Gut Leidenhausen

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Frühgeschichte[Bearbeiten]

Westlich des Königsforstes und unmittelbar am historischen Mauspfad gelegen entstand vor dem 13. Jahrhundert das Gut Leidenhausen, auch als Gut Leydenhausen bei Urbach bezeichnet. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war es als Rittersitz im Besitz der Abtei Deutz als Lehen der Familie von Volmerstein gegeben, die es unterverlehnte (afterverlehnte); sie hatte als Lehen auch den Kirchenhof in Urbach. Ein früher Unterlehnsherr war wohl um 1306 "Remoldus de Leyehusen", um 1329 der Chorherr Hermann von Deutz (+1365), danach Dethmarus von Altena. Zu dieser Zeit bewohnte ein Ritter Pelegrinus von Deutz das damals wohl mit einem Wassergraben umgebene Gutshaus[1]. Die adeligen Eigentümer wechselten sodann im Lauf der Jahrhunderte, selten hat ein Sproß dieser Familien hier auch gewohnt. Im 15. Jahrhundert besaßen die Edlen von Reichersheim genannt Krümmel das Gut, um 1550 war Peter von Bellinghausen (+1591), ein Adeliger aus dem Oberbergischen, der Eigentümer. Sein Sohn und Erbe Wilhelm, Amtmann in (Wuppertal-)Beyenburg, wählte das Haus Leidenhausen als Adelssitz[2]. Eine Erbin, Helene von Bellinghausen, heiratete um 1612 Georg von Hatzfeld-Wildenburg (+1636) und brachte den Rittersitz Leidenhausen als Heiratsgut in die Ehe ein. 1653 ist das Gut in Besitz der Geschwister Bruno, Wilhelm und Anna Maria von Hatzfeld, es umfasste zu diesem Zeitpunkt 140 Morgen Land (35 ha), 300 Morgen Busch (75 ha) und 12 Morgen Wiesen (3 ha) eingeschlossen Fischerei und Jagdgerechtigkeit. 1674 verkauft Anna Maria von Hatzfeld ihre Hälfte des freiadeligen Rittersitzes Leidenhausen an Ferdinand Freiherr von und zu Weichs (1624-1679) und seiner Frau Juliana Adolpha Sophia von Morien (1625-1670) für 2500 Reichstaler. Die andere Hälfte gehörte ihrem Bruder Wilhelm und wurde 1691 an die Freiherren von Weichs verkauft. Nach mehreren Erbgängen übernahm 1730 Johann Friedrich Freiherr von Weichs zu Rösberg das Gut. Er war auch der Stifter des Bildstocks aus dem Jahr 1756, der noch heute am westlichen Weg vor dem Gut steht. Danach ging das Gut an Ferdinand Joseph von Weichs, der auch kurkölnischer Oberjägermeister war. Sein Sohn Clemens August Freiherr von Weichs (1731-1809) übernahm 1763 die Verwaltung des Guts und schloß dazu mit seinem Vater einen Vertrag. Das Gut wird ab ca. 1700 von wechselnden Pächtern bewirtschaftet. Bereits um 1763 und dann fast 140 Jahre war die Familie Marx - zuerst Johann Marx (1737-1810) und seine Frau Catharina Limbach (+1768) - Halbwinner des Gutes. Als die Franzosen 1796 im Porzer Raum ihr Lager aufschlugen, erlitt die Familie einen Verlust von 12.375 Talern an Geld, Früchten, Vieh und Hausrat.[3]

Kölnische Zeitung v. 31.7.1836

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Um 1803 bauten Clemens August und seine Ehefrau Auguste Clementine von Steinen zu Scherffen das heutige Herrenhaus um. Sie errichteten auch neue Nebengebäude und brachten über der Eingangstür zum Wohnhaus ihr Ehewappen an. Das Haus erhielt in der damals stattfindenden Häuseraufnahme die Nr. 55 im Dorf Eil. [4] Im Erbgang hatte dann der Freiherr Max Friedrich Joseph von und zu Weichs-Glahn (1769-1834), wohnhaft auf Schloss Rösberg, das Gut erhalten. Als er verstarb, hinterließ er den Besitz seinem noch minderjährigen Neffen Wilhelm zu Weichs-Rösberg. Dessen Vater verkaufte als gesetzlicher Vormund das Gut im Oktober 1836. Zu dieser Zeit umfasste dieser landtagsfähige Rittersitz über 627 Morgen Ackerland, Garten, Wiesen, Holzung und Heide und hatte mit seinen Gebäuden insgesamt einen taxierten Wert von 13.500 Talern. Das Gut besaß inzwischen auch die hohe und die niedere Jagdgerechtigkeit. Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts waren inzwischen Johann Marx (1777-1863) sowie dessen Ehefrau Cathrin, geb. Hamm (1792-1863) die Pächter. Auch der Bruder Bertram Marx (1782-1864) lebte auf dem Gut.

