Diskussion:Jüdische Gemeinde
Text von Hans Burgwinkel (wird noch in das Wiki eigearbeitet):
In der Nazizeit nahm die Anzahl der Juden in Zündorf infolge Untertauchen und Auswanderung stark ab
In der ‘Reichskristallnacht warfen aufgehetzte Menschen die Schaufenster des Zündorfer Metzgers Albert Salomon in Scherben. Er war vollkommen in die Dorfgemeinde aufgenommen und war hier auch im Kegelclub (Boley)
Aufgrund all dieser Umstände konnte die Synagoge nicht mehr gehalten werden und die Zündorfer Judengemeinde bot sie - wie einige Quellen behaupten – „freiwillig“ zum Kauf an. – was ich persönlich stark bezweifle.
In einem bemerkenswerten Projekt des MKG Wahn (Maximilian-Kolbe-Gymnasium Köln-Porz-Wahn) über den jüdischen Friedhof in Zündorf werden auch weitere Aspekte des jüdischen Lebens in Porz, insbesondere in Zündorf beleuchtet und dokumentiert. Über den Verkauf der Synagoge heißt es :
Die Lebensverhältnisse der jüdischen Bevölkerung in Porz verschlechterten sich mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen am 28.3.1938, dass diesen und ihren Verbänden die Stellung von Körperschaften des öffentlichen Rechts entzog. In Porz mussten die Lebensverhältnisse allerdings so schlecht gewesen sein, dass sogar die Synagoge bereits am 9.2.1938 vor dem Inkrafttreten verkauft werden musste.
Am 29.11.1937 schreibt die Synagogengemeinde an Herrn Peter Scheidt, dass sie „unter Bezug auf die gestrige Unterredung“ bereit ist, die Synagoge in Zündorf für 800 Mark an ihn zu verkaufen u.a. unter den Bedingungen, dass die zum Garten des Herrn Salomon gelegenen Fenster zugemauert werden und vor allem dass auch im Falle von Weiterveräußerungen dort niemals Viehställe angelegt werden dürfen.
Allerdings soll sich Salomon lange massiv gegen den Verkauf bzw. die Umwandlung in ein Wohnhaus gewehrt haben…Zunächst persönlich, später nur noch über seine Schwester (?).
Er hatte sich seit langen massiv mit den Behörden angelegt – vielleicht dachte er, ihm könne nichts passieren, da er viel Grundbesitz – wahrscheinlich auch außerhalb von Köln – und Einfluss hatte (wird noch ergänzt… Quellen und Unterlagen finde ich zur Zeit nicht mehr..)
Im zweiten Weltkrieg und nach dem zweiten Weltkrieg scheinen Nachbarn das Grundstück Marktstr. 7 – mit oder ohne Einwilligung der jüdischen Erben – für ihre eigenen Zwecke genutzt zu haben. So wurde z.B. der Garten von drei Parteien „teilprivatisiert“, sodaß erst lange Zeit nach dem Kauf in Gerichts- und Vermessungsverfahren die wahren / ursprünglichen Eigentumsverhältnisse wiederhergestellt wurden. Ob die beteiligten Eigentümer die Wahrheit kannten oder gutgläubig auf Eigentumsrechte – woher auch immer – pochten, kann ich nicht mehr nachvollziehen, da meine Eltern die entsprechenden Unterlagen vernichtet haben. Sie wollten nicht mehr an die unglückseligen Streitereien erinnert werden und sie sollten auch nicht mehr hochkochen, da die „Urheber“ inzwischen verstorben waren und mit ihren – vollkommen unbeteiligten - Nachkommen in der Nachbarschaft wieder Frieden herrschte.
In Fortsetzung alter Traditionen konnte der nebenanliegende landwirtschaftliche Kleinbetrieb noch bis 1956 die alten Ställe nutzen. Es war in Zündorf üblich gewesen, dass Juden Vieh zum Mästen an Zündorfer vergaben und später schlachteten.
Der im Hof gelegene Brunnen sicherte – nach Angaben von Nachbarn - während des zweiten Weltkriegs neben einem zweiten Brunnen am oder im alten Brauhaus an der Westfeldsgasse die Trinkwasserversorgung in Alt-Zündorf, nachdem das öffentliche Netz zusammengebrochen war.