Bahnhofstraße 2
Heute steht in Porz direkt am Rhein, der Bahnhofstraße gegenüber, ein Restaurant, dessen flaches Gebäude eher neu erscheint. Doch dieses Restaurant hat als Gasthaus seinen Ursprung in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Gasthaus Unkel
Die Geschichte begann (?) mit Franz Unkel. Er wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunders in Porz geboren und führte gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth, geb. Koersgen (*1788) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Hof und ein Gasthaus im Oberdorf von Porz an der Uferstraße. Er besaß Ackerflächen im Flurstück "Hensort", im Jahr 1840 pachtete er zudem Ackerland bei Porz von Christian Finkelberg. Die meisten Lebensdaten des Ehepaars sind noch unbekannt, 1855 wird Franz Unkel in einer Auflistung der Wirte der Bürgermeisterei Heumar erwähnt. Sie hatten einen Sohn Adam und eine Tochter Anna Maria.
Gasthaus Kraus
Ihre Tochter Anna Maria Unkel (1829-1887) heiratete um 1850 Johann Peter Kraus aus Spich. Das Ehepaar wohnte in Porz und führte Hof und Gasthaus ab ca. 1856 in zweiter Generation unter der Adresse Porz Nr. 32 an der Uferstraße fort. Das zur Hofanlage gehörende Grundstück erstreckte sich längs der Uferstraße und wurde durch einen Weg zur Hauptstraße hin unterbrochen. Dies ist der Anfang der heutigen Bahnhofstraße, damals nach dem Grundbesitzer Krausergasse genannt. Doch Johann Peter starb früh (vermutlich bereits 1856) und so verheiratete sich die 37-jährige Anna Maria im Jahr 1866 in zweiter Ehe mit Wilhelm Kraus (1833-1894). Danach wurde der kleine Bauernhof von den Porzern Kraushof genannt. Anna Maria starb im Jahr 1887, als Wilhelm 54 Jahre alt war. Er verheiratete sich im Jahr 1982 erneut. Der Vater seiner zweiten Frau Elisabeth Unkel (*1856) war Adam Unkel, Elisabeth somit die Nichte von Anna Maria. Die Ehe bestand nur zwei Jahre, dann starb Wilhelm. Elisabeth führte zwei Jahre Hof und Gasthaus alleine. Im Oktober 1896 brach unter ihrem Rindviehbestand der Milzbrand aus.
Gasthaus Meis
Dann heiratete sie Ende 1896 erneut, und zwar den Stellmacher Mathias Meis (1869-1913) aus Eil. So wurde Mathias Meis zum neuen Gastwirt in einem alten einstöckigen Gebäude mit wenigen Fenstern, das Teil der Hofanlage war.

Die Gastwirtschaft war zunächst nur ein Wirtschaftszweig des Ehepaars. Doch die Landwirtschaft wurde wohl immer unwichtiger, bis sich das Ehepaar Meis Ende September 1898 von ihr trennte. Die Äcker in Porz, Eil und Ensen wurden auf neun Jahre verpachtet, das Pferd, zwei Kühe, ein junger Stier, ein Rind, "ferner Ackergeräthschaften aller Art" meistbietend versteigert[1].
Vermutlich im Jahr 1899 baute das Ehepaar an der gegenüberliegenden Ecke unter der späteren Adresse Bahnhofstraße 2 ein neues und deutlich größeres Gebäude. Im Mai 1903 inserierte Meis sodann einen "gutgehenden Gasthof modern gebaut" für 64.000 Mark. Inserate im Porz-Urbacher Volksblatt werben im November und Dezember 1903 auch für Menschenausstellungen: "der kleinste Mann der Welt mit Riesenvollbart" (25.11.); "der 3 1/2 jährige (...), der ohne Hände und Füße geboren wurde" (12.12.). Im März 1904 wurde Meis noch als Gastwirt genannt, zudem wurden in seinem Gasthaus zwei Säle erwähnt, davon einer im ersten Stock.