Neuer Eigentümer wurde 1837 der Ritterhauptmann Graf Richard von Mirbach zu Harff (1810-1853), das Gut erbte dann Johann Wilhelm Graf von Mirbach-Harff (*1842), nach dessen Tod ging dieser Besitz an seinen Bruder Ernst Graf von Mirbach-Harff (+1901) über. Die Familie kaufte weitere Flächen zu, wodurch der Grundbesitz des Gutes zeitweilig auf bis zu 1.810 Morgen anwuchs. Zu dieser Zeit wurde das Gut Schloss Harff genannt. Ab 1845 nahm Max Marx (1827-1896) unterschiedlichste forstmännische und aufseherische Aufgaben wahr und wurde nach dem Tod seine Vaters neuer Pächter.[5] Marx führte die Berufsbezeichnungen Gräflicher Forstverwalter, ab 1865 auch Direktor der Lokalabteilung des Landwirtschaftlichen Vereins[6], schließlich auch Ökonom. Eine Flurkarte aus dem Jahr 1885 zeigt: Die zugehörigen großen Waldflächen befanden sich östlich des Mauspfades und reichten tief in die Wahner Heide bis an die Grenze zur Bürgermeisterei Rösrath, die Felder lagen westlich und südlich des Gutes, sie reichten südwestlich entlang des Mauspfads in einem schmalen Streifen bis zur heutigen Waldstraße. Schon kurz vor dem Tod von Max Marx zeigten sich Unklarheiten und Unstimmigkeiten in den Rechnungslegungen gegenüber den Besitzern. Daher wurde der Familie Marx nach seinem Tod nicht nur 1898 der Pachtvertrag gekündigt, aufgrund hoher Forderungen erfolgte zudem die Versteigerung des gesamten Erbes.

Veränderungen im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Pacht des Gutes ging 1898 auf die Familie Theodor Frenger über. Der Gutsbesitzer war auch Vorsitzender des Kirchbau-Vereins für die neue Eiler Kirche. Ab 1915 war Carl Brömme Pächter. Zwischenzeitlich erweiterte sich der Wahner Schießplatz durch die preußische Militärverwaltung nach Norden und Osten. Beschafft wurden die notwendigen Flächen durch Aufkäufe, aber auch durch Enteignung. So verkaufte der Besitzer Graf Theodor von Mirbach-Harff den Großteil seiner Waldflächen an das Militär, das Gut wurde mehr und mehr zum rein landwirtschaftlichen Betrieb. Der Graf verkaufte schließlich 1927 das Gut und 1.040 Morgen Wald, Wiesen und Ackerland für rund 370.000 Reichsmark an Peter Mühlens (1875-1945), seit 1909 Eigner des benachbarten ursprünglichen Rittergutes Röttgen. Mühlens nutzte die Liegenschaft als Wirtschaftshof für sein 1924 gegründetes Gestüt, kündigte dem Pächter Brömme 1929 und baute hier in den 1930er Jahren ein zweigeschossiges Torbauwerk, Stallungen und eine Scheune. Das Gut erhielt so seine heutige geschlossene Form.

