaltungsmitarbeiter, die CDU für 500.[4]. Im Februar 1972 wurde für das südliche Nachbarareal zudem der Bau eines Hotel- und Kongreßzentrums vertraglich mit einer Baugesellschaft vereinbart, die dort ein 13-stöckiges Hotel errichten wollte. Aber bis 1974 hatte sich für das Rathaus noch nichts entschieden, erst dann unterzeichnete die Stadt einen Vertrag mit der Bayerischen Hausbau, man rechnete mit dem Baubeginn noch 1974[5].
1976 ist es dann die Stadt Köln, die das historische Rathaus gegen die Pläne der Porzer Politik rettet. Wie für die gesamte Innenstadtplanung - Kölns Hochbaudezernent Becker: "Altes muss auch erhalten bleiben. Wir können doch nicht alle in der City wohnenden Bürger vertreiben." - so gelte auch für das Rathaus: Es habe "der alte Bau inzwischen einen historischen Wert. Wenn man das Rathaus abreiße, (...) vernichte man auch damit auch die Historie der ehemals selbständigen Stadt und des ehemaligen Rates."[6] Ein damals für die Porzer völlig neuer Gedanke! Der nun von der Bezirksvertretung beschlossene Neubau der Carl-Stamitz-Musikschule auf dem Brückenbauwerk[7] wurde dann aber ebenso wenig realisiert wie die kurz erwogene Eishalle.
Zweite Erweiterung
In der Folge überarbeitete Architekt Deilmann seine Planung nach der Eingemeindung aufgrund Kölner Vorgaben ab Ende 1974 erheblich, nun wurde nur noch für 250 Bedienstete geplant. Das alte Rathaus blieb den Porzern dabei erhalten, aber der Rathauspark, bereits durch die Tieferlegung der Hauptstraße vieler alter Bäume beraubt, verschwand vollständig. Im März 1980 war der Baubeginn für die neuen Gebäude im Süden und Osten. Die Einweihung am 26. Februar 1983 eröffnete nicht nur weitere Räume für die Verwaltung, sondern auch einen Rathaussaal mit großer Bühne sowie Räume für die Stadtbibiliothek Porz und die Volkshochschule, nicht aber für die heimatkundliche Sammlung von Porz. Die Stadtbibliothek war bis dahin in den Räumen der bereits genannten Villa Bellona untergebracht, diese wurde nach dem Auszug abgerissen. Ersatzlos verloren durch die Überbauung ging der bisherige Rahauspark mit seinen Bänken, Blumenrabatten und der Brunnenanlage. Er erstreckte sich bis dahin direkt östlich des Rathauses nahezu bis zur Hauptstraße.
Quellen, Literatur und Links
"Das neue Rathaus in Porz". Porz-Urbacher Volksblatt v. 10.8.1909
Knott, Wilhelm: Das Dorf Porz vor 1900. In: Unser Porz 2.1961.
Huck, Jürgen: Porzer Rathaus 1910-2010. In: Rechtsrheinisches Köln 36.2011.
- ↑ Das Bild mit einem Wert von 3000 Mark in 1910 soll Mülhens in den Revolutionswochen 1918 wieder an sich genommen haben.
- ↑ vgl. Porz-Urbacher Volksblatt v. 4.6.1910.
- ↑ vgl. KStA Porz v. 1.5.1969. Durch den Bebauungsplan 66/I trat sofort eine Veränderungssperre für das Zentrum in Kraft. Die Innenstadt wurde für nahezu 15 Jahre eine unfertige Baustelle, viele Bewohner mußten aus ihren Innenstadt-Wohnungen weichen, historische solide Bausubstanz aus den Gründerjahren, teilweise mit Jugendstilornamenten geschmückt, wurde in den Folgejahren weggerissen.
- ↑ vgl. KStA Porz v. 12.3.1971 (mit Skizze).
- ↑ vgl. KStA Porz v. 24.8.1974.
- ↑ Zitate aus KStA Porz v. 3.7.1976.
- ↑ vgl. KStA Porz v. 24.9.1976.