Mathias Meis war auch als Fuhrunternehmer mit angestellten Fuhrknechten tätig, zudem betrieb er erfolgreich eine Ziegelei. Im Jahr 1905 ließ er in der späteren Friedrichstraße für seine Ziegeleiarbeiter ein Wohnhaus (Flur 2, 257/149) errrichten. Er gehörte dem Kameradschaftlichen Kriegerverein als Kassenwart und dem kath. Kirchenbauverein an. Zudem blieb er weiterhin "Präsident" der "Lotteriegesellschaft Rheinecke".



Gasthof Zur Rheinecke
Ab April 1904 wurde das Gasthaus von Peter Höcks geführt, der den Namen "Zur Rheinecke" übernahm. Doch seine Zeit als Gastwirt dauerte kein Jahr. Im März 1905 wurden Michael Winzen (1866-1927) und seine Frau Katharina, geb. Weinecke (1868-1939)[2] als neue Gastleute genannt. Im Jahr 1907 zeigte sich die strategisch günstige Lage des für seine Zeit sehr repräsentativen zweistöckigen "Gasthof zur Rheinecke. Denn er lag nun direkt am Anfang der Rampe hinab zur neu geschaffenen Dampfer-Anlegebrücke. Eine entsprechende Ansichtskarte ließ Winzen daher auch bald nach Eröffnung dieser Anlegebrücke herstellen. Im Mai 1909 eröffnete Winzen zudem auf der gegenüberliegenden Straßenseite oberhalb des Leinpfads seine Glashalle auf hohen Pfeilern am Rheinufer (heute Nr. 49) mit umlaufender Terrasse. Nach dem Tod von Michael Winzen führte seine Witwe das Gasthaus weiter und ließ 1936 das Wohn- und Gasthaus umbauen und erweitern.
1938 weist eine Ansichtskarte dann den Schwiegersohn Artur Meisen als Eigentümer aus und zeigt zudem ein großes Gesellschaftszimmer. Er war der Ehemann von Sophie Meisen, geborene Winzen. 1947 ließ Meisen einen Saal in der Gastwirtschaft instandsetzen, wenige Jahre später starb er.
Stadtschenke / Casablanca
Sophie Meisen führte das Lokal nun gemeinsam mit Josef Schmitz (früher Kölner Hof) unter dem neuen Namen Stadtschenke weiter, später dann mit Max Gliemroth. Der Pavillon diente zu dieser Zeit auch als Tanzsaal Casablanca.
Bürogebäude / Rheinblick
Erst um das Jahr 2000 wurden die Gasträume in Büroräume umgebaut, Zunächst zog ein Büromaschinen-Händler hier ein. Am Standort des Pavillons wurde hingegen die Tradition der Bewirtung fortgeführt. Unter der Adresse Friedrich-Ebert-Ufer 49 hat sich dort nach einigen Umbauten seit 2008 der Rheinblick in Porz etabliert.
Inhaber/Pächter
Gasthaus
- ca. 1815 - Franz Unkel und Elisabeth, geb. Koersgen
- ca. 1850 - 1864 Johann Peter Kraus und Anna Maria geb. Unkel
- 1866-1887 Wilhelm Kraus und Anna Maria geb. Unkel
- 1888-1894 Wilhelm Kraus und Elisabeth geb. Unkel
- 1895-1904 Mathias Meis und Elisabeth geb. Unkel
Gasthof Zur Rheinecke
- 1904-1905: Peter Höcks
- 1905-1927: Michael Winzen (Eigner)
- 1928-1838: Katherina Winzen, geb. Weinecke (Eignerin)
- 1938 - um 1947: Artur Meisen
Stadtschenke Porz
- 1951 - nach 1960: Sophie Meisen, geb. Winzen (um 1951) und Josef Schmitz; (um 1960)
- um 1962: Max Gliemroth
Rheinblick
- 2008-2014: Jamal Mamoun
- heute: Robert Walzl
Quellen, Literatur und Links
(Text)
- ↑ vgl. Rheinischer Merkur v. 27.8.1898
- ↑ Das Grabmal der Familie Winzen findet sich auf dem Friedhof Porz.