1963 verkaufte die Tochter Maria Mehl-Mühlens das Gut und die verbliebenen zugehörigen, zumeist landwirtschaftlichen Flächen an die Stadt Köln, obgleich das Areal eigentlich im Ortsteil Eil der damaligen Stadt Porz lag. Der Kaufpreis lag bei rund 13,8 Millionen DM für das 170 Hektar große Gelände. Köln verfolgte damit auch raumbezogen-ökonomische Ziele, die auf deutliche Kritik der Nachbargemeinden stießen. Selbst der Kölner Regierungspräsident rügte öffentlich den Kauf[7]. Mit dem Verkauf pachtete die Familie Mehl-Mühlens langfristig die vor 1945 begonnene, aber erst in den Jahren 1951/52 fertiggestellte 2100 Meter lange Trainingsbahn für ihre Rennpferde. Sie wird bis in die Gegenwart über einen speziellen Zuweg, der den Hirschgraben Ampel-gesichert quert, für Trainingszwecke genutzt. Zwischen Trainingsbahn und Waldstraße verläuft der Kurtenwaldbach. Der 11,5 km lange Kurtenwaldbach entspringt in Rösrath-Forsbach und versickert in der Umgebung des von ihm gebildeten kleinen Teiches innerhalb des Leidenhausener Trainingsbahn-Rings.

Die Stadt Köln gestaltete das Gut in den folgenden Jahrzehnten zu einem Erholungsgebiet um. Landwirtschaftliche Flächen wurden aufgeforstet und es entstanden bereits in den 1960er Jahren Wildgatter für Rotwild und Wildschweine. Aus einer 1967 angelegten Greifvogelpflegestation entwickelte sich die im April 1972 eröffnete öffentlich zugängliche Greifvogel-Schutzstation. Als die Stadt Köln diese Aufgabe im Jahr 1994 nicht mehr finanzieren konnte, ging die Trägerschaft auf die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. über. Seit 2011 finanziert sich die Einrichtung auch über die Vergabe von Tierpatenschaften.

1977 gab es erste Impulse zur Errichtung eines Naturmuseums und zur Durchführung von Waldlehrveranstaltungen. Zu Beginn der 1980er Jahre wurden Grünflächen angelegt und Waldflächen aufgeforstet, 1982 entstand ein Spielplatz mit einer künstlichen Düne und einem Lärmschutzwall. 1986 wurde das Mauerwerk des Gutes restauriert. Inzwischen haben sich sechs naturorientierte Vereine auf Gut Leidenhausen angesiedelt, zudem ist ein Umweltbildungszentrum und eine Ausstellungsfläche entstanden, es gibt ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm und ein Café in der Hofanlage Lindenhof. In der Hofanlage Eichenhof hält auch ein Anruf-Sammeltaxi der KVB. Parkplätze sind an den Straßen Hirschgraben und Grengeler Mauspfad (gegenüber Einmündung Hirschgraben) zu finden. Gut Leidenhausen ist auch eines der vier Portale für die Wahner Heide. Das Gut Leidenhausen war auf dem Kulturpfad Porz die Station 1.12

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

von Zuccalmaglio, Vincenz: Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim a.R., 1846
Panofsky-Soergel, Gerda: Die Denkmäler des Reinlandes. 1974
Krix, Benno: Gut Leidenhausen. Vom Rittersitz zum städtischen Umweltbildungszentrum. Köln 2021.
Website Gut Leidenhausen mit geschichtlichem Abriss (Link)

  1. Recke von Volmerstein, Albert: Lehndienst und adelige Wirtschaftsführung im Spätmittelalter. Heidelberg 2003, S. 104.
  2. Bellinghaus, Peter: Bellinghausen. (o.J.)
  3. vgl. Bericht im Mülheim-Sieger Kreisblatt v. 5.9.1855.
  4. vgl. L'Obersateur v. 11.1.1809.
  5. Er heiratete 1863 Therese Weiser aus Oberzündorf. Nach deren frühen Tod war er in zweiter Ehe mit Camilla Renner, Tochter des Rittergutsbesitzer Joseph Renner vom Haus Broich in Spich, verheiratet. Marx kam zu erheblichem eigenen Grundbesitz, vgl. die Aufstellung in Rheinischer Merkur v. 17.9.1898.
  6. Die Lokalabteilung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen erstreckte sich auf die Kreise Mülheim und Bensberg. Direktor, später Gauleiter blieb M. Marx knapp 30 Jahre.
  7. Während die Stadt Porz fürchtete, Köln wolle mit den Flächen den Flughafen weiter ausbauen, erklärte OStD Max Adenauer im Kölner Stadtanzeiger, Köln wolle vermeiden 'daß weite Flächen für industrielle Zwecke verwendet würden und die Abgase Kölns Luft beeinträchtigen'. Zit. n. Reuber, Paul: Raumbezogene Konflikte. Stuttgart 1999, S. 187